{"id":6662,"date":"2024-05-31T21:53:09","date_gmt":"2024-05-31T19:53:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6662"},"modified":"2024-07-17T10:37:07","modified_gmt":"2024-07-17T08:37:07","slug":"klaus-ospalds-entlegene-felder-in-der-cd-reihe-musica-viva","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/05\/31\/klaus-ospalds-entlegene-felder-in-der-cd-reihe-musica-viva\/","title":{"rendered":"Klaus Ospalds \u201eEntlegene Felder\u201c in der CD-Reihe \u201emusica viva\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>BR Klassik 900642; EAN: 4 035719 006421<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Klaus-Ospald-musica-viva-42-BR-Klassik.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Klaus-Ospald-musica-viva-42-BR-Klassik-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6663\" width=\"481\" height=\"481\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Klaus-Ospald-musica-viva-42-BR-Klassik-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Klaus-Ospald-musica-viva-42-BR-Klassik-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Klaus-Ospald-musica-viva-42-BR-Klassik-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Klaus-Ospald-musica-viva-42-BR-Klassik-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Klaus-Ospald-musica-viva-42-BR-Klassik.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>In der Reihe \u201emusica viva\u201c hat BR Klassik zwei Kompositionen aus der Trias \u201eEntlegene Felder\u201c des Komponisten Klaus Ospald (*1956) ver\u00f6ffentlicht: Das gro\u00dfbesetzte \u201eM\u00e1s ra\u00edz, menos criatura\u201c sowie das \u201eQuintett von den entlegenen Feldern\u201c. Es spielen das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Peter Rundel \u2013 mit dem Pianisten Markus Bellheim und Singer Pur \u2013 sowie das Ensemble Experimental mit dem SWR Experimentalstudio, geleitet von Peter Tilling.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der aus M\u00fcnster stammende und lange in W\u00fcrzburg lebende und lehrende Komponist <em>Klaus Ospald<\/em> (Jahrgang 1956) hat einen h\u00f6chst individuellen Stil entwickelt, der stark von Literatur inspiriert scheint. Zuletzt zieht sich insbesondere der fr\u00fch in den Kerkern der spanischen Faschisten verstorbene <em>Miguel Hern\u00e1ndez<\/em> (1910\u20121942) wie ein roter Faden durch Ospalds Schaffen, auch wenn die Texte selbst in der Musik gar nicht direkt in Erscheinung treten oder gar \u201evertont\u201c werden. Auf der vorliegenden CD der Reihe <em>musica viva<\/em> erklingen zwei Werke der Trias <em>Entlegene Felder<\/em> \u2013 inzwischen erweiterte der Komponist seine Auseinandersetzung mit der Dichtung Hern\u00e1ndez\u2018 zum bislang aus sechs ganz unterschiedlich besetzten St\u00fccken bestehenden <em>Guerra-<\/em>Zyklus.<\/p>\n\n\n\n<p>2019 erhielt Ospald den <em>Happy New Ears Preis f\u00fcr Komposition<\/em> der Hans und Gertrud Zender Stiftung (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/26\/die-musica-viva-gedenkt-galina-ustwolskaja-und-hans-zender\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/26\/die-musica-viva-gedenkt-galina-ustwolskaja-und-hans-zender\" target=\"_blank\">wir berichteten<\/a>). Anl\u00e4sslich der Preisverleihung erklang im <em>musica viva<\/em> Konzert des BR eine beeindruckende Darbietung des gut 50-min\u00fctigen Werks <em>M\u00e1s ra\u00edz, menos criatura<\/em> (\u201eMehr Wurzel als Mensch\u201c = <em>Entlegene Felder III<\/em>) f\u00fcr Orchester, Klavier und achtstimmigen