{"id":6156,"date":"2024-03-12T00:05:00","date_gmt":"2024-03-11T23:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6156"},"modified":"2024-03-12T00:25:17","modified_gmt":"2024-03-11T23:25:17","slug":"claudio-santoros-orchesterwerke-der-1960er-bergen-erstaunliches","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/03\/12\/claudio-santoros-orchesterwerke-der-1960er-bergen-erstaunliches\/","title":{"rendered":"Claudio Santoros Orchesterwerke der 1960er bergen Erstaunliches"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.574410; EAN: 7 47313 44107 5<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Santoro-S8-Cellokonzert-Naxos.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Santoro-S8-Cellokonzert-Naxos-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6157\" width=\"496\" height=\"492\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Santoro-S8-Cellokonzert-Naxos-1024x1015.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Santoro-S8-Cellokonzert-Naxos-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Santoro-S8-Cellokonzert-Naxos-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Santoro-S8-Cellokonzert-Naxos-768x762.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Santoro-S8-Cellokonzert-Naxos.jpg 1437w\" sizes=\"(max-width: 496px) 100vw, 496px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>In der dritten Folge der entstehenden Gesamtaufnahme der Symphonien <\/em>Claudio Santoros<em> (1919\u20131989) widmet sich das <\/em>Goi\u00e1s Philharmonic Orchestra<em> unter <\/em>Neil Thomson <em>endlich der Phase des brasilianischen Komponisten w\u00e4hrend der 1960er Jahre, wo er sich mit der europ\u00e4ischen Avantgarde auseinandersetzt. Neben der <\/em>8.&nbsp;Symphonie <em>h\u00f6ren wir noch die <\/em>Tr\u00eas Abstra\u00e7\u00f5es<em>, die <\/em>Intera\u00e7\u00f5es Assint\u00f3ticas <em>sowie das w\u00e4hrend der Errichtung der Berliner Mauer in Ost-Berlin entstandene <\/em>Cellokonzert <em>mit der Solistin<\/em> Marina Martins<em>. Das als Zugabe konzipierte <\/em>One Minute Play <em>schlie\u00dflich dauert tats\u00e4chlich nicht l\u00e4nger als der Titel nahelegt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>Orquestra Filarm\u00f4nica de Goi\u00e1s <\/em>unter seinem britischen Chef <em>Neil Thomson<\/em> hatte sich in der <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/08\/15\/zwei-zentrale-symphonien-claudio-santoros-in-mustergueltiger-deutung-goias-philharmonic-orchestra-neil-thomson\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/08\/15\/zwei-zentrale-symphonien-claudio-santoros-in-mustergueltiger-deutung-goias-philharmonic-orchestra-neil-thomson\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ersten Folge<\/a> der Symphonik <em>Claudio Santoros<\/em> (dort findet der Leser auch n\u00e4here Infos zum Werdegang des Komponisten) mit seiner quasi nationalistischen Schaffensphase befasst, auf der <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/06\/30\/vier-hochinteressante-spaetwerke-claudio-santoros\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/06\/30\/vier-hochinteressante-spaetwerke-claudio-santoros\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zweiten CD<\/a> dann Beispiele des Sp\u00e4twerks vorgestellt. Nun folgen auf der dritten Ver\u00f6ffentlichung konsequenterweise St\u00fccke aus den 1960er Jahren, wo Santoro \u2013 konfrontiert mit den verschiedenen Str\u00f6mungen der damaligen europ\u00e4ischen Avantgarde \u2013 wieder h\u00f6chst eigenwillig und mit beeindruckenden Ergebnissen seinen pers\u00f6nlichen Weg findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Sommer 1961 verbrachte Santoro auf Einladung des Komponistenverbandes der DDR in Ost-Berlin, wo er ganz unmittelbar die unruhigen Zeiten w\u00e4hrend des Mauerbaus erlebte. Diese Eindr\u00fccke gingen offenkundig ins Cellokonzert mit ein, das im August begonnen und im Oktober vollendet