{"id":5597,"date":"2023-02-09T00:24:52","date_gmt":"2023-02-08T23:24:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5597"},"modified":"2023-02-25T14:42:51","modified_gmt":"2023-02-25T13:42:51","slug":"editorischer-meilenstein-die-komplette-floetenmusik-der-doppler-brueder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/02\/09\/editorischer-meilenstein-die-komplette-floetenmusik-der-doppler-brueder\/","title":{"rendered":"Editorischer Meilenstein: Die komplette Fl\u00f6tenmusik der Doppler-Br\u00fcder"},"content":{"rendered":"\n<p>Capriccio C7430 (12 CD); EAN: 8 45221 07430 6<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/C7430-Doppler-The-Complete-Flute-Music-1-12-front.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/C7430-Doppler-The-Complete-Flute-Music-1-12-front-1024x912.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5598\" width=\"516\" height=\"459\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/C7430-Doppler-The-Complete-Flute-Music-1-12-front-1024x912.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/C7430-Doppler-The-Complete-Flute-Music-1-12-front-300x267.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/C7430-Doppler-The-Complete-Flute-Music-1-12-front-768x684.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/C7430-Doppler-The-Complete-Flute-Music-1-12-front-1536x1368.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/C7430-Doppler-The-Complete-Flute-Music-1-12-front.jpg 1628w\" sizes=\"(max-width: 516px) 100vw, 516px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Als preisg\u00fcnstige Box kann man von Capriccio mittlerweile die Edition s\u00e4mtlicher Fl\u00f6tenwerke der <\/em>Doppler-Br\u00fcder Franz (1821\u20131883) und Carl (1825\u20131900)<em> erwerben. Im Laufe der Aufnahmesitzungen zwischen 2007 und 2020 wurden dabei zahlreiche Werke neu entdeckt, so dass der Umfang von den urspr\u00fcnglich geplanten 10 auf 12 randvolle CDs anwuchs. Eine editorische Meisterleistung, die vor allem dem unerm\u00fcdlichen Forscherdrang des katalanischen Fl\u00f6tisten <\/em>Claudi Arimany<em> zu verdanken ist, der auch musikalisch als Hauptprotagonist auftritt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die aus Lemberg \u2013 dem heutigen Lwiw \u2013 stammenden Br\u00fcder Franz und Carl Doppler machten in der k.&nbsp;u.&nbsp;k. Monarchie in vielf\u00e4ltiger Weise Karriere: Dirigierend brachte es Franz bis zum zeitweisen Chefdirigenten der Wiener Hofoper, Carl \u00fcber Budapest bis zum langj\u00e4hrigen 1.&nbsp;Kapellmeister in Stuttgart. Unvergessen blieben sie jedoch als Fl\u00f6tenvirtuosen und Komponisten, die europaweit auch gerne als Duo auftraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die gut zwanzig Opern und Ballette das eigentliche Zentrum des kompositorischen Schaffens von Franz Doppler bildeten, wobei er sowohl deutschsprachige als auch ungarische Libretti vertonte, sind die Fl\u00f6tenwerke der Br\u00fcder heute nat\u00fcrlich von herausragender Bedeutung, da diese sich von fr\u00fchester Jugend an mit \u201eihrem\u201c Instrument identifizierten und die Fl\u00f6te beider Werdeg\u00e4nge \u2013 zun\u00e4chst als Orchestermusiker \u2013 ma\u00dfgeblich f\u00f6rdern sollte. Man kann eine Reihe von \u201eGattungen\u201c des gut \u00fcber 100 St\u00fccke (auf den CDs 157 Tracks) umfassenden Katalogs ihrer Fl\u00f6tenmusik unterscheiden: Musik f\u00fcr zwei Fl\u00f6ten ohne Begleitung (St\u00fccke f\u00fcr Fl\u00f6te solo existieren nicht!), Musik f\u00fcr eine bzw. zwei Fl\u00f6ten und Klavier \u2013 darunter Originalkompositionen und Bearbeitungen, wobei Opernpotpourris eine besondere Bedeutung haben \u2013, Musik f\u00fcr Fl\u00f6te(n) mit anderen Besetzungen, schlie\u00dflich Werke f\u00fcr Fl\u00f6te(n) und Orchester.