{"id":6003,"date":"2023-12-14T02:56:45","date_gmt":"2023-12-14T01:56:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6003"},"modified":"2024-12-10T19:57:43","modified_gmt":"2024-12-10T18:57:43","slug":"ein-wunderbares-adventskonzert-pierne-zilcher-und-woyrsch-in-wuerzburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/12\/14\/ein-wunderbares-adventskonzert-pierne-zilcher-und-woyrsch-in-wuerzburg\/","title":{"rendered":"Ein wunderbares Adventskonzert: Piern\u00e9, Zilcher und Woyrsch in W\u00fcrzburg"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Am 9. und 10.&nbsp;Dezember 2023 dirigierte Matthias Beckert den Monteverdichor W\u00fcrzburg und die Jenaer Philharmonie in Gabriel Piern\u00e9s <\/em>Les enfants \u00e0 Bethl\u00e9em<em>, Hermann Zilchers <\/em>Nachtmusik<em> <\/em>op.&nbsp;64<em> und Felix Woyrschs <\/em>Die Geburt Jesu<em> <\/em>op.&nbsp;18<em>. Als Solisten waren die Sopranistinnen Anna Feith, Maine Takeda, Mechthild S\u00f6ffler und Rebecca Suta, die Altistin Barbara Br\u00e4ckelmann, der Tenor Michael Ha und der Bariton Stefan Stoll zu h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/20231211_100123-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/20231211_100123-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6004\" width=\"482\" height=\"643\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/20231211_100123-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/20231211_100123-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/20231211_100123-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/20231211_100123-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/20231211_100123-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/a><figcaption>Die W\u00fcrzburger Neubaukirche, Auff\u00fchrungsort des Konzerts<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Der W\u00fcrzburger Monteverdichor hat sich im Laufe der letzten Jahre nicht nur durch seine gesanglichen Qualit\u00e4ten, sondern auch durch seine reichhaltigen Programme einen ausgezeichneten Ruf erworben. Mit Matthias Beckert steht ihm ein Dirigent vor, der sich nicht mit einer kleinen Zahl bew\u00e4hrter Repertoirest\u00fccke begn\u00fcgt, sondern wirklich eine Vorstellung davon besitzt, wie umfassend der vorhandene Bestand hochwertiger Musik tats\u00e4chlich ist. Bei der Auswahl der St\u00fccke f\u00fcr seine Konzerte achtet Beckert mithin darauf, Wiederholungen zu vermeiden, um seinem Publikum die Bekanntschaft mit m\u00f6glichst vielen Werken zu erm\u00f6glichen. Beispielhaft zeigt sich das anhand der Weihnachtskonzerte des Monteverdichors. Die Programme des vergangenen Jahrzehnts boten Musik verschiedenster Epochen und Stile. Es erklangen abendf\u00fcllende Weihnachtsoratorien von Joseph Eybler, Jules Massenet, Philipp Wolfrum, Richard Wetz und Frank Martin (<em>Le Myst\u00e8re de la Nativit\u00e9<\/em> als deutsche Erstauff\u00fchrung), aber auch k\u00fcrzere Werke, etwa von Friedrich Kiel (<em>Der Stern von Bethlehem<\/em>), Felix Draeseke (<em>Adventlied<\/em>), Edward Elgar (<em>The Light of Life<\/em>), Walter Braunfels (<em>Adventskantate<\/em> und <em>Weihnachtskantate<\/em>), Heinrich Kaminski (Magnificat) und Gerald Finzi (<em>Dies Natalis<\/em>). 