{"id":518,"date":"2016-02-06T00:29:14","date_gmt":"2016-02-05T23:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=518"},"modified":"2016-02-07T18:39:56","modified_gmt":"2016-02-07T17:39:56","slug":"spaetwerke-zweier-romantiker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/02\/06\/spaetwerke-zweier-romantiker\/","title":{"rendered":"Sp\u00e4twerke zweier Romantiker"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em>Anl\u00e4sslich seines zweiten Semesterabschlusskonzerts f\u00fcr den Winter 2015\/16 am 1. Februar 2016 in der Gro\u00dfen Aula der Ludwig Maximilians Universit\u00e4t f\u00fchrt der Universit\u00e4tsChor M\u00fcnchen unter der Leitung Verena Eggers sp\u00e4te Chorwerke aus der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts auf. Es sind die Kantate \u201eH\u00f6r mein Bitten\u201c WoO15 (1844\/47) sowie der Psalm 42 \u201eWie der Hirsch schreiet\u201c <\/em><em>op. 42, MWV A 15 (1837\/38) von Felix Mendelssohn-Bartholdy, gefolgt von der Messe in Es-Dur D 950 von Franz Schubert. Begleitet wird der Chor vom Collegium Musicum M\u00fcnchen; Solisten sind Katja Stuber (Sopran), Florence Losseau (Alt), Roman Payer und Philip Carmichael (Ten\u00f6re) sowie Manuel Adt (Bariton).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die gr\u00f6\u00dferen Chorwerken der beiden Komponisten Schubert und Mendelssohn- Bartholdy aufzuf\u00fchren erfordert nicht nur eingehendes musikalisches Verst\u00e4ndnis und Qualifikation von Chor, Solisten und Orchester, sondern er\u00f6ffnet auch die M\u00f6glichkeit, aus der Masse der vielen Auff\u00fchrungen und Tontr\u00e4ger-Einspielungen der genannten Werke hervorzustechen. In dieser Hinsicht haben der \u00fcber 250 Mann starke Chor der LMU M\u00fcnchen und sein Stammorchester, das aus Orchesterakademisten bestehende Collegium Musicum M\u00fcnchen, im Gro\u00dfen und Ganzen betr\u00e4chtliche Arbeit geleistet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sowie das posthum ver\u00f6ffentlichte \u201eH\u00f6r mein Flehen\u201c von Mendelssohn-Bartholdy den Abend er\u00f6ffnete, erlebte man zun\u00e4chst eine souver\u00e4ne Katja Stuber, deren Stimme sich einf\u00fchlsam und mit vielseitigem Timbre in den Text f\u00fcgte. Das Orchester spielte von Beginn an sauber und mit gro\u00dfenteils ausgewogener Balance. Besonders hervorzuheben sind die Streicher, die mit dem Vibrato sehr sparsam umgingen und eine daher umso tragf\u00e4higere Klangbasis schufen. Sp\u00e4testens in der zweiten Textstrophe (\u201eDie Feinde sie droh\u00b4n und heben ihr Haupt\u201c) kam es allerdings zu leichten Problemen in der Textverst\u00e4ndlichkeit, nicht wegen des Chores, der sich trotz seiner Gr\u00f6\u00dfe zu beherrschen wusste und immer sehr genau artikulierte, sondern aufgrund des von der Dirigentin nicht im Zaum gehaltenen Orchesters, das die S\u00e4nger streckenweise glatt \u00fcbert\u00f6nte. Insgesamt aber f\u00e4llt dies trotzdem nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig ins Gewicht bei dem schn\u00f6rkellosen und stringenten Dirigierstil von Anna Verena Egger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im popul\u00e4ren Psalm 42 konnten sich alle Musiker noch mehr entfalten. So z\u00e4hlten der Eingangs- und Schlusschor (\u201eWie der Hirsch schreiet\u201c, \u201eWas betr\u00fcbst du dich, meine Seele\u201c (Reprise)) zu den sch\u00f6nsten Darstellungen des Abends. Vor allem ersterer d\u00fcrfte durch das sehr harmonische Zusammenwirken von Chor und Orchester bei vielen Zuh\u00f6rern gar f\u00fcr G\u00e4nsehaut gesorgt haben. Das Schlussst\u00fcck \u00fcberzeugte in den wohlgemessenen Achtell\u00e4ufen des Orchesters, welche den Chorhymnus polyphon begleiten. Diese klangen weder gehetzt noch an den Rand der Spielbarkeit getrieben. In den Nummern dazwischen gl\u00e4nzte immer wieder Frau Stuber, die es nach wie vor verstand, zwischen lyrischen Tonf\u00e4llen und einer dem geistlichen Werk angemessenen Dramatik der Situation zu wechseln. Gerade die Arie \u201eMeine Seele d\u00fcrstet nach Gott\u201c erhielt durch ihre Stimme und dank dem ihr angepassten Orchester viel Leben und glaubw\u00fcrdigen Ausdruck. Die einzelnen Stimmen des Chores bekamen nun auch