{"id":5750,"date":"2023-06-15T23:49:00","date_gmt":"2023-06-15T21:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5750"},"modified":"2023-06-15T23:49:14","modified_gmt":"2023-06-15T21:49:14","slug":"ein-panorama-georgischer-und-russischer-klaviermusik-des-20-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/06\/15\/ein-panorama-georgischer-und-russischer-klaviermusik-des-20-jahrhunderts\/","title":{"rendered":"Ein Panorama georgischer und russischer Klaviermusik des 20.\u00a0Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"\n<p>Thorofon, CTH2677, EAN: 4 003913 126771<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Kandashvili.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Kandashvili-1024x1018.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5751\" width=\"497\" height=\"494\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Kandashvili-1024x1018.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Kandashvili-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Kandashvili-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Kandashvili-768x764.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Kandashvili.jpg 1436w\" sizes=\"(max-width: 497px) 100vw, 497px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Der junge georgische Pianist Misho Kandashvili pr\u00e4sentiert auf seinem Deb\u00fctalbum ein buntes Spektrum an georgischer und russischer Klaviermusik des 20. Jahrhunderts. Neben bekannten Namen wie Kantscheli, Prokofjew oder (fr\u00fchem) Schnittke gibt es hier etliche auf CD nur sp\u00e4rlich vertretene Komponisten zu entdecken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr seine (bereits im letzten Jahr erschienene) Deb\u00fct-CD beim Label Thorofon hat der georgische Pianist Misho Kandashvili, 1993 in Tiflis geboren, ein recht vielf\u00e4ltiges Programm von Werken georgischer und russischer Komponisten zusammengestellt. Dabei d\u00fcrfte gerade der georgische Teil des Albums f\u00fcr viele Musikfreunde unserer Gefilde einen anregenden Einblick in die Musikszene eines bislang wom\u00f6glich eher weniger beachteten Landes bieten, w\u00e4hrend der russische Teil die bekannteren Namen und am Ende mit Prokofjews <em>Klaviersonate Nr.&nbsp;3<\/em> ein genuines Repertoirest\u00fcck aufbietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es lohnt sich, zu Beginn wenigstens einen kurzen Blick auf die Geschichte der georgischen klassischen Musik zu werfen. Die Entwicklungen, die man im Russland des 19.&nbsp;Jahrhunderts mit Glinka, der Gruppe der F\u00fcnf, Tschaikowski und vielen mehr verzeichnen kann, setzte in der Peripherie des Russischen Reichs, den sp\u00e4teren Sowjetrepubliken, einige Jahrzehnte, im Falle Zentralasiens sogar eher ein Jahrhundert sp\u00e4ter in durchaus vergleichbarer Form ein. In Georgien etwa gab es eine erste Generation von Komponisten, geboren ab den 1860er Jahren (wie Meliton Balantschiwadse, Sakaria Paliaschwili, Dmitri Arakischwili oder Viktor Dolidse), die in erster Linie Vokalmusik schufen, besonders prominent nat\u00fcrlich (National-) Opern. Ungef\u00e4hr mit der Gr\u00fcndung der Sowjetunion und der allm\u00e4hlichen Etablierung von Institutionen wie Konservatorien oder Orchestern kam eine zweite Generation ins Spiel, die nun auch verst\u00e4rkt Instrumentalmusik schuf. So war es etwa Andria Balantschiwadse (der Sohn des oben erw\u00e4hnten Meliton Balantschiwadse und Bruder des Choreographen Georges Balanchine), der das erste georgische Ballett komponierte, und seine <em>Sinfonie Nr.