{"id":5850,"date":"2023-09-01T18:30:00","date_gmt":"2023-09-01T16:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5850"},"modified":"2023-08-31T18:34:47","modified_gmt":"2023-08-31T16:34:47","slug":"feminine-noten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/09\/01\/feminine-noten\/","title":{"rendered":"Feminine Noten"},"content":{"rendered":"\n<p>In der kommenden Saison wird das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin in jedem Konzert das St\u00fcck einer Komponistin auff\u00fchren. Bahnbrechende Programmplanung oder Quotenregelung? Wer solch Regulativ kritisch sieht \u2013 wie die Pianistin Elena Bashkirova, die k\u00fcrzlich in einem Interview mit der FAZ meinte, dass gute Musik gespielt werden soll, weil sie gut, nicht weil sie von Frauen ist \u2013 ber\u00fccksichtigt nicht, dass diese nie die gleichen Chancen hatten. Der Weg zu einem Bewusstsein, dass Qualit\u00e4t nicht an das Geschlecht gebunden ist, ist noch nicht abgeschlossen, das Interesse an Komponistinnen aber merkbar gewachsen. Es schl\u00e4gt sich auch auf dem CD- und Buchmarkt nieder. Die nachfolgende Auswahl gibt einen kleinen Einblick in die Flut von Ver\u00f6ffentlichungen der letzten Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara Beuys: <em>Emilie Mayer. Europas gr\u00f6\u00dfte Komponistin. Eine Spurensuche<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dittrich Verlag; ISBN: 978-3-947373-69-7<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/01_Cover-Emilie-Mayer.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/01_Cover-Emilie-Mayer-666x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5851\" width=\"489\" height=\"751\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/01_Cover-Emilie-Mayer-666x1024.jpg 666w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/01_Cover-Emilie-Mayer-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/01_Cover-Emilie-Mayer-768x1180.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/01_Cover-Emilie-Mayer-999x1536.jpg 999w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/01_Cover-Emilie-Mayer-1333x2048.jpg 1333w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/01_Cover-Emilie-Mayer.jpg 1652w\" sizes=\"(max-width: 489px) 100vw, 489px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Beginnen wir bei Emilie Mayer. 1812 im mecklenburgischen Friedland geboren, geht sie nach dem Selbstmord des Vaters zu ihren Br\u00fcdern nach Stettin. Dort wird Carl Loewe, der heute f\u00fcr seine Balladen bekannte Musikdirektor, ihr Lehrer. Er erkennt ihr Talent und f\u00f6rdert sie, woraufhin sie sich \u00fcber Konventionen und Vorurteile hinwegsetzt: sie wird Komponistin. Dabei beschr\u00e4nkt sie sich nicht auf kleine Formen, wie viele ihrer Kolleginnen, sondern kreiert neben Kammer- und Klaviermusik auch acht Sinfonien. In jeder Hinsicht selbstst\u00e4ndig, publiziert sie ihre Werke auf eigene Kosten und organisiert Konzerte, das erste 1850 im Berliner K\u00f6niglichen Schauspielhaus. \u201eGanz von weiblicher Hand ins Leben gerufen\u201c, sei es \u201eein Unicum\u201c, wie die Vossische Zeitung 1850 meldet. Es bekommt gro\u00dfen Zuspruch und erh\u00e4lt gute Kritiken <em>\u2013 <\/em>aber auch abf\u00e4llige Resonanz, die sich mehr auf ihr Geschlecht bezieht und sich an der Ansicht des Philosophen Friedrich Schlegel orientiert: \u201eDas Weib gebiert Menschen, der Mann das Kunstwerk.\u201c Mayer, die zwischen der Hauptstadt und Stettin pendelt, hat sich zu Lebzeiten gegen m\u00e4nnliche Dominanz behauptet, doch nach ihrem Tod 1883 ger\u00e4t sie schnell in Vergessenheit. Erst Ende des letzten Jahrhunderts werden die Musikerin und ihr Werk wiederentdeckt. 