{"id":5962,"date":"2023-11-18T00:25:28","date_gmt":"2023-11-17T23:25:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5962"},"modified":"2023-11-18T00:25:32","modified_gmt":"2023-11-17T23:25:32","slug":"moderne-tschechische-cembalokonzerte-mit-mahan-esfahani","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/11\/18\/moderne-tschechische-cembalokonzerte-mit-mahan-esfahani\/","title":{"rendered":"Moderne tschechische Cembalokonzerte mit Mahan Esfahani"},"content":{"rendered":"\n<p>Hyperion CDA68397; EAN: 0 34571 28397 5<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Martinu-Krasa-Kalabis-Hyperion.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Martinu-Krasa-Kalabis-Hyperion-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5963\" width=\"482\" height=\"482\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Martinu-Krasa-Kalabis-Hyperion-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Martinu-Krasa-Kalabis-Hyperion-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Martinu-Krasa-Kalabis-Hyperion-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Martinu-Krasa-Kalabis-Hyperion-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Martinu-Krasa-Kalabis-Hyperion.jpg 1417w\" sizes=\"(max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Drei tschechische Cembalokonzerte des 20.\u00a0Jahrhunderts pr\u00e4sentiert der aus Teheran stammende Meistercembalist <\/em>Mahan Esfahani<em> mit dem <\/em>Prager Radiosinfonieorchester <em>unter Leitung von <\/em>Alexander Liebreich<em> auf dem Hyperion-Label: <\/em>Bohuslav Martin\u016fs \u201eKonzert f\u00fcr Cembalo und kleines Orchester\u201c H\u00a0246, Hans Kr\u00e1sas \u201eKammermusik f\u00fcr Cembalo und 7 Instrumente\u201c <em>sowie <\/em>Viktor Kalabis\u2018 \u201eKonzert f\u00fcr Cembalo &amp; Streichorchester\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Werke f\u00fcr Cembalo und Ensemble bzw. kleines Orchester, die Hyperion hier mit <em>Mahan Esfahani<\/em> und dem <em>Prager Radiosinfonieorchester<\/em> unter Leitung von <em>Alexander Liebreich<\/em> vorgelegt hat, spiegeln in gewisser Weise die Vielfalt tschechischer Musik des 20. Jahrhunderts wider. Der aus Teheran stammende, in den USA aufgewachsene und zun\u00e4chst dort ausgebildete Esfahani war der letzte Sch\u00fcler der legend\u00e4ren Cembalistin <em>Zuzana R\u016f\u017ei\u010dkov\u00e1 <\/em>(1927\u20132017) und lebt nun sogar in Prag. Neben seinen gefeierten Bach-Auff\u00fchrungen und Einspielungen hat er sich schon immer gleicherma\u00dfen f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Literatur eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von der Musik des Barock, die \u2013 folgt man historischer Auff\u00fchrungspraxis \u2013 selbstverst\u00e4ndlich das Cembalo ben\u00f6tigt, war das Instrument durch die Fortschritte im Klavierbau als Soloinstrument mit Orchester lange obsolet geworden. Erst mit eben dem zunehmenden Interesse an historisch \u201ekorrekten\u201c Interpretationen Alter Musik sowie dem aufkommenden Neoklassizismus ab den 1920er Jahren, schrieben einige Komponisten dann auch wieder Cembalokonzerte. Die hier pr\u00e4sentierten Gattungsbeitr\u00e4ge waren schon Paradenummern von R\u016f\u017ei\u010dkov\u00e1 und wurden von ihr ebenfalls eingespielt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bohuslav Martin\u016fs<\/em> (1890\u20131959) <em>Konzert f\u00fcr Cembalo und kleines Orchester<\/em> H&nbsp;246 entstand 1935 f\u00fcr die franz\u00f6sische Cembalistin Marcelle de Lacour, eine Sch\u00fclerin der ber\u00fchmten Wanda Landowska. Der Komponist traut allerdings insbesondere dem gegen\u00fcber tiefen Streichern mit Stahlsaiten eher schwachbr\u00fcstigen Bass nicht: So gibt es neben dem Cembalo noch ein obligates Klavier im kleinen Ensemble, das nicht nur den Bass unterst\u00fctzt oder ganz \u00fcbernimmt, sondern durchaus auch mal solistisch in den Vordergrund tritt und dem Cembalo zeitweise die Schau stiehlt. Andererseits ergeben sich dadurch feine, sehr interessante Klangkombinationen \u2013 das Zusammenspiel beider Instrumente haben sp\u00e4ter andere Komponisten, z.&nbsp;B. Elliott Carter oder Frank Martin, erneut aufgegriffen. Der Cembalosatz ist gegen\u00fcber dem nur oberfl\u00e4chlich an das Concerto Grosso erinnernden, recht brav agierenden Ensemble mit vielen Dissonanzen angereichert, ohne das Ganze zu dekonstruieren. Esfahani spielt mit Leidenschaft; Liebreich begleitet pr\u00e4zise, setzt aber kaum eigene Akzente. Zwar reicht Martin\u016fs St\u00fcck nicht an die beiden folgenden Werke heran, man langweilt sich freilich keine Sekunde.