&nbsp;1<\/em> aus dem Jahre 1944 wurde allgemein als Meilenstein der georgischen Sinfonik betrachtet. Man beachte insbesondere: die Geschichte der georgischen Sinfonik beginnt also faktisch erst in den 1940er Jahren! So jung ist diese Musikszene (jedenfalls, was klassische Musik westlicher Pr\u00e4gung anbelangt), und gleichzeitig ist es beeindruckend zu sehen, wie rasch sich in der Folge eine Musikkultur von mehr als beachtlichem Niveau entwickelte (um beim Beispiel der Sinfonik zu bleiben, kommen dann noch in den 1940ern Namen wie Schalwa Mschwelidse, Aleksi Matschawariani oder Otar Taktakischwili hinzu, nur wenig sp\u00e4ter auch Sulchan Zinzadse oder Sulchan Nassidse). Auch dies sind Aspekte sowjetischer Musikgeschichte, die freilich h\u00e4ufig unbeachtet bleiben. Insofern kann man Kandashvilis Album auch als einen \u00dcberblick, eine Sammlung von Kostproben vom Schaffen dieser Komponisten begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Beginn der CD stehen acht der zw\u00f6lf <em>Romantischen St\u00fccke<\/em> des bereits erw\u00e4hnten Andria Balantschiwadse (1906\u20131992). Dabei handelt es sich um einen Zyklus aus dem Jahre 1972, was insofern von Bedeutung ist, als dass man Balantschiwadse hier zu einer Zeit erlebt, zu der er sich intensiver mit moderneren Tendenzen befasste als in fr\u00fcheren Jahren (wenigstens tendenziell schrieben die meisten sowjetischen Komponisten \u2013 nat\u00fcrlich insbesondere politisch bedingt \u2013 im Sp\u00e4tstalinismus ihre traditionellsten Werke, sp\u00e4testens ab den 1960er Jahren werden dann in unterschiedlichem Ma\u00dfe modernere Einfl\u00fcsse rezipiert). Balantschiwadse bewegt sich dabei in eher gem\u00e4\u00dfigten Bahnen, Atonalit\u00e4t spielt keine Rolle, wohl aber Bi- und Polytonalit\u00e4t, und ganz generell ist der Titel leicht irref\u00fchrend, denn so romantisch wirken diese eher etwas herben Miniaturen eigentlich nicht. In der Tat, denkt man dabei an einen warmen, vollen Klaviersatz, wird man von der eher kargen Zweistimmigkeit (und den gelegentlichen Sekundreibungen) von Nr.&nbsp;2 und Nr.&nbsp;4 \u00fcberrascht werden, die <em>Freude<\/em> in Nr.&nbsp;7 ist ebenfalls keine \u00fcbersch\u00e4umende, und auch dann, wenn sich Nr.&nbsp;10 als eine Art folkloristisch kolorierte Aria in Es-Dur darstellt, \u00e4hnlich wie sie Otar Taktakischwili meisterhaft zu komponieren wusste, sorgt Balantschiwadse mit allerlei herberen Einsprengseln f\u00fcr eine gewisse Distanz. \u00dcberhaupt k\u00f6nnte man davon sprechen, dass die romantischen Topoi, die die Titel der St\u00fccke zweifelsohne suggerieren, eben aus der Distanz betrachtet, ein wenig verfremdet werden. Einen Bogen schlagen dabei die an Prokofjew gemahnenden <em>Gr\u00fc\u00dfe<\/em> (Nr.&nbsp;1), die am Ende des letzten St\u00fccks zitiert werden. Ein nicht immer unbedingt eing\u00e4ngiger und teilweise auch etwas spr\u00f6der, aber insgesamt nicht uninteressanter Zyklus.