2017 wurde Michael Ostrzygas Oratorium <em>Puer Natus Est<\/em> vom Monteverdichor zur Urauff\u00fchrung gebracht. Man kann also in W\u00fcrzburg jedes Jahr aufs Neue gespannt sein, was am zweiten Adventswochenende in der Neubaukirche, die als Universit\u00e4tskirche regelm\u00e4\u00dfige Spielst\u00e4tte des aus Studierenden und Alumni bestehenden Chores ist, gesungen und gespielt wird. Die orchestrale Unterst\u00fctzung der Weihnachtskonzerte leistet seit 2016 durchgehend die Jenaer Philharmonie.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Zusammenstellung der Werke f\u00fcr die diesj\u00e4hrigen Konzerte am 9. und 10.&nbsp;Dezember hat Matthias Beckert eine besonders gl\u00fcckliche Wahl getroffen, denn die drei Kompositionen bildeten ein Programm von ungew\u00f6hnlicher innerer Geschlossenheit. Das gern gebrauchte Wort von der \u201eEinheit durch Kontrast\u201c ist hier durchaus am Platze! Die beiden Oratorien, die den Anfang und den Schluss bildeten, f\u00fchrten anschaulich vor Ohren, auf welch unterschiedliche Weise man um die Wende vom 19. zum 20.&nbsp;Jahrhundert die Geschichte der Geburt Christi in Musik gesetzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Gabriel Piern\u00e9 war ein Alters- und Studiengenosse Claude Debussys, Sch\u00fcler C\u00e9sar Francks, dem er als Organist an Ste-Clotilde nachfolgte, und angesehener Dirigent, dem zahlreiche Werke der damaligen musikalischen Moderne (etwa Strawinskijs <em>Feuervogel<\/em> und Ravels <em>Daphnis et Clo\u00e9<\/em>) ihre Urauff\u00fchrung verdanken. Sein \u201eMyst\u00e8re\u201c <em>Les enfants \u00e0 Bethl\u00e9em<\/em> (in W\u00fcrzburg unter dem Titel <em>Die Kinder zu Bethlehem<\/em> auf Deutsch gesungen) ist eine Art franz\u00f6sisches Volksoratorium. Wir erleben, geleitet von einem melodramatischen Erz\u00e4hler, wie eine Schar von Hirtenkindern um Georg, Nicola und Jeanette sich nach der Verk\u00fcndigung durch den Stern aufmacht, den Heiland in seiner Krippe zu besuchen. Unterwegs begegnen sie den Heiligen drei K\u00f6nigen, denen sie sich anschlie\u00dfen, um letztlich im Stall zu Bethlehem dem Jesuskind zu huldigen, das dort von der Heiligen Jungfrau gemeinsam mit Ochs und Esel beh\u00fctet wird. Der Librettist Gabriel Nigond hat anscheinend bewusst offen gelassen, wo die kindlichen Helden seiner Handlung zeitlich und r\u00e4umlich zu verorten sind. Die Namen (im Original hei\u00dfen Georg und Nicola \u201eLubin\u201c und \u201eNicolas\u201c), wie auch die Rundtanzmusik im 6\/8-Takt, mit der die Kinder vorgestellt werden, lassen vermuten, dass sie eher als franz\u00f6sische Kinder um 1900 denn als orientalische Kinder der Zeit um Christi Geburt gedacht sind. Im imagin\u00e4ren Raum des Weihnachtsmysteriums finden jedenfalls unterschiedliche Ort-, Zeit und Stilebenen m\u00fchelos zusammen. Kaspar, Melchior und Balthasar sind nicht einfach drei Weise, sondern wirkliche K\u00f6nige, die eine Karawane von Kamelen samt Elefant nach Bethlehem f\u00fchren. Piern\u00e9 geleitet sie mit einem \u00fcppig instrumentierten Festmarsch in der Tradition des franz\u00f6sischen Orientalismus zur Krippe. Orientalische \u201ecouleur locale\u201c verbreitet auch der Ruf eines Hirten aus der Ferne, der eindeutig einem Muezzinruf nachgebildet ist. Beinahe unmittelbar schlie\u00dft sich ihm ein trauriges Lied der Kinder an, das im weiteren Verlauf des Werkes motivisch wichtig wird und gleicherma\u00dfen die Trostlosigkeit des Winters wie, in seiner hymnisch gesteigerten Variante, die Hoffnung auf den Heiland zu