{"id":666,"date":"2016-04-07T19:35:05","date_gmt":"2016-04-07T17:35:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=666"},"modified":"2016-04-07T19:35:30","modified_gmt":"2016-04-07T17:35:30","slug":"dichter-liebe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/04\/07\/dichter-liebe\/","title":{"rendered":"Dichter &#8230; Liebe?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\">Dichter. Liebe<br \/>\nHeine. Schumann<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Cornelia Horak, Sopran<br \/>\nStefan Gottfried, Piano<br \/>\nChristoph Wagner-Trenkwitz, Rezitation<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Gramola 99059<br \/>\n9 003643 990593<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Ulrich0020.jpg\" rel=\"attachment wp-att-667\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-667 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Ulrich0020-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. Created with a Creative Commons Licence (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/3.0\/) Rules for use: 1. When using this template, post copyright post in your project. Always link to this deviant page for copyright. Include author name and link. 2. Do not sell, redistribute or copy this file. 3. Downloads are only from this URL. 4. 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K\u00f6sel-Verlag 1957 Kempten)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So urteilte Karl Kraus in seinem bis heute viel zu wenig beachteten Essay \u00fcber den angeblich so gro\u00dfen Dichter Heinrich Heine. Ja, er geht noch weiter und schreibt von \u201ejenem Heinrich Heine, der der deutschen Sprache so sehr das Mieder gelockert hat, dass heute alle Kommis an ihren Br\u00fcsten fingern d\u00fcrfen\u201c (Seite 187)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ob Robert Schumann bei der Auswahl der Gedichte, die er in seinem Liederzyklus \u201eDichterliebe\u201c von Heine vertont hat, nicht mit seinem auch sonst so sicheren Gef\u00fchl f\u00fcr den Wert\u00a0 seiner vertonten Lyrik \u2013 man denke nur an op. 39 nach Eichendorff \u2013 sich genau an die gehalten hat, die als Lieder vorliegen? Und die ausgespart hat, die eben nicht dazu geh\u00f6ren sollten?\u00a0 Und nun meinen Cornelia Horak (mit dem ihr eigenen Talent des Singens) und ihr Mann Christoph Wagner-Trenkwitz (mit dem ihm eigenen Talent des Sprechens \u2013 so formuliert es das Booklet) mit der zus\u00e4tzlichen Rezitation der angeblich passenden und vom Komponisten eben eigentlich f\u00e4lschlicherweise nicht vertonten Gedichte dem Ganzen eine \u201e\u00fcberraschende Bereicherung\u201c angedeihen lassen zu m\u00fcssen. Als h\u00e4tte der gute Schumann eben nicht die ganze lyrische Tragweite dieser Gedichte \u2013 in der ihm eigenen Beschr\u00e4nktheit \u2013 \u00fcbersehen, was hiermit nachgeholt werden muss\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eO tempora, o mores!\u201c Wenn dann zum sowieso merkw\u00fcrdigen \u201eIch grolle nicht\u201c\u00a0 als n\u00e4chstes unmittelbar darauf rezitiert wird: \u201e Ja, du bist elend, und ich grolle nicht\u2026\u201c, dann wirkt das auf mich nun genau so, wie es Robert Schumann eben nicht wollte: Totschlag mit dem Hammer! Und zieht diesen ganzen Zyklus in die banalste Ebene der auch f\u00fcr jeden T\u00f6lpel verdoppelt verst\u00e4ndlich gemachten Erfassbarkeit. So simpel war der Komponist eben nicht, dass er dieser Verdoppelung auf den Leim gegangen w\u00e4re. Und seinem Liederzyklus tut die Balance zwischen romantischer Ironie, die man dem Heine so gerne unterschiebt und der Naivit\u00e4t, die angeblich den Komponisten kennzeichnet, augenscheinlich so gut, dass die dadurch ausgel\u00f6ste Spannung den H\u00f6rer bis zum heutigen Tage besch\u00e4ftigt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn nun die ausgelassenen Texte eingebaut werden und damit eine ach so korrekte Festlegung stattfindet, ist genau diese Balance zu Gunsten einer peinlich unk\u00fcnstlerischen Eindeutigkeit aufgehoben. Schade!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Abgesehen davon \u00fcberzeugt mich auch die s\u00e4ngerische Leistung von Cornelia Horak nicht, denn ihre Wortverst\u00e4ndlichkeit wird \u2013 wie allzu oft \u2013 der Stimme geopfert, ohne Textbeilage w\u00e4re man, was die Verst\u00e4ndlichkeit des Gesanges angeht, hoffnungslos aufgeschmissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">[Ulrich Hermann, M\u00e4rz 2016]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dichter. Liebe Heine. Schumann Cornelia Horak, Sopran Stefan Gottfried, Piano Christoph Wagner-Trenkwitz, Rezitation Gramola 99059 9 003643 990593 \u201eUnd kein Dichter ruft einem Fr\u00e4ulein, das den Sonnenuntergang ger\u00fchrt betrachtet, die Worte zu: Mein Fr\u00e4ulein, sein Sie munter, das ist ein altes St\u00fcck; Hier vorne geht sie unter, Und kehrt von hinten zur\u00fcck. 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