Gelegenheit, die Fr\u00fcchte der Probenarbeit eines ganzen Semesters zu pr\u00e4sentieren. In erster Linie waren es die Soprane und Altistinnen, die ein intonationssicheres, dynamisch ausgewogenes und homogenes Klangbild erm\u00f6glichten und zumal in \u201eDenn ich wollte gern hingehen\u201c die Solistin trefflich begleiteten. Die M\u00e4nnerstimmen waren insgesamt weitgehend zufriedenstellend, h\u00e4tten aber hie und da etwas mehr aus sich herausgehen k\u00f6nnen. Vor allem die Ten\u00f6re hatten in hoher Lage einige Male ihre Probleme, was allerdings weniger in den Werken der ersten Konzerth\u00e4lfte als danach in der Schubert-Messe auffiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jedoch bestach die Darbietung dieses im Todesjahr Schuberts entstandenen Werkes durch sorgf\u00e4ltige Einstudierung und auch dadurch, dass man die musikalischen Raffinessen dieser Messe keineswegs untersch\u00e4tzte. Der Programmhefttext, worin Katharina Smiatek, Johannes Harth-Kitzerow und Felix Klossek solide \u00fcber Entstehung und wesentliche musikalische Elemente der Werke informierten, hob gelegentlich die d\u00fcsteren Stellen dieser Messe hervor. Ebenso erfuhr man auch, wie verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig umfangreich die Schlussfugen des Glorias und des Credos im Kontext der damaligen Zeit geraten sind. Jedoch entstanden nie die von Robert Schumann anhand des Finales von Schuberts gro\u00dfer C-Dur-Symphonie konstatierten \u201ehimmlischen L\u00e4ngen\u201c, da jeder einzelne Messeabschnitt dramaturgisch schl\u00fcssig und mit Hingabe musiziert wurde. Das liegt nicht nur an der eigenwilligen, symmetrisch intelligenten Wiederholungstechnik Schuberts, \u00fcber die das Programmheft auch aufkl\u00e4rt, sondern auch an der konsequent straffen, aber niemals akademisch langweiligen Leitung Frau Eggers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Fuge des Gloria enth\u00e4lt viele chromatischen Linien, die jede Chorstimme wohldosiert vortrug, ohne die Artikulation zu verschmieren. Ein geringer Wermutstropfen ergab sich im Mittelteil des Gloria, <em>Andante con moto<\/em>, in den Blechbl\u00e4sern, denen trotz ihrer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Gr\u00f6\u00dfe von je 2 H\u00f6rnern und Trompeten sowie 3 Posaunen wiederholt unterlief, den Chor an einigen Stellen zu \u00fcbert\u00f6nen. Hier muss Frau Egger mehr auf der Begleitfunktion bestehen. Im \u201eEt incarnatus est\u201c des Credos treten erstmals zwei solistische Ten\u00f6re zur Sopranistin hinzu, in diesem Fall Roman Payer und Philip Carmichael, was ein stimmiges Terzett ergab, wobei Herr Carmichael, der hier seinen einzigen Auftritt hatte, im Vergleich zu seinem Kollegen um einiges ausgereifter sang. Als weniger gl\u00fccklich erwies nach einem sch\u00f6nen Sanctus das Solistenquartett im Benedictus. W\u00e4hrend Manuel Adt eine passable Baritonstimme vorweisen kann, h\u00f6rte man von Florence Losseau als Mezzosopran schlichtweg recht wenig bis gar nichts (zumindest im hinteren Teil der Aula). Es mag daran liegen, dass sie hier von den anderen Solisten zugedeckt wurde, zumal sich ihre Lage im Agnus Dei zwar nur geringf\u00fcgig, aber merklich besserte und auch sie eine durchaus sichere Stimmf\u00fchrung bewies. Hingegen boten der Chor und das Orchester ein ausgezeichnet vorbereitetes \u201eDona nobis pacem\u201c, das sie bis zum Schluss intensiv musizierten, wobei sie gerade in dem Moment besonders diszipliniert blieben, als ein Chormitglied kurz vor Konzertende kollabierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Glaubt man dem Applaus und der allgemeinen Begeisterung, so hat der Chor, der seit 65 Jahren besteht und mit \u00e4hnlich ausgerichteten Ensembles international sehr gut vernetzt ist, zusammen mit Solisten und Orchester ein stimmiges und ereignisreiches Konzert gegeben, das trotz einiger Schw\u00e4chen \u00fcberzeugte und die Messlatte f\u00fcr das kommende Semester hoch legt.<\/p>\n<p><strong>[Peter Fr\u00f6hlich, Februar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich seines zweiten Semesterabschlusskonzerts f\u00fcr den Winter 2015\/16 am 1. 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