verdeutlichen scheint. In seiner Schlichtheit k\u00f6nnte es ein franz\u00f6sisches Volkslied sein. Ganz nah an Debussy ist Piern\u00e9 in der mysteri\u00f6sen Einleitungsmusik des Werkes, die gleichfalls mehrere Male wiederkehrt, um das Geschehen zu gliedern. Es spricht sehr f\u00fcr den Komponisten, dass bei aller stilistischen Buntscheckigkeit das Werk nicht wie ein Konglomerat, sondern als ein zusammenh\u00e4ngendes Ganzes erscheint; wie denn auch der Tonfall bei aller Effektfreudigkeit und Popularit\u00e4t nie ins Banale umschl\u00e4gt. Der Text mag an manchen Stellen unfreiwillig komisch wirken, wenn man ihn nur liest, Piern\u00e9s Musik allerdings veredelt auch diese Abschnitte. Was Ochs und Esel singen, ist nicht minder w\u00fcrdevoll als die Musik der Heiligen Jungfrau oder des Sterns \u2013 immerhin sind sie die treuen W\u00e4chter des Jesuskindes und werden als solche von den Kindern auch gew\u00fcrdigt. Der ganzen Anlage des Werkes gem\u00e4\u00df endet das Oratorium mit einer Art Feld-, oder besser: Stallgottesdienst. Der Stern und die Heilige Jungfrau agieren als Vors\u00e4nger, die Kinder antworten mit best\u00e4ndig wiederholten F\u00fcrbitten. Danach erklingt das Quasi-Volkslied ein letztes Mal in der Fl\u00f6te, nun aber in Dur. Der Schluss ist von einer Einfachheit, die man genial nennen muss: Nach einem Akkord der Streicher singen die Kinder a cappella nur das Wort \u201eWeihnacht\u201c, woraufhin ein leiser Paukenwirbel das St\u00fcck beschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrt uns Piern\u00e9 zu Weihnachten in Feld und Stall und in exotische L\u00e4nder, so finden wir uns in dem Kurzoratorium <em>Die Geburt Jesu <\/em>op.\u00a018 seines deutschen Zeitgenossen Felix Woyrsch, des langj\u00e4hrigen St\u00e4dtischen Musikdirektors von Altona, in eine festlich geschm\u00fcckte, protestantische Kirche versetzt. Den Text dieses Werkes hat der Komponist selbst aus Bibelstellen zusammengestellt, in die er die Chor\u00e4le \u201eVom Himmel hoch, da komm ich her\u201c, \u201eAch, liebster Heiland Jesu Christ\u201c und \u201eWie soll ich dich empfangen\u201c geschickt eingearbeitet hat. Auch die originalen Melodien der Chor\u00e4le sind zu h\u00f6ren. Jede wird auf andere Weise bearbeitet: Als sechsstimmige Chorfuge mit kanonischen Choral-Eins\u00e4tzen (letztere in der Auff\u00fchrung von den Soli gesungen), als orgelbegleiteter Choral mit Zwischenspielen der Streicher oder als von ostinaten Figurationen begleiteter Choral, zwischen dessen Strophen kleine Ariosi des Solo-Soprans eingeschoben sind. Neben dem Sopran ist auch dem Bass eine Solo-Nummer zugedacht, w\u00e4hrend der Tenorsolist nach Art des Evangelisten barocker Oratorien die erz\u00e4hlenden Rezitative zwischen den durchweg knapp gefassten Ch\u00f6ren und Arien \u00fcbernimmt. So deutlich Woyrsch mitunter mit seiner Satztechnik prunkt, so gl\u00fccklich vermeidet er jeden Bombast. Das Werk ist sparsam instrumentiert. Nahezu jede Nummer hat ihre bestimmte Klangfarbe. Nur in wenigen Takten sind alle S\u00e4nger und Instrumentalisten gleichzeitig zu h\u00f6ren. Am Ende scheint ein furioses Finale einzusetzen, doch geht die st\u00fcrmische Fuge bald in einen breiten Wechselgesang von Chor und Soli \u00fcber. Ein instrumentales Nachspiel, in dem die Orgel noch einmal \u201eVom Himmel hoch\u201c anstimmt, f\u00fchrt das Werk zu einem ruhigen Ausklang.