{"id":6072,"date":"2024-01-15T00:00:32","date_gmt":"2024-01-14T23:00:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6072"},"modified":"2024-01-15T00:00:35","modified_gmt":"2024-01-14T23:00:35","slug":"unerschoepflich-peteris-vasks-angele-dei-gebet-an-deinen-schutzengel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/01\/15\/unerschoepflich-peteris-vasks-angele-dei-gebet-an-deinen-schutzengel\/","title":{"rendered":"Unersch\u00f6pflich \u2013 P\u0113teris Vasks: Angele Dei. Gebet an (Deinen) Schutzengel"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>P\u0113teris Vasks: Angele Dei. Gebet an (Deinen) Schutzengel f\u00fcr gemischten Chor<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(SATB) a cappella<br \/>Schott: C 60012. ISMN: 979-0-001-21421-6.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Angele-Dei-2021.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"419\" height=\"600\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Angele-Dei-2021.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6073\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Angele-Dei-2021.jpg 419w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Angele-Dei-2021-210x300.jpg 210w\" sizes=\"(max-width: 419px) 100vw, 419px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Als zu Beginn des 20.&nbsp;Jahrhunderts die Stimmen immer lauter wurden, dass die Tonalit\u00e4t ersch\u00f6pft sei und man nun andere Wege beschreiten m\u00fcsse, wer h\u00e4tte da gedacht, dass es hundert Jahre sp\u00e4ter nahezu anders herum ist: Nun scheint gerade das Suchen und Experimentieren ersch\u00f6pft. Die Grenzen ausgelotet, die Extremata errungen, schlichtweg alles offen. Sich in dieser musikalischen Welt einen Platz zu erringen, beschert unmittelbar Gegenstimmen: Zwischen konservativ-altv\u00e4terlich und unh\u00f6rbar-klanglastig, zwischen formalistisch und willk\u00fcrlich, die Gruppen sind gespalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen spannenden Weg schlug schon fr\u00fch der in Lettland geborene Komponist P\u0113teris Vasks ein. Seine Musik gestaltet sich modern und doch stets der Tonalit\u00e4t verpflichtet. Ihr oberstes Gebot, und das l\u00e4sst sie unter unz\u00e4hligen Komponisten unserer Zeit herausleuchten, betont die Sch\u00f6nheit, die Anmut und die Eleganz \u2013 andere Stimmungen und Gef\u00fchle finden freilich ihren Platz, doch stets einer gr\u00f6\u00dferen, im Innersten positiv aufw\u00e4rts gerichteten Energie verpflichtet. Die Musik bleibt verst\u00e4ndlich. Eine Ehrfurcht vor der Natur und dem Raum durchflutet jede Note, die oftmals durch einen christlich gepr\u00e4gten Tonfall erg\u00e4nzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Werke von P\u0113teris Vasks werden bei Schott herausgegeben, wo mit gro\u00dfem Eifer auch die neuesten Werke angemessen rasch gedruckt und publiziert werden. In sauberem, gut leserlichem Design laden die Werke Profi- wie auch engagierte Amateurmusikerinnen und -musiker ein, diese Musik auszuprobieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines der frisch herausgegebenen Werke ist das Chorst\u00fcck Angele Dei, ein Gebet an \u201e(Deinen)\u201c pers\u00f6nlichen Schutzengel: \u201eEngel Gottes, mein lieber Schutzengel, wem mich Gottes Liebe hier verpflichtet, immer diesen Tag, sei an meiner Seite, zu beleuchten und zu bewachen, zu regieren und zu f\u00fchren. Amen\u201c. Es wurde 2021 komponiert und am 16.&nbsp;April des gleichen Jahres unter Leitung seines Widmungstr\u00e4gers Sigvards K\u013cava uraufgef\u00fchrt, der schon mehrere Werke Vasks\u2018 aufgef\u00fchrt und eingespielt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Angele Dei handelt es sich um eine Meditation f\u00fcr Chor a cappella, ein inniges Werk voll Gef\u00fchl, Dankbarkeit und Licht. Es l\u00e4sst sich auch von Amateurch\u00f6ren realisieren, wenngleich ein umfangreicher Atem vorausgesetzt wird sowie die F\u00e4higkeit, die Intonation auch bei langen T\u00f6nen sauber halten zu k\u00f6nnen. Die Musik weist eine klare Bogenform auf, hin zu einem H\u00f6hepunkt auf das Wort \u201ecustodi\u201c (bewachen), wonach die Musik sich wieder entspannt. Das Werk steht, ohne Vorzeichen notiert, in Es-Dur und bleibt dieser Tonart treu, wenngleich changierende Harmoniewechsel innerhalb der durchsp\u00fcrbaren Grundtonart vielf\u00e4ltige Klangfarben evozieren. Immer wieder w\u00fcrzt Vasks die Akkorde durch Erweiterungen, die aber nie schmerzhaft, sondern warm resonieren und Freundlichkeit ausstrahlen. Die vier Stimmen m\u00e4andern allm\u00e4hlich vor sich hin und entwickelt sich stetig, ohne dabei auffallend hervorzustechen, vergleichbar am ehesten mit einer Pflanze, die unaufhaltsam ihren Weg zum Licht sucht, ohne dass wir dieses Streben aktiv mitbekommen, dann aber doch deutlich versp\u00fcren. Erreicht wird das Licht am Ende, wo nach einer plagalen Kadenz \u00fcber f-Moll sich pl\u00f6tzlich ein luzider C-Dur-Akkord fast \u00fcbernat\u00fcrlich rein erhebt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Januar 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>P\u0113teris Vasks: Angele Dei. Gebet an (Deinen) Schutzengel f\u00fcr gemischten Chor (SATB) a cappellaSchott: C 60012. ISMN: 979-0-001-21421-6. 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