{"id":639,"date":"2016-03-29T18:00:25","date_gmt":"2016-03-29T16:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=639"},"modified":"2016-03-28T23:05:39","modified_gmt":"2016-03-28T21:05:39","slug":"neue-welten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/29\/neue-welten\/","title":{"rendered":"Neue Welten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Warner Classics, LC 02822; EAN: 8 25646 13201 0<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/0036.jpg\" rel=\"attachment wp-att-640\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-640\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/0036-300x298.jpg\" alt=\"0036\" width=\"300\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/0036-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/0036-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/0036-768x762.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/0036-1024x1016.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das gesamte Symphonieschaffen Anton\u00edn Leopold Dvo\u0159\u00e1ks, seine Legenden und andere Orchesterwerke wie Ausz\u00fcge aus den Slawischen T\u00e4nzen spielte der in Uruguay geborene und in New York lebende Komponist und Dirigent Jos\u00e9 Serebrier mit dem Bournemouth Symphony Orchestra auf sieben CDs ein. Die Box erschien bei Warner Classics.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines der meistgespielten und bekanntesten Werke der klassischen Musik ist die \u201eSymphonie aus der neuen Welt\u201c, die 9. Symphonie des b\u00f6hmischen Komponisten Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k, ein jeder wird zumindest eine Auswahl ihrer Themen im Kopf haben und sie sofort wieder erkennen. Umso eigenartiger eigentlich, dass nur sie so zu Weltruhm kam. Neben dem \u00fcberragenden Cellokonzert und dem Violinkonzert werden die Symphonien Nummer sieben und acht auch noch recht h\u00e4ufig gespielt, doch was ist mit deren sechs fantastischen Vorg\u00e4ngern, die in den Archiven verstauben? Bereits in der ersten Symphonie, \u201eDie Glocken von Zlonice\u201c von 1865, ist der typische Dvo\u0159\u00e1k-Stil unverkennbar und manifestiert sich in jedem weiteren seiner symphonischen Werke. Das ausgiebige Exzerzieren und Steigern von so pr\u00e4gnanten wie einpr\u00e4gsamen Themen darf als eines der zentralen Charakteristika von Dvo\u0159\u00e1ks Musik angesehen werden und zieht sich von seinen fr\u00fchen Kompositionen bis hin zu den f\u00fcnf sp\u00e4ten Tondichtungen, die nach den Symphonien entstanden sind. Obgleich der Komponist Anfangs wenig Gl\u00fcck mit der Symphonie zu haben schien \u2013 die erste galt als verschollen und wurde erst 1936 als Antiquariatsfundst\u00fcck uraufgef\u00fchrt, und auch die zweite war lange Zeit verloren \u2013, schrieb er weiter und schenkte so der Welt noch sieben weitere Symphonien, jede f\u00fcr sich ein wahrhaft bedeutendes Werk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses bedeutsame Schaffen fiel nun in die H\u00e4nde von Jos\u00e9 Serebrier, der sowohl als Dirigent wie auch als Komponist nicht zuf\u00e4llig einen gro\u00dfen Namen hat. In beiden Bereichen sind seine Leistungen auf einer gro\u00dfen Anzahl an CD-Ver\u00f6ffentlichungen f\u00fcr verschiedenste Labels belegt. Immer wieder spielt Serebrier auch unbekanntere Werke ein und schenkt uns somit Referenzaufnahmen in Vergessenheit geratenen Repertoires. Nach seiner letzten Warner-Box mit s\u00e4mtlichen Symphonien und Konzerten von Alexander Glazunov 2012 lautete also das n\u00e4chste gro\u00dfe Projekt: Dvo\u0159\u00e1k.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch hier gelangen einmal wieder absolute Referenzaufnahmen. Jos\u00e9 Serebrier entlockt dem Bournemouth Symphony Orchestra einen vielseitigen und farbenreichen Klang, es entsteht eine unvergleichlich dichte Struktur, und Serebrier besticht mit einem Gesp\u00fcr f\u00fcr lange Steigerungen bis hin zur unfassbar berstenden Spannung. Gerade auch Wiederholungen, die viel zu oft lediglich als simple und stur gleiche Abfolgen dargeboten werden, erhalten hier einen musikalischen Sinn und dienen dem Aufbau. So wird beispielsweise die Expositionswiederholung der Neunten ein wahres Erlebnis, aus dem vernebelten ersten Vortrag entsteht eine viel aufgeladenere und dr\u00e4ngendere Wiederholung, welche unweigerlich auf den H\u00f6hepunkt in der Durchf\u00fchrung hinf\u00fchrt. Bei all dem legt der Dirigent zudem feinstes Rhythmusgef\u00fchl an den Tag, welches der Musik eine gewaltige Pr\u00e4gnanz verleiht. Unweigerlich wird ersichtlich, wie viele eigene Gedanken sich Serebrier \u00fcber diese Musik gemacht, wie lange er mit seinem Orchester geprobt hat und wie frei er doch die Musik aus sich heraus entstehen l\u00e4sst \u2013 nichts wirkt gek\u00fcnstelt oder gewollt, alles erf\u00fcllt seinen eigenen musikalischen Zweck und entgleist zu keiner Zeit in falsche \u00dcbertreibungen. Auch der interessante Booklettext entstammt der Feder des Dirigenten und l\u00e4sst den Leser wissenswerte Details \u00fcber die Werke und im Falle der ersten Symphonie auch \u00fcber die Korrekturen (sowie das lange Hadern mit den offensichtlichen Fehlern) erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch ist kein Musiker etwas ohne sein Instrument und kein Dirigent ohne sein Orchester. Und auch das \u201eInstrument\u201c von Jos\u00e9 Serebrier ist auf Hochglanz poliert und makellos rein. Das Bournemouth Symphony Orchestra brilliert durch technisch einwandfreie Leistung und au\u00dfergew\u00f6hnliche musikalische Darstellungsgabe. S\u00e4mtliche Soli passen sich in den Gesamtklang ein und sind frei von mechanischem Vibrato oder Eigenzurschaustellung. Mir pers\u00f6nlich besonders im Kopf geblieben sind die herrlichen Solopassagen der gro\u00dfen Fl\u00f6te, die so unber\u00fchrt rau und hauchig ert\u00f6nten, dass direkt das Schwingen des Materials Kern des Klanges zu sein schien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal wieder gelingt es Jos\u00e9 Serebrier, mit einer Gesamtaufnahme vollkommen zu begeistern. Mit jugendlicher Frische und gereifter Auffassungsgabe gelingt es ihm, den Symphonien eine unverbrauchte Vitalit\u00e4t in gr\u00f6\u00dfter Nat\u00fcrlichkeit zur\u00fcckzugeben \u2013 eine absolut uneingeschr\u00e4nkte Empfehlung wert!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warner Classics, LC 02822; EAN: 8 25646 13201 0 Das gesamte Symphonieschaffen Anton\u00edn Leopold Dvo\u0159\u00e1ks, seine Legenden und andere Orchesterwerke wie Ausz\u00fcge aus den Slawischen T\u00e4nzen spielte der in Uruguay geborene und in New York lebende Komponist und Dirigent Jos\u00e9 Serebrier mit dem Bournemouth Symphony Orchestra auf sieben CDs ein. 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