{"id":5467,"date":"2022-10-21T23:49:00","date_gmt":"2022-10-21T21:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5467"},"modified":"2022-10-26T16:19:23","modified_gmt":"2022-10-26T14:19:23","slug":"vielschichtige-charaktere-charlotte-steppes-spielt-debussy-beethoven-und-draeseke-in-bad-rodach","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/10\/21\/vielschichtige-charaktere-charlotte-steppes-spielt-debussy-beethoven-und-draeseke-in-bad-rodach\/","title":{"rendered":"Vielschichtige Charaktere \u2013 Charlotte Steppes spielt Debussy, Beethoven und Draeseke in Bad Rodach"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Nach dem<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/06\/26\/draeseke-konzerte-in-bad-rodach-und-dresden\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/06\/26\/draeseke-konzerte-in-bad-rodach-und-dresden\/\"> Auftritt Aris Alexander Blettenbergs<\/a> im Juni dieses Jahres erklang im Bad Rodacher Jagdschloss am 16.&nbsp;Oktober 2022 ein weiteres Mal Felix Draesekes Klaviersonate op.&nbsp;6 unter den Fingern eines berufenen jungen Talents. Die Leipziger Pianistin Charlotte Steppes spielte das Werk am Ende eines Programms, das mit Claude Debussys <\/em>Suite bergamasque<em> begann und als Herzst\u00fcck Ludwig van Beethovens <\/em>Sonata quasi una Fantasia<em> cis-Moll op.&nbsp;27\/2 enthielt. Veranstaltet wurde das Konzert von der Internationalen Draeseke-Gesellschaft, deren 36. Jahrestagung es beschloss, in Zusammenarbeit mit dem R\u00fcckertkreis Bad Rodach.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/IDG2022-2-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/IDG2022-2-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5475\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/IDG2022-2-1-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/IDG2022-2-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/IDG2022-2-1-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/IDG2022-2-1-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/IDG2022-2-1-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>\u00a9 Manfred Sonnenschmidt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bereits mit dem Beginn der <em>Suite bergamasque<\/em> wurde klar, dass man hier Gelegenheit hatte einer K\u00fcnstlerin zu lauschen, die es trefflich versteht, die von ihr vorgetragenen St\u00fccke als profilierte Charaktere zu pr\u00e4sentieren. Jeder der vier S\u00e4tze hatte ein eigenes Gesicht. Im Pr\u00e9lude wurde Debussys geistige Verwandtschaft mit Couperin deutlich. Dem Menuett fehlte es weder an Grazie noch an Energie. Das Mondscheinpanorama, das Steppes in <em>Clair de Lune<\/em> entfaltete, klang vor allem deshalb so zart und innig, da die Pianistin jedes Zerflie\u00dfen der melodischen Konturen geschickt vermied. Man h\u00f6rte, dass Debussy nicht nur ein Klangfarbenk\u00fcnstler, sondern auch ein gro\u00dfer Melodiker war. Die durchlaufenden Achtelfiguren im abschlie\u00dfenden Passepied spielte Steppes sehr markiert und zeigte dabei, dass der Bass nicht einfach nur die spritzige Melodie begleitet, sondern im Verlauf des Satzes sehr wohl gewichtige Worte mitzusprechen hat. Angemessen sanfte T\u00f6ne fand sie f\u00fcr den kontrastierenden Mittelteil, den sie geschickt in die Wiederkehr des Anfangs zu \u00fcberf\u00fchren wusste.<\/p>\n\n\n\n<p>Das einleitende Adagio der Beethovenschen cis-Moll-Sonate korrespondierte sch\u00f6n mit Debussys <em>Clair de Lune<\/em>, denn auch hier erklang ein vielschichtiges Charakterbild. In fl\u00fcssigem Tempo, mit dezentem Rubato, modellierte Steppes die Basslinie als weit ausholenden Gesang und arbeitete den Dialog zwischen Ober- und Unterstimme in der Mitte des St\u00fccks pr\u00e4gnant heraus. In den letzten beiden S\u00e4tzen gestaltete sie pointiert die inneren Kontraste der Themen. Die Sechszehntell\u00e4ufe des Finales wurden sorgf\u00e4ltig periodisiert; bei aller Gel\u00e4ufigkeit war doch stets Gesang in ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Steppes&#8216; Auff\u00fchrung von Draesekes op.