{"id":6782,"date":"2024-09-05T23:40:00","date_gmt":"2024-09-05T21:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=6782"},"modified":"2024-09-09T00:32:55","modified_gmt":"2024-09-08T22:32:55","slug":"st-florianer-brucknertage-2024-1-ein-streichquartett-von-und-ein-buch-ueber-franz-xaver-mueller","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/09\/05\/st-florianer-brucknertage-2024-1-ein-streichquartett-von-und-ein-buch-ueber-franz-xaver-mueller\/","title":{"rendered":"St.\u00a0Florianer Brucknertage 2024 [1]: Ein\u00a0Streichquartett von und ein Buch \u00fcber  Franz\u00a0Xaver\u00a0M\u00fcller"},"content":{"rendered":"\n<p>Angesichts der Tatsache, dass sich 2024 der Geburtstag Anton Bruckners zum 200. Male j\u00e4hrt, nimmt es nicht Wunder, dass die Veranstaltungen im Stift St.&nbsp;Florian dieses Jahr besonders opulent ausfallen. Das Stift feierte das Jubil\u00e4um seines gr\u00f6\u00dften Musikers bereits mit der Ausstellung <em>Bruckners Visionen<\/em>, die noch bis Oktober besucht werden kann und neben klassischen Vitrinen auch drei im Stiftshof aufgestellte Pavillons mit virtuellen Pr\u00e4sentationen umfasst. Dazu traten nun im August die St.&nbsp;Florianer Brucknertage, in deren Rahmen diesmal nicht nur ein einfaches wissenschaftliches Symposium abgehalten wurde, sondern ein viert\u00e4giger Internationaler Bruckner-Kongress, den die Brucknertage gemeinsam mit der Bruckner Society of America ins Werk setzten. Auch gipfelte das musikalische Programm in zwei Symphoniekonzerten besonderer Art: Am 23. und 24.&nbsp;August spielte das Altomonte Orchester St.&nbsp;Florian unter der Leitung von R\u00e9my Ballot Bruckners Neunte Symphonie einschlie\u00dflich erhaltener Fragmente des unvollendeten Finalsatzes. Neben diesen Konzerten besuchte der Verfasser dieser Zeilen das Kammerkonzert am 21.August, in welchem das Varga Quartett, verst\u00e4rkt durch Florian Eggner am zweiten Violoncello, Ludwig van Beethovens Streichquartett e-Moll op.&nbsp;59\/2 und Franz Schuberts Streichquintett C-Dur vortrug. Dazwischen kam ein weiterer Meister aus St.&nbsp;Florian zu Wort: Franz Xaver M\u00fcller mit seinem Quartettino D-Dur von 1928.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Lettner: Franz Xaver M\u00fcller. Priester, Musiker, Mensch<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigenverlag Marktgemeinde Dimbach 2023, 100 Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-200-09369-0<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Mueller-Lettner-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Mueller-Lettner-1014x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6783\" width=\"434\" height=\"438\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Mueller-Lettner-1014x1024.jpg 1014w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Mueller-Lettner-297x300.jpg 297w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Mueller-Lettner-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Mueller-Lettner-768x775.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Mueller-Lettner-1522x1536.jpg 1522w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Mueller-Lettner-2029x2048.jpg 2029w\" sizes=\"(max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Bevor wir zur Schilderung des auf den Brucknertagen Geh\u00f6rten kommen, sei der Blick auf ein neues Buch gerichtet, das in engem Zusammenhang mit St. Florian steht und im dortigen Stiftsladen erh\u00e4ltlich ist. Anton Bruckner ist zwar der \u00fcberragende, keineswegs jedoch der einzige gro\u00dfe Komponist in der Geschichte des ober\u00f6sterreichischen Augustiner-Chorherrenstiftes. Franz Xaver M\u00fcller (1870\u20131948), der selbst Augustiner-Chorherr war, darf als die bedeutendste Musikerpers\u00f6nlichkeit gelten, die im fr\u00fchen 20.&nbsp;Jahrhundert in St.&nbsp;Florian wirkte. Wie einst Bruckner begann er seine musikalische Laufbahn als S\u00e4ngerknabe im Stift. 