{"id":7122,"date":"2025-01-16T23:50:00","date_gmt":"2025-01-16T22:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7122"},"modified":"2025-01-17T02:12:31","modified_gmt":"2025-01-17T01:12:31","slug":"fabian-enders-gesamtaufnahme-von-beethovens-egmont","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/01\/16\/fabian-enders-gesamtaufnahme-von-beethovens-egmont\/","title":{"rendered":"Fabian Enders&#8216; Gesamtaufnahme von Beethovens &#8222;Egmont&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Querstand, VKJK2406; EAN:4025796024067<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Egmont_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Egmont_Cover-1024x926.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7123\" width=\"472\" height=\"427\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Egmont_Cover-1024x926.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Egmont_Cover-300x271.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Egmont_Cover-768x695.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Egmont_Cover-1536x1389.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Egmont_Cover.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Die Filharmonie Brno hat unter der Leitung von Fabian Enders bei Querstand eine Gesamteinspielung von Ludwig van Beethovens Schauspielmusik op. 84 zu Johann Wolfgang von Goethes Trag\u00f6die <\/em>Egmont <em>vorgelegt. Als Sopransolistin ist Evelin Novak zu h\u00f6ren, als Rezitator der melodramatischen Abschnitte Klaus Mertens.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Von Beethovens Schauspiel-Musik zu Goethes Drama <em>Egmont<\/em> wird traditionell zwar meist nur die Ouvert\u00fcre aufgef\u00fchrt, dies jedoch umso h\u00e4ufiger \u2013 sie ist ebenso unbestrittenes Meisterwerk wie \u201eHit\u201c der klassischen Musik. \u00dcber Jahrzehnte wurde die \u00fcbrige Musik aus Beethovens Schauspielmusik zu Goethes Drama <em>Egmont<\/em> hingegen sehr stiefm\u00fctterlich behandelt. \u00d6ffentlich aufgef\u00fchrt wird das komplette Werk fast nie, eingespielt nur alle Jubeljahre einmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beethovens Geburtstagsjahr 2020 \u2013 geplant als feierliches Jubelfest und letztlich in den Wirren der Coronakrise unter seinen M\u00f6glichkeiten geblieben \u2013 \u00e4nderte sich an diesem Umstand aber einiges: Binnen kurzer Frist wurde gleich eine Hand voll <em>Egmonts<\/em> neu auf CD ver\u00f6ffentlicht, sodass es zusammen mit den historischen Aufnahmen aktuell zehn verschiedene Einspielungen am Markt gibt, unter denen man komfortabel seinen Favoriten w\u00e4hlen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dirigent Fabian Enders legt nun mit der Filharmonie Brno in Koproduktion mit dem Deutschlandfunk eine elfte Version beim Label Querstand vor \u2013 dies als Ergebnis eines Live-Mitschnitts aus der Potsdamer Friedenskirche vom 19.&nbsp;11.&nbsp;2021. Enders hat sich f\u00fcr den Einbezug von Goethe-Textrezitation entschieden, sodass im Rahmen der Gesamtspielzeit dieses Albums immerhin etwa 15 von insgesamt 54:29 min. auf den Textanteil (durch die sonore Stimme von Klaus Mertens vorgetragen) entfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei hat Fabian Enders selbst eigens eine neue Textfassung entwickelt, in der (wie er im Booklet zur vorliegenden CD schreibt) <em>\u201eeine von der Notwendigkeit des Dialogischen gel\u00f6ste Textgestaltung\u201c<\/em> erreicht werden sollte, <em>\u201edie die Szenen gleichsam als Bilder und Bezugsmomente der Musik deutlich \u2026 und Motive der Handlung im Hintergrund schl\u00fcssig sichtbar werden l\u00e4sst.\u201c<\/em> Das ist zweifellos gut gelungen, und so l\u00e4sst sich auch der Textanteil in dieser Produktion recht gut anh\u00f6ren, aber eigentlich sind wir ja wegen Beethoven hier.