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Musik mit zwei Fl\u00f6ten und Klavier handelt es sich bisweilen um gemeinschaftliche Produktionen beider Doppler-Br\u00fcder, wohingegen die Opernpotpourris f\u00fcr zwei Solofl\u00f6ten s\u00e4mtlich von Franz stammen. Diese Bearbeitungen m\u00f6gen gegen\u00fcber den zeitgen\u00f6ssisch \u00fcblichen Reduktionen von Opernhits f\u00fcr Klavier vierh\u00e4ndig zun\u00e4chst etwas fremdartig anmuten, erweisen sich allerdings beim n\u00e4heren Hinh\u00f6ren als erstaunlich farbige und gekonnte Hilfsmittel zur Erschlie\u00dfung popul\u00e4ren Opernmaterials. Obwohl nur relativ simple Aneinanderreihungen der jeweils bekanntesten Melodien, sind sie klanglich befriedigend und dramaturgisch geschickt angelegt, bringen die Arien nicht chronologisch und beziehen zumeist als Rahmung Teile der Ouvert\u00fcren mit ein. Einige dieser Potpourris existieren zudem in der Fassung f\u00fcr eine Fl\u00f6te plus Klavier \u2013 und so finden sich in der Box musikalisch einige quasi \u201eDoubletten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Von ganz anderer Qualit\u00e4t sind dann schon die Fantasien bzw. Paraphrasen \u00fcber Fremdmaterial bzw. popul\u00e4re Volksmelodien f\u00fcr Fl\u00f6te(n) plus Klavier oder Orchester. Wenn Franz Doppler hier zwar nicht die H\u00f6he entsprechender Werke Liszts erreicht \u2013 die Klavierparts sind eh\u2018 immer \u201emachbar\u201c ausgelegt \u2013, gibt es darunter etliche ansprechende und musikalisch einfallsreiche und gehaltvolle St\u00fccke \u2013 zumindest mit virtuosen und dankbaren Fl\u00f6tenparts. Im <em>Duettino \u00fcber amerikanische National-Motive<\/em> op. 37 h\u00f6ren wir so nicht nur allseits bekanntes amerikanisches Liedgut, sondern zus\u00e4tzlich die Nationalhymne. Noch eine Stufe hochwertiger \u2013 zumindest f\u00fcr heutige Ohren \u2013 sind die echten \u201eOriginalkompositionen\u201c, gerade von Franz. Dabei f\u00f6rderte die gr\u00fcndliche Materialrecherche einige \u00dcberraschungen zu Tage: Vor allem entdeckte man in den Altbest\u00e4nden des Schott-Verlags \u2013 seit einigen Jahren im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek \u2013, dass das immer schon als echtes Kleinod beliebte <em>Andante et Rondo<\/em> op.&nbsp;25 f\u00fcr zwei Fl\u00f6ten und Klavier nur die beiden letzten S\u00e4tze einer veritablen viers\u00e4tzigen Sonate in C-Dur darstellt, deren Anfangss\u00e4tze Franz Doppler nicht ver\u00f6ffentlicht sehen wollte \u2013 warum auch immer. Originell sind weiterhin ein paar ungew\u00f6hnliche Besetzungen wie <em>Das Waldv\u00f6glein <\/em>op.