{"id":6773,"date":"2024-08-19T23:56:48","date_gmt":"2024-08-19T21:56:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6773"},"modified":"2024-08-20T09:01:35","modified_gmt":"2024-08-20T07:01:35","slug":"pendereckis-6-symphonie-und-zwei-konzerte-unter-antoni-wit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/08\/19\/pendereckis-6-symphonie-und-zwei-konzerte-unter-antoni-wit\/","title":{"rendered":"Pendereckis 6. Symphonie und zwei Konzerte unter Antoni Wit"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.574050; EAN: 7 47313 40507 7<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Penderecki-6-Wit-Naxos.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Penderecki-6-Wit-Naxos-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6774\" width=\"479\" height=\"474\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Penderecki-6-Wit-Naxos-1024x1015.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Penderecki-6-Wit-Naxos-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Penderecki-6-Wit-Naxos-768x762.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Penderecki-6-Wit-Naxos.jpg 1437w\" sizes=\"(max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Die als letzte von <\/em>Krzysztof Pendereckis<em> insgesamt acht Symphonien entstandene Sechste <\/em>\u201eChinesische Lieder\u201c <em>liegt nun in einer weiteren Einspielung mit dem <\/em>Norrk\u00f6ping Symphony Orchestra<em> unter <\/em>Antoni Wit <em>vor. Auf der Naxos-Produktion erklingen zudem das Trompeten-Concertino (2015) und das Concerto Doppio von 2012 in der Version f\u00fcr Violine und Violoncello. Die Solisten sind Jaros\u0142aw Br\u0119k (Bassbariton), David Guerrier (Trompete), Aleksandra Kuls (Violine), Hayoung Choi (Violoncello) sowie Hsin Hsiao-ling (Erhu).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Z\u00e4hlung der acht Symphonien <em>Krzysztof Pendereckis<\/em> (1933\u20122020) verlie\u00df bereits fr\u00fch die Chronologie: So wurde etwa die 3.&nbsp;Symphonie erst nach der vierten und f\u00fcnften fertig. Eine 6.&nbsp;Symphonie war bereits f\u00fcr Ende 1996 bei den M\u00fcnchner Philharmonikern angek\u00fcndigt worden. Nach den Premieren der 7.&nbsp;<em>\u201e<\/em><em>Seven Gates of Jerusalem\u201c <\/em>(1997) und 8.&nbsp;<em>\u201eLieder der Verg\u00e4nglichkeit\u201c <\/em>(2005 bzw. 2007) rechnete eigentlich niemand mehr mit der noch fehlenden 6.&nbsp;Symphonie; und so entstanden schon CD-\u201eGesamtaufnahmen\u201c eben ohne eine solche. Penderecki hatte allerdings seit 2008 an einem Liederzyklus gearbeitet, der \u2013 wie Gustav Mahlers <em>Lied von der Erde<\/em> \u2013 altchinesische Dichtungen in der deutschsprachigen \u00dcbertragung Hans Bethges vertonen sollte. Die insgesamt acht Lieder, gesetzt f\u00fcr Bassbariton und relativ kleines Orchester, wurden 2017 vollendet und erschienen dann schlie\u00dflich als <em>6.&nbsp;Sinfonie (Chinesische Lieder)<\/em>. Nach der Urauff\u00fchrung in Guangzhou kamen f\u00fcr die Dresdner Auff\u00fchrung im M\u00e4rz 2018 noch vier Zwischenspiele f\u00fcr Erhu \u2013 das vielleicht typischste, lediglich zweisaitige Streichinstrument Chinas \u2013 hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Penderecki hat sich ja bekanntlich vorwerfen lassen m\u00fcssen, vom Avantgardisten zum hemmungslosen Romantiker mutiert zu sein. Wie schon in der 8.&nbsp;Symphonie bedient der Komponist auch in der Sechsten ausgerechnet Texte auf Deutsch. Im Unterschied zu Mahlers <em>Lied von der Erde<\/em>, wo dieser alle angesprochenen individuellen Befindlichkeiten der altersweisen chinesischen Lyrik gleich in allgemeinen Weltschmerz umdeutet, bleibt Penderecki bei der Einsamkeit seines Protagonisten. Das ist feine Kammermusik, subtil instrumentiert, und interessanterweise nicht so stark mit Penderecki-typischen Intervallfolgen infiltriert wie lange bei ihm \u00fcblich. Ja, man darf sich an romantische Liederzyklen erinnert f\u00fchlen und ein im engeren Sinne erwartbarer symphonischer Zusammenhang ist schwer erkennbar.