{"id":537,"date":"2016-02-15T22:30:11","date_gmt":"2016-02-15T21:30:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=537"},"modified":"2016-02-15T22:30:11","modified_gmt":"2016-02-15T21:30:11","slug":"hungary-for-music","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/02\/15\/hungary-for-music\/","title":{"rendered":"Hungary for Music"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im Festsaal an der Maria-Ward-Stra\u00dfe 5 findet am 12. und 13. Februar das diesj\u00e4hrige Konzert des M\u00fcnchner Internationalen Orchesters, des MIO, mit dem unmissverst\u00e4ndlichen Titel &#8222;Hungary for Music&#8220; statt. Auf dem Programm des von Michael Mader geleiteten Klangk\u00f6rpers steht das Vorspiel zu &#8222;Die K\u00f6nigin von Saba&#8220; Karl Goldmarks neben B\u00e9la Bart\u00f3ks drittem Klavierkonzert, sodann die Ruralia Hungarica von Ernst von Dohn\u00e1nyi sowie aus der Feder von Franz Liszt Les Pr\u00e9ludes. Solist des Abends ist Gerold Huber.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleich mit zwei Rarit\u00e4ten wartet das M\u00fcnchner Internationale Orchester an diesem Konzertabend des 13. Februar (sowie am Vortag, am 12. Februar) auf. Die K\u00f6nigin von Saba, eine biblische Figur, ist ein beliebter Stoff: Eine bekannte Erz\u00e4hlung von Knut Hamsun tr\u00e4gt diesen Titel ebenso wie das Ballett Belkis, Regina di Saba von Ottorino Respighi, au\u00dferdem tritt die Figur in H\u00e4ndels Oratorium Solomon im dritten Akt auf. Wenig bekannt hingegen ist die Oper von Karl Goldmark auf dasselbe Sujet. Der ungarische Komponist Karl (in Ungarn bis heute K\u00e1roly) Goldmark erlebte zu Lebzeiten gro\u00dfe Erfolge, einige Opern des Autodidakten wurden von Gustav Mahler dirigiert und auch bekannte Gr\u00f6\u00dfen erhielten Unterricht von ihm, so etwa Jean Sibelius. Sp\u00e4ter verschwand der Komponist vollends in Versenkung, vor allem zur Zeit der Nationalsozialisten wurde er aufgrund seiner j\u00fcdischen Abstammung ge\u00e4chtet. Der Grund f\u00fcr das Verschwinden von Ernst (Ern\u0151) von Dohn\u00e1nyi, Klavierlehrer von Ber\u00fchmtheiten wie Gy\u00f6rgy Cziffra und G\u00e9za Anda, liegt anders: Er wurde als sp\u00e4tromantischer Emigrant in Amerika vergessen. Sein Sohn wurde von den Nationalsozialisten als Kollaborateur Stauffenbergs hingerichtet, seine Enkel machten als Dirigent (Christoph) und Hamburger Oberb\u00fcrgermeister (Klaus) Karriere. Dohn\u00e1nyis Ruralia Hungarica sind eine Suite aus dem Jahr 1923 in sieben S\u00e4tzen f\u00fcr Klavier solo mit der Werkkennung Op. 32a, aus der er zum f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen Bestehen der zusammengesetzten Stadt Budapest f\u00fcnf S\u00e4tze orchestrierte (Op. 32b, eine Fassung 32c f\u00fcr Violine und Klavier sowie 32d f\u00fcr Violoncello und Klavier sollten auch noch folgen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das M\u00fcnchner Internationale Orchester zeigt an diesem Konzertabend eine gro\u00dfe Freude am Musizieren und einen vollen, ausgewogenen Ton. Die Musiker, bunt gemischt durch alle Altersklassen und Professionalit\u00e4tsstufen, sind hochmotiviert und gr\u00f6\u00dftenteils auf einem wahrlich beachtlichen Niveau. Bei der Musik von Goldmark scheinen sich manche noch etwas warmzuspielen und die Synchronizit\u00e4t ist nicht durchg\u00e4ngig vorhanden, doch schon hier zeigt sich ein warmer Klang und es wird deutlich, wie intensiv das Orchester an einigen Feinheiten geprobt hat und verborgene Details ans Licht bringen konnte. Auch der in den Orchesterstimmen h\u00f6chst anspruchsvolle Bart\u00f3k gelingt gr\u00f6\u00dftenteils, nur an wenigen Stellen wirken einzelne Stimmen mit dem komplexen Zusammenspiel ein wenig \u00fcberfordert. Sp\u00e4testens nach der Pause kommen die Musiker voll zum Zug und k\u00f6nnen ihre Qualit\u00e4ten pr\u00e4sentieren. Die