{"id":642,"date":"2016-03-30T18:00:43","date_gmt":"2016-03-30T16:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=642"},"modified":"2016-04-12T13:09:33","modified_gmt":"2016-04-12T11:09:33","slug":"prokofieff-am-stueck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/30\/prokofieff-am-stueck\/","title":{"rendered":"Prokofieff &#8222;am St\u00fcck&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Sergej Prokofieff<br \/>\nS\u00e4mtliche Ballette<br \/>\nThe Moscow Radio Symphony Orchestra<br \/>\nThe USSR Ministry of Culture Symphony Orchestra<br \/>\nThe Symphony Orchestra of the Bolshoi Theatre<br \/>\nGennadij Roschdestwenskij<br \/>\nLabel: Melodiya<br \/>\nArt.-Nr.: MELCD1002430, EAN: 4600317124305<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0009.jpg\" rel=\"attachment wp-att-643\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-643\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0009-300x300.jpg\" alt=\"Grete0009\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0009-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0009-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0009-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Grete0009-1024x1024.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Roschdestwenskijs geniale Gesamteinspielung aller Prokofieff-Ballette: Teuer, aber auch endlich mal \u201eam St\u00fcck\u201c.<br \/>\nDie russische Firma Melodiya war zwischen der Gr\u00fcndung des Staatsunternehmens in den 1960er-Jahren bis in die fr\u00fchen 1990er-Jahre praktisch das Monopolunternehmen f\u00fcr Schallplattenherstellung und -verkauf in der Sowjetunion. Zu den Hochphasen des Labels soll die Firma sagenhafte 120.000 Mitarbeiter gehabt haben, und das d\u00fcrfte wohl ein einsamer Weltrekord gewesen sein: Selbst mit viel Fantasie kann man sich nicht vorstellen, dass westliche, global operierende Unterhaltungskonzerne wie Universal Music, EMI, Warner Brothers, BMG, Sony oder Naxos jemals in ihrer Firmengeschichte es auch nur ann\u00e4hernd auf eine so hohe Mitarbeiterzahl gebracht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedoch lag in diesem gro\u00dfen Mitarbeiterpool auch das gr\u00f6\u00dfte Problem der Firma. Denn als nach der politischen Wende die Privatisierung in Russland nat\u00fcrlich auch im Schallplattenbereich Einzug hielt, wurde schnell klar, dass sich dieser riesige Apparat nicht wirtschaftlich weiterbetreiben lassen w\u00fcrde. Und so ist das, was heute noch von Melodiya \u00fcbrig geblieben ist, ein kleines B\u00fcro in Moskau mit zwei Handvoll Spezialisten, die nun aus einem unglaublichen Fundus an Aufnahmen aus der glorreichen Vergangenheit des Labels sch\u00f6pfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neuester Coup des Melodya-Labels ist eine wundersch\u00f6n ausgestattete Box mit der Gesamteinspielung aller vollendeten Ballettmusiken Sergej Prokofieffs unter der Gesamtleitung Gennadij Roschdestwenskijs. Dieser dirigierte die Kollektion in einem langen Zeitraum, n\u00e4mlich zwischen 1959 bis 1990. Vielleicht ist das der Grund, warum diese herrliche Gesamteinspielung bislang noch nie \u201cam St\u00fcck\u201c (also in einer Gesamtausgabe) erschienen ist, sondern bislang nur in LP-oder CD-Einzelausgaben. Zum einen lagen bislang noch nicht alle Einspielungen aus diesem Zyklus digitalisiert vor und waren damit f\u00fcr CD verf\u00fcgbar, und zum anderen waren sie, wenn sie in den 1990er-Jahren vereinzelt doch auf CD erschienen, zumeist in Windeseile wieder vergriffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese neu editierte Box d\u00fcrfte demnach ein wertvolles Objekt f\u00fcr Sammler sein, die schon lange nach diesen hervorragenden Aufnahmen suchen, denn, dass diese Aufnahmen hervorragend sind, dar\u00fcber brauchen wir nicht erst gro\u00dfe Reden halten. Roschdestwenskij war damals einer der allerbesten Dirigenten (nicht nur im Hinblick auf Russland) und hat mit den von ihm geleiteten