{"id":7037,"date":"2024-12-18T23:30:00","date_gmt":"2024-12-18T22:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7037"},"modified":"2024-12-19T00:44:38","modified_gmt":"2024-12-18T23:44:38","slug":"da-jesus-auf-erden-ging-felix-woyrschs-mysterium-im-wuerzburger-adventskonzert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/12\/18\/da-jesus-auf-erden-ging-felix-woyrschs-mysterium-im-wuerzburger-adventskonzert\/","title":{"rendered":"\u201eDa Jesus auf Erden ging\u201c \u2013 Felix Woyrschs Mysterium im W\u00fcrzburger Adventskonzert"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Am 7. und 8.&nbsp;Dezember erklang das Mysterium <\/em>Da Jesus auf Erden ging<em> von Felix Woyrsch durch den Monteverdichor W\u00fcrzburg und die Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Matthias Beckert in der W\u00fcrzburger Neubaukirche. Die Soli sangen Mechthild S\u00f6ffler (Sopran), Bernhard G\u00e4rtner (Tenor) und Hanno M\u00fcller-Brachmann (Bariton).<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/20241208_181626-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/20241208_181626-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7040\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/20241208_181626-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/20241208_181626-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/20241208_181626-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/20241208_181626-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/20241208_181626-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Das Innere der W\u00fcrzburger Neubaukirche<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wer Chorkonzerte liebt und Abwechslung im Spielplan sch\u00e4tzt, der ist in W\u00fcrzburg gut aufgehoben. Dem Monteverdichor und seinem Dirigenten Matthias Beckert ist es zu verdanken, dass die fr\u00e4nkische Bischofsstadt seit vielen Jahren zu den interessantesten Pflegest\u00e4tten der Chormusik in Deutschland geh\u00f6rt. Beckert ist ein echter Entdecker, der bez\u00fcglich des Repertoires seines Chores auf maximale Vielfalt setzt. So finden sich auf den Spielpl\u00e4nen mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit selten gespielte Werke der Vergangenheit, aber auch zeitgen\u00f6ssische St\u00fccke, teils als Ur- oder Erstauff\u00fchrung. Wiederholungen werden nach M\u00f6glichkeit vermieden. Ein gutes Beispiel dieser Praxis sind die Adventskonzerte des Monteverdichors, bei denen man alle Jahre wieder darauf gespannt sein darf, welche Werke diesmal auf dem Programm stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Adventskonzert von 2024, das am 7. und 8.&nbsp;Dezember in der Neubaukirche, dem Konzertsaal der W\u00fcrzburger Universit\u00e4t, gegeben wurde, l\u00e4sst sich als eine nahtlose Fortsetzung des letztj\u00e4hrigen ansehen. Damals stand neben Werken von Gabriel Piern\u00e9 und Hermann Zilcher auch das Kurzoratorium <em>Die Geburt Jesu<\/em> von Felix Woyrsch auf dem Programm (zum Bericht siehe <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/12\/14\/ein-wunderbares-adventskonzert-pierne-zilcher-und-woyrsch-in-wuerzburg\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2023\/12\/14\/ein-wunderbares-adventskonzert-pierne-zilcher-und-woyrsch-in-wuerzburg\/\">hier<\/a>). Dieses Jahr erklang nun eines der drei abendf\u00fcllenden Oratorien Woyrschs, das 1917 uraufgef\u00fchrte Mysterium <em>Da Jesus auf Erden ging<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Woyrschs <em>Jesus<\/em> geh\u00f6rt zu den nicht wenigen Oratorien des sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, deren Handlung das gesamte Leben Christi umspannt. In einem Weihnachtskonzert ist es durchaus am Platze, da das Geschehen der Heiligen Nacht gegen Anfang recht ausf\u00fchrlich abgehandelt wird. Auf einen gewaltigen Eingangschor, der mit den Worten \u201eMache dich auf, werde Licht!\u201c anhebt, folgen ein Orchesterzwischenspiel mit pastoralen Bl\u00e4sersoli, die Verk\u00fcndigung durch einen Frauenchor, ein Hirtenchor in reizvoll wechselnden Taktarten auf den Text des schlesischen Volkslieds <em>Auf dem Berge da weht der Wind<\/em>, in welchen ein Duett Marias und Josephs eingef\u00fcgt ist, eine orchestrale Bearbeitung des einstimmig gesungenen Chorals <em>Euch ist ein Kindlein heut geborn<\/em> (= <em>Vom Himmel hoch da komm ich her<\/em>) und schlie\u00dflich ein eigener vierstimmiger Choral Woyrschs auf die bekannten Worte \u201eVom Himmel hoch, ihr Englein, kommt\u201c. Jede Szene dieser Weihnachtsmusik hat ihren eigenen Klang und unterscheidet sich hinsichtlich der satztechnischen Komplexit\u00e4t von den \u00fcbrigen. Die Spanne reicht vom chorsymphonischen Tutti und strenger Fugenarbeit