{"id":6148,"date":"2024-03-10T03:31:47","date_gmt":"2024-03-10T02:31:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6148"},"modified":"2024-03-10T13:47:15","modified_gmt":"2024-03-10T12:47:15","slug":"zum-75-geburtstag-kalevi-ahos-symphonie-nr-18-uraufgefuehrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/03\/10\/zum-75-geburtstag-kalevi-ahos-symphonie-nr-18-uraufgefuehrt\/","title":{"rendered":"Zum 75. Geburtstag: Kalevi\u00a0Ahos Symphonie Nr.\u00a018 uraufgef\u00fchrt"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 9. M\u00e4rz 2024 vollendete Kalevi Aho sein 75. Lebensjahr. Wie k\u00f6nnte man das Jubil\u00e4um eines gro\u00dfen Symphonikers besser begehen als mit der Urauff\u00fchrung seiner neuesten Symphonie? Als Aho vor genau einem Jahr anl\u00e4sslich eines <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/03\/13\/wien-wuerdigt-kalevi-aho-zum-74-geburtstag\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/03\/13\/wien-wuerdigt-kalevi-aho-zum-74-geburtstag\/\">Konzerts zu Ehren seines 74. Geburtstags in Wien<\/a> weilte, hatte er gerade den Kopfsatz seiner Symphonie Nr.\u00a018 vollendet. Die Komposition war von der Saimaa Sinfonietta in Auftrag gegeben worden und wurde im finnischen Mikkeli am  8.\u00a0Februar 2024 durch dieses Orchester unter der Leitung von Erkki Lasonpalo uraufgef\u00fchrt. Das Konzert, in welchem Ahos Symphonie auf Beethovens Drittes Klavierkonzert (Solist: Olli Mustonen) folgte, wurde am Geburtstag des Komponisten von yle\u00a0Radio\u00a01 gesendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ahos Achtzehnte Symphonie ist eine viers\u00e4tzige Komposition von knapp 40 Minuten Spieldauer. Wie angesichts ihrer Vorg\u00e4ngerwerke nicht anders zu erwarten, spricht auch hier aus jedem Takt der virtuose Beherrscher des gro\u00dfen Orchesters. Feinheiten wie die aufhellende Beimischung eines Harfentons in den Oboenseufzer, der den ersten Satz abschlie\u00dft, zeugen von Ahos Fertigkeit in der Modellierung von Klangfarben. Er ist ein Komponist, der nicht einfach nur instrumentiert, sondern wirklich orchestral denkt. Kontraste zwischen verschiedenen Orchestergruppen, aber auch zwischen hohen und tiefen Registern, pr\u00e4gen das Werk entscheidend. Der Verlauf, den die Musik nimmt, h\u00e4ngt eng mit der klanglichen Gestaltung zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der m\u00e4\u00dfig bewegte erste und der langsame zweite Satz unterscheiden sich zwar charakterlich deutlich voneinander, entwickeln sich jedoch auf sehr \u00e4hnliche Weise. Zu Beginn werden jeweils scharfe Kontraste in den Raum gestellt, aus denen dann ein Dialog entsteht. Der Anfang des Kopfsatzes wird durchweg von martialischen Schlagzeugrhythmen grundiert, \u00fcber denen Blechbl\u00e4serakkorde und wellenartige Violinfiguren zu h\u00f6ren sind. Daraufhin erklingen die verhaltenen Rufe einzelner Holzbl\u00e4ser \u00fcber Streichertremoli. Im zweiten Satz entsteht der Dialog weniger aus der schroffen Gegen\u00fcberstellung der Orchestergruppen als aus Registerwechseln: Die Musik beginnt in schimmernder Helligkeit ganz hoher Bl\u00e4ser und Violinen, denen tiefere Instrumente antworten. In beiden S\u00e4tzen entwickelt sich aus den Dialogen eine gro\u00dfe Steigerung, die das ganze Orchester erfasst. Der zweite Satz verwandelt sich in eine Art Prozession, eingetaktet durch allm\u00e4hlich rascher werdende Paukenschl\u00e4ge. Nach dem H\u00f6hepunkt l\u00f6st sich die Musik in Fragmente auf. Der Kopfsatz endet mit einem Seufzer, der langsame Satz fragend mit einem tiefen Streicherchoral.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Satz l\u00e4sst sich unschwer als das Scherzo dieser Symphonie erkennen. Die Gestaltungsweise der beiden ersten S\u00e4tze stellt Aho hier gewisserma\u00dfen auf den Kopf: Statt der Dialoge, die sich zu einem komplexeren Geschehen ausweiten, begegnet hier anfangs ein Durcheinander, in dem die verschiedenen Sektionen des Orchesters gleichzeitig das Wort ergreifen. Alle beharren auf ihrem Reden, ohne den \u00fcbrigen Geh\u00f6r zu schenken. Es entsteht eine fluktuierende Klangfl\u00e4che aus rhythmisch verschiedenen Schichten, aus welcher teils die eine, teils die andere Gruppe heraussticht. Im Verlauf des Satzes kl\u00e4rt sich das Gewirr immer mehr auf, doch kehrt der Schlussteil zur Stimmung des Anfangs zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Symphonie schlie\u00dft mit einem lebhaften Finale, das wieder einen Verlauf analog dem ersten und zweiten Satz nimmt. Dem von knappen, vor\u00fcbereilenden Motiven und grellen Effekten gepr\u00e4gten Anfang steht eine breite Melodie des Fagotts gegen\u00fcber, die sich \u00fcber wogender Holzbl\u00e4ser- und Streicherbegleitung entfaltet. Sie wird sp\u00e4ter vom Blech aufgenommen und zum H\u00f6hepunkt gef\u00fchrt. Nach wuchtigem Schlagwerkeinsatz l\u00f6st sich auch dieser Satz in seine Einzelteile auf. Ein dissonanter Tutti-Akkord verklingt im Decrescendo und ein Fl\u00f6tentriller mit Triangelschlag markiert das Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk ist keine schwere, keine tragische Musik. Bei allem Ernst in der Grundhaltung hat sich Kalevi Aho eine spielerische Leichtigkeit bewahrt, die als Freude an brillanten Effekten auch in der Achtzehnten Symphonie durchaus sp\u00fcrbar ist. Im Gro\u00dfen und Ganzen wirkt das St\u00fcck sehr einheitlich, wie aus einem Guss. Keiner der S\u00e4tze f\u00e4llt gegen\u00fcber den anderen ab. Nirgendwo zieht sich das Geschehen unangenehm in die L\u00e4nge. Aho zeigt sich ein weiteres Mal als mit sicherer Hand gestaltender Symphoniker, der es meisterlich versteht, Spannung aufzubauen und gro\u00dfe Formen zu schaffen. Man kann ihm nur w\u00fcnschen, dass ihm die Kraft, \u00fcber die er heute als 75-J\u00e4hriger verf\u00fcgt, noch lange erhalten bleibt. M\u00f6ge sie sich noch in vielen weiteren Meisterwerken manifestieren!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, M\u00e4rz 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9. M\u00e4rz 2024 vollendete Kalevi Aho sein 75. Lebensjahr. Wie k\u00f6nnte man das Jubil\u00e4um eines gro\u00dfen Symphonikers besser begehen als mit der Urauff\u00fchrung seiner neuesten Symphonie? Als Aho vor genau einem Jahr anl\u00e4sslich eines Konzerts zu Ehren seines 74. Geburtstags in Wien weilte, hatte er gerade den Kopfsatz seiner Symphonie Nr.\u00a018 vollendet. 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