{"id":5637,"date":"2023-03-05T01:05:00","date_gmt":"2023-03-05T00:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5637"},"modified":"2023-04-27T21:09:11","modified_gmt":"2023-04-27T19:09:11","slug":"leonie-karatas-spielt-vitezslava-kapralovas-solo-klavierwerke-gediegen-und-impressionistisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/03\/05\/leonie-karatas-spielt-vitezslava-kapralovas-solo-klavierwerke-gediegen-und-impressionistisch\/","title":{"rendered":"Leonie Karatas spielt V\u00edt\u011bzslava Kapr\u00e1lov\u00e1s Solo-Klavierwerke \u2013 gediegen und impressionistisch"},"content":{"rendered":"\n<p>EuroArts 2069107; EAN: 8 80242 69107 1<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kapralova-Karatas_cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kapralova-Karatas_cover-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5638\" width=\"441\" height=\"441\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kapralova-Karatas_cover-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kapralova-Karatas_cover-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kapralova-Karatas_cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kapralova-Karatas_cover-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kapralova-Karatas_cover.jpg 1429w\" sizes=\"(max-width: 441px) 100vw, 441px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Bereits im letzten Sommer erschien auf EuroArts die neue Gesamtaufnahme des Solo-Klavierwerks der viel zu jung verstorbenen tschechischen Komponistin <\/em>V\u00edt\u011bzslava Kapr\u00e1lov\u00e1<em> (1915\u20131940), in Berlin eingespielt von der deutschen Nachwuchspianistin <\/em>Leonie Karatas. <em>Bislang eher als Randnotiz erw\u00e4hnt, wird es Zeit f\u00fcr ein ausf\u00fchrlicheres Pl\u00e4doyer f\u00fcr diese beachtliche Darbietung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigen teils schon etwas \u00e4lteren Produktionen aus Tschechien bzw. der damaligen Tschechoslowakei hatte vor anderthalb Jahren das Naxos-Label mit einem Querschnitt durch ihre Orchesterwerke erneut auf <em>V\u00edt\u011bzslava Kapr\u00e1lov\u00e1<\/em> aufmerksam gemacht (siehe unsere <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/tag\/amy-i-lin-cheng\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/tag\/amy-i-lin-cheng\/\" target=\"_blank\">Rezensionen<\/a>). Von einzelnen Klavierwerken der fast noch jugendlichen Hochbegabung existierten bereits verschiedene Einspielungen, allerdings auch erst eine Gesamtaufnahme \u2013 vom tschechischen Pianisten <em>Giorgio Koukl<\/em> auf Grand Piano.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Neuaufnahme des Klavierwerks durch <em>Leonie Karatas<\/em> \u2013 mit Unterst\u00fctzung der Kapr\u00e1lov\u00e1 Society \u2013 erweist sich nicht nur als erfreulich, sondern derjenigen Koukls in vielerlei Hinsicht deutlich \u00fcberlegen. Zwar stellt Jonathan Woolf, der sich die CD f\u00fcr <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.musicweb-international.com\/classrev\/2022\/Sep\/Kapralova-piano-2069107.htm\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.musicweb-international.com\/classrev\/2022\/Sep\/Kapralova-piano-2069107.htm\" target=\"_blank\">MusicWeb International<\/a> angeh\u00f6rt hat, zu Recht fest, dass Karatas\u2018 Tempi durchg\u00e4ngig langsamer sind als die Koukls, zieht daraus allerdings zu einseitige Schl\u00fcsse und vergleicht in einem Fall sogar \u00c4pfel mit Birnen: Leonie Karatas spielt bei den <em>Drei Klavierst\u00fccken op.\u00a09<\/em> als drittes \u2013 wie vorgesehen \u2013 <em>Scherzo Passacaglia<\/em>, Giorgio Koukl hingegen <em>anstatt<\/em> dieses dritten St\u00fcckes die <em>Grotesque Passacaglia.<\/em> Das sind zwar nur zwei Versionen desselben musikalischen Materials \u2013 jedoch enden sie in jeweils anderen Tonarten (A-Dur \u2013 passend zum Rest von Op. 9 \u2013 bzw. C-Dur); vor allem aber ist <em>Scherzo Passacaglia <\/em>um 40 Takte l\u00e4nger und braucht bei Karatas dann halt entsprechend 70 Sekunden mehr. Abgesehen davon, dass sich Karatas wom\u00f6glich selbst nicht dar\u00fcber im Klaren ist, es mit zwei verschiedenen St\u00fccken zu tun zu haben \u2013 in ihrem pers\u00f6nlichen Booklettext schreibt sie <em>\u201eScherzo Passacaglia, <\/em>auch<em> Grotesque Passacaglia <\/em>genannt<em>\u201c<\/em> \u2013 entdeckt sie bei real langsamerem Grundtempo allerdings darin so einen v\u00f6llig ironischen Wiener Walzer, wo sich Koukl mit ein wenig schr\u00e4ger neoklassizistischer Strenge begn\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da, wo die junge deutsche Pianistin sonst noch tats\u00e4chlich sp\u00fcrbar langsamer ist (etwa im <em>Praeludium <\/em>von Op.