2021 erh\u00e4lt sie ein Ehrengrab in Berlin, danach erscheint die erste Biographie. \u201eEine Spurensuche\u201c nennt sie die Autorin Barbara Beuys im Untertitel, er spielt an auf die sp\u00e4rliche Quellenlage. Doch Beuys macht aus der Not eine Tugend. Sie entwirft rund um die fragmentarisch verb\u00fcrgten Lebensstationen Emilie Mayers ein vielschichtiges, um kleine Portr\u00e4ts von Zeitgenossen angereichertes Gesellschaftspanorama, das das kulturelle Umfeld ebenso einbezieht wie die damalige Situation der Frauen und deren Emanzipationsbestrebungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Compositrices. New Light on French Romantic Women Composers <\/em>(8 CDs)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bru Zane, BZ 2006; EAN: 8055776010090<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/02_Cover-Compositrices.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/02_Cover-Compositrices-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5852\" width=\"457\" height=\"457\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/02_Cover-Compositrices-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/02_Cover-Compositrices-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/02_Cover-Compositrices-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/02_Cover-Compositrices-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/02_Cover-Compositrices.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 457px) 100vw, 457px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Willenskraft der Deutschen, alle Herausforderungen im Alleingang zu \u00fcberwinden, brauchte die etwas \u00e4ltere Franz\u00f6sin Louise Farrenc nicht. Sie beginnt ihre Karriere als Pianistin und gr\u00fcndet mit ihrem Ehemann, dem Fl\u00f6tisten Aristide Farrenc, einen Musikverlag, in dem ihre Werke gedruckt werden. Mit ihren Kompositionen <em>\u2013<\/em> Symphonien, Klavier- und Kammermusik <em>\u2013<\/em> etabliert sie sich bald auf den Pariser Konzertb\u00fchnen. Als sie eine Klavierprofessur am Konservatorium erh\u00e4lt, jedoch mit einem geringeren Gehalt als ihre Kollegen, k\u00e4mpft sie um Gleichberechtigung und erreicht tats\u00e4chlich eine Angleichung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Louise Farrenc ist eine von 21 <em>Compositrices<\/em>, denen das Forschungskollektiv des Palazzetto Bru Zane eine ganze Box geschenkt hat. Vor dem H\u00f6ren der acht prall gef\u00fcllten CDs lernen wir sie beim Lesen des vorz\u00fcglichen Booklets n\u00e4her kennen: Musikerinnen, die vom Anfang des 19.&nbsp;bis ins 20.&nbsp;Jahrhundert hinein wirkten, damals eine gewisse Popularit\u00e4t genossen, heute aber bis auf wenige Ausnahmen kaum dem Namen nach bekannt sind. Die Rede ist beispielsweise von der 1764 geborenen Pianistin H\u00e9l\u00e8ne de Montgeroult und der Harfenistin Henriette Reni\u00e9, Jahrgang 1875, die beide als Interpretinnen und P\u00e4dagoginnen Ansehen genossen, daneben komponierten und Lehrwerke f\u00fcr ihre Instrumente hinterlie\u00dfen. Oder von Marie Ja\u00ebll und Charlotte Sohy, die von ihren Gatten unterst\u00fctzt und mit ihnen k\u00fcnstlerische Partnerschaften eingingen <em>\u2013<\/em> im Gegensatz zu vielen Kolleginnen, deren Kreativit\u00e4t durch h\u00e4usliche Verpflichtungen und gesellschaftliche Zw\u00e4nge eingeschr\u00e4nkt war. Von der Au\u00dfenseiterin Rita Strohl, geboren 1865, die mit spirituell durchdrungenen Werken von sich reden machte. Und nicht zuletzt von Mel Bonis, die statt ihres Taufnamens M\u00e9lanie die neutrale Verk\u00fcrzung benutzte, in der Hoffnung, bessere Chancen bei der Verbreitung ihrer Werke zu haben. Auf famili\u00e4re Hilfe konnte sie nicht