{"id":661,"date":"2016-04-05T11:45:59","date_gmt":"2016-04-05T09:45:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=661"},"modified":"2016-04-05T18:31:27","modified_gmt":"2016-04-05T16:31:27","slug":"trier-blickt-gen-norden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/04\/05\/trier-blickt-gen-norden\/","title":{"rendered":"Trier blickt gen Norden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Manfred-Ouvert\u00fcre Op. 115 von Robert Schumann, das Klavierkonzert a-Moll Op. 16 Edvard Griegs sowie die dritte Symphonie Op. 44 (ebenfalls in a-Moll) von Sergej Wassilijewitsch Rachmaninoff stehen auf dem Programm des sechsten Sinfoniekonzerts des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier unter Leitung von Generalmusikdirektor Victor Puhl am 31. M\u00e4rz 2016. Solist des im Theater Trier stattfindenden Konzerts ist der aus Moldawien stammende Alexander Paley.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anspruchs- und gehaltvolles Programm w\u00e4hlt das Philharmonische Orchester der Stadt Trier f\u00fcr sein 6. Sinfoniekonzert am 31. M\u00e4rz. Schon die er\u00f6ffnende Manfred-Ouvert\u00fcre Op. 115 ist ein tiefgreifendes Seelengem\u00e4lde und erf\u00fcllt von Hintergr\u00fcndigkeit. Die d\u00fcstere Geschichte von Manfred, der sich durch Inzest mit Astarte &#8211; vermutlich, doch nicht im Text von Lord Byron w\u00f6rtlich zu finden, seiner Halbschwester &#8211; schuldig machte und so ihren Tod verursachte, l\u00e4uft durch Magie, Geister und D\u00e4monen unweigerlich auf seinen Tod zu und birgt unermesslichen Stoff zur musikalischen Umsetzung. Schumann schuf daraus ein epochales Melodram-Meisterwerk, das in der Ouvert\u00fcre eine gedr\u00e4ngte psychologische Zusammenfassung erf\u00e4hrt. Trotz des vorgezeichneten Es-Dur steht sie eigentlich in es-Moll, todnah und von innerer Zerrissenheit. Nicht weniger ein Meisterwerk ist das einzig vollendete der mindestens vier geplanten Solokonzerte des Schumannverehrers Edvard Hagerup Grieg. Nicht zu Unrecht ist der Geniestreich des in der Mitte seines dritten Lebensjahrzehnts stehenden Norwegers eines der meistgespielten Klavierkonzerte aller Zeiten, und dies trotz der erheblichen Selbstzweifel Griegs an seiner Musik, die ihn dazu brachten, auch dieses Werk mehrfach zu revidieren. Seit der Urauff\u00fchrung nicht gleicherma\u00dfen beliebt ist die dritte Symphonie a-Moll Op. 44 von Sergej Rachmaninoff, fast 30 Jahre nach seiner zweiten Symphonie entstanden. Tats\u00e4chlich weist sie wohl doch ein paar L\u00e4ngen auf und besitzt nicht ganz die Stringenz seiner Klavierkonzerte oder der Symphonischen T\u00e4nze Op. 45, die sein letztes Werk werden sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Konzerth\u00e4lfte ist vor allem durchzogen von Temposchwankungen, die zum Teil \u00e4u\u00dferst irritierend wirken. Grund dessen sind haupts\u00e4chlich die ausladenden und nicht ausschlie\u00dflich zu musikalischen Zwecken eingesetzten Gesten von Generalmusikdirektor Victor Puhl, die ihm teilweise w\u00f6rtlich genommen \u00fcber den Kopf zu wachsen scheinen. So wird es schwierig, die wie magisch miteinander verschwei\u00dften \u00dcberg\u00e4nge mitzuverfolgen oder den unweigerlich aufs Ende hin verlaufenden Fluss zu versp\u00fcren. Einige klanglich ansprechende Momente gibt es schon, etwa das Versterben vor dem letzten kurzen Aufbegehren ger\u00e4t recht stimmungsvoll. Insgesamt gelingt es Victor Puhl auch recht gut, den Unterstimmen zur