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist Enders Herangehensweise zun\u00e4chst \u00fcberraschend: Im Gegensatz zu vielen modernen Beethoven-Deutungen, bei denen die Rolle des Komponisten als Musik-Revolution\u00e4r gerne besonders herausgekitzelt wird, indem gern schroffe Akzente und straffe Tempi gesetzt werden, kleidet Enders das \u00fcbrigens wirklich gut disponierte m\u00e4hrische Orchester in einen samtigen Wohlklang \u2013 zumeist perfekt ausbalanciert und durchgehend klangsch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Orchester gibt es allerdings erkennbar Solisten und Instrumentengruppen, die unzweifelhaft besser sind als andere. Besondere Erw\u00e4hnung verdienen die sch\u00f6n samtigen Streicher, w\u00e4hrend die Holzbl\u00e4ser zuweilen angestrengt wirken. Die Solo-Oboe schie\u00dft dabei des \u00d6fteren \u00fcber das Ziel hinaus und st\u00f6rt die ansonsten gute Abstimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tempi sind durchweg recht bed\u00e4chtig, was nicht weiter st\u00f6rt, wenn die innere Spannung gehalten werden kann. In einigen Nummern jedoch (z.B. \u201eNo. 3, Zwischenakt II\u201c oder \u201eNo. 7 Cl\u00e4rchens Tod bezeichnend\u201c) w\u00fcrde man sich in der Tat etwas mehr Dynamik w\u00fcnschen. Alles in allem ist die Interpretation aber so stimmig, dass man sich als H\u00f6rerin oder H\u00f6rer hier in eine regelrechte Wohlf\u00fchlstimmung eingleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesangsdarbietungen lassen sich ebenfalls ganz auf diese Klangvision ein. Sopranistin Evelin Novak ist leider nicht optimal textverst\u00e4ndlich, jedoch ist das nur ein kleiner Malus, denn ihr warmes, lyrisches Klang-Timbre entsch\u00e4digt ausreichend daf\u00fcr, dass man sich den Text der Lieder im Booklet zusammensuchen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Melodram \u201eS\u00fc\u00dfer Schlaf\u2026\u201c ist ein Musterbeispiel f\u00fcr Enders\u2018 wirklich gute Auff\u00fchrungs-Leitung: In optimalem Atem koexistieren hier Rezitator und Orchester. Auch die Balance innerhalb des Orchesters ist hier ganz wunderbar. Speziell dieses St\u00fcck wirkt auff\u00e4llig gut eingeprobt. Rezitator Klaus Mertens hat zudem sichtliche Freude daran, sich in hymnischer, schwelgender Art diesem Relikt des fr\u00fchesten 19. Jahrhunderts ganz hinzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Aufnahmeklang gibt es Gutes zu berichten: Angenehm r\u00e4umlich, ohne ein \u201ezu viel\u201c an Hall. Ja, man nimmt diesem Klang den Live-Ursprung durchaus ab, w\u00e4hrend sich jedoch die Nebenger\u00e4usche, die Live-Aufnahmen manchmal mit sich bringen, auf ein Mindestma\u00df reduziert sind. Man sollte wohl noch anmerken, dass die als von Beethoven als \u201eSiegessymphonie\u201c betitelte Schlussnummer in dieser Einspielung vom Schlussapplaus des Konzert-Publikums gefolgt ist (das ohrenscheinlich sehr zufrieden war).<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a>Als Fazit l\u00e4sst sich ziehen, dass wir es hier mit einer im besten Sinne unauff\u00e4lligen <em>Egmont<\/em>-Aufnahme zu tun haben: statt \u00dcberbetonung von Extremen gibt es hier wohligen Sch\u00f6nklang und gute Orchesterleistungen \u2013 Ein Album zum \u201eAm-St\u00fcck-Durchh\u00f6ren\u201c. So etwas kann stellenweise etwas altmodisch wirken und ist gewiss nicht dazu angetan, \u201eOriginalklang\u201c-Enthusiasten zu begeistern. Eher schon haben wir es hier mit einer modernen Alternative zu der in die Jahre gekommenen Karajan-Aufnahme von 1969 zu tun. Und das ist f\u00fcr manche ja vielleicht sogar die erfreulichere Nachricht als wenn dies die neueste Einspielung im Grenzbereich der aktuellsten Str\u00f6mungen der historischen Auff\u00fchrungspraxis w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Ren\u00e9 Brinkmann, Januar 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Querstand, VKJK2406; EAN:4025796024067 Die Filharmonie Brno hat unter der Leitung von Fabian Enders bei Querstand eine Gesamteinspielung von Ludwig van Beethovens Schauspielmusik op. 84 zu Johann Wolfgang von Goethes Trag\u00f6die Egmont vorgelegt. Als Sopransolistin ist Evelin Novak zu h\u00f6ren, als Rezitator der melodramatischen Abschnitte Klaus Mertens. 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