{"id":5217,"date":"2022-04-21T16:37:35","date_gmt":"2022-04-21T14:37:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5217"},"modified":"2022-04-21T16:37:38","modified_gmt":"2022-04-21T14:37:38","slug":"das-palazzetto-bru-zane-ehrt-camille-saint-saens-und-cesar-franck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/04\/21\/das-palazzetto-bru-zane-ehrt-camille-saint-saens-und-cesar-franck\/","title":{"rendered":"Das Palazzetto Bru Zane ehrt Camille Saint-Sa\u00ebns und C\u00e9sar Franck"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Camille Saint-Sa\u00ebns: Phryn\u00e9<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bru Zane, BZ 1047; EAN: 8 055776 01002 1<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Phryne.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Phryne.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5218\" width=\"463\" height=\"463\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Phryne.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Phryne-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Phryne-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 463px) 100vw, 463px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>C\u00e9sar Franck: S\u00e4mtliche Lieder und Duette<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bru Zane, BZ 2003; EAN: 8 055776 01003 8<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Franck-Lieder.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Franck-Lieder.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5219\" width=\"468\" height=\"468\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Franck-Lieder.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Franck-Lieder-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Franck-Lieder-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 468px) 100vw, 468px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Musikinteressierte mit Faible f\u00fcrs franz\u00f6sische Repertoire ist das Palazzetto Bru Zane eine Fundgrube sondergleichen. Versteckt in einer kleinen Gasse nahe der imposanten Kirche San Rocco, belebt das in Venedig ans\u00e4ssige Musikzentrum das kompositorische Erbe zwischen 1780 und 1920. Die Pharmaunternehmerin Nicole Bru entdeckte das verfallene Geb\u00e4ude, das fr\u00fcher als Sommerhaus der Adelsfamilie Zane diente, lie\u00df es wiederherstellen und funktionierte es als Sitz f\u00fcr die von ihr finanzierte Stiftung um. Heute ist dort ein Stamm von 15 Mitarbeitenden administrativ besch\u00e4ftigt, w\u00e4hrend in Paris der k\u00fcnstlerische Leiter Alexandre Dratwicki mit einer f\u00fcnfk\u00f6pfigen Crew die Forschungen vorantreibt. Hundertvierzig Jahre Musik wollen gesichtet und aufgearbeitet werden, bevor sie in Publikationen, Konferenzen, Konzerten und B\u00fchnenproduktionen der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden. Hinzu kommt ein eigenes Label, das in einer feinen, verschwenderisch ausgestatteten CD-Buch-Reihe \u00fcberwiegend Opern und Operetten, aber auch Portr\u00e4ts von kaum bekannten Komponistinnen und Komponisten produziert. Oft geben Jubil\u00e4en den Impuls zur n\u00e4heren Auseinandersetzung, 2021 galt sie Camille Saint-Sa\u00ebns anl\u00e4sslich seines 100. Todestags. Alexandre Dratwicki und sein Team konzentrierten sich dabei auf die \u2013 vom Repertoirehit <em>Samson et Dalila<\/em> abgesehen \u2013 vergessenen Opern des in jeder Gattung versierten Vielschreibers. Belebt wurde etwa das K\u00fcnstlerdrama <em>Le Timbre d\u2019Argent<\/em>, die Renaissancetrag\u00f6die<em> Proserpine<\/em> und das R\u00f6merspektakel <em>Les Barbares<\/em>. In die Antike, die f\u00fcr den 1835 geborenen Komponisten zeitlebens eine Quelle der Inspiration bedeutete, f\u00fchrt auch die gerade auf CD erschienene Oper <em>Phryn\u00e9<\/em> aus dem Jahr 1893. Sie spielt im alten Griechenland und erz\u00e4hlt davon, wie ein als Tugendw\u00e4chter auftretender W\u00fcrdentr\u00e4ger die Kurtisane Phryn\u00e9 zu verf\u00fchren sucht. Sie aber ist bereits mit dessen armen Neffen liiert und stellt den