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutlich fr\u00fcher, n\u00e4mlich bereits 1951, entstand das <em>Poem<\/em> von Balantschiwadses Sch\u00fcler Otar Taktakischwili (1924\u20131989). Taktakischwili konnte bereits als junger Mann mit seinen Kompositionen re\u00fcssieren; dass er mit seinem Beitrag den Wettbewerb f\u00fcr die Hymne der Georgischen SSR gewann, war offenbar f\u00fcr ihn selbst zun\u00e4chst eine \u00dcberraschung, aber gegen Ende der 1940er Jahre trat er mit einer Reihe gr\u00f6\u00dferer Werke hervor, die durch ihre ungemein einpr\u00e4gsame Melodik, effektvolle Dramatik, farbenreiche Orchestrierung und gro\u00dfe Geste bestechen \u2013 dabei stets deutlich an der georgischen Folklore orientiert \u2013 und entsprechende Resonanz fanden. Sein <em>Klavierkonzert Nr.&nbsp;1<\/em> etwa ist ein echter Rei\u00dfer, eigentlich wohl eines der publikumswirksamsten Klavierkonzerte jener Zeit, wenn es denn nur einmal aufgef\u00fchrt w\u00fcrde. Sp\u00e4ter wandte sich Taktakischwili, der u.&nbsp;a. auch Generalsekret\u00e4r des georgischen Komponistenverbands und langj\u00e4hriger Kulturminister der Georgischen SSR war, verst\u00e4rkt, aber nicht ausschlie\u00dflich Vokalmusik zu, etwa in Form von Opern oder national get\u00f6nten Oratorien; zu seinen inspiriertesten Instrumentalwerken jener Zeit z\u00e4hlen das <em>Violinkonzert Nr.&nbsp;1 f-moll<\/em> von 1976 oder das Mitte der 1980er komponierte <em>Streichquartett<\/em>. Moderne Tendenzen spielen in Taktakischwilis Schaffen auch in sp\u00e4teren Jahren eine eher untergeordnete Rolle, auch wenn es sicherlich einen Unterschied gemacht h\u00e4tte, wenn sich Kandashvili beispielsweise f\u00fcr die Klaviersuite <em>Imitation georgischer Volksinstrumente<\/em> (1973) entschieden h\u00e4tte. Das kurze <em>Poem<\/em>, das auch unter dem Titel Elegie durchgehen k\u00f6nnte, ist ein eher kleineres Werk, wobei das lyrische, melismatisch gepr\u00e4gte Melos dieses St\u00fccks die charakteristische Handschrift seines Sch\u00f6pfers deutlich verr\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders als Komponistin von Musik f\u00fcr Kinder hervorgetreten ist die gleichaltrige Meri Dawitaschwili (1924\u20132014), ebenfalls Sch\u00fclerin Balantschiwadses. Ihr <em>Chorumi<\/em> (ein georgischer Kriegstanz) aus dem Jahre 1949 (oder bereits 1945?) ist ein kurzes, rhythmisch pointiertes, sehr effektvolles Konzertst\u00fcck im 5\/8-Takt, das nicht nur in der Wahl der Tonart (es-moll) einen gewissen Einfluss von Chatschaturjans Toccata verr\u00e4t (man beachte etwa die markante Akkordik des Beginns). Der bei weitem bekannteste georgische Komponist dieser Zusammenstellung ist Gija Kantscheli (1935\u20132019), der hier mit vier St\u00fccken aus seiner <em>Simple Music<\/em>, einer Sammlung von 33 Miniaturen nach (eigenen) Filmmusiken, vertreten ist, kurze Skizzen, Petitessen, von leichter Hand gezeichnet, betont schlicht gehalten und mit einer gewissen N\u00e4he zur Salonmusik gekonnt spielend.<\/p>\n\n\n\n<p>Wascha Asaraschwili (* 1936) schlie\u00dflich, einmal mehr ein Sch\u00fcler Balantschiwadses, hat neben einem expressiven, durchaus national get\u00f6nten Neoklassizismus (repr\u00e4sentiert z.&nbsp;B. durch sein <em>Cellokonzert Nr.&nbsp;1<\/em>, f\u00fcr das sich in j\u00fcngerer Zeit Maximilian Hornung eingesetzt hat) auch eine Vielzahl von Werken geschaffen, die eher in Richtung Unterhaltungsmusik gehen, u.