bauen. Belastet durch ein uneheliches Kind und gedr\u00e4ngt zur Heirat mit einem verwitweten Industriellen, musste sie ihr Leben lang um k\u00fcnstlerische Anerkennung k\u00e4mpfen. Trotzdem war ihre Produktivit\u00e4t beeindruckend, ihr \u0152uvre umfasst 300 Werke unterschiedlichster Pr\u00e4gung. Eine Auswahl zieht sich wie ein roter Faden durch die Anthologie, die allerdings nicht chronologisch oder nach Komponistinnen angeordnet ist. Jede CD steht f\u00fcr ein imagin\u00e4res, programmatisch die ganze stilistische und formale Bandbreite abdeckendes Konzert: Sinfonisches trifft auf Kammermusik, Vokalkantate auf M<em>\u00e9<\/em>lodies, Solo- auf vierh\u00e4ndige Klaviermusik.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: Die erste Silberscheibe beginnt mit einem in raffinierten Klangfarben schillernden Tongem\u00e4lde von Mel Bonis, das thematisch um mythologische Frauen kreist. Dann erklingt eine Sonate f\u00fcr Cello und Klavier von Henriette Reni\u00e9, die auf C\u00e9sar Franck hinweist und anschlie\u00dfend f\u00fchrt ein Bouquet mit Liedern verschiedener Komponistinnen hinein in die feminine Vokalwelt <em>\u2013<\/em> u. a. maritime Miniaturen von Hedwige Chr\u00e9tiens, Salonst\u00fccke von Cecile Chaminade und \u00fcberschw\u00e4ngliche, fast opernhafte Ges\u00e4nge von Charlotte Sohy. Interpretiert werden sie vom Tenor Cyrille Dubois und dem Pianisten Tristan Ra\u00ebs. Dabei gelingt dem langj\u00e4hrig vertrauten Duo gro\u00dfe Liedkunst: eine perfekte Balance zwischen Stimme und Instrument, verbunden mit gestalterischer und dynamischer Subtilit\u00e4t. Auch die anderen Mitwirkenden sind stilistisch erfahrene Spitzenkr\u00e4fte: Leo Hussain und das Orchestre national du Capitole de Toulouse sind darunter, das Piano-Duo Alessandra Ammara und Roberto Prosseda, der Cellist Victor Julien-Laferri\u00e8re und die Sopranistin Ana\u00efs Constans.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nadia und Lili Boulanger: <em>Les heures claires<\/em> (3 CDs)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>harmonia mundi, HMM 902356.58; EAN: 3149020946268<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/03_Cover-Boulanger.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/03_Cover-Boulanger-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5853\" width=\"457\" height=\"457\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/03_Cover-Boulanger-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/03_Cover-Boulanger-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/03_Cover-Boulanger-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/03_Cover-Boulanger-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/03_Cover-Boulanger.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 457px) 100vw, 457px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die <em>C<\/em><em>ompositrices<\/em> bieten einen Querschnitt durch die feminine franz\u00f6sische Musikgeschichte, der dazu anregt, tiefer in die Materie einzutauchen. Damit sind wir bei den Schwestern Nadia und Lili Boulanger, die in der Anthologie mit Nadias bombastischer Kantate <em>La Sir\u00e8ne<\/em> und drei Violinduos von Lili vertreten sind. Zur intensiveren Besch\u00e4ftigung mit ihnen laden ihre kompletten M\u00e9lodies ein, die unter dem Titel <em>Les heures claires<\/em> bei Harmonia mundi herausgekommen sind. Das Booklet der Kassette beschreibt detailliert das Leben und Wirken der beiden fast symbiotisch miteinander verbundenen K\u00fcnstlerinnen. Lili, die J\u00fcngere, galt als Ausnahmetalent, errang als erste Frau 1913 den Prix de Rome, w\u00e4hrend Nadia 1908 den zweiten Platz erhielt. Nach Lilis fr\u00fchem Tod mit nur 24 