{"id":600,"date":"2016-03-16T17:23:22","date_gmt":"2016-03-16T16:23:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=600"},"modified":"2016-03-16T17:23:22","modified_gmt":"2016-03-16T16:23:22","slug":"aus-der-weiblichen-perspektive","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/16\/aus-der-weiblichen-perspektive\/","title":{"rendered":"Aus der weiblichen Perspektive"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im Rahmen des Festivals Art in Perspective spielt Yamil\u00e9 Cruz Montero ein Programm mit &#8222;Komponistinnen aus aller Welt&#8220;. Die meisten der gespielten Werke sind Urauff\u00fchrungen, die f\u00fcr das Festival in Auftrag gegeben worden sind. Die Komponistinnen sind Miriel Cuti\u00f1o und Keyle Orozco aus Kuba, Tania Le\u00f3n aus Kuba \/ USA, Elena Tarabanova aus Russland \/ Deutschland, Verena Marisa aus Deutschland, Anna Korsun aus Ukraine \/ Deutschland, Leticia Armijo und Lilia V\u00e1zquez aus Mexiko und Diana Syrse aus Mexiko \/ Deutschland.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frauen in der Zeitgen\u00f6ssischen Kunst, darum dreht sich das neu gegr\u00fcndete Festival &#8222;Art in Perspective&#8220; von Diana Syrse und Eva Schabatin. An zwei Tagen werden Frauen in vielen Bereichen der Kunst pr\u00e4sentiert sowie ihre Probleme und Benachteiligungen dargestellt. Im Pyramidensaal des neuen Geb\u00e4udes der KHG-TUM in der Karlsstra\u00dfe 32 in M\u00fcnchen gibt es Tanz, Musik, Ausstellungen und Podiumsrunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der ersten Programmh\u00e4lfte am 11. M\u00e4rz besteht der Ablauf haupts\u00e4chlich aus einer gro\u00dfen Podiumssitzung, in der Frauen aus verschiedenen Zweigen der Kunst vorgestellt werden und \u00fcber ihre Probleme und Herausforderungen als K\u00fcnstlerinnen sprechen sowie dar\u00fcber, warum sie trotz der schwierigen Voraussetzungen ihr Leben der Kunst widmen. Zuvor werden allerdings von Diana Syrse noch zwei CDs der Reihe &#8222;Colecci\u00f3n Murmullo de Sirenas&#8220; beworben, welche ausschlie\u00dflich Musik von Komponistinnen Mexikos beinhalten. Leider ist die Zeit nicht ausreichend, um in die Musik auch hineinzuh\u00f6ren, doch kann man sie direkt an der Abendkasse erwerben und nach ausgiebigem H\u00f6rgenuss derselben l\u00e4sst sich sagen, dass darauf wirklich interessante und einpr\u00e4gsame moderne Musik zu h\u00f6ren ist, die sich auch empfehlen l\u00e4sst. Auch gibt es noch ein kurzes Klavierintermezzo, bei welchem die elfj\u00e4hrige Viktoria Vanninger eine kurze popmusikalische Eigenkomposition vortr\u00e4gt, die schon im jungen Alter ein erstaunliches Gesp\u00fcr f\u00fcr Harmoniechangierungen aufweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause beginnt das Klavierrezital von Yamil\u00e9 Cruz Montero, die sich der extremen Herausforderung stellt, zehn ganz neue Werke an einem Abend zu spielen, ohne auch nur ein etabliertes und allgemein bekanntes Werk hinzuzuf\u00fcgen. Das Konzert beginnt mit der &#8222;Pieza Rapsodiosa&#8220; von Miriel Cuti\u00f1o (Kuba), einem virtuosen und zerrissenen St\u00fcck von h\u00f6chster Schwierigkeit, das sich als klangsch\u00f6n und eing\u00e4ngig zeigt, wenngleich auch ohne die erwarteten kubanisch-rhythmischen Elemente und ohne besonderen inneren Zusammenhang. &#8222;Der Kranke&#8220; von Elena Tarabanova (Russland\/Deutschland) folgt, ein noch zersprengteres Werk \u00fcber den Zwiespalt eines sterbenden K\u00f6rpers und der auch nach dem Tod noch unruhigen Seele, wobei die Musik zwischen Popmusikelementen und herben Dissonanzen hin und her schwankt. Die vergleichsweise anerkannteste Musik stammt von Tania Le\u00f3n (Kuba\/USA), heute bereits eine Komponistin \u00e4lterer Generation, die sich zumindest in ihrem Heimatland einer breiteren Bekanntheit erfreut: &#8222;Tumbao&#8220;, eine knackig pr\u00e4gnante