&nbsp;a. zahlreiche Lieder. In diesen Kontext geh\u00f6rt auch sein <em>Nocturne<\/em> aus dem Jahr 1986, das zudem in einer Version f\u00fcr Orchester vorliegt, eine Art Arie zun\u00e4chst in G-Dur, sp\u00e4ter dann nach E- und schlie\u00dflich \u2013 emphatisch gesteigert, am Ende Harfenkl\u00e4nge suggerierend \u2013 C-Dur wechselnd; ein St\u00fcck, das man sich auch sehr gut als Filmmusik vorstellen k\u00f6nnte. Im Unterschied zu Kantscheli spielt Asaraschwili weniger mit entsprechenden Vorlagen, sondern adaptiert sie. F\u00fcr mich bleibt hier ein leicht zwiesp\u00e4ltiger Eindruck, weil sich die Musik doch arg direkt an Paradigmen westlicher Unterhaltungsmusik orientiert (wobei Asaraschwili damit kein Einzelfall ist, man denke etwa an Andrei Eschpais leichtere Ader).<\/p>\n\n\n\n<p>So interessant ein georgisches Programm per se ist, ist die Idee, ihm einen russischen Part gegen\u00fcberzustellen, grunds\u00e4tzlich berechtigt, allein schon deshalb, weil die russische Musik nat\u00fcrlich \u2013 wie in nahezu allen ehemaligen Sowjetrepubliken \u2013 bei der Entwicklung der georgischen klassischen Musik eine wichtige Rolle gespielt hat. Man darf sich die zweite Programmh\u00e4lfte allerdings weniger als Spiegelbild der ersten vorstellen, denn bereits angesichts des obigen kurzen historischen Abrisses ist ziemlich klar, dass es keinen georgischen Prokofjew oder georgischen Mossolow gegeben haben kann. Insofern darf die Wahl der russischen Beitr\u00e4ge auf dieser CD wohl insbesondere als Zusammenstellung von Werken gelten, die Kandashvili selbst wichtig sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Alexander Mossolow (1900\u20131973) geh\u00f6rt zweifelsohne zu den Komponisten, deren Schaffen durch die politischen Rahmenbedingungen der Sowjetunion am st\u00e4rksten und am nachhaltigsten beeinflusst wurde, sodass man in seinem Fall ganz deutlich von zwei sehr unterschiedlichen Schaffensperioden sprechen kann: auf der einen Seite das radikale, expressionistische, avantgardistische Fr\u00fchwerk, auf der anderen die Zeit nach dem Gulag (1937\/38), die zu gro\u00dfen Teilen einen v\u00f6llig ver\u00e4nderten Komponisten zeigt. Mossolows <em>Klaviersonate Nr.&nbsp;4 op.&nbsp;11 (1925)<\/em> geh\u00f6rt zu seinem fr\u00fchen Schaffen, ein Eins\u00e4tzer, dessen tritonusges\u00e4ttigte Harmonik, voller Klaviersatz (manchmal Glockenkl\u00e4nge beschw\u00f6rend) und dunkel-fatalistisch get\u00f6nte Ausdruckssph\u00e4ren weniger an Prokofjew erinnern, dessen Musik Mossolow grunds\u00e4tzlich wesentlich beeinflusst hat, sondern entschieden an den sp\u00e4ten Skrjabin ankn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den hier eingespielten <em>Drei Pr\u00e4ludien<\/em> von Alfred Schnittke (1934\u20131998) handelt es sich um Juvenilia aus den Jahren 1953\/54, pr\u00e4ziser um die ersten drei St\u00fccke einer Sammlung, die bei Toccata Classics als <em>Sechs Pr\u00e4ludien<\/em> auf CD ver\u00f6ffentlicht worden bzw. unter dem Titel <em>F\u00fcnf Pr\u00e4ludien und Fuge<\/em> im Druck erschienen ist. Man darf bei diesen (h\u00fcbschen) St\u00fccken nicht an den reifen Schnittke denken; vielmehr vollzieht der junge Komponist hier Muster aus der Klaviermusik des 19.