wurde. Das gut halbst\u00fcndige Werk ist das symphonischste aller Konzerte Santoros und verlangt von Solisten, die sich daran wagen, technisch wie emotional alles ab. Die brasilianische Cellistin <em>Marina Martins<\/em> kann hier v\u00f6llig \u00fcberzeugen: engagiert und spannungsvoll, ohne je zu \u00fcberdrehen oder auch nur eine Sekunde zu langweilen. Wenn das Cello im gewaltigen, insgesamt jedoch verhaltenen Kopfsatz erst nach gut 5\u00bd Minuten eintritt, gilt es, sofort die ungeheure Entwicklung der langen Solokadenz nachzuvollziehen. Danach wird es deutlich dramatischer, sp\u00e4ter im langsamen 2. Satz noch desolater. Erst im Finale bewegt sich das St\u00fcck in zun\u00e4chst gewohnt konzertanten Gefilden, endet jedoch pessimistisch: tief ber\u00fchrend, vielleicht nicht ganz so genial wie Dutilleux\u2018 <em>Tout un monde lointain\u2026<\/em>, zumindest auf \u00e4hnlich hohem Niveau. Warum gab\u2019s da bisher keine Aufnahme?<\/p>\n\n\n\n<p>Die 8. Symphonie von 1963 hat mit ihrer inh\u00e4renten Zw\u00f6lft\u00f6nigkeit \u2013 nicht durch \u00e4u\u00dferlich vorgegebene Reihen \u2013 einen Sonderstatus innerhalb Santoros Symphonik, auch weil erst wieder knapp 20 Jahre sp\u00e4ter die n\u00e4chsten Gattungsbeitr\u00e4ge folgen. Das nur 15-min\u00fctige St\u00fcck erweist sich als hochexpressionistisch und integriert im Mittelsatz \u00fcberraschend eine Mezzosopran-Vokalise \u2013 hier von <em>Denise de Freitas<\/em> ausdrucksvoll dargeboten. Nachdem die Milit\u00e4rjunta den Komponisten 1966 quasi aus der Heimat vertrieben hatte, f\u00fchrte ihn ein DAAD-Stipendium wieder nach Deutschland, diesmal in den Westen. Dort setzte er sich intensiv mit den aktuellen Avantgarde-Str\u00f6mungen auseinander, nachdem seine fr\u00fche Begegnung mit der Sch\u00f6nbergschen Zw\u00f6lftontechnik \u00fcber Hans-Joachim Koellreutter eher in Ablehnung gem\u00fcndet war. Die <em>Tr\u00eas Abstra\u00e7\u00f5es<\/em> (nur f\u00fcr Streicher, 1966) und die <em>Intera\u00e7\u00f5es Assint\u00f3ticas <\/em>(Paris, 1969) sind so lediglich unterschwellig vom Serialismus gepr\u00e4gt: Erstere experimentieren mehr mit Clustern, Glissandi und unkonventionellen Spieltechniken, letztere \u2013 erst 1976 in Bonn uraufgef\u00fchrt \u2013 mit Viertelt\u00f6nigkeit und Aleatorik \u2013 f\u00fcr den Rezensenten doch die interessantesten Entdeckungen. Manches mag hier an Penderecki oder Ligeti erinnern, ist aber durchaus originell. <em>One Minute Play <\/em>(1967), von vornherein als kurzes Zugabenst\u00fcck gedacht, ist ein witziges <em>moto perpetuo <\/em>mit achtstimmigem Fugato.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun schon erwartungsgem\u00e4\u00df gelingt dem \u2013 ich kann es nicht oft genug wiederholen \u2013 Weltklasse-Orchester aus der Zwei-Millionenstadt Goi\u00e2nia wieder eine positive \u00dcberraschung nach der anderen. Neil Thomson wei\u00df mit diesen \u2013 bis auf <em>Intera\u00e7\u00f5es Assint\u00f3ticas<\/em> \u2013 Ersteinspielungen v\u00f6llig zu begeistern, was freilich nicht zuletzt am h\u00f6chst abwechslungsreichen Repertoire liegt, dessen spezifische Anforderungen der Dirigent punktgenau umzusetzen versteht. Das musikalische und aufnahmetechnische Niveau sowie die immer h\u00f6chst informativen Booklets der Naxos-Serie <em>The Music of Brazil<\/em> f\u00fchren auch diesmal zu einer ausdr\u00fccklichen Empfehlung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, M\u00e4rz 2023]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.574410; EAN: 7 47313 44107 5 In der dritten Folge der entstehenden Gesamtaufnahme der Symphonien Claudio Santoros (1919\u20131989) widmet sich das Goi\u00e1s Philharmonic Orchestra unter Neil Thomson endlich der Phase des brasilianischen Komponisten w\u00e4hrend der 1960er Jahre, wo er sich mit der europ\u00e4ischen Avantgarde auseinandersetzt. 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