1904 wurde er dort Stiftsorganist und zwei Jahre sp\u00e4ter Regens Chori, was er bis 1924 blieb. Danach wirkte er bis 1943 als Domkapellmeister in Linz. M\u00fcller war kein Sch\u00fcler Bruckners \u2013 er studierte bei Johann Evangelist Habert und Josef Venantius von W\u00f6ss \u2013, doch hatte er in seiner Jugendzeit ausgiebig Gelegenheit, diesen als Mensch und Musiker n\u00e4her kennenzulernen. So assistierte er Bruckner wiederholt bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Stimmf\u00fchrungen in dessen Partituren und h\u00f6rte ihn oft an der Orgel der Stiftskirche improvisieren. Diesen Tagen gedenkend verfasste M\u00fcller 1931 f\u00fcr die schweizerische Zeitung <em>Der Bund<\/em> den kurzen Text \u201eAnton Bruckner. Pers\u00f6nliche Erinnerungen\u201c, der zu den lebendigsten Schilderungen der Pers\u00f6nlichkeit Bruckners geh\u00f6rt. M\u00fcller komponierte vorrangig geistliche Musik, darunter sechs lateinische Messen in verschiedenen Besetzungen, ein Requiem f\u00fcr A-cappella-Chor und, als Hauptwerk, das 1924 uraufgef\u00fchrte Oratorium <em>Der heilige Augustinus<\/em>. Unter seinen Instrumentalkompositionen ragt eine D-Dur-Symphonie von Brucknerschen Ausma\u00dfen hervor. \u2013 In wie weit M\u00fcller als Symphoniker stilistisch auf Bruckners Spuren wandelt, m\u00fcsste eine Auff\u00fchrung dieses zuletzt 1960 gespielten Werkes kl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Interesse an M\u00fcller kommt nun erfreulicherweise wieder in Gang. Lange Zeit existierte nur eine einzige Monographie zu Leben und Schaffen des Komponisten, das 1970 anl\u00e4sslich seines 100. Geburtstages erschienene Buch von Joseph Mayr-Kern: <em>Franz Xaver M\u00fcller. Ein ober\u00f6sterreichischer Komponist zwischen Anton Bruckner und Johann Nepomuk David<\/em>. (David war Sch\u00fcler M\u00fcllers und sang unter seiner Leitung als St.&nbsp;Florianer S\u00e4ngerknabe.) Es enth\u00e4lt neben einer Biographie eine ausf\u00fchrliche Betrachtung der M\u00fcllerschen Messen und im Anhang Aufs\u00e4tze aus M\u00fcllers Feder, darunter die oben erw\u00e4hnten Erinnerungen an Bruckner. An die Seite dieser Ver\u00f6ffentlichung ist im vergangenen Jahr ein weiteres Buch \u00fcber M\u00fcller getreten. Herausgegeben von der Markgemeinde Dimbach, M\u00fcllers Heimatort, erschien Christoph Lettners Dokumentation: <em>Franz Xaver M\u00fcller. Priester, Musiker, Mensch<\/em>. Wichtigste Grundlage des Buches ist der private Nachlass des Komponisten, der von seinen Verwandten sorgf\u00e4ltig aufbewahrt wurde, bislang aber der Forschung unbekannt war. Christoph Lettner stellt nun erstmals dieses reiche Korpus an Dokumenten vor: Die Briefe, die M\u00fcller mit seinen Verwandten und Freunden gewechselt hat, finden ihre Erg\u00e4nzung in zahlreichen Photographien sowie zeitgen\u00f6ssischen Zeitungsberichten. Es wird dadurch nicht nur der Lebenslauf des Komponisten nahezu l\u00fcckenlos abgedeckt, auch tritt daraus Franz Xaver M\u00fcllers Charakter plastisch hervor. Wir lernen einen Menschen kennen, der sich sowohl als Musiker, als auch als Priester hingebungsvoll seinen Aufgaben widmet und stets um das Wohl seiner Mitmenschen, namentlich seiner Geschwister (die er alle \u00fcberlebt) und deren Kinder, besorgt ist, der aber auch herzlich lachen kann, eigene Theaterparodien zur Auff\u00fchrung bringt und bei Kuraufenthalten seine Mitg\u00e4ste gut zu unterhalten wei\u00df; der auf Reisen von den Schweizer Bergen und der Blauen Grotte von Capri schw\u00e4rmt, und gegen Ende seines Lebens ohnm\u00e4chtig zusehen muss, wie Linz im Zweiten Weltkrieg verheert wird; der Nachforschungen \u00fcber Bruckner betreibt und Ausk\u00fcnfte ehemaliger St.&nbsp;Florianer S\u00e4ngerknaben sammelt. Gleichsam im Vor\u00fcbergehen erhalten wir Einblick in die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse des l\u00e4ndlichen Ober\u00f6sterreich, wo der \u201eFleischhacker-Franzl\u201c als Neffe des B\u00fcrgermeisters im schwer erreichbaren Dimbach heranw\u00e4chst, wo seine Schwestern sich in ihrer Jugend als Dienerinnen bei \u00f6rtlichen \u201eHerrschaften\u201c verdingen m\u00fcssen und wo man in der Familie zum Feierabend mehrstimmig das <em>Andreas-Hofer-Lied<\/em> singt. Nat\u00fcrlich kommen auch Linz und das Stift St.