&nbsp;Jahrhunderts nach bis hin zu Einfl\u00fcssen von Nikolai Mjaskowski (sehr deutlich im zweiten Pr\u00e4ludium), bei dessen Sch\u00fcler Jewgeni Golubew (1910\u20131988) Schnittke seinerzeit im \u00dcbrigen selbst am Moskauer Konservatorium studierte. Am Ende des Programms steht Sergei Prokofjews (1891\u20131953) kompakte, energisch-brillante <em>Klaviersonate Nr.&nbsp;3 a-moll op. 28<\/em>, wiederum ein Eins\u00e4tzer also, den Prokofjew 1917 \u201enach alten Skizzen\u201c (aus dem Jahr 1907) verfasste.<\/p>\n\n\n\n<p>Misho Kandashvili pr\u00e4sentiert sich auf dieser CD als technisch beschlagener, umsichtig und kontrolliert musizierender Pianist. Seine Interpretationen muten in der Tendenz eher sachlich-ausgeglichen als (emotional) zugespitzt an. So wirkt Balantschiwadses eigene Interpretation seiner <em>Romantischen St\u00fccke<\/em> eine Spur w\u00e4rmer, aber andererseits l\u00e4sst Kandashvili z.&nbsp;B. den <em>Gl\u00fcckseligen Abend<\/em> in Nr.&nbsp;6 sehr sch\u00f6n, die ruhigen, wohlig-entspannten Linien dieser Musik vorz\u00fcglich nachvollziehend zur Entfaltung kommen, \u00fcberzeugt er in der <em>Erleuchtung<\/em> von Nr.&nbsp;10 durch differenzierte Anschlagskultur. Voll in seinem Element ist er in Kantschelis Miniaturen, Taktakischwilis <em>Poem<\/em> k\u00f6nnte vielleicht etwas mehr Emphase und Dawitaschwilis <em>Chorumi<\/em> etwas mehr Ekstase vertragen, wobei er das treibende rhythmische Element im <em>Chorumi<\/em> klar herausarbeitet und seine Interpretation nie rabiat oder \u00fcber Geb\u00fchr forciert wirkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt \u00fcberzeugend und im Vergleich zu den anderen St\u00fccken eigentlich fast \u00fcberraschend massiv, wuchtig auch die Interpretation von Mossolows <em>Sonate Nr.&nbsp;4<\/em>, deren bedrohliche, d\u00fcster-vergr\u00fcbelte Atmosph\u00e4rik Kandashvili gekonnt zu realisieren wei\u00df. Tats\u00e4chlich ist es vor allem Prokofjews <em>Dritte Sonate<\/em>, die etwas schw\u00e4cher ger\u00e4t, nicht nur angesichts der nat\u00fcrlich extrem dichten diskographischen Konkurrenz. Die fulminante Verve etwa von Gilels\u2019 Live-Mitschnitten geht Kandashvilis \u2013 gewiss solider \u2013 Lesart ab, aber auch generell w\u00e4ren hier intensiver nachvollzogene musikalische Linien (speziell in den zur\u00fcckgenommeneren Abschnitten), pr\u00e4ziser herausarbeitete Kontraste und st\u00e4rkere Differenzierung m\u00f6glich (nur als Beispiel beachte man etwa die kurzen Quasi-tromba-Einw\u00fcrfe in der Coda, die bei Kandashvili zu kurz kommen). Etwas schade ist, dass sich das Beiheft im Wesentlichen mit Kurzbiographien der hier pr\u00e4sentierten Komponisten begn\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende steht ein gelungenes Deb\u00fctalbum zu Buche, auf dem sich Kandashvili als junger Pianist von beachtlichem technischen und musikalischen Niveau vorstellt und \u2013 ganz besonders hervorzuheben \u2013 ein Programm vorstellt, das dem interessierten H\u00f6rer eine ganze Reihe von Anregungen bietet, sich intensiver mit der Musik Georgiens auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Holger Sambale, Juni 2023]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thorofon, CTH2677, EAN: 4 003913 126771 Der junge georgische Pianist Misho Kandashvili pr\u00e4sentiert auf seinem Deb\u00fctalbum ein buntes Spektrum an georgischer und russischer Klaviermusik des 20. Jahrhunderts. 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