{"id":549,"date":"2016-02-20T08:50:59","date_gmt":"2016-02-20T07:50:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=549"},"modified":"2016-02-21T18:35:17","modified_gmt":"2016-02-21T17:35:17","slug":"der-andere-wieniawski","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/02\/20\/der-andere-wieniawski\/","title":{"rendered":"Der andere Wieniawski"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">NAXOS 8.573404; EAN: 7 47313 34047 7<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Wieniawski.png\" rel=\"attachment wp-att-552\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-552\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Wieniawski-300x260.png\" alt=\"Wieniawski\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Wieniawski-300x260.png 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Wieniawski-768x665.png 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Wieniawski.png 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Liv und Mairan Migdal spielen f\u00fcr NAXOS die Sonate f\u00fcr Violine und Klavier in d-Moll Op. 24 von J\u00f3zef Wieniawski sowie Allegro de sonate g-Moll Op. 2 und Grand Duo polonais G-Dur Op. 5, eine Zusammenarbeit der Br\u00fcder J\u00f3zef und Henryk Wieniawski, ein.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tochter und Vater spielen die Werke zweier Gebr\u00fcder; die Tochter an der Violine am Anfang ihrer verhei\u00dfungsvoll beginnenden Karriere, der Vater am Klavier mit diesen letzten Aufnahmen vor seinem Tod im Fr\u00fchjahr 2015 am Ende seiner Laufbahn: der eine Bruder ein noch heute weltbekannter Violinist und Komponist, der andere als Pianist und ebenso als Komponist vollkommen in Vergessenheit geraten \u2013 sowohl seine Violinsonate als auch die in Kollaboration der beiden Br\u00fcder entstandenen Werke f\u00fcr Violine und Klavier wurden bisher noch nie eingespielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum J\u00f3zef Wieniawski nach wie vor keine Beachtung in der Musikwelt findet, ist ein gro\u00dfes R\u00e4tsel. Zu Lebzeiten war er ein gefragter Pianist, der 1855 bei Franz Liszt und danach bei Adolf Bernhard Marx studiert hat und nach Liszt der erste Pianist war, der alle Chopin-Et\u00fcden \u00f6ffentlich auff\u00fchrte. Er begleitete eine gro\u00dfe Anzahl der gr\u00f6\u00dften K\u00fcnstler seiner Zeit wie unter anderen Joachim, Sarasate und Vieuxtemps. Auch als Komponist schuf er gewichtige Werke, so unter anderem eine Symphonie in D-Dur, ein Klavierkonzert in g-Moll, eine Klaviersonate, 24 Et\u00fcden in teils recht interessanten Formen wie &#8222;Fantasie und Fuge&#8220; und etliche andere Solo- und Kammermusikst\u00fccke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einigen dieser Werke widmeten sich nun Liv Migdal und ihr Vater Marian Migdal in einem bereits seit l\u00e4ngerer Zeit geplanten Projekt. In ihrer Kindheit komponierten die beiden Br\u00fcder, Henryk und der zwei Jahre j\u00fcngere J\u00f3zef Wieniawski, einige St\u00fccke zusammen: Auf dieser CD zu h\u00f6ren ist das beschwingte, mit kindlicher Leichtigkeit und (im positiven Sinne) Naivit\u00e4t durchtr\u00e4nkte Allegro de sonate g-Moll Op. 2 (J\u00f3zef war zu diesem Zeitpunkt erst elf Jahre alt) und das f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter entstandene Grand Duo polonais G-Dur Op. 5, ein wesentlich gr\u00f6\u00dferes und ernsteres Werk, mit sp\u00fcrbarem kompositorischen Geschick von beiden Seiten. Trotz des jungen Alters der Komponisten sind die Werke durchaus ausgereift und technisch f\u00fcr beide Partner mit hohen Schwierigkeiten versehen. Das gewichtigste Werk der Aufnahme ist die gro\u00dfe Violinsonate in d-Moll Op. 24 von J\u00f3zef Wieniawski, die Ende seiner zwanziger Jahre entstand. Die viers\u00e4tzige Sonate beginnt mit einem gro\u00dfformatigen und ziemlich d\u00fcsteren Kopfsatz, auf den ein zwielichtiges Andante religioso folgt, in welchem das Klavier immer wieder Trost bieten will, was allerdings von der Violine oft genug verneint wird und die Stimmung wieder in dunkle Gefilde wirft, wobei der Satz schlie\u00dflich doch eher vers\u00f6hnlich