&nbsp;Florian nicht zu kurz. Lettner l\u00e4sst sich als Autor nur dort ausf\u00fchrlicher vernehmen, wo Hintergrundinformationen n\u00f6tig sind, etwa zu Beginn bei der Schilderung Dimbachs und der Vorstellung der Familie M\u00fcllers. Ansonsten begn\u00fcgt er sich damit, den Rahmen zu setzen und M\u00fcller bzw. seine Zeitgenossen selbst sprechen zu lassen. Er gliedert den Stoff, der im Wesentlichen chronologisch pr\u00e4sentiert wird, in eine Vielzahl kurzer Kapitel, die meist nur eine Doppelseite umfassen und jeweils eine bestimmte private oder berufliche Situation M\u00fcllers in den Fokus r\u00fccken. Diese Form der Darstellung bewirkt, dass man sich als Leser den Personen stets sehr nahe f\u00fchlt. Man legt das Buch aus der Hand mit dem Empfinden, tief in den Brunnen der Vergangenheit eingetaucht zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Lettners Buch ist eine biographische Arbeit, keine Werkmonographie. Es m\u00f6chte mit M\u00fcllers Pers\u00f6nlichkeit und seinen Lebensumst\u00e4nden bekannt machen, wozu selbstverst\u00e4ndlich auch Erw\u00e4hnungen seiner Kompositionen geh\u00f6ren. Ausf\u00fchrliche Werkbetrachtungen enth\u00e4lt es allerdings ebenso wenig wie ein Verzeichnis der Kompositionen M\u00fcllers. Da auch bei Mayr-Kern ein solches fehlt (er beschr\u00e4nkt sich auf genaue Angaben zu den Messvertonungen), ist eine \u00dcbersicht \u00fcber s\u00e4mtliche Werke des Komponisten nach wie vor ein Desiderat der Forschung. Die Musikwissenschaft lasse sich also von Christoph Lettners sch\u00f6ner Vorarbeit dazu anregen, diese L\u00fccke alsbald zu schlie\u00dfen!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230815_195221-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230815_195221-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5840\" width=\"404\" height=\"538\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230815_195221-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230815_195221-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230815_195221-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230815_195221-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230815_195221-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 404px) 100vw, 404px\" \/><\/a><figcaption>Das Grab Franz Xaver M\u00fcllers auf dem Priesterfriedhof gegen\u00fcber der Stiftsbasilika. Schr\u00e4g dahinter sieht man in der Bildmitte das Grab des Komponisten, Stiftsorganisten und Regens Chori Augustinus Franz Kropfreiter (1936-2003).<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Kammerkonzert: Beethoven, M\u00fcller, Schubert (Varga Quartett, Florian Eggner)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Franz Xaver M\u00fcller stand im Mittelpunkt des vom Varga Quartett (Pavol Varga, Katharina Veselsk\u00e1, Peter Zwiebel und Stefanie Huber) im Marmorsaal des Stiftes dargebotenen Kammerkonzerts der Brucknertage \u2013 zumindest stand sein Quartettino in D-Dur in der Mitte der Vortragsfolge. Davor und danach h\u00f6rte man je ein Gipfelwerk der Kammermusikliteratur: Beethovens Streichquartett e-Moll op.&nbsp;59\/2 (das zweite der Rasumowskij-Quartette) und das Streichquintett C-Dur D&nbsp;956 von Franz Schubert, bei welchem Florian Eggner als zweiter Cellist zum Quartett hinzustie\u00df. M\u00fcllers Komposition bestand in dieser Nachbarschaft, wie die freundliche Blumenwiese zwischen zwei Bergriesen besteht: als anmutiger Kontrast. Der Name \u201eQuartettino\u201c ist durchaus angemessen, denn das viers\u00e4tzige Werk dauert keine zehn Minuten. Es entstand 1928 als Geschenk zur Silberhochzeit f\u00fcr den St.&nbsp;Florianer Musiklehrer Karl Aigner, der einst zu den Ausbildern des S\u00e4ngerknaben M\u00fcller geh\u00f6rt und sich f\u00fcr Bruckner als Notenkopist bet\u00e4tigt hatte. Entsprechend ist jeder Satz als Gratulationsadresse gedacht. So steht \u00fcber dem einleitenden Adagio: \u201eBruckner kommt zu gratulieren.