Jahren entschied sich die \u00c4ltere, nicht mehr zu komponieren. Sie wandte sich dem Dirigieren und Unterrichten zu und avancierte zu einer hoch angesehenen P\u00e4dagogin, die es bis zur Leiterin des&nbsp;Conservatoire Am\u00e9ricain in Fontainebleau brachte. Die drei CDs f\u00fchren ein in beider vokalen Kosmos, erg\u00e4nzt um einige St\u00fccke f\u00fcr Geige, Cello und Klavier. Im Mittelpunkt stehen zwei Zyklen, Nadias <em>Les heures claires<\/em>, den sie gemeinsam mit ihrem k\u00fcnstlerischen und privaten Partner Raoul Pugno kreierte, und Lilis <em>Clairi\u00e8res <\/em><em>dans le ciel<\/em>. Beide greifen Str\u00f6mungen ihrer Zeit auf, mal mit sp\u00e4tromantischem \u00dcberschwang, mal in impressionistischen Harmonien schillernd, Lili auch einmal Wagners Tristan zitierend. Viele Lieder sind melancholisch grundiert, eines sticht besonders hervor: <em>Dans l\u2019immense tristesse<\/em>, das letzte, von Lili kurz vor ihrem Tod vollendete, ersch\u00fcttert durch die Kargheit der Mittel. Interpretiert wird dieser Abschied von Lucile Richardot, die dabei ihren reichen, wandlungsf\u00e4higen Mezzo ganz zur\u00fccknimmt. Sie tr\u00e4gt zusammen mit der \u00e4u\u00dferst nuanciert spielenden Pianistin Anne de Fornel den L\u00f6wenanteil der Edition, in Teilen verst\u00e4rkt durch St\u00e9phane Degout und Raquel Camarinha, die <em>\u2013<\/em> er durch erlesene Klangkultur, sie durch zarte Soprangespinste <em>\u2013<\/em> Boulangers vokale Kostbarkeiten ebenso ins sch\u00f6nste Licht r\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bruno Monsaingeon: <em>Ich denke in T\u00f6nen. <\/em><em>Gespr\u00e4che mit Nadia Boulanger<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Berenberg Verlag; ISBN: 978-3-949203-50-3<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/04_Cover-Ich-denke-in-Toenen.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/04_Cover-Ich-denke-in-Toenen-684x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5854\" width=\"459\" height=\"687\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/04_Cover-Ich-denke-in-Toenen-684x1024.jpg 684w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/04_Cover-Ich-denke-in-Toenen-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/04_Cover-Ich-denke-in-Toenen-768x1150.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/04_Cover-Ich-denke-in-Toenen-1026x1536.jpg 1026w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/04_Cover-Ich-denke-in-Toenen-1368x2048.jpg 1368w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/04_Cover-Ich-denke-in-Toenen.jpg 1570w\" sizes=\"(max-width: 459px) 100vw, 459px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>N\u00e4her lernt man Nadia Boulanger in dem Band <em>Ich denke in T\u00f6nen<\/em> kennen. Darin sind Gespr\u00e4che zwischen ihr und dem Dokumentarfilmer Bruno Monsaingeon aufgezeichnet. Sie beinhalten biographische Skizzen, Reflexionen \u00fcber ihre p\u00e4dagogische Arbeit und Unterrichtsmethoden, ihre musikalischen Vorlieben sowie Erinnerungen an f\u00fcr sie wichtige Personen: etwa an den Lehrer Faur\u00e9, den Freund Igor Stravinsky, an Interpreten und Sch\u00fcler, die sie pr\u00e4gte. Viele Ber\u00fchmtheiten sind darunter: Aaron Copland, Leonard Bernstein, Phil Glass, um nur einen Bruchteil zu nennen. Einige von ihnen kommen auch selbst zu Wort: Leonard Bernstein oder Yehudi Menuhin zollen ihr gleicherma\u00dfen Verehrung, Respekt und Bewunderung. Mit W\u00e4rme gedenkt die manchmal streng Urteilende dem jung verstorbenen Pianisten Dinu Lipatti und vor allem&nbsp;Lili, die f\u00fcr die gro\u00dfe Schwester zeitlebens pr\u00e4sent bleibt. Ihrer Meinung nach ist sie \u201edie erste wirklich