{"id":565,"date":"2016-03-01T22:08:51","date_gmt":"2016-03-01T21:08:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=565"},"modified":"2016-03-01T22:08:51","modified_gmt":"2016-03-01T21:08:51","slug":"jubilaeum-in-regensburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/01\/jubilaeum-in-regensburg\/","title":{"rendered":"Jubil\u00e4um in Regensburg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sein 30j\u00e4hriges Bestehen feiert das Regensburger Amateur-Orchester am Singr\u00fcn mit drei Konzerten, am 20. Februar in Nittenau, am 21. in Viechtach und am 28. im heimischen Audimax der Universit\u00e4t Regensburg. Lutz Landwehr von Pragenau dirigiert Ludwig van Beethovens Egmont-Overt\u00fcre f-Moll Op. 84, das Cellokonzert h-Moll Op. 104 von Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k sowie die Erste Symphonie in c-Moll Op. 68 von Johannes Brahms. Der Solist ist Johannes K\u00f6nig.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade nach den Konzerten des Musica-Viva-Wochenendes in M\u00fcnchen ist es wieder eine angenehm klingende Wohltat, ein Programm h\u00f6ren zu d\u00fcrfen wie das am 28. Februar im Audimax der Universit\u00e4t Regensburg. Nach ihren letzten Programmen mit teils nicht ganz so im Konzertleben etablierten Werken von Sergej Prokofieff oder Nino Rota gibt es am heutigen Abend ausschlie\u00dflich Standardwerke der Konzertliteratur. Die Ouvert\u00fcre zu Goethes Egmont ist eine der ersten reinen Konzertouvert\u00fcren, sie fasst die gesamte Handlung des Dramas musikalisch zusammen und nimmt dabei noch die Siegessymphonie der Schauspielmusik vorweg. Nach der Enthauptungspassage schwenkt die bisher so bedrohlich-d\u00fcstere Musik in \u00fcberschw\u00e4nglichen Jubel um und das Opfer Egmonts wird durch die Freiheit des Landes belohnt, wobei die Piccolofl\u00f6te ihren vielleicht ersten gro\u00dfen wie zentralen Auftritt der Musikgeschichte erf\u00e4hrt. Das sp\u00e4te Cellokonzert Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1ks z\u00e4hlt als K\u00f6nigswerk der Gattung, blieb allerdings ein Einzelkind &#8211; ein fr\u00fcherer Versuch wurde vom Komponisten weder orchestriert noch ver\u00f6ffentlicht. Das Konzert zeichnet sich durch die Dvo\u0159\u00e1k-typische Zelebrierung seiner eing\u00e4ngigen Themen und Motive wie durch einen sehr dichten und die M\u00f6glichkeiten des Instruments vollkommen ausnutzenden Solopart aus, der in den Ecks\u00e4tzen keine Solokadenz erh\u00e4lt. Nach der Pause gibt es dann die erste Symphonie c-Moll von Johannes Brahms, dem diese Leistung erst nach jahrzehntelangem Ringen gelingen mochte, mehrfach unter der Last, es Beethoven gleichtun zu wollen, einknickend. Und wie auch in dessen Symphonien, Extremfall in der Neunten, ist Brahms&#8216; erstes symphonisches Werk absolut finalfokussiert und erf\u00e4hrt dort eine in strahlendem C-Dur ausm\u00fcndende Apotheose, die thematisch sogar ein wenig an &#8222;Freude sch\u00f6ner G\u00f6tterfunken&#8220; erinnert, diese \u00c4hnlichkeit aber geschickt &#8211; fast schelmisch &#8211; sogleich durch leichte Variation kaschiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Charakteristisch f\u00fcr das Orchester am Singr\u00fcn ist ein recht trockener Klang ohne \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel Vibrato in den Streichern. Die Laienmusiker agieren auf recht beachtlichem Niveau und sogar das sonst bei Laienorchestern meist sehr risikobehaftete Blech spielt heute ziemlich sauber. Dynamisch kann das Orchester viele fein abgestufte Nuancen hervorbringen, was den Werken einen bezaubernden Ausdrucks- und Farbenreichtum verleiht, und was zweifellos das Verdienst des Dirigenten Lutz Landwehr von Pragenau ist. Erfreulich