Alten in aller \u00d6ffentlichkeit blo\u00df. Um sich aus der Aff\u00e4re zu ziehen, sieht er sich gezwungen, dem Verwandten sein halbes Verm\u00f6gen zu vermachen. <em>Phryn\u00e9<\/em> ist das einzige heitere unter Saint-Sa\u00ebns\u2018 B\u00fchnenwerken und war wohl deshalb neben <em>Samson<\/em> am erfolgreichsten. Durchzogen vom Geist einer Operette besitzen die Melodien Esprit, Anmut und im Chorfinale des ersten Aktes eine mitrei\u00dfende Rasanz. Die Aufnahme, die statt der originalen Dialoge die nachkomponierten Rezitative von Andr\u00e9 Messager benutzt, bietet mit Herv\u00e9 Niquet einen K\u00f6nner im franz\u00f6sischen Fach auf, der so vital wie elegant dirigiert und die orchestralen Valeurs mit ihren aparten Bl\u00e4sereins\u00e4tzen auskostet. Florie Valiquette singt eine verf\u00fchrerische Phryn\u00e9 mit kokett getr\u00e4llerten Koloraturen, Cyrille Dubois schw\u00e4rmt f\u00fcr sie in seiner Arie mit tenoraler Geschmeidigkeit und Thomas Doli\u00e9 gibt dem Onkel gestandene Buffokonturen. Mit <em>Phryn\u00e9<\/em> endet die Saint-Sa\u00ebns-Reihe vorl\u00e4ufig, doch ist als Nachschlag die wegen der Pandemie verschobene Einspielung der Griechentrag\u00f6die <em>D\u00e9janire<\/em> geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell aber gilt es den 200. Geburtstag von C\u00e9sar Franck zu feiern. Der musikalische Werdegang des 1822 in der belgischen Stadt Li\u00e8ge geborenen und 1890 nach einem Unfall in Paris gestorbenen Komponisten, weist einige Gemeinsamkeiten zu Saint-Sa\u00ebns auf. Beide galten als Klavierwunderkinder, waren renommierte Organisten und verschrieben sich als Gr\u00fcndungsmitglieder der \u201eSociet\u00e9 Nationale de Musique\u201c der Pflege der franz\u00f6sischen Musik. Stilistisch aber entfremdeten sie sich voneinander. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Urauff\u00fchrung von Francks Klavierquintett 1880, das Saint-Sa\u00ebns gewidmet werden sollte. Der \u00fcbernahm zwar den Pianopart, schlug die Zueignung aber aus, weil er den ungewohnten Kl\u00e4ngen nichts abgewinnen konnte. Doch jene Synthese von franz\u00f6sischen und deutschen Elementen, von Wagner-Einfl\u00fcssen und romanischer Emotionalit\u00e4t trug entscheidend zur Entwicklung der franz\u00f6sischen Musik bei und wurde durch Francks illustre Sch\u00fclerschar, die sogenannte \u201ebande \u00e0 Franck\u201c, fortgef\u00fchrt. Denn auch das war C\u00e9sar Franck: ein undogmatischer Lehrer, hochverehrt von seinen Studenten, zu denen Ernest Chausson, Henri Duparc, Vincent d\u2019Indy und Claude Debussy z\u00e4hlten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungeachtet seiner musikhistorischen Bedeutung ist nur wenig aus Francks umfangreichen Schaffen ins Repertoire eingegangen: neben den Orgelwerken sind es die Symphonischen Variationen f\u00fcr Klavier und Orchester, die Sinfonie in d-Moll und die Violinsonate. Das will das Palazzetto Bru Zane \u00e4ndern. Mit einem sich bis zum Sommer hinein erstreckenden Festival begibt es sich auf eine Entdeckungsreise in \u201eThe World of C\u00e9sar Franck\u201c. Eingel\u00e4utet wird sie in Venedig mit zwei intelligent konzipierten Kammermusik-Programmen \u2013 fein aufeinander abgestimmt und dennoch kontrastreich durch die Kombination von Franck-Meisterwerken mit bislang untersch\u00e4tzten weiblichen Kompositionen. Das Er\u00f6ffnungskonzert, das im Festsaal des Palazetto stattfindet, konfrontiert das Klaviertrio Nr. 1 in fis-Moll \u2013 das erste der als Opus 1 bezeichneten drei <em>Trios concertant<\/em>, die der 17-J\u00e4hrige 1839 am Konservatorium begonnen hatte \u2013 mit Pauline Viardots eher konventionellem Duo f\u00fcr Geige und Klavier und drei so bewegten wie geistvollen Miniaturen von Lili Boulanger. Bestritten wird es von der jungen Geigerin Anna Agafia und dem Cellisten Ari Evan unter der Anleitung des renommierten Pianisten Frank Braley, die als Trio-Formation deb\u00fctieren, dabei aber noch auf der Suche nach der rechten Balance sind \u2013 bedingt wohl auch wegen einer Verletzung Evans.