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Zilcher-Chorwerke.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Zilcher-Chorwerke.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6006\" width=\"358\" height=\"356\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Zilcher-Chorwerke.jpg 503w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Zilcher-Chorwerke-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Zilcher-Chorwerke-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Woyrschs <em>Geburt Jesu<\/em> war das einzige St\u00fcck, in welchem alle S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger dieser Konzerte mitwirkten. Es ist f\u00fcr einen gemischten Chor geschrieben, w\u00e4hrend Piern\u00e9s <em>Kinder zu Bethlehem<\/em> nur nach einem Kinderchor oder, wie in unserem Fall, einem Frauenchor verlangt. Eine ideale Br\u00fccke zwischen beiden Werken fand sich mit dem Werk eines W\u00fcrzburger Komponisten, der <em>Nachtmusik<\/em> op.&nbsp;64 f\u00fcr Orchester, M\u00e4nnerchor und Sopransolo von Hermann Zilcher. Zilchers Wirken in W\u00fcrzburg, das 1920 mit seiner Ernennung zum Konservatoriumsdirektor begann, markiert \u2013 das kann man sagen, ohne bedeutenden Vorg\u00e4ngern wie Giovanni Benedetto Platti oder Friedrich Witt Unrecht zu tun \u2013 den bisherigen H\u00f6hepunkt der st\u00e4dtischen Musikgeschichte. Das von ihm 1921 ins Leben gerufene Mozartfest geh\u00f6rt nach wie vor zu den wichtigsten Musikveranstaltungen Deutschlands. Zilchers <em>Nachtmusik<\/em> l\u00e4sst sich nur schwer einer bestimmten Gattung zuordnen. Ihre Entstehung ist eng mit dem Mozartfest verkn\u00fcpft. Der Komponist pflegte das Werk, das er nicht drucken lie\u00df, ausschlie\u00dflich w\u00e4hrend des Festes bei Nacht im illuminierten Garten der W\u00fcrzburger Residenz aufzuf\u00fchren. Am ehesten k\u00f6nnte man es als Symphonische Dichtung mit Gesang bezeichnen. Das St\u00fcck beginnt mit einem l\u00e4ngeren, rein orchestralen Teil, der sich in mehrere Unterabschnitte gliedert. Obwohl es nicht als Weihnachtsmusik gedacht ist, verbreitet der Anfang mit seiner liedhaften, vom Glockenspiel untermalten Trompetenmelodie eine Stimmung, die das Werk f\u00fcr Weihnachtskonzerte sehr geeignet erscheinen l\u00e4sst. Dem folgen leicht beschwingte, rokokohafte T\u00f6ne. Nahezu unauff\u00e4llig ver\u00e4ndert sich die Szenerie. Die Musik wird dunkler, tiefgr\u00fcndiger, geheimnisvoll, wie die aufziehende Nacht. Das Anfangsthema erscheint als breiter Streicherhymnus \u00fcber blechernem Bass mit Tamtamschl\u00e4gen. Dann setzt, auf der Empore der Kirche aufgestellt, der M\u00e4nnerchor mit einem Gedicht der W\u00fcrzburger Lyrikerin Elisabeth Dauthendey ein: \u201eAbend senkt sich nieder [\u2026] H\u00f6rt ihr den Sang der Sph\u00e4ren erklingen!\u201c Aus der wogenden Polyphonie des Chores sch\u00e4lt sich der Solo-Sopran heraus und bleibt am Ende als einzige Singstimme \u00fcbrig, mit der \u201eJubel und Tanz\u201c in der Stille der Nacht verschwinden. Das letzte Wort hat die leise schlagende Mitternachtsglocke. \u2013 Dieses gro\u00dfartige Werk sollte endlich im Druck publiziert werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Der musikalischen Qualit\u00e4t der drei aufgef\u00fchrten St\u00fccke \u2013 jedes auf seine Art ein Meisterwerk \u2013 entsprach die Qualit\u00e4t der Darbietungen. Matthias Beckert