{"id":5540,"date":"2022-12-24T23:23:00","date_gmt":"2022-12-24T22:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5540"},"modified":"2022-12-25T03:40:10","modified_gmt":"2022-12-25T02:40:10","slug":"musik-zur-weihnachtszeit-reinhard-schwarz-schilling","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/12\/24\/musik-zur-weihnachtszeit-reinhard-schwarz-schilling\/","title":{"rendered":"Musik zur Weihnachtszeit: Reinhard Schwarz-Schilling"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schwarz-Schilling-Cantate.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schwarz-Schilling-Cantate-1024x931.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5541\" width=\"566\" height=\"514\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schwarz-Schilling-Cantate-1024x931.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schwarz-Schilling-Cantate-300x273.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schwarz-Schilling-Cantate-768x698.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schwarz-Schilling-Cantate.jpg 1030w\" sizes=\"(max-width: 566px) 100vw, 566px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Reinhard Schwarz-Schilling (1904\u20131985), Komponist der von Gott und Mensch, Mysterium, Passion und Gebet handelnden Kantate <em>Die Botschaft<\/em>, der <em>Missa In Terra Pax<\/em>, einer der gro\u00dfen A-cappella-Messen des 20.&nbsp;Jahrhunderts, sowie zahlreicher kleinerer kirchenmusikalischer Werke, war ein sakraler K\u00fcnstler durch und durch. Wie Anton Bruckner, dem er gr\u00f6\u00dfte Verehrung entgegenbrachte, und Heinrich Kaminski, der sein wichtigster Lehrmeister war, z\u00e4hlt er zu jenen musikalischen Sch\u00f6pfernaturen, die sich auch dann in einer geistlichen Sph\u00e4re bewegen, wenn sie nicht explizit f\u00fcr kirchliche Anl\u00e4sse komponieren oder einen religi\u00f6sen Text vertonen. Ein feierlicher Grundton pr\u00e4gt sein gesamtes Schaffen, verdichtet sich zu innigster mystischer Versenkung oder steigert sich in hymnisch-ekstatische Verk\u00fcndigung hinein; stets auf Grundlage einer Polyphonie, die keine akademische Handwerksarbeit ist, sondern ein von bl\u00fchendstem Leben durchdrungenes gegenseitiges Umranken selbstst\u00e4ndig gef\u00fchrter Stimmen, die immer singen, das Werk sei vokal oder instrumental.<\/p>\n\n\n\n<p>Es verwundert vor diesem Hintergrund nicht, dass Schwarz-Schilling im Laufe seines Lebens auch wiederholt Musik mit Bezug zum Weihnachtsfest geschrieben hat. Der gemeinsamen Thematik zum Trotz handelt es sich bei den entsprechenden Kompositionen um Werke sehr unterschiedlichen Charakters. Das Thema \u201eWeihnachten\u201c wird von Schwarz-Schilling musikalisch gleichsam aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Jahr 1947 stammt eine schlicht <em>Weihnachtsmusik<\/em> (WV&nbsp;79) betitelte Sammlung aus zw\u00f6lf Choral- und Lieds\u00e4tzen. Sie enth\u00e4lt folgende Titel:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ave Maria zart<\/li><li>Ein Kind geborn zu Bethlehem<\/li><li>Gott sei Dank durch alle Welt<\/li><li>Herbei o ihr Gl\u00e4ubigen<\/li><li>In dulci jubilo<\/li><li>Kommet ihr Hirten<\/li><li>Kommt und lasst uns Christum ehren<\/li><li>Mein Herz will ich Dir schenken<\/li><li>Singet frisch und wohlgemut<\/li><li>Vom Himmel hoch o Englein kommt<\/li><li>Was ist f\u00fcr neue Freud<\/li><li>Wie sch\u00f6n leuchtet der Morgenstern<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Diese zwei- und dreistimmigen S\u00e4tze, die gleicherma\u00dfen von Singstimmen wie von Instrumenten ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, sind wunderbare Beispiele edler Einfachheit. Die Spieler und S\u00e4nger finden hier handwerklich feinstgearbeitete weihnachtliche Miniaturen vor, ohne vor un\u00fcberwindliche Herausforderungen gestellt zu werden. Ohne Weiteres k\u00f6nnen die St\u00fccke zum h\u00e4uslichen Musizieren oder als gottesdienstliche Musik verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Schallplattenaufahme aus dem Jahr 1960 (Cantate, T 72719 K\/1960) zeigt sehr sch\u00f6n das Potential der vielf\u00e4ltigen Besetzungsm\u00f6glichkeiten. Unter der Leitung von Wilhelm Ehmann musizieren hier Maria Friesenhausen und Rotraut Pax (Sopran), Frauke Haasemann (Alt), Rosemarie Lahrs (Violine), Hanni Hennig (Violine und Viola), Heinrich Haferland (Violoncello) und Arno Sch\u00f6nstedt (Orgel) eine Auswahl von acht St\u00fccken der Sammlung, die teils a&nbsp;cappella, teils rein instrumental, teils gemischt erklingen