{"id":598,"date":"2016-03-14T01:05:16","date_gmt":"2016-03-14T00:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=598"},"modified":"2016-03-14T01:05:16","modified_gmt":"2016-03-14T00:05:16","slug":"ein-programm-zwei-dirigenten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/14\/ein-programm-zwei-dirigenten\/","title":{"rendered":"Ein Programm, zwei Dirigenten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das erste Programm der Munich Young Classical Players wird gleich an drei kleinen Spielst\u00e4tten in M\u00fcnchen dargeboten, am 6. M\u00e4rz in der Moor Villa, am 10. M\u00e4rz im B\u00fcrgersaal F\u00fcrstenried sowie am 17. M\u00e4rz im Kleinen Theater Haar. F\u00fcr The New Listener h\u00f6re ich die zweite Vorstellung mit einem Programm bestehend aus Joseph Haydns Ouvert\u00fcre in D Hob. Ia:7 und seiner Symphonie Nr. 87 in A-Dur Hob. I:87, der Symphonie Nr. 40 g-Moll KV 550 von Wolfgang Amadeus Mozart und der 5. Symphonie in B-Dur D 485 von Franz Schubert. In der ersten H\u00e4lfte wird das Dirigat von Sergey Lunev \u00fcbernommen, die Symphonien von Haydn und Schubert leitet Maximilian Leinekugel.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Munich Young Classical Players wurden dieses Jahr erst gegr\u00fcndet von den beiden Dirigenten Sergey Lunev und Maximilian Leinekugel aus Studenten der M\u00fcnchner Musikhochschule und anderen Musikern mit (beziehungsweise: in) hoher musikalischer Ausbildung. Ziel ist es, auch in kleinen Konzerth\u00e4usern Musik auf spieltechnisch hohem Niveau aufzuf\u00fchren &#8211; Zentrum dabei soll vorerst M\u00fcnchen bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spieltechnisch liegt die Qualit\u00e4t tats\u00e4chlich recht weit oben, die Musiker sind gr\u00f6\u00dftenteils auf einem beachtlichen Niveau und halten trotz der kurzen Zeit, die das Kammerorchester besteht, erstaunlich gut zusammen. Die Besetzung ist ziemlich klein, es gibt nur je drei erste und zweite Geigen, die Kontrabasssektion besteht gar aus nur einem einzigen Spieler, daf\u00fcr ist ein ziemlich vollst\u00e4ndig besetzter doppelter Bl\u00e4sersatz vorhanden. Diese Ungleichheiten der Aufstellungen werden jedoch gut kaschiert, so dass das Verh\u00e4ltnis erstaunlich ausgewogen erscheint. Der Klang ist entsprechend recht trocken, da sich drei Geigen pro Stimme schlecht mischen, was durch gro\u00dfe Pr\u00e4senz und gr\u00f6\u00dftenteils reine Intonation wettgemacht wird. Besonders hervorzuheben ist zweifelsohne der grandiose Kontrabassist, der dem ganzen Streicherapparat eine solide Klanggrundlage schenkt, sein spiel ist exakt und sauber, auch geh\u00f6rt er zu den wenigen Streichern, die das Vibrato einmal vern\u00fcnftig einsetzen (ein \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Vibrato ist bekanntlich der st\u00e4ndige Begleiter von vor allem hohen Violinen und Celli, letztere meist mit noch gr\u00f6\u00dferem und st\u00f6renderem Ambitus). Auch der gesamte Bl\u00e4serapparat gl\u00e4nzt durch Pr\u00e4zision und durch einen gediegenen Klang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der kurzen, aber typisch Haydn&#8217;schen Ouvert\u00fcre in D wagt sich das frisch gegr\u00fcndete Orchester unter Leitung von Sergey Lunev direkt an Mozarts Symphonie Nr. 40 in g-Moll, ein vielgespieltes und somit mit hohen Erwartungen versehenes St\u00fcck mit hohen technischen und inhaltlich-musikalischen Anforderungen. Dieses Werk des sp\u00e4ten Mozart wird durch seinen dunklen und teils doppelb\u00f6dig erscheinenden Charakter ausgezeichnet, es wirkt nur bei genauestem Verst\u00e4ndnis