sind bei diesem Klangk\u00f6rper vor allem die tiefen Streicher, die einen angenehm warmen und pr\u00e4zisen Klang haben und mit dem Vibrato sparsam umgehen, was gerade im Vergleich mit der \u00fcblichen Streicherpraxis wohltuend erscheint. Auch die Holzbl\u00e4ser spielen exakt, feinf\u00fchlig und mit viel sanglicher Anteilnahme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem markigen und ebenso trockenen Klang kann sich Johannes K\u00f6nig gut dem Orchester gegen\u00fcber behaupten im Violoncellokonzert von Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k. Mit dem hochvirtuosen Solopart und dessen technischen Schwierigkeiten kommt der junge Cellist bestens zurecht und spielt mit hoher Dichte und Konzentration. Jedoch nimmt er die Tempi gern um einiges zu schnell, wodurch die S\u00e4tze teilweise etwas br\u00f6ckeln &#8211; gerade der letzte trotzige Finalaufbau droht, zu zerfallen. Die Tempi sind allerdings auch allgemein ein wenig wackelig an diesem Abend, schon bei Egmont irritiert, dass er teilweise auf Viertel genommen wird anstatt auf die vorgeschriebenen Halben, und auch bei Brahms h\u00e4tte teilweise etwas mehr Ruhe nicht geschadet. Als Zugabe gibt Johannes K\u00f6nig zusammen mit einigen Musikern des Orchesters noch den Schwan von <em>Camille Saint<\/em><em>&#8211;<\/em><em>Sa\u00ebns aus dem Karneval der Tiere. Hier zeigt er, bei fast schon ulkig uhrwerkhaft-mechanischer Begleitung unter F\u00fchrung des recht humorfrei erscheinenden Konzertmeisters, dass neben der halsbrecherisch-virtuosen H\u00f6chstleistung auch das lyrische Moment eine seine St\u00e4rken ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Mann des Abends ist zweifelsohne Lutz Landwehr von Pragenau, der bereits als Gr\u00fcndungsmitglied des Orchesters mitwirkte und auch heute wieder an dessen Spitze steht. Ihm gelingt es nicht nur, das Laienorchester gut zusammenzuhalten und zur Gestaltung auf artikulatorischer wie dynamischer Ebene anzuregen. Seine Bewegungen sind eine wirkliche Kunst f\u00fcr sich, alles ist sehr zentral aus dem K\u00f6rperzentrum heraus empfunden in einem einzigen gro\u00dfen Fluss, der die Musik direkt bildlich zu beschreiben vermag. Mit seinen ausladenden Gesten animiert er die Musiker zu gr\u00f6\u00dfter Anteilnahme. Wenn zwar an diesem Abend einige kleinere Pannen im Orchester passieren und es einige Stellen gibt, die nicht ganz so vollendet erklingen, so zeigt sich doch, welch eine gewaltige Leistung in der Arbeit dieses Dirigenten steckt und wie ein solches Orchester von dieser Leistung anh\u00e4ngt. Lutz Landwehr von Pragenau geh\u00f6rt definitiv nicht zu den Dirigenten, die ihre Assistenten die Arbeit machen lassen, um danach auf der B\u00fchne eine gro\u00dfe Show abzuziehen, wie man es bei manchen A-Orchestern oft erleben muss &#8211; sieht man den Vergleich, f\u00e4llt dies schon bei den ersten Takten ins Auge. Es w\u00fcrde mich wirklich einmal interessieren, auch eines seiner eigenen Orchesterwerke live zu h\u00f6ren! <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als Zugabe gibt es noch den Ungarischen Tanz in g-Moll von Johannes Brahms, der besonders schwungvoll gelingt und wo das Orchester in h\u00f6chster Motivation noch einmal zeigen kann, wie viele dynamische Nuancen sie aus der kurzen Miniatur herausholen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>[Oliver Fraenzke, Februar 2016]<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein 30j\u00e4hriges Bestehen feiert das Regensburger Amateur-Orchester am Singr\u00fcn mit drei Konzerten, am 20. Februar in Nittenau, am 21. in Viechtach und am 28. im heimischen Audimax der Universit\u00e4t Regensburg. 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