{"id":6598,"date":"2024-05-21T01:04:43","date_gmt":"2024-05-20T23:04:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6598"},"modified":"2024-05-21T08:33:15","modified_gmt":"2024-05-21T06:33:15","slug":"verleihung-des-ernst-von-siemens-musikpreises-2024-im-herkulessaal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/05\/21\/verleihung-des-ernst-von-siemens-musikpreises-2024-im-herkulessaal\/","title":{"rendered":"Verleihung des Ernst von Siemens Musikpreises 2024 im Herkulessaal"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Am Samstag, 18.&nbsp;<\/em><em>Mai <\/em><em>2024 um 19&nbsp;Uhr, fand \u2013 erneut im M\u00fcnchner Herkulessaal \u2013 die Verleihung des <\/em>Ernst von Siemens Musikpreises 2024<em> an die koreanische Komponistin <\/em>Unsuk Chin<em> statt. Die diesj\u00e4hrigen F\u00f6rderpreise f\u00fcr Komposition und Ensembles gingen an <\/em>Daniele Ghisi, B\u00e1ra Gh\u00edslad\u00f3ttir, Yiquing Zhu <em>bzw.<\/em> <em>das<\/em> Broken Frames Syndicate <em>sowie<\/em> Frames Percussion<em>. Neben zwei Werken Chins \u2013 <\/em><em>Gran Cadenza<\/em> und das <em>Doppelkonzert<\/em>\u2013 <em>wurden auch die drei jungen Komponisten mit Live-Beitr\u00e4gen vorgestellt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bild4_Preisverleihung_cEvSMusikstiftung_Astrid-Ackermann-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bild4_Preisverleihung_cEvSMusikstiftung_Astrid-Ackermann-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6599\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bild4_Preisverleihung_cEvSMusikstiftung_Astrid-Ackermann-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bild4_Preisverleihung_cEvSMusikstiftung_Astrid-Ackermann-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bild4_Preisverleihung_cEvSMusikstiftung_Astrid-Ackermann-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bild4_Preisverleihung_cEvSMusikstiftung_Astrid-Ackermann-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bild4_Preisverleihung_cEvSMusikstiftung_Astrid-Ackermann-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Die Preistr\u00e4ger der Ernst-von-Siemens-Musikpreise 2024: Yiqing Zhu,<br \/>Unsuk Chin, B\u00e1ra Gh\u00edslad\u00f3ttir und Daniele Ghisi. Photo \u00a9 Ernst-von-Siemens-Musikstiftung\/Astrid Ackermann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Deutlich schlechter besucht als in den Vorjahren schien dem Rezensenten die diesj\u00e4hrige Preisverleihung der <em>Ernst von Siemens Musikstiftung<\/em> im M\u00fcnchner Herkulessaal. Ebenso war die \u201ePromi-Dichte\u201c heuer recht \u00fcberschaubar. Vielleicht lag es an den bevorstehenden Pfingstferien. Man muss allerdings kritisieren, dass das Publikum das sehr lange Programm \u2013 gute 160 Minuten \u2013 ohne Pause absitzen musste und das Foyer f\u00fcr den anschlie\u00dfenden Empfang der Stiftung einfach unangenehm \u00fcberakustisch wirkt. <em>Annekatrin Hentschel<\/em> vom Bayerischen Rundfunk moderierte die Veranstaltung, die \u00fcbrigens am 18. und 20.&nbsp;Juni auf BR Klassik gesendet werden wird. Nach einem Gru\u00dfwort durch die Bratschistin <em>Tabea Zimmermann<\/em>, Vorsitzende des Stiftungsrats, gab es die mit Spannung erwarteten Portr\u00e4tfilme \u00fcber die F\u00f6rderpreistr\u00e4ger Komposition bzw. Ensemble von <em>Johannes List<\/em>. Leider fielen diese diesmal erheblich uninspirierter aus als in den letzten Jahren; geradezu nichtssagend die kurzen Filmclips zu den Ensembles: <em>Broken Frames Syndicate<\/em> aus Frankfurt am Main sowie <em>Frames Percussion <\/em>aus Barcelona. Umso erfreulicher, dass sich die jungen Komponisten auch mit jeweils einer Live-Auff\u00fchrung vorstellen durften \u2013 hier geb\u00fchrt <em>Zoro Babel<\/em> schon mal Dank f\u00fcr die gelungene Klangregie.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/01\/27\/unsuk-chin-erhaelt-den-ernst-von-siemens-musikpreis-2024\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> bereits kurz die diesj\u00e4hrigen Stiftungspreistr\u00e4ger vorgestellt. <em>Daniele Ghisis <\/em>drei St\u00fccke aus <em>Weltliche <\/em>(2020) \u2013 f\u00fcr Klavier und Elektronik \u2013 mochten, trotz der engagierten Darbietung durch den britischen Pianisten <em>Joseph Houston, <\/em>nicht so recht \u00fcberzeugen: Ghisi verarbeitet darin u.\u00a0a. Material aus drei weltlichen Bach-Kantaten. In seiner Live-Elektronik, die akustisch ebenso auf den Korpus des Konzertfl\u00fcgels \u00fcbertragen wird, verwendet der stark mathematisch orientierte Italiener zudem <em>musique concr\u00e8te. <\/em>Das Ganze wirkte dann doch sehr verkopft; da halfen die teils sensiblen Kl\u00e4nge kaum weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen v\u00f6llig anderen Weg geht die isl\u00e4ndische Komponistin und Kontrabassistin <em>B\u00e1ra Gh\u00edslad\u00f3ttir.