von Dynamik, Phrasierung und Tempi. Sergey Lunev dirigiert es vor allem aus den Unterarmen heraus, dennoch mit ausladenden Gesten, und spornt das Orchester damit immer wieder an; seinem Schlag ist leicht zu folgen. Das Tempo ger\u00e4t jedoch immer wieder ins Br\u00f6ckeln und weist Inkonsistenzen auf, das Andante ist um einiges zu schnell, daf\u00fcr f\u00e4llt die Geschwindigkeit im Trio des Menuetts rapide ab. Das eh schon schnell begonnene Finale (eine Herausforderung vor allem f\u00fcr die Streicher) wird immer noch rasender, was es den Kammerorchestermusikern nicht einfach macht, da noch mitzuhalten. Obgleich die hohen F\u00e4higkeiten der Musiker hier deutlich werden, macht das St\u00fcck stellenweise den Eindruck, nur auf Durchkommen geprobt zu sein. Einen sch\u00f6nen Klang macht daf\u00fcr vor allem der Kopfsatz her, und auch das Allegretto-Menuett ger\u00e4t knackig und frisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause steht Maximilian Leinekugel am Dirigentenpult. Der 1995 geborene Student, der bereits zwei Jahre Gaststudent in Dirigieren an der Musikhochschule war, leitet Schubert und erneut Haydn. Die Haydn-Symphonie avanciert zum H\u00f6hepunkt des Abends, hier wird die intensive Arbeit auch an musikalischer Struktur, dem atmenden und pulsierenden Bogen und vor allem an nuancierter Dynamikabstufung deutlich. Leinekugels Leitung geschieht haupts\u00e4chlich aus dem Oberarm, seine Gesten sind ausgearbeitet und sehr schwungvoll mit vielen kleinen Schn\u00f6rkeln. Er geht viel mehr als Lunev auch aus seiner aufrechten Position heraus, mal kr\u00fcmmt er sich und geht in die Knie, mal bewegt er sich f\u00f6rmlich auf sein Ensemble zu. Die Orchestermusiker folgen gerne seiner Einladung zur aktiven Gestaltung dieser Symphonie und holen das beste heraus, was einem so frisch gegr\u00fcndeten Ensemble nur irgend m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschluss des Abends ist die f\u00fcnfte Symphonie von Franz Schubert, ein Werk von subtiler Komplexit\u00e4t und Vielschichtigkeit, das von den meisten leider untersch\u00e4tzt und fast immer sehr oberfl\u00e4chlich dargeboten wird. Wahrhaftig wirkt das Werk bereits nach kurzer \u00dcbezeit, doch ein kurzer Blick in die Partitur gen\u00fcgt, um festzustellen, wie viel mehr doch dahinter steckt. Auch hier wird wieder viel Arbeit an Details sichtlich, wenn auch das Orchester teilweise an seine Grenzen st\u00f6\u00dft mit den hohen Anforderungen Schuberts, beispielsweise den Anfang tats\u00e4chlich Pianissimo zu spielen, die Stimmpolyphonie im zweiten Satz glaubhaft zur Geltung zu bringen oder auf k\u00fcrzeste Distanz viele Sforzati einzeln aus der Melodie herauszumei\u00dfeln. Doch werden gerade die Rands\u00e4tze sehr pr\u00e4gnant genommen, und auch das Allegro molto-Menuett hat beschwingten Charme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die jungen Musiker der Munich Young Classical Players sind auf einem hohen Niveau und werden sich unter guter Leitung sicherlich sehr bald zu einem Kammerorchester mit starkem Zusammenhalt und Liebe zum Detail entwickeln k\u00f6nnen. Sie schlagen bereits bei ihren ersten Konzerten einen ausgezeichneten Weg ein, den fortzuf\u00fchren sich lohnen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste Programm der Munich Young Classical Players wird gleich an drei kleinen Spielst\u00e4tten in M\u00fcnchen dargeboten, am 6. M\u00e4rz in der Moor Villa, am 10. M\u00e4rz im B\u00fcrgersaal F\u00fcrstenried sowie am 17. M\u00e4rz im Kleinen Theater Haar. 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