Ruralia Hungarica Dohn\u00e1nyis erhalten schwungvollen Glanz und sanfte Kantabilit\u00e4t zugleich, das Blech darf wie \u00fcberall kraftvoll schmettern und das Holz besticht durch virtuose Solopassagen. Darbietungstechnisch das Highlight sind dennoch zweifelsohne Les Pr\u00e9ludes von Franz Liszt, in diesem bekannten St\u00fcck in vertrauter Tonsprache kommt eine Freude an dieser Musik auf, wie ich sie so von gro\u00dfen reinen Profiorchestern nur selten geh\u00f6rt habe. Das Zusammenspiel komplettiert sich nun vollends zu einer mitrei\u00dfenden Einheit und die divergenten Teile der Pr\u00e9ludes werden in feiner Stringenz zusammengehalten. Die Musiker geben durchwegs ihr Bestes und \u00fcberzeugen mit hoher Qualit\u00e4t. An dieser Stelle seien nur wenige von ihnen besonders hervorgehoben, dies w\u00e4re zum einen die hochvirtuose Klarinette, die ihre seilt\u00e4nzerischen Solopassagen mit gr\u00f6\u00dfter Lockerheit und sp\u00fcrbarem musikalischen Verst\u00e4ndnis pr\u00e4sentiert, das Schlagwerk, welches dynamisch stets auf das restliche Orchester abgestimmt agiert, ohne darin unterzugehen oder sich in den Vordergrund zu dr\u00e4ngen, sowie die Basssektion. Lediglich zwei Kontrab\u00e4sse spielen an diesem Abend &#8211; und das bei acht Celli -, dennoch k\u00f6nnen die beiden Spieler stets vernehmbar bleiben und zeigen eine Klangf\u00fclle, die ein solides Fundament f\u00fcr den Klangk\u00f6rper bildet. Obgleich beide Kontabassisten vollst\u00e4ndig unterschiedliche Techniken verwenden, mischt sich der Klang und sogar bei Bart\u00f3k passen sie sich im Wechselspiel mit dem Pianisten an dessen dominierenden Tonfall an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den f\u00fcr seine enormen Schwierigkeiten bis heute respektgebietenden Solopart in B\u00e9la Bart\u00f3ks 3. Klavierkonzert \u00fcbernimmt Gerold Huber, der bisher vor allem als Liedbegleiter von Christian Gerhaher Aufmerksamkeit erlangte. Auch den Anforderungen an einen Orchestersolisten wird Huber gerecht, die technisch-mechanischen H\u00f6chstschwierigkeiten in dem Konzert gelingen ihm in gelassener Lockerheit. An diesem Abend steht das Klavier in der Mitte vor dem Dirigenten und teilt das Orchester quasi in zwei Teile, wodurch in dem akustisch angenehmen Saal ein interessantes Klangexperiment entfacht wird, welches gr\u00f6\u00dftenteils gelingt &#8211; abgesehen davon, dass das tiefe Holz bei mir auf der rechten Seite etwas schwer h\u00f6rbar ist in manchen Passagen. Doch ist dazu zu sagen, dass Gerold Huber stets zu laut und hart spielt und das Orchester damit an ruhigeren Stellen \u00fcbert\u00f6nt. Anstelle von formbarer Klangf\u00fclle durch aktiven Anschlag aus dem K\u00f6rperzentrum heraus erhalten die Akkorde eine k\u00fchle und granitene H\u00e4rte und Trockenheit durch reinen Armeinsatz. So mag sich der Klang auch wenig in das warm und voll klingende Orchester einpassen. Erst im dritten Satz gelingt die Synthese zwischen Solist und Orchester besser, hier wird auch ein gewisses Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Musik merklich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Mader h\u00e4lt den Klangapparat vom Dirigentenpult aus gut zusammen. Mit Sicherheit l\u00e4sst sich behaupten, dass die Musiker ihn sch\u00e4tzen und respektieren, jeder folgt intensiv seinem Wink. Mader hat h\u00f6rbar viel Arbeit in die Proben gesteckt und erh\u00e4lt an diesem Abend seinen Lohn daf\u00fcr, das Orchester ist trotz Unterbesetzung in einigen Instrumentengruppen beziehungsweise \u00dcberschuss in anderen sorgsam abgestimmt und pr\u00e4sentiert ein erstaunlich einheitliches Klangbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Februar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Festsaal an der Maria-Ward-Stra\u00dfe 5 findet am 12. und 13. 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