bedeutende Komponistin der Geschichte\u201c. Ein Zeitschriftenartikel des Lyrikers Paul Val\u00e9ry beendet das Buch. Er fasst zusammen, was diese \u201eGrand Dame\u201c der Musik ausmachte: \u201eNadia dirigierte. Man h\u00e4tte meinen k\u00f6nnen, sie atme das, was sie h\u00f6rte, und existiere nur \u2013 und k\u00f6nne nur existieren <em>\u2013<\/em> in der Welt der Kl\u00e4nge\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Matthias Henke: <em>Emmy Rubensohn. <\/em><em>Musikm\u00e4zenin\/Music Patron <\/em><em>(1884<\/em><em>\u2013<\/em><em>196<\/em><em>1)<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hentrich &amp; Hentrich; ISBN: 978-3-95565-523-5<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/05_Cover-Emmy-Rubensohn.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"424\" height=\"600\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/05_Cover-Emmy-Rubensohn.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5855\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/05_Cover-Emmy-Rubensohn.jpg 424w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/05_Cover-Emmy-Rubensohn-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus dem Rahmen der Komponistinnen f\u00e4llt Emmy Rubensohn. Denn die aus einer j\u00fcdischen Familie stammende, 1884 geborene Leipzigerin ist weder professionelle Tonsch\u00f6pferin noch Ausf\u00fchrende. Und doch passt sie zu ihnen, weil auch sie f\u00fcr Musik brennt. Als Zuschauerin und hinter den Kulissen. Dort agiert sie als M\u00e4zenin, Konzertmanagerin und Netzwerkerin. Und sie betreibt einen Salon <em>\u2013<\/em> Dom\u00e4ne des weiblichen B\u00fcrgertums <em>\u2013<\/em>, ankn\u00fcpfend an historische Vorbilder wie Rahel Varnhagen. Ber\u00fchmte K\u00fcnstler gehen bei ihr ein und aus, davon zeugt ein G\u00e4ste- und Erinnerungsbuch, das sie seit ihrer Heirat mit dem Fabrikantin Ernst Rubensohn 1907 f\u00fchrt. Die Dirigenten Arthur Nikisch und Wilhelm Furtw\u00e4ngler sind darunter, die Primadonna Lilli Lehmann, der Maler Oskar Kokoschka und der Komponist Ernst Krenek. Er wohnt w\u00e4hrend seiner Kasseler Zeit bei dem Ehepaar, es ist der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Als die Nationalsozialisten an die Macht kommen, geh\u00f6rt Emmy zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des j\u00fcdischen Kulturvereins Kassel. 1940 emigriert sie mit ihrem Mann nach Shanghai, 1947 in die USA. Hier setzt sie bis zu ihrem Tod 1961 ihr f\u00f6rderndes Engagement f\u00fcr Musik und Kunst fort, gewinnt in Alma Mahler-Werfel eine Freundin und steht den Dirigenten Dimitri Mitropoulos und Joseph Rosenstock zur Seite. 2021 wird sie in ihrer Heimatstadt mit der Ausstellung <em>Vorhang auf f\u00fcr Emmy Rubensohn! Musikm\u00e4zenin aus Leipzig<strong> <\/strong><\/em>gew\u00fcrdigt, zun\u00e4chst im Gewandhaus, momentan im Grassi-Museum. Vom Musikwissenschaftler Matthias Henke kuratiert, hat der Verlag Hentrich &amp; Hentrich den \u00fcppig ausgestatteten, zweisprachigen Katalog herausgegeben. Die informativen Texte, zahlreichen Fotos und Dokumente machen ihn zu einer kulturhistorischen Fundgrube. Ans Licht kam die bisher kaum bekannte Vita von Emmy Rubensohn nach einer Spurensuche, wie Henke seine aufwendigen Recherchen bezeichnet. Womit sich der Kreis schlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Karin Coper, September 2023]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der kommenden Saison wird das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin in jedem Konzert das St\u00fcck einer Komponistin auff\u00fchren. Bahnbrechende Programmplanung oder Quotenregelung? 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