{"id":635,"date":"2016-03-28T22:40:41","date_gmt":"2016-03-28T20:40:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=635"},"modified":"2016-03-28T22:41:24","modified_gmt":"2016-03-28T20:41:24","slug":"im-reich-des-feisten-ritters","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/28\/im-reich-des-feisten-ritters\/","title":{"rendered":"Im Reich des feisten Ritters"},"content":{"rendered":"<p>Ralph Vaughan Williams<br \/>\n\u201eFat Knight\u201c-Suite, Henry V Overture, Serenade to Music (Orchesterversion)<br \/>\nLabel: Dutton Epoch<br \/>\nEAN: 76538773282<br \/>\nArt.-Nr.: CDLX7328<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0008.jpg\" rel=\"attachment wp-att-636\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-636\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0008-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. 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Der Komponist hatte selbst verf\u00fcgt, dass seine fr\u00fchen Werke bis zur Norfolk Rhapsody No. 1 nicht ver\u00f6ffentlicht werden sollten. Zum Gl\u00fcck konnte er der Versuchung widerstehen, diese Kompositionen der Vernichtung preiszugeben. Wie wehm\u00fctig sind wir alle, dass etwa Komponisten wie Jean Sibelius oder Johannes Brahms, um nur einige Beispiele zu nennen, tats\u00e4chlich wohl ganze Werkbest\u00e4nde, mit denen sie nicht zufrieden waren, vernichtet haben. Unabh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t der untergegangenen St\u00fccke, fehlt uns dadurch ein wertvoller Einblick in bestimmte Kompositionsphasen dieser Genies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz vor ihrem Tod hat Vaughan Williams zweite Ehefrau Ursula Vaughan Williams das Publikations- und Auff\u00fchrungsverbot ihres Mannes aufgehoben. Seitdem gibt es CD-Ver\u00f6ffentlichung auf CD-Ver\u00f6ffentlichung, meist von den einschl\u00e4gigen britischen Labels, die sich mit Vaughan Williams bislang vollkommen unbekanntem Fr\u00fchwerk besch\u00e4ftigten. Was da zutage kam, war sehr interessant, um die Entwicklung des Komponisten nachzuvollziehen, offenbarte aber keine \u00fcberraschenden neuen Meisterwerke. Nun ist aber auch diese erste Welle von Ver\u00f6ffentlichungen vor\u00fcber, und die Labels machen sich offenbar Gedanken, wie sie die vielen Vaughan Williams-Fans weltweit mit weiteren, bislang unver\u00f6ffentlichten Pretiosen begl\u00fccken k\u00f6nnen. Was da nahe liegt, sind offenbar Bearbeitungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Martin Yates hat sich in den letzten Jahren mit solchen Bearbeitungen immer wieder hervorgetan, sei es auf dem eigenen Label der Vaughan Williams Society (Albion Records), sei es bei anderen Labels wie etwa SOMM Recordings oder, wie hier, Dutton Epoch. Auf der neuesten Vaughan Williams-CD von Dutton \u00fcberrascht uns eine Orchestersuite aus Vaughan Williams Oper \u201eSir John in Love\u201c. Der Komponist hatte tats\u00e4chlich vor, diese Falstaff-Oper \u201eFat Knight\u201c zu nennen, wobei er jedoch wohl irgendwann einsah, dass dieser Titel mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Zuschauermassen in die Opernh\u00e4user treiben w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eSir John in Love\u201c klingt dann doch deutlich reizvoller. Nun hat Martin Yates eine Orchestersuite aus der Oper auf der Basis eines vom Komponisten angefertigten Klavierauszugs f\u00fcr vier H\u00e4nde transkribiert. Somit steht uns nun eine ausgesprochen sch\u00f6ne Orchestersuite zur Verf\u00fcgung, die es vorher noch nicht gab. Angereichert wird das Programm durch eine weitere Transkriptionen, n\u00e4mlich die eigentlich f\u00fcr Blaskapelle geschriebene \u201eHenry V\u201c-Ouvert\u00fcre, sowie durch die orchestrale Version der eigentlich f\u00fcr 16 Gesangssolisten und Orchester geschriebene \u201eSerenade to Music\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F\u00fcr Vaughan Williams-Fans, und diesmal nicht nur f\u00fcr die, ist das ein durchaus lohnendes, kurzweiliges Programm. Das ausf\u00fchrende Royal Scottish National Orchestra macht seine Sache wie immer recht gut, hat aber auch die von diesem Orchester bereits bekannten Probleme im Bereich der Blechbl\u00e4ser, die bei den Schotten in meinen Ohren keinen internationalen Spitzenstandard repr\u00e4sentieren. Der Sound der Aufnahme entspricht dem \u00fcblichen guten aber routinierten Dutton-Standard. Auch wenn das Label neuerdings mit der Ver\u00f6ffentlichung auf SACD punkten will (was zweifellos durch den Mehrkanalaspekt ein Pluspunkt f\u00fcr Leute mit Surroundanlage sein mag), so ist der Aufnahmestandard bei Dutton nach wie vor meist nicht mehr als gute Tonmeister-Routine. Und so durfte sich hier diesmal Michael Ponder austoben, der zu den aus UK bekannten Freelancern geh\u00f6rt, die u.a. auch f\u00fcr DECCA, onyx oder Naxos die Mikrofone aufstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als Fazit k\u00f6nnte man ziehen, dass CDs wie diese unbestreitbar den Vorteil haben, dass sie neue Blickwinkel auf die Musik von Ralph Vaughan Williams er\u00f6ffnen. Gravierender Nachteil der Vaughan Williams-Ver\u00f6ffentlichungen der letzten Jahre, die sich ja ganz \u00fcberwiegend mit dem bislang unbekannten Fr\u00fchwerk oder dem in irgendeiner Form abseitigeren Werk des Komponisten besch\u00e4ftigt haben, sehe ich pers\u00f6nlich darin, dass sie zunehmend vom Hauptwerk ablenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So sei nochmals betont, dass Vaughan Williams am allerbesten \u00fcber seine Sinfonien entdeckt werden sollte und \u00fcber seine wunderbaren, leider str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigten Instrumentalkonzerte. Auch seine durchaus interessanten Opern sollten ruhig st\u00e4rker Zentrum des Interesses ger\u00fcckt werden. So gl\u00fccklich ich als eingeschworener Vaughan Williams Fan \u00fcber jede Neuentdeckung bin, so muss ich doch sagen, dass sie nicht immer halten, was sie versprechen. Und das kann sogar etwas abtr\u00e4glich sein, wenn es darum geht, neue Anh\u00e4nger f\u00fcr die Musik dieses gro\u00dfen britischen Komponisten zu begeistern. Und so ist doch diese neue Vaughan Williams-CD von Dutton letztendlich das, was der Brite wohl ein \u201eMixed Bag\u201c nennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, M\u00e4rz 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ralph Vaughan Williams \u201eFat Knight\u201c-Suite, Henry V Overture, Serenade to Music (Orchesterversion) Label: Dutton Epoch EAN: 76538773282 Art.-Nr.: CDLX7328 Bis etwa 2007 waren die fr\u00fchen Werke des Komponisten Ralph Vaughan Williams mit einem Bann belegt. Der Komponist hatte selbst verf\u00fcgt, dass seine fr\u00fchen Werke bis zur Norfolk Rhapsody No. 1 nicht ver\u00f6ffentlicht werden sollten. 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