{"id":6141,"date":"2024-03-08T23:37:00","date_gmt":"2024-03-08T22:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6141"},"modified":"2024-03-09T13:49:57","modified_gmt":"2024-03-09T12:49:57","slug":"bei-brehm-mit-bach-nach-bosnien-goran-stevanovich-in-renthendorf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/03\/08\/bei-brehm-mit-bach-nach-bosnien-goran-stevanovich-in-renthendorf\/","title":{"rendered":"Bei Brehm mit Bach nach Bosnien \u2013 Goran Stevanovich in Renthendorf"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Rahmen der 20. Th\u00fcringer Bachwochen unternahm der aus Bosnien-Herzegowina stammende Akkordeonist Goran Stevanovich in diesen Tagen eine Konzerttournee besonderer Art durch Th\u00fcringen: Kirchen und Konzerth\u00e4user sind als Spielst\u00e4tten ausgeschlossen, weswegen die Musik mitunter an Orten erklingt, an denen man nicht unbedingt ein Konzert vermuten w\u00fcrde. Definitiv ein solcher ist der neue Anbau von BREHMS WELT \u2013 TIERE UND MENSCHEN, dem interaktiven Museum zu Ehren der Naturforscherfamilie Brehm im ostth\u00fcringischen Renthendorf, denn er befindet sich noch im Rohbauzustand. So nahm das zahlreich erschienene Publikum in einem Raum Platz, dessen gl\u00e4serne W\u00e4nde erst in ein paar Wochen eingesetzt werden. Die Raumtemperatur entsprach der Au\u00dfentemperatur von etwa 10\u00b0 Celsius und man h\u00f6rte Vogelstimmen von den umstehenden B\u00e4umen herab klingen \u2013 durchaus passend zu dem Ort, an dem der \u201eVogelpastor\u201c Christian Ludwig Brehm f\u00fcnf Jahrzehnte lang lebte und forschte.<\/p>\n\n\n\n<p>Stevanovichs Programm bestand ausschlie\u00dflich aus Transkriptionen und entpuppte sich als musikalische Welt- und Zeitreise, die vom barocken Mitteldeutschland aus in die moderne Welt westlicher Gro\u00dfst\u00e4dte und schlie\u00dflich zur urw\u00fcchsigen Volkskultur des Balkans f\u00fchrte. Es begann mit der Air aus Johann Sebastian Bachs Orchestersuite BWV&nbsp;1068 und f\u00fchrte dann mit zwei Konzertet\u00fcden von Philip Glass und Astor Piazzollas <em>Libertango<\/em> nach Nord- und S\u00fcdamerika. Mit der Sarabande aus Bachs <em>Franz\u00f6sischer Suite<\/em> c-Moll ging es nach Paris, zu Erik Saties <em>Gymnopedie<\/em> Nr.&nbsp;1, die Stevanovich unmittelbar in Yann Tiersens Walzer aus der Musik zur <em>Fabelhaften Welt der Am\u00e9lie<\/em> \u00fcbergehen lie\u00df. Der letzte Teil des Konzerts war Stevanovichs Heimat gewidmet. Der Akkordeonist lie\u00df zun\u00e4chst zwei St\u00fccke aus dem Bereich der Sevdalinka erklingen, einer spezifisch bosnischen Volksmusikgattung, die Stevanovich in seiner Einf\u00fchrung als \u201ebosnischen Fado\u201c charakterisierte: Musik zur Austreibung der Melancholie mittels leidenschaftlich gesteigerter Melancholie. Ein feuriger Ritualtanz im raschen 11\/8-Takt schloss sich an. Mit der Zugabe, dem Andante aus der Solo-Violinsonate BWV&nbsp;1003, schloss sich der Kreis zum Anfang.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein betont vielf\u00e4ltiges Programm, das so recht geeignet war, zu zeigen, welcher Reichtum an Klangfarben und Charakterschattierungen dem Akkordeon entlockt werden kann. Unter Stevanovichs H\u00e4nden holt das Instrument Luft: nicht wie ein Blasebalg \u2013 oder \u201eHeimatluftkompressor\u201c, wie der Interpret zu Beginn witzelte \u2013, sondern wie ein S\u00e4nger, der die Kunst des Einatmens vollendet beherrscht. Getragen von einem langen Atem, der nie stockt, gestaltet er das Tempo ist frei, ohne dass indessen das Gef\u00fchl eines grundierenden Pulses verloren ginge. Stevanovich kennt die Musik bis in die kleinsten Phrasen genau und kostet sie mit feinen Verz\u00f6gerungen und Beschleunigungen gen\u00fcsslich aus. Seine Darbietungen entfalten sich wie spontaner Gesang. Mir scheint, dass er sich besonders in den leisen T\u00f6nen wohlf\u00fchlt. Jedenfalls kamen Momente besonderer Spannung immer dann auf, wenn er sich ins Pianissimo zur\u00fcckzog, namentlich in den \u00e4u\u00dferst leise vorgetragenen Mittelabschnitten des <em>Libertango<\/em> und des <em>Am\u00e9lie<\/em>-Walzers. In den Sevda-St\u00fccken zeigte der Akkordeonist, dass er nicht nur die Register seines Instruments wirkungsvoll einsetzen, sondern den Klangfarben durch Klopfen auf bestimmte Stellen des Korpus eine zus\u00e4tzliche Schlagwerksektion hinzuzugewinnen in der Lage ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dankbar f\u00fcr das sch\u00f6ne Konzert nimmt man Abschied von Brehms Welt und w\u00fcnscht dem Museum, das sich den Anf\u00e4ngen der modernen Verhaltensforschung und des heutigen Umwelt- und Artenschutzes widmet, f\u00fcr sein Bauprojekt gutes Gelingen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, M\u00e4rz 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der 20. 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