ist ein wahrhaft inspirierender Chorleiter, der seine S\u00e4nger zu H\u00f6chstleistungen anspornt. Da das Programm die Gelegenheit bot, Frauen- und M\u00e4nnerstimmen des Monteverdichors getrennt zu h\u00f6ren, bevor sie am Ende in Woyrschs Oratorium zusammenwirkten, konnte man sich davon \u00fcberzeugen, dass dieser Chor in allen seinen Stimmgruppen aufs sch\u00f6nste ausgebildet ist. Ein frischer, kr\u00e4ftiger, klarer Klang entstr\u00f6mt diesen Kehlen, die auch hinsichtlich der Textverst\u00e4ndlichkeit vorbildlich agieren. Die Jenaer Philharmonie gab das sichere Fundament zur Entfaltung der vokalen Kr\u00e4fte. Dirigent Beckert f\u00fchrt takt- und tempofest durch das Geschehen. Den einzelnen Sektionen des Orchesters l\u00e4sst er nicht weniger Aufmerksamkeit zukommen als den Stimmen des Chores. Nie ger\u00e4t er dabei in einen mechanischen Trott, beschwingt und kantabel atmet die Musik unter seinen H\u00e4nden. Mit ihren durchweg ausgezeichneten Leistungen f\u00fcgten sich die Solisten trefflich ins Gesamtbild ein. Der Sopranistin Anna Feith waren in allen drei Werken gewichtige Aufgaben zugeteilt \u2013 als \u201eStern\u201c bei Piern\u00e9, wie als Solistin bei Zilcher und Woyrsch \u2013, die sie gl\u00e4nzend und scheinbar m\u00fchelos erf\u00fcllte. Mit heller, durchdringender, dabei stets vornehm bleibender Stimme, singt sie tonsicher und textverst\u00e4ndlich auch in ganz hohen Lagen. In Piern\u00e9s Werk waren noch drei andere junge Sopranistinnen zu loben, die innige Darstellungen der drei Hirtenkinder boten: Maine Takeda, Mechthild S\u00f6ffler und Rebecca Suta. Die Altistin Barbara Br\u00e4ckelmann verk\u00f6rperte im gleichen St\u00fcck die Gottesmutter h\u00f6chst w\u00fcrdevoll. Esel und Ochs, die, wie gesagt, keine Tierlaute von sich geben, sondern von Piern\u00e9 sehr menschlich gezeichnet werden, fanden in dem Tenor Michael Ha und dem Bariton Stefan Stoll einf\u00fchlsame Interpreten. Stefan Stoll f\u00fchrte zudem als stimmgewaltiger Erz\u00e4hlter durch die Handlung der <em>Kinder zu Bethlehem<\/em> und sang als Hirte in der Ferne wie als himmlische Stimme gelegentlich auch hinter dem Publikum bzw. hinter der B\u00fchne. Michael Ha \u00fcberzeugte sp\u00e4ter bei Woyrsch auch als Evangelist. An beiden Konzertabenden waren die Leistungen s\u00e4mtlicher Ausf\u00fchrenden gleicherma\u00dfen ausgezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts solcher Konzerte braucht man sich \u00fcber das W\u00fcrzburger Musikleben keine Sorgen zu machen. Dass mithin gerade selten zu h\u00f6renden Chorwerken durch den Monteverdichor unter Matthias Beckerts Leitung eine so hingebungsvolle Umsetzung zuteil wird, muss als ein Gl\u00fccksfall bezeichnet werden. Man kann nur w\u00fcnschen, dass dieser Musizierpraxis noch viele weitere musterg\u00fcltige Auff\u00fchrungen entspringen und m\u00f6glichst viele zu Unrecht vernachl\u00e4ssigte St\u00fccke dem Konzertleben zur\u00fcckgewonnen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Dezember 2023]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9. und 10.&nbsp;Dezember 2023 dirigierte Matthias Beckert den Monteverdichor W\u00fcrzburg und die Jenaer Philharmonie in Gabriel Piern\u00e9s Les enfants \u00e0 Bethl\u00e9em, Hermann Zilchers Nachtmusik op.&nbsp;64 und Felix Woyrschs Die Geburt Jesu op.&nbsp;18. 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