{"id":706,"date":"2016-04-15T11:39:57","date_gmt":"2016-04-15T09:39:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=706"},"modified":"2016-04-15T11:39:57","modified_gmt":"2016-04-15T09:39:57","slug":"auf-das-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/04\/15\/auf-das-leben\/","title":{"rendered":"Auf das Leben!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Solo Musica SM 235; EAN: 4 260123 642358<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-707\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0041-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. Created with a Creative Commons Licence (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/3.0\/) Rules for use: 1. When using this template, post copyright post in your project. Always link to this deviant page for copyright. Include author name and link. 2. 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Nach zwei Duettaufnahmen mit ihrem Vater Marian Migdal ist es ihr CD-Deb\u00fct als Solistin mit Orchester, es spielt das Deutsche Kammerorchester Berlin.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kraft dieser jungen talentierten K\u00fcnstlerin ist beeindruckend! Die St\u00e4rke zu besitzen, so kurze Zeit nach dem Tod ihres Vaters eine CD mit lebensbejahender, freudiger und funkelnder Musik aufzunehmen, sollte allen Mut machen, welche so eine schwierige Situation am eigenen Leib versp\u00fcrten oder noch versp\u00fcren. Marian Migdal war nicht nur ihr Vater, er war auch ihr langj\u00e4hriger Kammermusikpartner und Hauptquelle f\u00fcr ihre musikalische Entfaltung &#8211; seine Aufnahmen von bekannter wie von unbekannter Musik dienen bis heute als unbestechliche Referenz, seine Nat\u00fcrlichkeit, sein langer Atem in der Phrasierung und sein Gesp\u00fcr f\u00fcr das richtige Ma\u00df bezaubern \u00fcber seinen Tod hinweg. Und die Musik ist es, die immer \u00fcber Leben und Tod zu erz\u00e4hlen vermag, wie Liv Migdal in ihrem Booklettext schrieb, und so \u00fcbertitelte sie denn auch trefflich mit &#8222;Auf das Leben!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Le quattre stagioni des Italieners Antonio Vivaldi und das Tango-Gegenst\u00fcck Las Cuatro Estaciones Porte\u00f1as des Argentiniers Astor Piazzolla w\u00e4hlte sie f\u00fcr dieses Album mit dem Deutschen Kammerorchester Berlin; zwei Werke, die so stark verbunden sind in ihrem au\u00dfermusikalischen Bezug und dabei so grundverschieden in Stil, Instrumentenbehandlung, Aufbau und Charakter. In beiden Werken zentral ist das st\u00e4ndige Mit- und Gegeneinander, Ann\u00e4herung und Distanzierung der beiden elementaren Kr\u00e4fte, des Solisten und des Ensembles. Eben dies bildet auch den Kern der Darbietung von Liv Migdal und des Kammerorchesters Berlin, was sich alleine schon an der Abmischung zeigt, die die Sologeige nicht ungeb\u00fchrlich in den Vordergrund stellt, sondern im Einklang mit den Ensemblemusikern agieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bereits in ihren vorherigen Alben besticht Liv Migdal durch reinen, sanften und absolut &#8222;geh\u00f6rten&#8220; Ton, der sich neben makelloser technischer Perfektion auch durch musikalisch-inhaltliche Abgestimmtheit auszeichnet. Migdals Horizont reicht vom zart empfundenen Pianissimo bis zur aufbrausenden Expressivit\u00e4t, die jedoch niemals ihre F\u00fclle und Klangsch\u00f6nheit einb\u00fc\u00dft. Sie beweist eine enorme Wandelf\u00e4higkeit je nach den Forderungen der Musik, eine cham\u00e4leonhafte Flexibilit\u00e4t, und kann sich auf jede neue Situation nahtlos einstellen. Wie schon ihr Vater hat sie eine wohltuende Nat\u00fcrlichkeit sowie eine unpr\u00e4tenti\u00f6se musikalische Auffassungsgabe und versteht es, lange und intensive B\u00f6gen von fein abgestimmter Phrasierung zu gestalten. Besonders bemerkenswert ist Migdals Vibrato, welches von erlesen weiter Ausdrucksvielfalt gepr\u00e4gt ist: Ihr gelingt es, dieses Mittel spontan und entsprechend der musikalischen Sinnhaftigkeit einzubringen, oft \u00fcber gro\u00dfe Strecken \u00fcberhaupt nicht, dann wieder ganz sp\u00e4rlich, auf ausdrucksvollen T\u00f6nen st\u00e4rker, manchmal auf einen Ton erst anschwellend oder gegen Ende verklingend, immer den Gegebenheiten entsprechend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch als musikalische Leiterin des Deutschen Kammerorchesters Berlin versteht es Liv Migdal &#8211; neben der \u00fcberzeugenden solistischen Darbietung -, die Musiker zu einer ausgewogenen Linienf\u00fchrung anzuregen und dynamische Feinheiten zu erreichen. Lediglich in den Passagen, wo Migdal solistische H\u00f6henfl\u00fcge hat und das Orchester auf sich allein gestellt ist, ger\u00e4t die Begleitung tendenziell etwas fahl, vor allem in den langsamen S\u00e4tzen von Vivaldi. Doch kaum ist Liv Migdal wieder im Tutti dabei, wird die Gestaltung schon wieder lebendiger, der Klang fokussierter. Das Wechselspiel zwischen Solistin und Ensemble ist genauestens aufeinander abgeh\u00f6rt und l\u00e4sst sie auf ganz nat\u00fcrliche Weise aus dem Tuttiklang hervortreten und wieder in diesen zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Piazzolla ger\u00e4t schwungvoll und mit gro\u00dfem Elan, auch mit einer stimmigen Prise Melancholie und Vertr\u00e4umtheit. Nat\u00fcrlich hat das hier nicht den ausgelassenen Schwung und die vehemente rhythmische Pr\u00e4gnanz, welche lateinamerikanische K\u00fcnstler dem Werk angedeihen lassen k\u00f6nnen, aber dies ist auch nicht zu fordern. Beachtlich ist, wie deutlich die Bez\u00fcge und Anspielungen auf Vivaldis Werk hervortreten, von denen die meisten in zahlreichen Einspielungen im Verborgenen bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gutes, nicht zu \u00fcppiges Ma\u00df an historisierend barocker Spielweise wird Le Quattro Stagioni von Antonio Vivaldi zuteil. Es wird mit durchaus markantem Ton genommen, doch gleicherma\u00dfen lyrisch, ohne dass es je zu trocken steril oder zu romantisch vertr\u00e4umt w\u00e4re. Die in der Partitur vermerkten Programmhinweise werden ohne \u00dcberakzentuierung befolgt und zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der musikalische Stern ihres Vaters ist viel zu schnell hinter dem Horizont entschwunden, doch steigt derjenige von Liv Migdal immer weiter empor und l\u00e4sst sie zweifelsohne als eine w\u00fcrdige Nachfolgerin dieses gro\u00dfartigen Musikers, dessen Verlust zugleich ein unersetzlicher Verlust f\u00fcr die Musikwelt ist, erscheinen. Schlie\u00dfen wir uns ihrem Motto an und rufen: Auf das Leben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, April 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solo Musica SM 235; EAN: 4 260123 642358 Ein vielgespieltes Programm l\u00e4sst die Violinistin Liv Migdal auf ihrer nunmehr dritten CD-Aufnahme mit frischer Lebendigkeit erstehen: Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi (Le Quattro Stagioni Op. 8 No. 1-4) und die Einrichtung derjenigen von Astor Piazzolla (Las Cuatro Estaciones Porte\u00f1as). 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