&nbsp;9), bringt sie daf\u00fcr immer Details zum Leben \u2013 deutlicher gemachte polyphone Stimmf\u00fchrung, sch\u00e4rfere dynamische Kontraste \u2013 und unterf\u00fcttert interessante harmonische Wendungen teilweise mit sinnvoller Agogik. Es stimmt freilich, dass dadurch an manchen Stellen der musikalische Fluss unn\u00f6tig z\u00e4h ger\u00e4t. Auf der anderen Seite wirkt die demonstrative Eloquenz des Routiniers Koukl keineswegs \u00fcberall stringenter, sondern oft auch schlicht langweilig. Karatas\u2018 reiche Farbpalette und ihre feine, sehr bewusste Anschlagskultur verleihen der Musik Kapr\u00e1lov\u00e1s \u2013 selbst Fr\u00fchwerken wie den <em>F\u00fcnf Klavierkompositionen <\/em>von 1931\u201332 \u2013 stets Gewicht und Charakter, ganz gem\u00e4\u00df der Pr\u00e4misse \u201ejeder [\u2026] noch so scheinbar \u00fcbertriebenen Emotion, jedem Stimmungswechsel, jedem Augenzwinkern Raum zu geben, sofern es die Musik stimmig erlaubt\u201c. Dazu kommt eine exzellente Aufnahmetechnik, die den Steinway in der Berliner \u00d6lberg-Kirche r\u00e4umlich und dynamisch hervorragend abbildet, wohingegen Koukls Fl\u00fcgel schon suboptimal gestimmt ist und dadurch unentwegt unsch\u00f6ne Obertonartefakte produziert.<\/p>\n\n\n\n<p>In den vier <em>April-Pr\u00e4ludien <\/em>op.&nbsp;13 gelingt so eine bemerkenswerte Kombination von schon enormer Virtuosit\u00e4t \u2013 gerade im vierten, durchaus an Prokofieff erinnernden St\u00fcck \u2013 und ergreifender Schlichtheit (3.&nbsp;Pr\u00e9lude), bei der Karatas keinerlei Details \u00fcberspielt und emotional ebenso verst\u00e4ndlich bleibt. Nicht nur hier passieren \u00fcbrigens Koukl einige Lesemissverst\u00e4ndnisse: In den Schlusstakten des <em>Andante semplice <\/em>muss es z.&nbsp;B. in der Oberstimme dreimal <em>h <\/em>hei\u00dfen. Zwei fehlende Aufl\u00f6sungszeichen in den letzten drei Takten sind ein Fehler des Erstdrucks; Karatas macht es richtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden kniffligsten und musikalisch anspruchsvollsten Klavierwerke der Tschechin \u2013 die gro\u00dfartige <em>Sonata Appassionata<\/em> op.&nbsp;6 sowie die <em>Variations sur le carillon de l\u2019\u00e9glise St-\u00c9tienne-du-Mont<\/em> op.&nbsp;16 meistert Leonie Karatas eh\u2018 \u00fcberzeugend. Gerade in den technisch vertrackten Passagen \u2013 dem Fugato im Variationssatz der Sonate und der 4.&nbsp;Variation <em>\u201aQuasi \u00e9tude vivo\u2018<\/em> des Carillon \u2013 zeigt sich ihre bestechende Pianistik. Insgesamt betrachtet sie Kapr\u00e1lov\u00e1s Klavierwerk etwas zu sehr von der franz\u00f6sisch-impressionistischen Seite. Immerhin ertr\u00e4nkt sie trotz dieser Lesart nicht derart viel im Pedal wie Koukl. Die wild-slawischen Momente kommen in ihrer Ungez\u00fcgeltheit jedoch fast ein wenig zu kurz: Hier br\u00e4uchte es sogar noch mehr Mut zum Extrem. Einen spannend-irritierenden H\u00f6rgenuss bietet diese gelungene CD allemal.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergleichsaufnahme: <\/strong>Giorgio Koukl (Grand Piano GP708, 2016)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, M\u00e4rz 2023]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EuroArts 2069107; EAN: 8 80242 69107 1 Bereits im letzten Sommer erschien auf EuroArts die neue Gesamtaufnahme des Solo-Klavierwerks der viel zu jung verstorbenen tschechischen Komponistin V\u00edt\u011bzslava Kapr\u00e1lov\u00e1 (1915\u20131940), in Berlin eingespielt von der deutschen Nachwuchspianistin Leonie Karatas. Bislang eher als Randnotiz erw\u00e4hnt, wird es Zeit f\u00fcr ein ausf\u00fchrlicheres Pl\u00e4doyer f\u00fcr diese beachtliche Darbietung. Nach &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/03\/05\/leonie-karatas-spielt-vitezslava-kapralovas-solo-klavierwerke-gediegen-und-impressionistisch\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Leonie Karatas spielt V\u00edt\u011bzslava Kapr\u00e1lov\u00e1s Solo-Klavierwerke \u2013 gediegen und impressionistisch<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[128,4589,4229],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5637"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5637"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5637\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5690,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5637\/revisions\/5690"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}