&nbsp;6 \u2013 wie Beethovens op. 27\/2 eine <em>Sonata quasi Fantasia<\/em> mit langsamem Kopfsatz \u2013 bildete den kr\u00f6nenden Abschluss des Konzerts. Ich sage dies mit umso gr\u00f6\u00dferer Freude, da ich dieses von Draesekes einstigem F\u00f6rderer Franz Liszt hochgesch\u00e4tzte und regelm\u00e4\u00dfig gespielte Meisterwerk selten so hervorragend dargeboten geh\u00f6rt habe wie an diesem Tag. Die Pianistin traf durchaus den heroischen Grundton der Komposition. Man merkte, warum Draeseke als junger Mann im Liszt-Kreis \u201eder Recke\u201c hie\u00df. Aber dieser Recke konnte nicht nur mit Kraftakten imponieren, er besa\u00df auch eine empfindsame Seele und viel Feingef\u00fchl in der Formulierung seiner Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Steppes begann die Einleitung des Kopfsatzes sehr rasch und energisch, fand jedoch sogleich die n\u00f6tige Ruhe f\u00fcr den folgenden Abschnitt, den sie frei im Tempo, wie improvisierend, vortrug, wobei sie aber stets auf die Struktur der Perioden R\u00fccksicht nahm. Spannungsvoll leitete sie in den Trauermarsch \u00fcber, der herb und streng t\u00f6nte, mit grollenden B\u00e4ssen, und an den H\u00f6hepunkten orchestrale Wucht entfaltete. Der auf die Einleitung zur\u00fcckgreifende Mittelteil (mit gut gegliederter Triolenbewegung) bot in seiner Geschmeidigkeit einen wirkungsvollen Kontrast. Das Ende des Satzes wurde feierlich zelebriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Den zweiten Satz hat Draeseke als \u201eValse-Scherzo\u201c bezeichnet. Mit viel Liebe zum Detail widmete sich Steppes den zahlreichen kaprizi\u00f6sen Hakenschl\u00e4gen, verga\u00df aber nie, den Walzertakt noch durchklingen zu lassen. Die Doppelnatur dieses Intermezzos \u2013 halb Walzer, halb Scherzo \u2013 kam wunderbar heraus. Ein einziges Mal stellten sich mir in dieser Auff\u00fchrung Bedenken ein: als die Pianistin das Finale so st\u00fcrmisch begann, dass ich mich fragte, ob von diesem Ausgangspunkt aus die gro\u00dfen Steigerungen, die der Satz bereith\u00e4lt, noch realisiert werden k\u00f6nnen. Charlotte Steppes tat aber das Richtige: Durch gut angebrachte Ritardandi wurde sie zum Seitensatz hin langsamer, lie\u00df es dort an gesanglichem Vortrag und Detailfreudigkeit nicht fehlen, und hielt auch im folgenden Geschehen das Tempo flexibel. So gelang es ihr, die h\u00f6chste Kraftentfaltung bis zum Schluss aufzusparen und das Werk mit ekstatischem Jubel zu bekr\u00f6nen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Publikum dankte mit stehendem Applaus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Oktober 2022]<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(NB: Der Verfasser dieses Artikels ist Mitglied der Internationalen Draeseke-Gesellschaft und wurde auf der Mitgliederversammlung am 15.&nbsp;Oktober zu ihrem neuen Ersten Vorsitzenden gew\u00e4hlt. Da die Organisation des hier besprochenen Konzerts aber in den H\u00e4nden des fr\u00fcheren Vorstands lag, dem er nicht angeh\u00f6rte, spricht der Verfasser im vorliegenden Artikel nicht als IDG-Vorsitzender, sondern als einfacher Rezensent.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Auftritt Aris Alexander Blettenbergs im Juni dieses Jahres erklang im Bad Rodacher Jagdschloss am 16.&nbsp;Oktober 2022 ein weiteres Mal Felix Draesekes Klaviersonate op.&nbsp;6 unter den Fingern eines berufenen jungen Talents. 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