Orchestern immer wieder hervorragende Arbeit geleistet. Erst im letzten Jahr ist sein ungew\u00f6hnlicher Vaughan Williams-Sinfonienzyklus, den er in den 1980er-Jahren f\u00fcr den russischen Rundfunk eingespielt hatte mit dem renommierten International Classical Music Award (ICMA) ausgezeichnet worden. Ebenfalls in den 1980er-Jahren trumpfte Roschdestwenskij mit einem gro\u00dfartigen Schostakowitsch-Zyklus bei Melodiya auf, der es auch \u201eim Westen\u201c in viele Referenzlisten schaffte. Nun ist die Wahrscheinlichkeit gro\u00df, dass endlich auch diese hervorragende Prokofieff-Gesamtaufnahme in \u00e4hnlicher Weise gew\u00fcrdigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn mal ehrlich: wer kennt hierzulande die Ballette Prokofieffs wirklich? Wer kennt etwa das Ballett \u201eAuf dem Dnjepr\u201c, wer kennt \u201eDas M\u00e4rchen von der steinernen Blume\u201c, wer kennt \u201cDer Narr\u201c, wer kennt \u201eder st\u00e4hlerne Schritt\u201c? Sicher, von \u201eL\u2019enfant prodigue\u201c (\u201eDer verlorene Sohn\u201c) hat man wenigstens schon mal etwas geh\u00f6rt, wenn auch die Konzertsuite daraus deutlich vertrauter ist als das komplette Ballett, das es hier zu h\u00f6ren gibt. Und dann blieben da noch die beiden \u201eKassenschlager\u201c \u201eRomeo und Julia\u201c und \u201eAschenbr\u00f6del\u201c. Sie beide haben es streng genommen als einzige Ballette Prokofieffs auch im Westen in den Rang von Repertoireklassikern geschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft aber nicht, dass die anderen Ballette Pokerface weniger wertvolle Kompositionen w\u00e4ren. Ganz im Gegenteil: es ist absolut frappierend, was f\u00fcr gro\u00dfartige Musik dieses Set bereith\u00e4lt. Selbst die Aufnahmequalit\u00e4t ist f\u00fcr Melodiya-Verh\u00e4ltnisse sogar bei den alten Aufnahmen aus den sp\u00e4ten 1950er-Jahren ausgezeichnet (dies nat\u00fcrlich stets in Relation betrachtet zum Aufnahmezeitpunkt). Doch auch die Deutsche Grammophon hat in den 1950er-\/1960er-Jahren keine besser klingenden Aufnahmen vorgelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausstattungsm\u00e4\u00dfig kommt die Box wertig daher, in stabilem Karton mit Coverdekoration in UV-Lack, und mit \u00fcberraschend modern gestalteten Digipaks f\u00fcr die einzelnen CDs. Au\u00dferdem mit einem stabilen Hardcover-Buch als Booklet. Die Einf\u00fchrungstexte, die Melodiya zu diesen Werken bietet, sind geradezu luxuri\u00f6s ausf\u00fchrlich (wenn auch nur in englischer und russischer Sprache abgedruckt), zudem entsch\u00e4digen enorm viele, zum Teil hochinteressante und in sehr guter Druckqualit\u00e4t wiedergegebe Fotos von den Urauff\u00fchrungsausstattungen der in der Box enthaltenen Ballette f\u00fcr einen reichlich bemessenen Kaufpreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Box ist n\u00e4mlich nicht nur f\u00fcr Prokofieffsammler eine echte Schatztruhe, sondern auch f\u00fcr das Label selbst. Sicher wird man erst einmal schlucken, wenn man die rd. 120 Euro auf den Ladentisch legen muss, die diese teure 9 CD-Box kostet. Aber nicht nur ist dies im Endeffekt ja eine Anschaffung f\u00fcrs Leben, sondern durch die limitierte Auflage dieser Box (wenn auch nicht nummeriert) ist es wahrscheinlich, dass sich auch diese Edition wieder zum Sammlerst\u00fcck mausert, so, wie es schon vielen anderen Melodiya-Ver\u00f6ffentlichungen widerfahren ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Grete Catus, M\u00e4rz 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sergej Prokofieff S\u00e4mtliche Ballette The Moscow Radio Symphony Orchestra The USSR Ministry of Culture Symphony Orchestra The Symphony Orchestra of the Bolshoi Theatre Gennadij Roschdestwenskij Label: Melodiya Art.-Nr.: MELCD1002430, EAN: 4600317124305 Roschdestwenskijs geniale Gesamteinspielung aller Prokofieff-Ballette: Teuer, aber auch endlich mal \u201eam St\u00fcck\u201c. 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