{"id":567,"date":"2016-03-02T23:31:02","date_gmt":"2016-03-02T22:31:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=567"},"modified":"2016-03-04T23:09:18","modified_gmt":"2016-03-04T22:09:18","slug":"das-atmen-der-stille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/02\/das-atmen-der-stille\/","title":{"rendered":"Das Atmen der Stille"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">primTON Thomas Hammer Label &amp; Musikverlag, pT-1132; EAN: 4 250523 311329<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/0032.jpg\" rel=\"attachment wp-att-577\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-577\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/0032-295x300.jpg\" alt=\"2.0. 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Der Zyklus aus 64 St\u00fccken, in vier Teile zu je 16 St\u00fccken &#8211; also jeweils vier Mal vier &#8211; geteilt, sollte drei Jahre seiner Schaffenszeit in Anspruch nehmen und mit \u00fcber 70 Minuten Spielzeit der bisher l\u00e4ngste Zyklus des Berliner Komponisten werden. 2015 erschien die Aufnahme mit Martin Torp selbst am Klavier bei primTON.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vierundsechzig St\u00fccke von Reflections haben allesamt einen \u00e4u\u00dferst ruheverstr\u00f6menden, ja gar meditativen Charakter. In aphoristischer K\u00fcrze stellt sich jede der Miniaturen gleich einem kleinen Kristallsplitter vor, durch den sich eine fragmentarische Welt auftut, die sofort wieder in sich zusammensinkt. Fast alle St\u00fccke sind in langsamem Grundtempo und von behutsam-ruhigem Gestus, schnelle Notenwerte sind die absolute Ausnahme, ebenso Anwachsen der Dynamik \u00fcber mezzoforte hinaus. Jedoch sind Ausdruck und musikalischer Stil der Miniaturen vollst\u00e4ndig verschieden, \u00e4u\u00dferst vielseitig, obgleich sie alle aus der Stille kommen und wieder dorthin gehen langsamen Atemz\u00fcgen gleich (interessant, dass Martin Torp diese Assoziation, die mir sogleich beim Anh\u00f6ren kam, auch im Booklet ganz zentral herausstreicht). Die Musik bewegt sich weitestgehend im tonalen Bereich, weist Einfl\u00fcsse von alter Musik ebenso wie von Minimalmusic auf und erh\u00e4lt in vielen Miniaturen einen deutlichen Popmusikanstrich durch die schlichte wie doch changierende Harmonik und die handwerklich exquisite Einfachheit des Satzes. Freilich werden auch andere Einfl\u00fcsse &#8222;reflektiert&#8220;, so beruft sich Torp namentlich auf Brahms, Messiaen, Sch\u00f6nberg, Glass und Strawinsky, an die jeweils in einer Miniatur angelehnt wird bis hin zum Grenzbereich einer Stilkopie, welcher allerdings zu keiner Zeit \u00fcberschritten wird; und in manchen St\u00fccken st\u00fctzt sich der Komponist auch auf orientalische Einfl\u00fcsse. Zudem lassen sich meines Erachtens deutliche Parallelen zu franz\u00f6sischen und spanischen Impressionisten sowie Postimpressionisten heraush\u00f6ren. Sollte versucht werden, alle St\u00fccke auf einen einzigen Nenner herunterzubrechen, so muss zweifelsohne der meditative bis spirituelle Aspekt genannt werden, der alle Nummern einem roten Faden gleich durchzieht, die 64 St\u00fccke zusammenh\u00e4lt, die Fragmente auf einer \u00fcbergeordneten Ebene zu einer Einheit verschmelzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch als Pianist kann Martin Torp eine gro\u00dfe Gelassenheit verstr\u00f6men, er nimmt seine Miniaturen mit einer enormen Leichtigkeit und Lockerheit. Er kann die feinen Dynamikabstufungen wunderbar abschattieren und erreicht ein immenses Spektrum klanglicher Feinheiten, was bei solch einer nur im unteren Lautst\u00e4rkenbereich sich abspielenden Musik auch von zentraler Bedeutung ist. Sein Spiel ist sogar im \u00e4u\u00dfersten Pianissimobereich noch voll, rund und leicht hallig, das Pedal verwendet er allerdings zu keiner Zeit \u00fcberm\u00e4\u00dfig lang und l\u00e4sst nichts verschwimmen, soweit es nicht ausdr\u00fccklich so beabsichtigt ist. Man sp\u00fcrt deutlich ein gro\u00dfes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den musikalischen Fluss und f\u00fcr das durchgehende Wechselprinzip von Spannung und Entspannung, das im Spiel Martin Torps plastisch zum Ausdruck kommt. Reflections ist eine Einspielung von tiefgehender spiritueller Erfahrung, wahrlich Balsam f\u00fcr die Seele, beruhigend und dennoch nicht nur auf schlichten meditativen Formeln beruhend, sondern stets echten musikalischen Gehalt aufweisend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Februar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>primTON Thomas Hammer Label &amp; Musikverlag, pT-1132; EAN: 4 250523 311329 \u00a0 Der deutsche Komponist Martin Torp spielt auf einer CD f\u00fcr das Label primTON seinen Klavierzyklus Reflections, 64 miniatures for piano ein, den er von 2009 bis 2012 komponierte. 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