{"id":6085,"date":"2024-01-27T23:51:00","date_gmt":"2024-01-27T22:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6085"},"modified":"2024-01-29T10:27:36","modified_gmt":"2024-01-29T09:27:36","slug":"unsuk-chin-erhaelt-den-ernst-von-siemens-musikpreis-2024","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/01\/27\/unsuk-chin-erhaelt-den-ernst-von-siemens-musikpreis-2024\/","title":{"rendered":"Unsuk Chin erh\u00e4lt den Ernst von Siemens Musikpreis 2024"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der internationale <\/em>Ernst von Siemens Musikpreis<em> geht 2024 an die s\u00fcdkoreanische Komponistin <\/em>Unsuk Chin<em>. Die Auszeichnung f\u00fcr ein Leben im Dienste der Musik ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 18. Mai 2024 im Herkulessaal der M\u00fcnchner Residenz statt. Die mit je 35.000 Euro ausgestatteten F\u00f6rderpreise Komposition gehen 2024 an <\/em>B\u00e1ra G\u00edslad\u00f3ttir<em> aus Island, den Italiener <\/em>Daniele Ghisi<em> sowie <\/em>Yiqing Zhu<em> aus China.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Unsuk-Chin-2-1200x800-Rui-Camilo-\u00a9-EvS.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Unsuk-Chin-2-1200x800-Rui-Camilo-\u00a9-EvS-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6086\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Unsuk-Chin-2-1200x800-Rui-Camilo-\u00a9-EvS-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Unsuk-Chin-2-1200x800-Rui-Camilo-\u00a9-EvS-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Unsuk-Chin-2-1200x800-Rui-Camilo-\u00a9-EvS-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Unsuk-Chin-2-1200x800-Rui-Camilo-\u00a9-EvS.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Unsuk Chin, Komponistin aus S\u00fcdkorea, in ihrer Berliner Wohnung (Rui Camilo \u00a9 EvS)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die <em>Ernst von Siemens Musikstiftung<\/em> hat die Preistr\u00e4ger 2024 f\u00fcr Komposition bekanntgegeben. Den Hauptpreis erh\u00e4lt die aus S\u00fcdkorea stammende Komponistin <em>Unsuk Chin<\/em> (*1961), die nach Studien in ihrer Heimat mit einem DAAD-Stipendium 1985 in Hamburg Sch\u00fclerin von Gy\u00f6rgy Ligeti wurde und seit langem in Berlin lebt \u2013 bei nunmehr 51 Preistr\u00e4gern erst die f\u00fcnfte Frau. Als vor zwei Jahren die <em>Deutsche Grammophon<\/em> die Aufnahmen der 1. &amp; 3. Symphonie der farbigen Amerikanerin Florence Price unter Yannick N\u00e9zet-S\u00e9guin \u2013 zun\u00e4chst \u2013 als erste CD des Labels \u00fcberhaupt vorstellte, die dem Werk einer einzigen Komponistin gewidmet sei, lag deren PR-Abteilung daneben. Tats\u00e4chlich war bereits 2005 in der Reihe DG 20\/21 ein Album erschienen, das ausschlie\u00dflich Musik keiner Geringeren als Unsuk Chin enthielt, darunter zwei Schl\u00fcsselwerke: <em>Xi <\/em>f\u00fcr Ensemble und Elektronik sowie <em>Akrostichon-Wortspiel<\/em>. Darin vertonte sie \u2013 neben Michael Ende \u2013 schon Texte von Lewis Caroll, der Dichterin, die sp\u00e4ter Inspirationsquelle f\u00fcr ihre bisher einzige Oper <em>Alice in Wonderland <\/em>wurde \u2013 2007 erfolgreich von Kent Nagano an der Bayerischen Staatsoper uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Chin wurde insbesondere durch bis ins kleinste Detail ausget\u00fcftelte, oft gro\u00dfbesetzte Orchesterwerke ber\u00fchmt. Hier entwickelte die Komponistin eine ganz pers\u00f6nliche Klangsprache von berauschender Farbigkeit und Intensit\u00e4t. Ihre Instrumentalkonzerte \u2013 neben je einem f\u00fcr Klavier, Violine und Violoncello erstaunte