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hans Kr\u00e1sa<\/em> (1899\u20131944) wird heute gern zu den Theresienst\u00e4dter Komponisten gez\u00e4hlt, obwohl nat\u00fcrlich die meisten seiner Werke vor der Internierung entstanden sind, darunter die wunderbare, zweis\u00e4tzige <em>Kammermusik f\u00fcr Cembalo und 7 Instrumente<\/em> (1936). Kr\u00e1sa entstammte einer deutschsprachigen, j\u00fcdischen Prager Familie, und in seiner Musik spielen ebenso deutsche Traditionen eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle als etwa beim gleichaltrigen Pavel Haas \u2013 beide wurden am selben Tag in Auschwitz ermordet \u2013, der mehr der Jan\u00e1\u010dek-Nachfolge zuzurechnen ist. Esfahani steigt mutig in die hier vorherrschende, oft dichte Kontrapunktik ein \u2013 \u00fcber Strecken nur die solistischen Bl\u00e4ser begleitend, in den eigenen Soli recht zerbrechlich wirkend, aber immer mit Charme. Das St\u00fcck ist mit seinen Ankl\u00e4ngen sowohl an zeitgen\u00f6ssische Popularmusik (eigenes Liedzitat im 2.&nbsp;Satz, fast wie Kurt Weill) wie auch durch seinen klar kammermusikalischen Charakter vielschichtiger als Martin\u016fs Konzert \u2013 wirklich gro\u00dfartige Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuzana R\u016f\u017ei\u010dkov\u00e1 d\u00fcrfte Kr\u00e1sa in Theresienstadt begegnet sein \u2013 sp\u00e4ter \u00fcberlebte sie Auschwitz und Bergen-Belsen. Seit 1952 war sie mit dem Komponisten Viktor Kalabis (1923\u20132006) verheiratet, der ihr mehrere Werke gewidmet hat. Kalabis\u2018 Musik \u2013 u.&nbsp;a. f\u00fcnf Symphonien \u2013 f\u00fchrt gerade in Deutschland noch immer ein Schattendasein: Dabei verbindet sie auf sehr pers\u00f6nliche Weise neoklassizistische Elemente mit avantgardistischeren Techniken bis hin zum Serialismus und ist quasi ein Musterbeispiel f\u00fcr die unterschiedlichen Tendenzen in der ehemaligen Tschechoslowakei nach dem 2. Weltkrieg. Trotz der Besetzung nur mit Streichern \u00fcberzeugt sein Cembalokonzert von 1975 durch eine ungemeine Farbigkeit und Differenziertheit, die Liebreich wunderbar her\u00fcberbringt. Esfahani beherrscht die au\u00dferordentliche Virtuosit\u00e4t des Cembalosatzes souver\u00e4n, kommt an seine Lehrerin durchaus heran. Dieses fast halbst\u00fcndige Konzert ist ein Gipfelwerk der Gattung. Sowohl die Lyrik des <em>Andantes<\/em> als auch die atemberaubende Beweglichkeit des abschlie\u00dfenden <em>Allegro vivos<\/em> \u2013 hier alles sehr bewusst vorgetragen \u2013 versetzen den Zuh\u00f6rer in Staunen. Jeder Cembalist sollte dieses St\u00fcck kennen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Neuaufnahmen machen R\u016f\u017ei\u010dkov\u00e1s Interpretationen keinesfalls \u00fcberfl\u00fcssig. Zumindest aufnahmetechnisch sind sie deren Einspielungen aus den 1980ern und 1990ern deutlich \u00fcberlegen. Das Klangbild ist hier geradezu optimal \u2013 durchsichtig und hochdynamisch. Zudem sind die drei wertvollen St\u00fccke so bislang nie auf einer CD zu h\u00f6ren gewesen, die schon deshalb eine klare Empfehlung verdient.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, November 2023]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hyperion CDA68397; EAN: 0 34571 28397 5 Drei tschechische Cembalokonzerte des 20.\u00a0Jahrhunderts pr\u00e4sentiert der aus Teheran stammende Meistercembalist Mahan Esfahani mit dem Prager Radiosinfonieorchester unter Leitung von Alexander Liebreich auf dem Hyperion-Label: Bohuslav Martin\u016fs \u201eKonzert f\u00fcr Cembalo und kleines Orchester\u201c H\u00a0246, Hans Kr\u00e1sas \u201eKammermusik f\u00fcr Cembalo und 7 Instrumente\u201c sowie Viktor Kalabis\u2018 \u201eKonzert f\u00fcr Cembalo &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/11\/18\/moderne-tschechische-cembalokonzerte-mit-mahan-esfahani\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Moderne tschechische Cembalokonzerte mit Mahan Esfahani<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[4796,4793,4794,972,1448,4795,4797],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5962"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5962"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5962\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5964,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5962\/revisions\/5964"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}