&nbsp;21 f\u00fcr vier H\u00f6rner und Fl\u00f6te als Stimmungsbild mit klarer Rollenverteilung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzelnen CDs der Edition bedienen jeweils all diese Kategorien, wobei (in CDs 1\u20139) als kr\u00f6nender Abschluss etwas mit Orchester steht; teils in Orchestrierungen von Zeitgenossen. H\u00f6hepunkt hier ist nat\u00fcrlich Franz\u2018 Konzert d-Moll f\u00fcr zwei Fl\u00f6ten von 1854, das es durchaus mit der gro\u00dfen, dramatischen Konzertliteratur dieser Zeit f\u00fcr andere Instrumente aufnehmen kann, zweifellos ein Meisterwerk. CD\u00a012 bringt schlie\u00dflich noch Widmungen anderer Komponistenkollegen an Franz Doppler, darunter mehrere Fantasien \u00fcber dessen Opernthemen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der katalanische Fl\u00f6tist <em>Claudi Arimany <\/em>(Jahrgang 1955) war Sch\u00fcler des legend\u00e4ren <em>Jean-Pierre Rampal<\/em> (1922\u20132000) und gilt gerade als P\u00e4dagoge als dessen legitimer Nachfolger. Und \u2013 mit Erlaubnis von Delos \u2013 h\u00f6ren wir ihn auf CD&nbsp;10 sogar nochmal mit Rampal und besagtem Opus&nbsp;37 in einer Aufnahme von 1996. Arimany stemmt auch einen Gro\u00dfteil der Fl\u00f6tenparts der gesamten Box, wird aber von 17 weiteren Kollegen seines Fachs tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt, darunter Ber\u00fchmtheiten wie J\u00e1nos B\u00e1lint, Robert Aitken oder Lukas Dlugosz, deren Leistungen allesamt h\u00f6chsten Erwartungen gerecht werden. Ausgezeichnet ebenso die Sopranistin Ingrid Kertesi mit einem faszinierenden <em>P\u00e1sztorhangok <\/em>(CD&nbsp;2). Die Pianisten der Box k\u00f6nnen hingegen nicht vollst\u00e4ndig \u00fcberzeugen, liefern teilweise nur solide Begleitroutine ab, ohne klanglich oder musikalisch eigene Akzente zu setzen. Die verschiedenen, meist kleineren spanischen Orchester unter den jeweiligen Dirigenten machen ihre Sache daf\u00fcr mehr als ordentlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufnahmetechnisch gibt die gesamte Box keinen Anlass zur Kritik, auch wenn Hall und R\u00e4umlichkeit nicht immer optimal wirken. Interessant und sehr sorgf\u00e4ltig ediert sind die Booklets \u2013 leider zumindest in der Download-Version nur auf Englisch. In sich \u00fcber mehrere Heftchen fortsetzenden Essays erf\u00e4hrt der Leser nicht nur einiges aus dem Leben der Doppler-Br\u00fcder, teils autobiographisch wie \u00fcber Zeitzeugenberichte, sondern es gibt neben den detaillierten Informationen \u00fcber die einzelnen Werke zudem einige Spezialaufs\u00e4tze, die z.&nbsp;B. der Frage nachgehen, warum die Dopplers zeitlebens die moderne B\u00f6hm-Fl\u00f6te ablehnten und an der franz\u00f6sischen Klappenfl\u00f6te mit Tulou-System festhielten. Insgesamt kann man die editorische Leistung dieser Ver\u00f6ffentlichung in h\u00f6chsten T\u00f6nen loben. Und die Fl\u00f6tengemeinde darf nicht nur fast 15 Stunden herrlichster Musik genie\u00dfen \u2013 die allererste Gesamtaufnahme der Doppler-Kompositionen ist schlicht ein Muss!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Februar 2023]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Capriccio C7430 (12 CD); EAN: 8 45221 07430 6 Als preisg\u00fcnstige Box kann man von Capriccio mittlerweile die Edition s\u00e4mtlicher Fl\u00f6tenwerke der Doppler-Br\u00fcder Franz (1821\u20131883) und Carl (1825\u20131900) erwerben. 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