{"id":620,"date":"2016-03-23T21:08:59","date_gmt":"2016-03-23T20:08:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=620"},"modified":"2016-03-23T21:09:13","modified_gmt":"2016-03-23T20:09:13","slug":"raritaeten-in-hervorragenden-aufnahmen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/23\/raritaeten-in-hervorragenden-aufnahmen\/","title":{"rendered":"Rarit\u00e4ten in hervorragenden Aufnahmen!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Label: Lyrita<br \/>\nArt.-Nr.: REAM1125<br \/>\nEAN: 5020926112521<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0007.jpg\" rel=\"attachment wp-att-621\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-621\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0007-298x300.jpg\" alt=\"Grete0007\" width=\"355\" height=\"357\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0007-298x300.jpg 298w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0007-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0007-768x774.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0007-1016x1024.jpg 1016w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0007.jpg 1488w\" sizes=\"(max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anthony Milner war einer jener Komponisten, die erst nach dem erstaunlichen Aufbl\u00fchen der britischen Musik an der Schwelle zum 20. Jahrhundert \u00fcberhaupt zur Welt kamen: 1925 geboren, 2002 verstorben geh\u00f6rt er zu einer Generation britischer Komponisten, j\u00fcnger als Britten und Tippett, die leider nur wenig Beachtung gefunden hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Fragen eines Generationenbegriffs kann man Milner am ehesten mit Robert Simpson vergleichen, der nur vier Jahre vor Milner geboren wurde aber schon 1997 starb. Musikalisch hinkt dieser Vergleich aber, denn w\u00e4hrend Simpson erkennbar den Bruch mit der Tradition suchte und eine qualitativ hochstehende aber doch recht eigenwillige freitonale Musik komponierte, wirkt Milner auf den ersten H\u00f6reindruck wie ein vers\u00f6hnendes, verbindendes Glied zwischen den Komponistengenerationen. Und so h\u00f6rt man in seiner Musik sowohl Einfl\u00fcsse der Altmeister wie etwa Vaughan Williams als auch (am deutlichsten) Einfl\u00fcsse jener gl\u00fccklosen mittleren Generation britischer Komponisten wie etwa Wordsworth oder Finzi als auch erkennbar Einfl\u00fcsse der ersten bekennenden britischen Modernen wie Michael Tippett oder Benjamin Britten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf vorliegender CD sind zwei Kompositionen Anthony Milners in Einspielungen der BBC vertreten: \u201eThe Song of Akhenaten\u201c (Milners Opus 5 aus dem Jahr 1954) sowie \u201eThe Water and the Fire\u201c von 1961. Die Aufnahmen sind klanglich erfreulich gut, dies auch in Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier um Privatmitschnitte des Lyrita-Gr\u00fcnders Richard Itter handelt. Die BBC sah in diesen Mitschnitten keinen Wert mehr und vernichtete in einer gro\u00df angelegten L\u00f6sch- und Wegwerfaktion die Masterb\u00e4nder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch die interpretatorische Qualit\u00e4t ist erstklassig! Immerhin handelt es sich hier um bemerkenswert gro\u00df besetzte Werke mit gleich zwei zwei Ch\u00f6ren (BBC Northern Singers, Manchester Grammar School Boys Choir), Kirchenorgel, gro\u00dfen Sinfonieorchestern (BBC Northern Symphony Orchestra\/BBC Training Orchestra) und drei Gesangssolisten (Hazel Holt, John Elwes und Stephen Roberts). Offenbar handelt es sich hier auch um BBC Studiomitschnitte, nicht um Liveaufnahmen, was es noch unverst\u00e4ndlicher macht, warum diese faszinierenden, hochqualitativen Tondokumente von der BBC aussortiert wurden. Hatte man hier doch einen beachtlichen Aufwand investiert, um diese Mitschnitte zu produzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die beiden hier eingespielten St\u00fccke, die man am Ehesten als Oratorien vermitteln k\u00f6nnte und die mal an Tippetts \u201eA Child in Time\u201c mal an Brittens \u201eWar Requiem\u201c denken lassen und doch so ganz anders sind und eine ganz andere \u201eKlangfarbe\u201c transportieren, sind hochrangige Beispiele f\u00fcr britische Kompositionskunst. Anthony Milner pr\u00e4sentiert sich als Komponist auf der H\u00f6he seiner Zeit aber auch als musikalischer Querkopf. Seine akademischen Verbindungen zu Hochschulen in den USA scheint man zudem an mehreren auff\u00e4llig \u201eamerikanisch\u201c klingenden Passagen heraush\u00f6ren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Tat kann zun\u00e4chst der Eindruck von Kuriosit\u00e4ten der Musikgeschichte entstehen, wenn man dieses Album h\u00f6rt. Ist die musikalische Sprache Milners doch so enorm bunt und farbenreich, und dies zumal in einer wahren Flut von Ideen, die nicht immer auf den ersten Blick geordnet wirken. Bei mehrmaligem H\u00f6ren beeindruckt jedoch dieser individuelle Fingerabdruck umso mehr und man erkennt eine bemerkenswerte werkimmanente Musikarchitektur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Beide St\u00fccke auf diesem Album wurden dirigiert von Meredith Davies, der bei diesen Aufnahmen aus den Jahren 1973 und 1977 zeigt, dass er auch bei Werken dieser gigantischen Besetzungsgr\u00f6\u00dfe eine sehr feine, geradezu vorbildliche Orchesterbalance herzustellen verstand. Zwar w\u00fcrde man sich manche Phrasierung fl\u00fcssiger, flexibler w\u00fcnschen, aber sind dies auch wirklich anspruchsvolle Partituren, deren schiere Bew\u00e4ltigung, geschweige denn Ausgestaltung, manchem gestandenen Dirigenten Angst h\u00e4tte bereiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Absolut begeisternd sind in \u201eThe Song of Akhenaten\u201c die dunkel timbrierte Stimme von Sopranistin Janet Price, die jederzeit Herrin der Lage zu sein und sich in dieser stimmlich fordernden Musik ganz zuhause zu f\u00fchlen scheint sowie die erstaunliche Klasse des \u201eBBC Training Orchestra\u201c, dessen Name ich zum Anlasse nehme anzunehmen, dass es sich um ein Orchester mit Nachwuchsmusikern gehandelt haben muss. Die Aufnahme von \u201eThe Water and the Fire\u201c kann zwar ebenfalls mit namhaften Solistinnen und Solisten aufwarten, nur erreichen diese zu keiner Zeit die hervorragende Klasse von Janet Price.<br \/>\nKurz und gut: Wieder einmal macht Lyrita kulinarische Rarit\u00e4ten des britischen Musiklebens in bemerkenswert guten Aufnahmen verf\u00fcgbar, die durchaus Referenz- und Archivcharakter haben. Diese Musik soll und muss wieder geh\u00f6rt werden. Anthony Milner war ein hoch interessanter Komponist, und zumindest mich hat diese CD sehr neugierig gemacht, was noch von diesem Musiksch\u00f6pfer \u00fcberliefert ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, M\u00e4rz 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Label: Lyrita Art.-Nr.: REAM1125 EAN: 5020926112521 Anthony Milner war einer jener Komponisten, die erst nach dem erstaunlichen Aufbl\u00fchen der britischen Musik an der Schwelle zum 20. 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