endet. Ein heller Lichtblick wird durch den dritten Satz erreicht, ein knackiges und pr\u00e4gnantes Scherzo von gr\u00f6\u00dfter Eing\u00e4ngigkeit, worauf ein wildes, kaum zu b\u00e4ndigendes Allegro appassionato, ma non troppo presto die Sonate schwungvoll beendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Spiel von Liv und Marian Migdal ist vollendet abgestimmt, Tochter und Vater h\u00f6ren einander exakt zu und reagieren auf das musikalische Geschehen in der Stimme des Partners. Hier wird jahre- oder jahrzehntelange Erfahrung im gemeinsamen Spiel deutlich und l\u00e4sst die beiden Solisten zu einer Einheit verschmelzen. Zwar sind beide recht kontinuierlich eine Dynamikstufe zu laut und vertrauen etwas zu selten auf die Farbnuancen des leicht oder hauchend gespielten Tones, doch kommt dies auch einer gro\u00dfen Expressivit\u00e4t und Extrovertiertheit zu Gute, die die Musik unmittelbar an den H\u00f6rer herantr\u00e4gt. Und auch die wirklich lauten Passagen sind zu keiner Zeit blo\u00df hart geschlagen oder mit nicht in Relation zum Resultat stehender Kraft gespielt, sondern stets vollt\u00f6nend und warm. Solch eine W\u00e4rme macht auch insgesamt den Klang von Liv und Marian Migdal aus, so dass man sich komplett heimisch f\u00fchlen kann in der Ausdruckswelt der beiden Musiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast k\u00f6nne man meinen, der Ton von Liv Migdal m\u00f6chte explodieren, so erf\u00fcllt mit innerem Gef\u00fchl und Aussage ist er. Er wird in enormer Spannung gehalten und sogar noch weiter ausgebaut, anstatt dem Aufl\u00f6sungsbestreben nachzugeben, was einen ungeheuer fesselnden und in allen verzweigten Wegen der Musik Wieniawskis mitrei\u00dfenden Effekt verleiht. Mehr als angenehm ist auch ihre Art des Vibratos, das in eleganter und zarter Manier dem Ton Singkraft verleiht, ohne durch zu starken oder quantitativ zu h\u00e4ufigen Gebrauch die Wirkung zu nivellieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seinen ganz eigenen Weg hat auch Marian Migdal am Klavier gefunden. Er versuchte, sich als Spieler weitestgehend auszuschalten und nur die Musik f\u00fcr sich sprechen zu lassen. Resultat ist eine vollkommen nat\u00fcrliche und frei von Manierismen gef\u00fchrte Linie mit einem ausgewogenen Verh\u00e4ltnis von Spannung und Entspannung in einem klaren wie verst\u00e4ndlichen Tonfall, der umgehend verst\u00e4ndlich ist. In den vorliegenden Aufnahmen mit anspruchsvollen wie dankbaren Stimmen f\u00fcr beide Spieler kann auch Marian Migdal als Begleiter sich voll entfalten und sein enormes K\u00f6nnen noch einmal unter Beweis stellen. Nach unz\u00e4hligen brillanten Aufnahmen mit Hauptwerken bekannter Komponisten wie Haydn, Mozart, Grieg, Liszt und Chopin sowie eher unbekannten Gr\u00f6\u00dfen wie Adolf Wiklund oder Franz Berwald ist die CD mit der Musik J\u00f3zef Wieniawskis ein w\u00fcrdevoller Abschluss seiner Diskographie &#8211; und wie h\u00e4tte man so ein Ende besser vollbringen k\u00f6nnen als im Kreise der Familie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Februar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NAXOS 8.573404; EAN: 7 47313 34047 7 Liv und Mairan Migdal spielen f\u00fcr NAXOS die Sonate f\u00fcr Violine und Klavier in d-Moll Op. 24 von J\u00f3zef Wieniawski sowie Allegro de sonate g-Moll Op. 2 und Grand Duo polonais G-Dur Op. 5, eine Zusammenarbeit der Br\u00fcder J\u00f3zef und Henryk Wieniawski, ein. Tochter und Vater spielen die &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/02\/20\/der-andere-wieniawski\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Der andere Wieniawski<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[502,501,499,500,200],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/549"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=549"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/549\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4942,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/549\/revisions\/4942"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=549"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}