Kammerchor, die hier nun festgehalten wurde. Die exzellente Aufnahmetechnik \u00fcberspielt dabei einmal mehr so manche Unzul\u00e4nglichkeit des M\u00fcnchner Herkulessaals. Sie macht gleichzeitig klar, wie Ospald die Textfragmente aus Hern\u00e1ndez\u2018 Gedicht <em>El ni\u00f1o yuntero <\/em>(\u201eDas Kind als Zugtier\u201c) selbst f\u00fcr den 8-stimmigen Kammerchor \u2013 hier mit dem um zwei zus\u00e4tzliche S\u00e4ngerinnen erg\u00e4nzten, vorz\u00fcglichen Vokalsextett <em>Singer Pur \u2013 <\/em>lediglich als Material benutzt und sehr bewusst mit den hochdifferenzierten Orchesterkl\u00e4ngen verschmelzen l\u00e4sst. Dasselbe gilt f\u00fcr den durchgehenden Klavierpart, der mehr reflektiert und kommentiert als solistisch aufzutrumpfen: <em>Markus Bellheim<\/em> realisiert dies absolut souver\u00e4n, klangsch\u00f6n und stets pr\u00e4sent, ohne bei aller Virtuosit\u00e4t daraus eine Art Klavierkonzert zu machen. Das Klavier wird oft durch ein Upright-Piano sowie zwei Harfen \u2013 alles leicht gegeneinander verstimmt \u2013 sekundiert. Ein empathischer Aufschrei f\u00fcr Humanit\u00e4t in einer Welt der Unterdr\u00fcckung. Das BRSO unter <em>Peter Rundel <\/em>spielt vielleicht eine Spur zu distanziert, in jedem Fall engagiert und auf h\u00f6chstem Niveau.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>Quintett von den entlegenen Feldern <\/em>f\u00fcr Streichtrio, Klarinette (Bassklarinette), Klavier und Live-Elektronik (2012\/13, rev. 2014) als erstes Werk der Trias arbeitet zwar nicht mit Texten, daf\u00fcr aber mit sehr subtiler Klangerweiterung, die sowohl mit bewegtem Raumklang als auch mit Pr\u00e4parationen sowie Transducern auf dem Resonanzboden des Fl\u00fcgels experimentiert und deshalb nicht nur einen zweiten \u201eSpieler\u201c am Klavier, sondern auch eine \u00e4u\u00dferst aktiv eingreifende Klangregie erfordert. Zun\u00e4chst erscheint die Live-Elektronik eher episodenhaft, steigert jedoch mit der Zeit eindrucksvoll auch ihre emotionale Bedeutung \u2013 etwa mit \u201eeingefrorenen\u201d Kl\u00e4ngen bzw. pl\u00f6tzlichen Klang-Abbr\u00fcchen. Die ebenfalls sehr gelungene Einspielung mit dem <em>Ensemble Experimental<\/em> und dem <em>SWR-Experimentalstudio<\/em> entstand im Mai 2019 bei einem Live-Konzert in Coburg. Fazit: Ergreifende Musik eines erkl\u00e4rten Au\u00dfenseiters, die bei aller klanglichen Dichte und Finesse auf alle \u00e4u\u00dferliche Effekthascherei verzichtet, klar durchh\u00f6rbar bleibt und quasi \u00fcber jeden Ton Rechenschaft ablegen k\u00f6nnte. Die mit knapp 83 Minuten randvolle CD wird so zum Muss f\u00fcr alle H\u00f6rer Neuer Musik, verlangt allerdings enorme Aufmerksamkeit. Wer mehr \u00fcber Ospalds Kompositionsprinzipien als im durchaus informativen Booklet erfahren m\u00f6chte, sei auf nachstehende Ver\u00f6ffentlichung verwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erg\u00e4nzende Literatur: <\/strong>Ulrich Tadday (Hrsg.), <em>Klaus Ospald<\/em>, Musik-Konzepte 183, II\/2019, edition text+kritik, M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Mai 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BR Klassik 900642; EAN: 4 035719 006421 In der Reihe \u201emusica viva\u201c hat BR Klassik zwei Kompositionen aus der Trias \u201eEntlegene Felder\u201c des Komponisten Klaus Ospald (*1956) ver\u00f6ffentlicht: Das gro\u00dfbesetzte \u201eM\u00e1s ra\u00edz, menos criatura\u201c sowie das \u201eQuintett von den entlegenen Feldern\u201c. 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