Geltung zu verhelfen und eine stetige polyphone Wirkung zu erreichen, die in allen der dargebotenen Werke durchaus vernehmlich ist, doch von vielen Dirigenten als reine Begleitwirkung vernachl\u00e4ssigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine absolute Premiere findet beim Klavierkonzert a-Moll Op. 16 Edvard Griegs statt: Alexander Paley \u00fcbernimmt erstmals in diesem Werk \u00f6ffentlich den Solopart nach jahrzehntelanger Konzertt\u00e4tigkeit. R\u00fcckblickend ist es unvermeidlich, zu sagen: H\u00e4tte er es doch mal lieber sein lassen. Der durchaus informative Einf\u00fchrungsvortrag vor dem Konzert warnt bereits, Paley habe einige Eigenheiten und bringe seine pers\u00f6nliche Note in die vorgetragenen Werke. Dass sich diese &#8222;Eigenheiten&#8220; in komplett unmusikalischen Freiheiten, vollkommen unpassenden st\u00e4ndigen Rubati und an den Haaren herbeigezogenen Akzentuierungen ausdr\u00fccken, war dann doch ern\u00fcchternd. Es ist dem Dirigenten unm\u00f6glich, den wirren Temposchwankungen zu folgen und der brutalen und gehackten Lautst\u00e4rke etwas nur halbwegs Passendes entgegenzubringen. Lediglich am Ende des zweiten Satzes scheint Paley zu merken, wie sinnlos und stupide er an der Musik vorbeigeht, und l\u00e4sst sich einmal von den Noten tragen, statt sie frappierend grotesk zu entstellen. Zu Beginn des Finales ist dies jedoch schon wieder vergessen und er schmettert statt dem schwungvollen Halling einen tosenden S\u00e4beltanz &#8211; ein lauter &#8222;Hayja&#8220;-Schrei seinerseits verst\u00e4rkt dieses Zerrbild \u00fcberdies. Von mir unerkl\u00e4rlichen Bravo-Ausrufen angespornt, rattert er noch eine kurze Zugabe herunter, die allerh\u00f6chstens als ertr\u00e4glich bezeichnet werden kann. Das Orchester bem\u00fcht sich wirklich, etwas Musikalit\u00e4t einzubringen &#8211; Paley unterbindet dies resolut und mit Erfolg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein vollkommen anderes Bild bietet sich nach der Pause, Rachmaninoff scheint wesentlich mehr geprobt zu sein als Schumann, und dies ist h\u00f6rbar! Durch lebendige Hervorbringung der Nebenstimmengeflechts gl\u00e4nzt das umstrittene Werk in Plastizit\u00e4t und Vielseitigkeit, wodurch auch einige der bekannten L\u00e4ngen gar nicht so lang erscheinen. Auch ist der Klang nun wesentlich ausgewogener als zuvor. Zwar bleiben noch immer einige eher bl\u00e4ssliche Stellen und die bereits beanstandeten unfunktionellen Temposchwankungen, doch ist alles in allem eine enorme Steigerung gegen\u00fcber der ersten Konzerth\u00e4lfte offenkundig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gab es zwar in der ersten H\u00e4lfte doch einige Komplikationen, zumal vom Pianisten ausgehend, so kann doch das Schlussst\u00fcck einigerma\u00dfen \u00fcberzeugen, nicht zuletzt einiger Musiker wegen, die mit ihrem K\u00f6nnen und ihrer Einf\u00fchlung in teils gl\u00e4nzenden Soli das Publikum in innere Bewegung bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, April 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Manfred-Ouvert\u00fcre Op. 115 von Robert Schumann, das Klavierkonzert a-Moll Op. 16 Edvard Griegs sowie die dritte Symphonie Op. 44 (ebenfalls in a-Moll) von Sergej Wassilijewitsch Rachmaninoff stehen auf dem Programm des sechsten Sinfoniekonzerts des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier unter Leitung von Generalmusikdirektor Victor Puhl am 31. 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