{"id":630,"date":"2016-03-26T15:39:58","date_gmt":"2016-03-26T14:39:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=630"},"modified":"2016-03-26T15:40:20","modified_gmt":"2016-03-26T14:40:20","slug":"mehta-macht-mozart-3-mal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/26\/mehta-macht-mozart-3-mal\/","title":{"rendered":"Mehta macht Mozart &#8211; 3 Mal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-631\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-631 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1-300x225.jpg\" alt=\"TNL_Philharmonie (1)\" width=\"387\" height=\"290\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 387px) 100vw, 387px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Drei Mal Wolfgang Amadeus Mozart gibt es am 22., 24. und 26. M\u00e4rz 2016 in der Philharmonie im Gasteig. Zubin Mehta dirigiert die M\u00fcnchner Philharmoniker und den Philharmonischen Chor M\u00fcnchen in der Serenade f\u00fcr 12 Bl\u00e4ser und Kontrabass B-Dur KV 361 &#8222;Gran Partita&#8220;, dem Requiem f\u00fcr Soli, Chor, Orgel und Orchester d-Moll KV 626 in der Fragmentfassung ohne die Vervollst\u00e4ndigungen seiner Sch\u00fcler Franz Xaver S\u00fc\u00dfmayr und Joseph Eybler sowie die Motette &#8222;Ave verum corpus&#8220; KV 618. Der Chor ist von Andreas Herrmann einstudiert, die Solisten sind Mojca Erdmann, Okka von der Damerau, Michael Schade und Christof Fischesser.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 2004 bereits darf sich Zubin Mehta als erster Ehrendirigent der M\u00fcnchner Philharmoniker in deren \u00fcber 120-j\u00e4hriger Geschichte bezeichnen. Nun ist er wieder einmal bei \u201eseinem\u201c M\u00fcnchner Orchester und widmet drei Konzertabende voll und ganz Wolfgang Amadeus Mozart, der im Januar diesen Jahres 260 Jahre alt geworden w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungewohnt leer ist die B\u00fchne in der ersten H\u00e4lfte des Konzerts am 24. M\u00e4rz, f\u00fcr welches ich, f\u00fcr The New Listener, eine Karte in den mittleren R\u00e4ngen erworben habe. Das unausgef\u00fcllte Podium h\u00e4ngt allerdings nicht mit einer Krankheitswelle bei den Musikern zusammen, sondern mit der kammermusikalischen Besetzung des ersten Werks: Lediglich dreizehn Musiker verlangt die Serenade B-Dur KV 361 mit dem Titel &#8222;Gran Partita&#8220;. Die Philharmonie im Gasteig kommt der kleinen Aufstellung bedauernswerterweise \u00fcberhaupt nicht entgegen, der Klang erscheint bereits in den Bl\u00f6cken G, H, I und J &#8211; immerhin zur ersten und zweiten Preiskategorie geh\u00f6rend &#8211; distanziert und fahl. Vermutlich haben die vorderen Bl\u00f6cke, auch durch die tiefgestellten Klangsegel, eine annehmbarere Akustik, was allerdings auch auf Kosten der weiter hinten gelegenen Pl\u00e4tze geht. Zubin Mehta dirigiert Mozart mit kleinen und nur auf das N\u00f6tigste beschr\u00e4nkten Bewegungen, jegliche \u00fcberm\u00e4\u00dfige Zutat ist ihm fremd. Das kommt dem Zusammenspiel und der Pr\u00e4zision seines Ensembles zugute, die Musiker wirken durchwegs aufeinander abgestimmt und erstaunlich synchron, was bei reiner Bl\u00e4seraufstellung (plus dem hinzugef\u00fcgten Kontrabass) alles andere als einfach ist. Alle Mitwirkenden k\u00f6nnen ihr enormes K\u00f6nnen in den solistisch gesetzten Passagen unter Beweis stellen &#8211; mehr als einmal wird die Serenade in der Literatur als Konzert f\u00fcr dreizehn Solisten bezeichnet. Besonders in den leisen Passagen zeigen Bl\u00e4ser und Kontrabass einen enormen Reichtum an Klangschattierungen, doch gerade in den extrovertierten Momenten k\u00f6nnten sie etwas mehr aus sich herausgehen und br\u00e4uchten nicht in der Zur\u00fcckhaltung zu verharren. Das beeinflusst n\u00e4mlich nicht zuletzt den Farbenreichtum, der durch den Raum schlie\u00dflich eh bereits