bis zur Einstimmigkeit. Was hier im Kleinen an Abwechslung geboten wird, wird in den folgenden Teilen des Werkes weiter ausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Woyrsch gliedert sein Oratorium in f\u00fcnf gro\u00dfe Abschnitte. Der Heiligen Nacht folgen die Seligpreisungen mit abschlie\u00dfendem Vaterunser, Christi Wandeln auf dem Meere, die Heilige Woche und der Gang nach Emmaus. Die Bezeichnung \u201eMysterium\u201c geht auf die mittelalterlichen Mysterienspiele zur\u00fcck, deren Tradition sich im Text des Werkes insofern niederschl\u00e4gt, als dass Woyrsch neben Ausz\u00fcgen aus Evangelien und Psalmen vor allem auf volkst\u00fcmliche geistliche Dichtung zur\u00fcckgegriffen hat. Am deutlichsten zeigt sich dies im vierten Teil, in welchem das Geschehen von Christi Einzug in Jerusalem bis zum Karfreitag durch einen einzigen l\u00e4ngeren Volksliedtext abgedeckt wird. Dieser ist ein Dialog zwischen Maria und Jesus, eingeleitet von einer instrumentalen Passacaglia und einem Vorspruch des Chores. Die Kreuzigung wird dabei textlich nur angedeutet (\u201eAch Mutter, liebste Mutter mein, m\u00f6g&#8216; dir der Freitag verborgen sein!\u201c), musikalisch ist sie durch abrupte Harmoniewechsel und Dissonanzen an der entsprechenden Textstelle durchaus pr\u00e4sent.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dramatischste Abschnitt des Werkes ist der Seesturm in der Mitte. Packend schildert Woyrsch die heraufziehenden Windb\u00f6en, die unruhige See und die Hilferufe der verzweifelten J\u00fcnger, bevor er das Ganze zur eigentlichen Sturmszene steigert, die rein musikalisch eine chromatische Fuge mit einem Choral als Cantus firmus ist \u2013 \u00e4hnlich wie in der verwandten Flut-Fuge in Franz Schmidts <em>Buch mit Sieben Siegeln<\/em>, mit der sie sich durchaus messen kann, wird hier gr\u00f6\u00dftes Chaos durch strengste Ordnung geschildert. Mit dem Erscheinen Christi beruhigt sich das aufgew\u00fchlte Meer und die J\u00fcnger stimmen erleichtert den Dankeschor an (\u201eDu bist wahrlich Gottes Sohn\u201c), zu dessen Begleitung die Wellen nun sanft und angenehm rauschen. Die ganze Szene ist nicht nur ein H\u00f6hepunkt in Woyrschs Oratorienschaffen, man darf sie getrost zu den hervorragendsten Momenten der chorsymphonischen Literatur des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts rechnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, <em>Da Jesus auf Erden ging<\/em> ist ein gro\u00dfes Werk, und die beiden Auff\u00fchrungen in der W\u00fcrzburger Neubaukirche lie\u00dfen keinen Zweifel daran aufkommen. Mit der Jenaer Philharmonie und dem aus hochmotivierten jungen Leuten bestehenden Monteverdichor standen Matthias Beckert ausgezeichnet disponierte Kr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung. Der Dirigent nahm sich die n\u00f6tige Zeit, \u00fcbereilte nichts, lie\u00df namentlich den fugierten Schlusschor mit der gebotenen Wucht und Feierlichkeit ausf\u00fchren, und widmete sich liebevoll der Ausgestaltung von Details. Sehr sch\u00f6n gelangen beispielsweise stets die Kadenzen der dem Chor zugedachten Abschnitte. Bernhard G\u00e4rtner (Tenor) \u00fcberzeugte in den ihm zugedachten kurzen Soli und in der Rolle des Evangelisten ebenso wie Hanno M\u00fcller-Brachmann (Bariton) als Jesus. Neben diesen beiden sehr kr\u00e4ftigen M\u00e4nnerstimmen hatte es die Sopran-Solistin Mechthild S\u00f6ffler mitunter schwer, sich zu behaupten. An Tonsch\u00f6nheit, Lyrik, Zartheit fehlt es ihr nicht, wie bei ihren Soli deutlich wurde, im Zusammenwirken mit dem Chor oder mit den anderen Solisten trat sie allerdings ein wenig zu sehr zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Abende waren sehr gut besucht und endeten mit enthusiastischem Applaus. Auf Felix Woyrschs Bedeutung als Instrumentalkomponist ist durch Einspielungen seiner symphonischen, kammermusikalischen, Klavier- und Orgelwerke in den letzten Jahren wieder st\u00e4rker hingewiesen worden. Die W\u00fcrzburger Auff\u00fchrungen waren nun ein starkes Plaidoyer daf\u00fcr, auch dem Chorsymphoniker Woyrsch wieder geb\u00fchrende Aufmerksamkeit zu schenken. M\u00f6ge Beckert darin w\u00fcrdige Nachfolger unter den Chorleitern finden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Dezember 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. und 8.&nbsp;Dezember erklang das Mysterium Da Jesus auf Erden ging von Felix Woyrsch durch den Monteverdichor W\u00fcrzburg und die Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Matthias Beckert in der W\u00fcrzburger Neubaukirche. Die Soli sangen Mechthild S\u00f6ffler (Sopran), Bernhard G\u00e4rtner (Tenor) und Hanno M\u00fcller-Brachmann (Bariton). 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