<\/p>\n\n\n\n<p>Der folgende Abend, diesmal in der pr\u00e4chtigen Scuola Grande San Giovanni Evangelista, pr\u00e4sentiert das bereits arrivierte Quatuor Hanson und den Klaviersolisten Isma\u00ebl Margain, dessen traumwandlerisches, sich gegenseitig befruchtendes Zusammenspiel vor emotionaler Hochspannung vibriert. Vorgetragen wird Francks bereits erw\u00e4hntes Klavierquintett f-Moll, bestehend aus drei leitmotivisch miteinander verkn\u00fcpften S\u00e4tzen mit s\u00fcffigen Themen, k\u00fchn oszillierenden Harmonien und sinfonisch dichten Steigerungen. Die sich anschlie\u00dfende <em>Grande Fantaisie-Quintette<\/em> komponierte eine heute v\u00f6llig Unbekannte: Rita Strohl, Jahrgang 1865, machte durch spirituell durchdrungene Werke von sich reden, geriet aber nach ihrem Tod 1941 in Vergessenheit. Ihr Ensemblest\u00fcck ist eine weniger komplexe Variante der Gattung, bemerkenswert aber wegen der melodischen Dominanz des Klaviers im Kontrast zum Streicher-Unisono.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es in den n\u00e4chsten Monaten weiter in der Welt von C\u00e9sar Franck? In Venedig stehen Kammermusikkonzerte im Zentrum, w\u00e4hrend in Paris gro\u00dfdimensionierte Orchesterwerke erklingen. Dort erlebt auch die zwischen 1879 und 1885 entstandene, zu Francks Lebzeiten nie aufgef\u00fchrte Oper <em>Hulda<\/em> \u2013 ein blutr\u00fcnstiges Drama um Rache und Verrat, das im fr\u00fchmittelalterlichen Norwegen spielt \u2013 ihre konzertante Premiere mit Folgeauff\u00fchrungen in Br\u00fcssel und Li\u00e8ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon jetzt aber kann man sich in C\u00e9sar Francks Vokalkosmos vertiefen: beim H\u00f6ren der gerade erschienenen Doppel-CD mit s\u00e4mtlichen Klavierliedern und -duetten. Sie spielten keine Hauptrolle in seinem Oeuvre, begleiteten ihn aber mit Unterbrechung w\u00e4hrend der gesamten, rund 50-j\u00e4hrigen Schaffensphase. Daraus resultiert die Bandbreite der von Franck verwendeten Formen, die sp\u00e4ter in der typischen franz\u00f6sischen \u201eM\u00e9lodie\u201c gipfelten, perfektioniert durch Franck-Sch\u00fcler wie Chausson und Duparc. Vom Charakter her dominieren gef\u00fchlvolle, atmosph\u00e4risch dunkle Lieder, wechselnd im Gewand von Romanzen, Strophenges\u00e4ngen, Balladen und \u2013 als Besonderheit \u2013 von kleinformatigen patriotischen Kantaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit V\u00e9ronique Gens, Tassis Christoyannis und dem Pianisten Jeff Cohen sind drei St\u00fctzen aus dem Stammensemble des Palazzetto Bru Zane an dem Projekt beteiligt. Der griechische Bariton hat sich schon seit l\u00e4ngerem als franz\u00f6sischer Lied-Spezialist etabliert, etwa mit Kollektionen von \u00c9douard Lalo, Benjamin Godard und Reynaldo Hahn. Durch variantenreiche Dynamik, wechselndes Kolorit der Stimmungen und plastische Artikulation lotet er den Charakter der St\u00fccke aus, beispielhaft etwa in <em>La Vase bris\u00e9<\/em> mit einer ganzen Palette von Pianoschattierungen. Sechs Duette runden die Anthologie ab. Es sind getragene Duos mit religi\u00f6sem Hintergrund, in denen die Stimmen meist parallel gef\u00fchrt werden. V\u00e9ronique Gens, ist f\u00fcr diesen kleinen Zyklus eine Luxusbesetzung. \u201eGott hat mich mit einer einzigen Gnade beschenkt, n\u00e4mlich der Verbindung zu Cesar Franck\u201c. Diesen Ausspruch von Henri Duparc aus dem Jahr 1903 zitiert das Palazzetto Bru Zane in seiner Festival-Vorschau. Solche Verbindung selbst herzustellen, dazu bieten die vielf\u00e4ltigen Veranstaltungen reichlich Gelegenheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Karin Coper [April 2022]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Camille Saint-Sa\u00ebns: Phryn\u00e9 Bru Zane, BZ 1047; EAN: 8 055776 01002 1 C\u00e9sar Franck: S\u00e4mtliche Lieder und Duette Bru Zane, BZ 2003; EAN: 8 055776 01003 8 F\u00fcr Musikinteressierte mit Faible f\u00fcrs franz\u00f6sische Repertoire ist das Palazzetto Bru Zane eine Fundgrube sondergleichen. 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