{"id":5977,"date":"2023-11-25T10:05:00","date_gmt":"2023-11-25T09:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5977"},"modified":"2023-11-27T16:38:55","modified_gmt":"2023-11-27T15:38:55","slug":"vom-wesen-der-kammermusik-wieniawski-und-bruckner-mit-dem-gliere-quartett","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/11\/25\/vom-wesen-der-kammermusik-wieniawski-und-bruckner-mit-dem-gliere-quartett\/","title":{"rendered":"Vom Wesen der Kammermusik  \u2013 Wieniawski und Bruckner mit dem Gli\u00e8re-Quartett"},"content":{"rendered":"\n<p>DUX, DUX1918; EAN: 5 902547 019840<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gliere-Quartett-Wieniawski-Bruckner.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gliere-Quartett-Wieniawski-Bruckner-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5978\" width=\"503\" height=\"503\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gliere-Quartett-Wieniawski-Bruckner-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gliere-Quartett-Wieniawski-Bruckner-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gliere-Quartett-Wieniawski-Bruckner-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gliere-Quartett-Wieniawski-Bruckner-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gliere-Quartett-Wieniawski-Bruckner.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 503px) 100vw, 503px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Gli\u00e8re-Quartett hat f\u00fcr Dux das Streichquartett a-Moll op.&nbsp;32 von J\u00f3zef Wieniawski (1837\u20131912) gemeinsam mit dem Streichquartett c-Moll WAB&nbsp;111 von Anton Bruckner (1824\u20131896) eingespielt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es bedarf meist nur der ersten T\u00f6ne einer Auff\u00fchrung oder Aufnahme, um gleich zu wissen, mit wem man es zu tun hat. So ist es auch bei dem in Wien beheimateten Gli\u00e8re-Quartett und seiner neu herausgekommenen CD mit den Streichquartetten in a-moll op.&nbsp;32 von J\u00f3zef Wieniawski und dem in c-moll WAB 111 von Anton Bruckner.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den ersten T\u00f6nen h\u00f6ren wir also bereits, dass wir es mit wirklichen Tonk\u00fcnstlern zu tun haben, also mit Musikerinnen und Musikern, die die Werke vollkommen durchgeh\u00f6rt und ihren Part individuell in Bezug auf das Ganze der Partitur nicht nur instrumental-musikantisch, sondern auch im symphonischen Sinne geistig durchdrungen haben und beherrschen. Und so h\u00e4lt der Rest der Einspielung, was schon die ersten Takte versprechen: Keine Note steht f\u00fcr sich allein, kein Tempo ist willk\u00fcrlich, und kein noch so sch\u00f6ner Moment wird isoliert und damit an eine vordergr\u00fcndige Darstellung oder zweckfreie Virtuosit\u00e4t verschenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser freien, und im h\u00f6chsten Ma\u00dfe einfachen wie komplexen Musizierhaltung des Gli\u00e8re-Quartetts ist es wohl m\u00f6glich, aber kaum n\u00f6tig, die eingespielten Quartette zu kontextualisieren, um sie aus einer vermeintlich zweiten Reihe des Streichquartett-Kanons hervorzuholen. Wir m\u00f6gen den tonsch\u00f6nen, aber nie vers\u00fc\u00dften Wieniawski wohlklingend als Cousin ersten oder zweiten Grades von Brahms h\u00f6ren, und beim oft nicht ganz ernstgenommenen und als Studienwerk abgetanen Bruckner best\u00e4tigt finden, was in seinen Symphonien durch eine meist einseitige Klangorientierung zum Wagnerischen gerne mit falscher Verve \u00fcberdeckt wird: dass er als Nachfolger von Haydn und Schubert deren Sinn f\u00fcr Klarheit und Form und f\u00fcr harmonisch subtile Farbgebung vereint.<\/p>\n\n\n\n<p>Um so zu h\u00f6ren, bedarf es jedoch mit Wladislaw Winokurow (1. Geige), Dominika Falger (2. Geige), Martin Edelmann (Viola) und Endre F. Stankowsky (Cello) vier Musikerinnen und Musikern entsprechender K\u00f6nnerschaft und Metierbeherrschung, und so geht die vorliegende Aufnahme noch einen Schritt weiter: beide Werke erklingen origin\u00e4r in ihrer Sch\u00f6nheit als das, was sie sind. Es wird, und das ist h\u00f6chstes zu vergebendes Lob, nicht interpretiert und nicht dargestellt, sondern verwirklicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Gli\u00e8re-Quartett hat damit eine Referenzaufnahme der Werke, dar\u00fcber hinaus aber ein Beispiel f\u00fcr das adjektivlose Wesen der Kammermusik, das <em>so-wie-es-ist-wenn-man-aufeinander-h\u00f6rt<\/em>, geliefert. Man kann es somit nur in den h\u00f6chsten T\u00f6nen loben, ihm dankend auf weitere Zeugnisse ihrer Arbeit hoffen, und ihnen vor allem das Publikum w\u00fcnschen, das die Ohren hat, so zu h\u00f6ren wie es selbst dazu in der Lage ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Jacques W. Gebest, November 2023]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DUX, DUX1918; EAN: 5 902547 019840 Das Gli\u00e8re-Quartett hat f\u00fcr Dux das Streichquartett a-Moll op.&nbsp;32 von J\u00f3zef Wieniawski (1837\u20131912) gemeinsam mit dem Streichquartett c-Moll WAB&nbsp;111 von Anton Bruckner (1824\u20131896) eingespielt. 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