<\/em> Wie in den meisten ihrer Kompositionen macht sie auch in <em>R\u00d3L<\/em> (2023) \u2013 f\u00fcr Tuba und Elektronik \u2013 aus ihrer besonderen Liebe zum Tieffrequenten keinen Hehl: Was <em>Jack Adler-McKean <\/em>hier an bedrohlich Ger\u00e4uschhaftem aus dem Instrument des Jahres herausholte, war wirklich beeindruckend, erschien geradezu wie ein Hurrikan in der Tuba. Und die intensive Live-Elektronik \u2013 endlich hatte man ein paar Lautsprecher im Herkulessaal aufgebaut, die tats\u00e4chlich satte B\u00e4sse hergeben \u2013 traktierte die Zuh\u00f6rer gleicherma\u00dfen enorm k\u00f6rperlich, entsprechend Gh\u00edslad\u00f3ttirs grunds\u00e4tzlichem Bekenntnis zum Animalischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am tiefgr\u00fcndigsten erschien jedoch <em>The Aether and Nether <\/em>des stilistisch sehr breit aufgestellten Chinesen <em>Yiqing Zhu<\/em>, der selbst auf dem Podium dirigierend die Live-Elektronik \u2013 mit vielen verfremdeten Echo- bzw. Loop-Effekten \u2013 bediente und gemeinsam mit <em>Liyi Lu<\/em> an der Pipa (chinesische Laute) und dem Fl\u00f6tisten <em>Rafa\u0142 Zolkos <\/em>mit einem erstaunlichen Wechselbad von expressiver Hochspannung und chillig-l\u00e4ssigem Jazz faszinierte. Gro\u00dfe Zustimmung f\u00fcr die jungen Tonk\u00fcnstler bei der Preisverleihung durch den nach 36 Jahren im Kuratorium nun ausscheidenden Vorsitzenden <em>Thomas Angyan.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nun folgte endlich Musik der Hauptpreistr\u00e4gerin <em>Unsuk Chi<\/em><em>n<\/em>: Dazu hatte man das <em>Ensemble intercontemporain<\/em> aus Paris eingeladen, mit dem Chin durch eine bald 30-j\u00e4hrige Zusammenarbeit eng verbunden ist. In der f\u00fcr Anne Sophie Mutter und ihre Geigen-Eleven 2018 geschriebenen <em>Gran Cadenza<\/em> f\u00fcr zwei Violinen \u2013 selbst schon ein kleines Doppelkonzert \u2013 durften <em>Hae-Sun Kang <\/em>und <em>Di\u00e9go Tosi<\/em> alle Register ihres K\u00f6nnens ziehen: eine technisch wie musikalisch ungemein wirksame, zweifellos ph\u00e4nomenale Wiedergabe. Die Laudatio f\u00fcr Chin<em>, <\/em>die mittlerweile in Berlin lebt, jedoch bereits als Sch\u00fclerin von Gy\u00f6rgy Ligeti in Hamburg entscheidende musikalische Impulse bekam, hielt der langj\u00e4hrige Intendant der K\u00f6lner Philharmonie, <em>Louwrens Langevoort<\/em>. Er betonte insbesondere den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Klangsinn der aus Korea stammenden Komponistin, f\u00fcr Orchester zu schreiben sowie die konsequente Umsetzung ihres vielzitierten Leitspruchs <em>\u201eMeine Musik ist die Abbildung meiner Tr\u00e4ume\u201c<\/em>, die vielleicht in der 2007 in M\u00fcnchen uraufgef\u00fchrten Oper <em>Alice in Wonderland<\/em> einen ersten Kulminationspunkt erreichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Preis\u00fcbergabe und der ein wenig selbstgef\u00e4lligen Danksagung der Geehrten gab es als kr\u00f6nenden Abschluss das <em>Doppelkonzert<\/em>, 2002 als drittes Auftragswerk f\u00fcr das Ensemble intercontemporain entstanden. Hier spielten nun dieselben Solisten wie bei der Urauff\u00fchrung: <em>Samuel Favre<\/em> (Schlagzeug) und <em>Dimitri Vassilakis<\/em>, der am geschickt teilweise pr\u00e4parierten Steinway eine vielschichtige, aber nie vordergr\u00fcndig virtuose Klangwelt hinzauberte. Wirklich virtuos war jedoch das hochdifferenzierte, dabei dicht verschmelzende Zusammenspiel mit dem Ensemble \u2013 unter dem kongenialen, pr\u00e4zisen und nie aufdringlichen Dirigat seines seit letztem Jahr neuen Leiters: <em>Pierre Bleuse<\/em>. Dank eines etwas ungew\u00f6hnlichen Gewandes sah der agile, kraftstrotzende Herr beim Dirigieren von hinten ein wenig aus wie eine Fledermaus, beherrschte die herausfordernde Partitur daf\u00fcr absolut souver\u00e4n. Hier bewahrheitete sich nun offenkundig, mit welchem musikalischen Kaliber man es bei Unsuk Chin zu tun hat: Tosender Applaus im Saal \u2013 und sicher nicht die letzte Komponistin, die diesen Preis v\u00f6llig zu Recht erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, 20. Mai 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag, 18.&nbsp;Mai 2024 um 19&nbsp;Uhr, fand \u2013 erneut im M\u00fcnchner Herkulessaal \u2013 die Verleihung des Ernst von Siemens Musikpreises 2024 an die koreanische Komponistin Unsuk Chin statt. Die diesj\u00e4hrigen F\u00f6rderpreise f\u00fcr Komposition und Ensembles gingen an Daniele Ghisi, B\u00e1ra Gh\u00edslad\u00f3ttir, Yiquing Zhu bzw. das Broken Frames Syndicate sowie Frames Percussion. 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