\u201c Im Folgenden erh\u00e4lt Aigner au\u00dferdem Gl\u00fcckw\u00fcnsche f\u00fcr die weitere Lebensfahrt mittels eines ganz kurzen Allegros, den Segen des Himmels f\u00fcr seine Chordienste in Form eines choralhaften Andantes und schlie\u00dflich im fugierten Schluss-Allegro Gratulationen der fr\u00fcheren Chorregenten Ignaz Traumihler und Bernhard D\u00e4ubler, sowie aller S\u00e4ngerknaben. W\u00fcsste man nicht um M\u00fcllers enges Verh\u00e4ltnis zu Bruckner, man w\u00fcrde ein solches sofort anhand der ersten Takte des Quartettinos vermuten: Sie k\u00f6nnten tats\u00e4chlich einem Brucknerschen Adagio entnommen sein. Das gleiche l\u00e4sst sich vom ebenfalls langsamen dritten Satz sagen, einem \u00e4u\u00dferst zarten, in sich gekehrten St\u00fcck. Auch die raschen S\u00e4tze zeugen in Harmonik und Kontrapunkt von Bruckners Einfluss, ohne dass sich aber aus dessen Schaffen konkrete Vorbilder benennen lie\u00dfen. Gerade die leichtf\u00fc\u00dfige Schlussfuge belegt, dass M\u00fcller originell genug war, auf der von Bruckner \u00fcbernommenen Grundlage eigenst\u00e4ndig weiter zu schaffen. Alles in allem ein handelt es sich bei dem Quartettino um ein ungemein ansprechendes kleines Meisterwerk \u2013 und man fragt sich, was ein Komponist, der eine solche Gelegenheitsarbeit zustande bringt, in seinen Hauptwerken geleistet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Beethovensche Quartett und das Schubertsche Quintett bed\u00fcrfen keiner n\u00e4heren Vorstellung. Die Auff\u00fchrungen erinnerten daran, wie wichtig es ist, die akustischen Gegebenheiten des Auff\u00fchrungsortes zu ber\u00fccksichtigen. Ist die St.&nbsp;Florianer Stiftskirche f\u00fcr ihre hallige Akustik bekannt (und ber\u00fcchtigt), so stellt der Marmorsaal die Musiker vor nicht geringere Herausforderungen. F\u00fcr ein Streichquartett ist es hier nicht schwer, eine orchestral anmutende Klangf\u00fclle hervorzubringen. Die T\u00f6ne fluten gewichtig durch den Raum, aber sie verhallen nur langsam. Rasche Tempi k\u00f6nnen hier leicht zu rasch erscheinen, da der Nachhall die Konturen der Musik verschwimmen l\u00e4sst. Leider hat das Varga Quartett nicht genug R\u00fccksicht auf die akustischen Bedingungen dieses Raumes genommen, sodass in den raschen S\u00e4tzen des Beethoven-Quartetts viele Einzelheiten im Hall untergingen. Weniger schnelle Tempi w\u00e4ren hier von Vorteil gewesen. Schuberts Quintett erwies sich \u2013 \u00e4hnliches l\u00e4sst sich von M\u00fcllers Quartettino sagen \u2013 aufgrund seiner insgesamt gem\u00e4chlicheren Zeitma\u00dfe und des mehr fl\u00e4chigen Tonsatzes als weniger anf\u00e4llig, sodass die zweite H\u00e4lfte des Konzerts gegen\u00fcber der ersten eine Steigerung bedeutete. Auch wirkte das Ensemble nun ausgewogener als noch in der ersten Konzerth\u00e4lfte, wo der Primgeiger gegen\u00fcber seinen Mitspielern mitunter gar zu dominant auftrat, namentlich im Finale des Beethoven-Quartetts. So gelang eine sch\u00f6ne Auff\u00fchrung des Schubertschen Quintetts, die im langsamen Satz die Kontraste deutlich herausstellte und im Scherzo wie im Finale durch musikantischen Schwung bestach.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzert war dem Andenken an Thomas Wall gewidmet, den langj\u00e4hrigen Intendanten des Altomonte-Orchesters St. Florian, dessen Tod im Mai dieses Jahres eine schmerzliche L\u00fccke in das Musikleben des Stiftes riss. Wall hatte 1996 gemeinsam mit Augustinus Franz Kropfreiter das Altomonte-Orchester gegr\u00fcndet und diesem seither als Solocellist selbst angeh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>(Zur Fortsetzung siehe <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/09\/09\/brucknertage-st-florian-2024-2-ballot-dirigiert-bruckners-neunte-symphonie\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/09\/09\/brucknertage-st-florian-2024-2-ballot-dirigiert-bruckners-neunte-symphonie\/\">hier<\/a>.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, September 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts der Tatsache, dass sich 2024 der Geburtstag Anton Bruckners zum 200. Male j\u00e4hrt, nimmt es nicht Wunder, dass die Veranstaltungen im Stift St.&nbsp;Florian dieses Jahr besonders opulent ausfallen. 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