Miniatur von brillantem Rhythmus, bei\u00dfendem Witz und Humor, sowie &#8222;Momentum&#8220;, etwas ruhiger, doch in \u00e4hnlichem Stil. Das n\u00e4chste St\u00fcck ist quasi ein Heimspiel, Verena Marisa studierte in M\u00fcnchen Komposition und Filmmusikkomposition, ihr &#8222;between lives&#8220; zeigt entsprechend eine besonders hohe handwerkliche Beherrschung auch der neuesten Klangerzeugungsm\u00f6glichkeiten, es ist das freieste und ger\u00e4uschlastigste St\u00fcck des Abends. Ganz das Gegenteil ist &#8222;De Chismes y Confidencias&#8220;, das eher durch Traditionsverbundenheit aufwartet. In dieser Komposition von Keyla Orozco (Kuba) herrscht auch der musikalische Scherz vor, denn sie bildet nicht nur ein Orchesterkonzert ab, sondern auch die Ger\u00e4usche des Publikums davor sowie das Auftreten und Anklopfen des Dirigenten. F\u00fcr die Pianistin wohl das anstrengendste Werk des Abends ist &#8222;Acqua&#8220; von Anna Korsun (Ukraine\/Deutschland), ein aus sp\u00e4rlichem Material zusammengepuzzeltes St\u00fcck aus nicht enden wollenden Glissandi und eher willk\u00fcrlichen gesetzten Akkorden. Wieder traditionsverbunden und eine das typische Landesgef\u00fchl evozierende Musik ist &#8222;Andiamos&#8220; der Mexikanerin Leticia Armijo, welches in herrlicher Vertr\u00e4umtheit den H\u00f6rer in den Bann zieht. &#8222;Scratch Cat!&#8220; ist eine rockige Toccata der Festivalveranstalterin Diana Syrse, voll von vorw\u00e4rtstreibenden Rhythmen und wohl die interessanteste der Urauff\u00fchrungen des Abends. F\u00fcr die letzte Komposition, &#8222;Destellos des Alba&#8220; der Mexikanerin Lilia V\u00e1squez, holt sich die Pianistin noch einige Mitglieder des Ensemble Zeitsprung unter dem Dirigat von Markus Elsner ins Boot (Dirigent, Violinist und Fl\u00f6tist sind die einzigen drei M\u00e4nner, die heute auf der B\u00fchne stehen). Das Ensemble ist von h\u00f6chster Qualit\u00e4t und von einer besonderen Klangverliebtheit, die jede Phrase auf nat\u00fcrliche Weise entstehen l\u00e4sst. Gemeinsam schweben die Musiker in den harmonischen Phantasien dieser Morgenidylle, die den heutigen Abend beschlie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine wahre Entdeckung ist die Pianistin Yamil\u00e9 Cruz Montero, die durch hochmusikalisches und sehr feinf\u00fchliges Klavierspiel beeindruckt. Trotz des leicht schepprigen und nicht ganz lupenrein gestimmten Fl\u00fcgels erschlie\u00dft sie ungeahnte Nuancen in der Musik. In all den divergierenden Kompositionen und bei dem ganz unterschiedlichen musikalischen Gehalt sucht und forscht sie, um \u00fcberall das Bestm\u00f6glichste entstehen zu lassen. Sogar dem glissando\u00fcberlaufenden Acqua entlockt sie feinste Schattierungen und eine perlige Geschmeidigkeit, die ihresgleichen sucht. Fantastisch ist Cruz Monteros Gesp\u00fcr f\u00fcr Rhythmik, die stechend scharf und trotz immenser Herausforderungen vollkommen pr\u00e4zise ist. Respekt geb\u00fchrt ihr auch alleine schon f\u00fcr die Tatsache, sich so sehr f\u00fcr Neues und Unbekanntes einzusetzen, eine solche Anzahl an Urauff\u00fchrungen von hoher Komplexit\u00e4t auf sich zu nehmen f\u00fcr einen Auftritt in kleinem Rahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist der Abend des elften M\u00e4rz eine wahre Fundgrube von Neuentdeckungen und interessanten Erfahrungen. Gerade die St\u00fccke von Tania Le\u00f3n und Diana Syrse werden mir pers\u00f6nlich noch l\u00e4nger im Kopf bleiben &#8211; und nat\u00fcrlich die wunderbare Pianistin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des Festivals Art in Perspective spielt Yamil\u00e9 Cruz Montero ein Programm mit &#8222;Komponistinnen aus aller Welt&#8220;. Die meisten der gespielten Werke sind Urauff\u00fchrungen, die f\u00fcr das Festival in Auftrag gegeben worden sind. 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