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Antoni Wit<\/em> (*1944), noch Sch\u00fcler von Henryk Czy\u017c, Stanis\u0142aw Skrowaczewski und Nadia Boulanger, erlangte als Karajan-Preistr\u00e4ger schnell Weltruhm. Sein gr\u00f6\u00dfter Verdienst liegt im unerm\u00fcdlichen Einsatz f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische polnische Komponisten, insbesondere Lutos\u0142awski und Penderecki, dessen Orchesterwerke er fast komplett f\u00fcr Naxos eingespielt hat \u2013 meist in herausragender Qualit\u00e4t. Bislang kamen daf\u00fcr fast ausschlie\u00dflich Warschauer Orchester zum Einsatz. Das vorliegende Programm ben\u00f6tigt zwar weniger gro\u00dfe Klangk\u00f6rper; das <em>Norrk\u00f6ping Symphony Orchestra<\/em> \u2013 zuletzt gelobt f\u00fcr seine Aufnahmen der Symphonik Allan Petterssons \u2013 fremdelt nun allerdings ein wenig mit der Musik des polnischen Meisters.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein echter Schwachpunkt der Wit-Aufnahme ist der leider k\u00fcrzlich viel zu jung verstorbene Bariton <em>Jaros\u0142aw Br\u0119k<\/em>. Verglichen mit Stephan Genz auf der Erstaufnahme der Symphonie unter Wojciech Rajski st\u00f6rt der \u00fcberdeutliche polnische Akzent Br\u0119ks, mehr jedoch seine seltsam unbeteiligte, \u00fcber Strecken fehlende Ausdeutung des Textes \u2013 fast so, als wisse er nicht, von was er da singen soll. In den mittleren S\u00e4tzen IV. und V. (<em>Die wilden Schw\u00e4ne\/ Verzweiflung<\/em>) erweist sich sein deutlich dunkleres Timbre als vorteilhaft, aber selbst hier wirkt der Vortrag blass. Das Orchester bleibt bei der Symphonie ebenfalls nur pr\u00e4zis routiniert, kann h\u00f6chstens punktuell mal emotional mitrei\u00dfen. Wenigstens aufnahmetechnisch gewinnt die Neueinspielung, ist durchsichtiger und dynamisch besser ausbalanciert als die recht mulmige CD Accord Ver\u00f6ffentlichung. Kurios allerdings, dass die vier kurzen Erhu-Zwischenspiele mit <em>Hsin Hsiao-ling<\/em> v\u00f6llig gesondert ein halbes Jahr sp\u00e4ter in Hong Kong aufgezeichnet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel besser gelingen die beiden konzertanten Werke: Pendereckis <em>Concerto doppio<\/em> \u2013 2012 urspr\u00fcnglich f\u00fcr Violine und Viola konzipiert \u2013 ist, so wie sein Bratschenkonzert, inzwischen auch f\u00fcr andere Besetzungen, selbst f\u00fcr Akkordeon, adaptiert worden. Dem Rezensenten gef\u00e4llt die Fassung f\u00fcr Violine und Cello \u2013 die Violastimme wird dazu durchg\u00e4ngig nur nach unten oktaviert \u2013 eigentlich besser als das Original. Der zusammengenommen nun gr\u00f6\u00dfere Ambitus der beiden Solistinnen bietet den in diesem Konzert \u00fcberwiegenden Duopassagen differenziertere Klangm\u00f6glichkeiten. Die polnische Geigerin <em>Aleksandra Kuls<\/em> \u2013 u.\u00a0a. Sch\u00fclerin von Kaja Danczowska und Wienawski-Preistr\u00e4gerin \u2013 und die S\u00fcdkoreanerin <em>Hayoung Choi<\/em> \u2013 Siegerin des Queen Elizabeth Competition 2022 f\u00fcr Cello \u2013 \u00fcbertreffen hier an gestalterischer Energie sogar die Interpreten der Urfassung in Pendereckis eigener Aufnahme. Wit bewegt sich in gewohntem Fahrwasser mit nachtwandlerischer Sicherheit und inspiriert dabei ebenso das schwedische Orchester.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom gut 10-min\u00fctigen <em>Trompeten-Concertino<\/em> (2015) existieren bereits mehrere Aufnahmen. <em>David Guerrier<\/em>, 2003 Erster Preistr\u00e4ger des ARD-Wettbewerbs und seit Anfang des Jahres Solotrompeter der Berliner Philharmoniker, musiziert das dankbare, zugleich denkbar traditionelle viers\u00e4tzige St\u00fcck mit Hingabe und vollster \u00dcberzeugung, perfekt von Wit unterst\u00fctzt \u2013 eine makellose Darbietung, die nur begeistern kann. F\u00fcr Sammler ist die mit dieser CD vollst\u00e4ndige \u201eechte\u201c Gesamtaufnahme aller Penderecki-Symphonien unter Antoni Wit wohl ein Muss, obwohl eine rundum befriedigende Wiedergabe der 6. Symphonie noch aussteht. Die Konzerte verdienen eine uneingeschr\u00e4nkte Empfehlung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergleichsaufnahmen<\/strong>: [6. Symphonie] Stephan Genz, Polska Filharmonia Kameralna Sopot, Wojciech Rajski (CD Accord ACD 270-2, 2019); [Concerto doppio \u2013 Fass. f\u00fcr Violine &amp; Viola] Bart\u0142omiej Nizio\u0142, Katarzyna Budnik, Jerzy Semkow Polish Sinfonia Iuventus Orchestra, Krzysztof Penderecki (DUX 1537, 2018)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, August 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.574050; EAN: 7 47313 40507 7 Die als letzte von Krzysztof Pendereckis insgesamt acht Symphonien entstandene Sechste \u201eChinesische Lieder\u201c liegt nun in einer weiteren Einspielung mit dem Norrk\u00f6ping Symphony Orchestra unter Antoni Wit vor. 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