und in der gew\u00e4hlten Anordnung wie eine kleine Kantate klingen. Die <em>Weihnachtsmusik<\/em>, die der Komponist 1977 einer Revision unterzog, ist in der Edition Merseburger erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p>1958 komponierte Schwarz Schilling im Auftrag des RIAS eine Adventskantate f\u00fcr Sopran oder Tenor, zweistimmigen Frauen- oder M\u00e4nnerchor, Violine, Viola und Orgel \u00fcber das Lied <em>O Heiland rei\u00df die Himmel auf<\/em> (WV&nbsp;61). Die Melodie aus dem <em>Rheinfel\u00dfischen Gesangbuch<\/em> von 1666 wird in s\u00e4mtlichen neun Teilen des etwa zehnmin\u00fctigen Werkes streng als Grundlage festgehalten, soda\u00df in rein musikalischer Hinsicht eine Art Variationszyklus entsteht. Dem kleinen Ensemble entlockt der Komponist durch Wechsel in der Besetzung und Satztechnik, nicht zuletzt durch kontrastreiche Charakterisierung der einzelnen Liedstrophen ein Maximum klanglicher Vielfalt.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem kurzen Vorspiel f\u00fcr die Orgel allein wird die Melodie des Liedes angedeutet, bevor sie in Orgel und Streichinstrumenten vollst\u00e4ndig erklingt. Bereits hier werden ihre einzelnen Abschnitte imitatorisch verarbeitet. Anschlie\u00dfend singt der Chor, dezent von den Instrumenten begleitet, die erste Strophe. Die zweite Strophe wird vom Solosopran vorgetragen, wobei die Streichinstrumente leise bebende, rezitierend anmutende Tonwiederholungen spielen. Der sehr sanfte Charakter dieses Abschnitts korrespondiert mit dem \u201eTau\u201c, den Gott in dieser Strophe aufgefordert wird vom Himmel zu gie\u00dfen. In belebterem Rhythmus verdeutlicht der Chor das Ausschlagen der \u201eBl\u00fcmlein\u201c aus der Erde. Die Fragen und Bitten der n\u00e4chsten Strophe (\u201eWo bleibst Du, Trost der ganzen Welt?\u201c, \u201eO komm, ach komm vom h\u00f6chsten Saal\u201c) l\u00e4sst Schwarz-Schilling echoartig versetzt vom Chor vortragen. Dem sorgenvollen Ton dieses Teiles antwortet der Sopran in h\u00f6chster Lage, unterstrichen vom Strahlen der Violine: \u201eO klare Sonn, du sch\u00f6ner Stern.\u201c In imitatorischem Satz klagt der Chor ein letztes Mal: \u201eHier leiden wir die gr\u00f6\u00dfte Not.\u201c Dann wird das St\u00fcck von einer Choralbearbeitung nach traditioneller Art beschlossen, die das innere Gleichgewicht wieder herstellt und dem Ganzen ein zuversichtliches Ende gibt: \u201eDa wollen wir all danken Dir, unserm Erl\u00f6ser f\u00fcr und f\u00fcr.\u201c <em>O Heiland rei\u00df die Himmel auf<\/em> ist wie die <em>Weihnachtsmusik<\/em> bei Merseburger erschienen und wurde auf derselben Schallplatte aufgenommen wie diese. Beide Aufnahmen erschienen nach dem Tode des Komponisten in einer 5 CDs umfassenden Privatedition der Familie Schwarz-Schilling, die nicht f\u00fcr den Handel bestimmt war, sich aber in einigen Musikhochschulbibliotheken finden l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits unter Schwarz-Schillings Jugendwerken findet sich ein weihnachtlich konnotiertes St\u00fcck. Es handelt sich um die <em>Variationen \u00fcber ein Weihnachtslied<\/em>, die im Januar und Februar 1920 entstanden, als der Komponist im 16. Lebensjahr stand und noch seinen urspr\u00fcnglichen Namen Reinhard Schwarz trug. Ihnen liegt das Lied \u201eMenschen, die ihr wart verloren\u201c zugrunde. Zwar sind sie f\u00fcr Klavier gedacht, d\u00fcrften sich aber auch f\u00fcr die Orgel eignen und in weihnachtlichen Auff\u00fchrungen verwenden lassen. Mit der komplexen Polyphonie der sp\u00e4teren Werke Schwarz-Schillings wartet diese fr\u00fche Arbeit noch nicht auf, zeugt aber bereits von der Phantasie des Komponisten als Harmoniker und von seinem Sinn f\u00fcr tonale Entwicklungen: Die letzte Variation steht in Des-Dur, bevor die Coda zum C-Dur des Themas zur\u00fcckkehrt. Mit zwei weiteren fr\u00fchen Klavierst\u00fccken zu einem Band vereinigt, sind diese Variationen in der Reihe Beyond the Waves bei Musikproduktion J\u00fcrgen H\u00f6flich erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Dezember 2022]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reinhard Schwarz-Schilling (1904\u20131985), Komponist der von Gott und Mensch, Mysterium, Passion und Gebet handelnden Kantate Die Botschaft, der Missa In Terra Pax, einer der gro\u00dfen A-cappella-Messen des 20.&nbsp;Jahrhunderts, sowie zahlreicher kleinerer kirchenmusikalischer Werke, war ein sakraler K\u00fcnstler durch und durch. 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