Chin 2010 mit <em>\u0160u<\/em> f\u00fcr die chinesische Mundorgel Sheng \u2013 machen l\u00e4ngst einen Siegeszug um die ganze Welt. Letzteres war \u2013 mit Wu Wei, freilich dem einzigen Solisten, der <em>\u0160u<\/em> bislang bew\u00e4ltigt \u2013 vor anderthalb Jahren bei der <em>musiva viva<\/em> in M\u00fcnchen zu h\u00f6ren. Darin zeigt sich auch, dass Unsuk Chin bei der Einbeziehung fern\u00f6stlicher Elemente einen ganz anderen Weg geht als etwa ihr Landsmann Isang Yun. Zu welchen vokalen Gro\u00dftaten sie f\u00e4hig ist, beweist nicht zuletzt die Komposition <em>Le silence des Sir\u00e8nes <\/em>(2014), erst k\u00fcrzlich in einer hinrei\u00dfenden Aufnahme mit Barbara Hannigan und den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man darf schon jetzt darauf gespannt sein, welche ihrer Werke bei der offiziellen Preisverleihung am 18. Mai 2024 um 19.30 Uhr im Herkulessaal der M\u00fcnchner Residenz zu h\u00f6ren sein werden. In diesem Rahmen werden dann auch wieder die drei F\u00f6rderpreistr\u00e4ger Komposition in filmischen Kurzportr\u00e4ts von Johannes List vorgestellt werden \u2013 immer ein echtes, oft witziges Highlight dieser Veranstaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Als diesj\u00e4hrige <em>F\u00f6rderpreistr\u00e4ger Komposition<\/em> der Ernst von Siemens Musikstiftung wurden benannt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>B\u00e1ra G\u00edslad\u00f3ttir<\/em> (*1989), einmal mehr ein herausragendes Beispiel der f\u00fcr ein so kleines Land \u00fcberaus aktiven Neue-Musik-Szene Islands mit geradezu erstaunlich vielen weiblichen Protagonistinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Daniele Ghisi<\/em> (*1984) \u2013 Der Italiener war u. a. Sch\u00fcler des in Deutschland immer noch weit untersch\u00e4tzten Stefano Gervasoni, studierte daneben Mathematik und untersuchte in seiner Dissertation Techniken f\u00fcr computergest\u00fctzte Komposition.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Yiqing Zhu<\/em> (*1989) \u2013 Der chinesische Komponist und Pianist schloss nach Jahren in Shanghai und Kopenhagen 2019 sein Studium in Stuttgart ab, u. a. bei Marco Stroppa. Neben der zeitgen\u00f6ssischen Musik setzt er sich auch mit der traditionellen \u00f6stlichen Musik, der elektronischen Musik, dem Jazz, der Welt- sowie der Popularmusik auseinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen \u2013 darunter ausf\u00fchrlichere Essays \u2013 zu den Preistr\u00e4gern 2024 findet man auf der Website der <a href=\"https:\/\/www.evs-musikstiftung.ch\/de\/preis\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.evs-musikstiftung.ch\/de\/preis\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ernst von Siemens Musikstiftung<\/a>. Entgegen weitverbreiteter Meinung ist der Besuch des Preisverleihungskonzertes keineswegs nur geladenen G\u00e4sten vorbehalten, sondern die Veranstaltung steht \u2013 wie bisher \u2013 auch dem interessierten Publikum offen, wenn man sich vorher bei der Stiftung anmeldet (<a href=\"mailto:preisverleihung@evs-musikstiftung.ch\">preisverleihung@evs-musikstiftung.ch<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, 25. Januar 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der internationale Ernst von Siemens Musikpreis geht 2024 an die s\u00fcdkoreanische Komponistin Unsuk Chin. Die Auszeichnung f\u00fcr ein Leben im Dienste der Musik ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 18. Mai 2024 im Herkulessaal der M\u00fcnchner Residenz statt. 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