ged\u00e4mpft ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause f\u00fcllt sich die B\u00fchne, nun befinden sich ein f\u00fcr Mozart&#8217;sche Verh\u00e4ltnisse volles Orchester, ein Chor, ein Orgelpositiv und vier Gesangssolisten auf der B\u00fchne. Im Rahmen dieser Konzerte wird das Fragment gebliebene Requiem KV 626 gespielt, das letzte Werk des gro\u00dfen Genies. Auf Gehei\u00df seiner Witwe Constanze wurde das Werk zeitnah nach seinem Tod von seinen Sch\u00fclern Franz Xaver S\u00fc\u00dfmayr und Joseph Eybler vervollst\u00e4ndigt, sprich, das nur acht Takte umfassende Lacrimosa vollendet und Domine Jesu, Hostias, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei nach den verbleibenden Skizzen konstruiert. So konnte das Requiem dem anonym gebliebenen Besteller \u00fcberbracht werden, um den sich nach wie vor Mythen ranken, etwa, er sei an dem Ableben Mozarts schuldig oder zumindest daran beteiligt. Die Solisten im M\u00fcnchner Gasteig sind Mojca Erdmann, Okka von der Damerau, Michael Schade und Christof Fischesser, sie alle weisen ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr die Musik auf und singen ihre Soli mit Bravour. Lediglich Erdmann und Fischesser haben ein zu stur mechanisches und durchg\u00e4ngiges Vibrato, das dosierter und feinf\u00fchliger eingesetzt h\u00e4tte werden m\u00fcssen, vor allem auch, um beim Zusammenwirken aller vier Solisten durch die gro\u00dfe Amplitude entstehende mikrotonale Spannungen zu vermeiden. Eine besonders au\u00dfergew\u00f6hnliche und ansprechende Stimme weist Michael Schade auf, dessen Tenor als markig und pr\u00e4gnant sogleich erfreut. Chor und Orchester sind hier sp\u00fcrbar in ihrem Element, sie veranstalten ein spr\u00fchendes Feuerwerk an Farben und Ausdruck. Zubin Mehta bringt eine feine und auch in dichter Polyphonie durchh\u00f6rbare Linie zum Vorschein, die wichtigsten Stimmen sind linear mitverfolgbar. Er achtet minuti\u00f6s auf den gro\u00dfen, die S\u00e4tze zusammenhaltenden Bogen und verliert dennoch nicht das Detail und das Gef\u00fchl f\u00fcr das Wechselspiel aus Spannung und Entspannung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welch eine unfassbare Wirkung entsteht, wenn das Lacrimosa nach lediglich acht Takten zerf\u00e4llt, die Soprane noch ohne ihre Mitstreiter weitersingen, aber auch sie nach zwei Takten ersterben! Das Wissen, dass dies das abrupte Ende eines der gr\u00f6\u00dften Kapitel der Musikgeschichte darstellt, l\u00e4sst einen schaudern &#8211; der Abbruch ist wie das Zufallen des Sargdeckels, ein so unumkehrbares wie unaufgel\u00f6stes Ende. Solch eine Wirkung ist ansonsten nur noch im letzten Contrapunctus von Johann Sebastian Bachs &#8222;Kunst der Fuge&#8220; zu erleben, jenem un\u00fcbertroffenen polyphonen Werk, das nach ungef\u00e4hr zehnmin\u00fctiger Spielzeit pl\u00f6tzlich mitten in der Ausf\u00fchrung ausgerechnet des B-A-C-H-Sujets abbricht &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Direkt im Anschluss gibt Mehta noch die kurze Motette Ave verum corpus, die doch noch ein vers\u00f6hnliches Ende bringt und den H\u00f6rer nicht in der Unaufgel\u00f6stheit l\u00e4sst. Dennoch bleibt dieses enorme Gef\u00fchl eines schicksalhaften Endes bestehen und wird den H\u00f6rer auch noch aus dem Saal heraus begleiten. Nicht zuletzt, da Mehta das Requiem vor der Auff\u00fchrung all jenen gewidmet hat, die auf der Welt leiden und hungern m\u00fcssen, und daf\u00fcr auf den Applaus verzichtet. Ohne das wohl verdiente &#8222;Brot des K\u00fcnstlers&#8220; verl\u00e4sst er die B\u00fchne, der H\u00f6rer verbleibt &#8211; \u00fcberw\u00e4ltigt von dieser Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Mal Wolfgang Amadeus Mozart gibt es am 22., 24. und 26. M\u00e4rz 2016 in der Philharmonie im Gasteig. 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