{"id":7127,"date":"2025-01-22T23:57:00","date_gmt":"2025-01-22T22:57:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7127"},"modified":"2025-01-23T04:07:44","modified_gmt":"2025-01-23T03:07:44","slug":"franz-schmidts-150-geburtstag-bericht-von-der-jubilaeumsfeier-der-musikschule-perchtoldsdorf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/01\/22\/franz-schmidts-150-geburtstag-bericht-von-der-jubilaeumsfeier-der-musikschule-perchtoldsdorf\/","title":{"rendered":"Franz Schmidts 150. Geburtstag \u2013 Bericht von der Jubil\u00e4umsfeier der Musikschule Perchtoldsdorf"},"content":{"rendered":"\n<p>2024 ist vor\u00fcber, und damit das Jahr, in welches Franz Schmidts 150. Geburtstag fiel. Im April 2024 hatte ich ein Konzert in Perchtoldsdorf bei Wien besucht und in der Besprechung desselben angemerkt, dass, was das Gedenken an Schmidt betrifft, der Vorort der Hauptstadt den Rang abgelaufen hat. Diese Formulierung hat ihre G\u00fcltigkeit behalten. In Wien, dem Hauptwirkungsort des Komponisten, tat sich seitdem nichts, was einen Grund geliefert h\u00e4tte, an ihr etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>In der s\u00fcdwestlich an Wien angrenzenden Marktgemeinde Perchtoldsdorf, wo Schmidt seit 1926 lebte, hat man es sich dagegen nicht nehmen lassen, den Komponisten angemessen zu ehren. Nicht weniger als zw\u00f6lf Veranstaltungen hat die im Ort ans\u00e4ssige Franz Schmidt-Musikschule im vergangenen Jahr durchgef\u00fchrt. Den kr\u00f6nenden Abschluss fand die Reihe am 22.&nbsp;Dezember 2024, dem Tag, an dem sich der Geburtstag des Meisters zum 150. Male j\u00e4hrte. Die musikalisch reich ausgestattete Geburtstagsfeier im Franz Szeiler-Saal der Musikschule war eine durchaus internationale Veranstaltung, denn sie f\u00fchrte, sowohl was die Mitwirkenden, als auch was die G\u00e4ste betraf, Freunde des Schmidtschen Schaffens aus mehreren L\u00e4ndern zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Abend f\u00fchrten die Leiterin der Musikschule, Maria Jenner, und der britische Dirigent Jonathan Berman, dessen Gesamtaufnahme der Symphonien Schmidts auf diesen Seiten besprochen wurde (siehe auch das Interview mit Jonathan Berman). Auf unterhaltsame Weise verkn\u00fcpften sie, teils auf Deutsch, teils auf Englisch, die einzelnen Musikbeitr\u00e4ge, dabei immer wieder Episoden aus Schmidts Leben einflechtend. Im Publikum sa\u00dfen mehrere Nachkommen von Sch\u00fclern oder Freunden Franz Schmidts. Auch unter den Musikern fand sich mit dem Cellisten Wolfgang Panhofer der Sohn eines Schmidt-Sch\u00fclers (des Pianisten Walter Panhofer). Gemeinsam mit dem Pianisten Michael Capek spielte er sehr idiomatisch zwei der <em>Drei kleinen Fantasiest\u00fccke nach ungarischen Nationalmelodien<\/em>, die das \u00e4lteste Werk Schmidts sind, das dieser als g\u00fcltig betrachtete. Franz Schmidts einziger noch lebender Enkel, der Schauspieler August Zirner, der sich abseits von Film und B\u00fchne als Fl\u00f6tist bet\u00e4tigt, konnte leider nicht pers\u00f6nlich an der Veranstaltung teilnehmen, hatte aber im Vorfeld ein Video aufgenommen, das nun als Gru\u00df an die Anwesenden gezeigt wurde: Gemeinsam mit vier Sch\u00fclerinnen der Musikschule (Marlene Stralz, Elisabeth Stix, Anna Dockner und Nevena Vaz Gomes Bairrada) spielte Zirner das Thema des Variationssatzes aus der Zweiten Symphonie seines Gro\u00dfvaters in einer Bearbeitung f\u00fcr vier Fl\u00f6ten und Kontrabass.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmidt, der zu den besten Pianisten seiner Zeit geh\u00f6rte, f\u00fchlte sich vom Klang des Klaviers nicht zum Komponieren angeregt, hat aber auf Bestellung des einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein das Repertoire f\u00fcr die linke Hand mit konzertanten, kammermusikalischen und solistischen Meisterwerken reich bedacht. F\u00fcr Klavier zu zwei H\u00e4nden schrieb er nur ein einziges St\u00fcck: die Romanze aus dem Jahr 1922. Als Geschenk f\u00fcr seinen Trauzeugen verfasst, geriet es dem Komponisten \u201eaus den Augen, aus dem Sinn\u201c und wurde erst lange nach seinem Tod gedruckt. Der Churer Domkapellmeister Andreas Jetter, der als Organist gerade an einer Gesamteinspielung der Schmidtschen Orgelmusik arbeitet, war genau der richtige Mann darauf hinzuweisen, welche Qualit\u00e4ten in dem kurzen Werk stecken, dessen Glockenimitationen eine \u00fcberraschende Br\u00fccke zur Klangwelt Debussys schlagen. Auch der schweizerische Pianist Karl Andreas Kolly hat sich f\u00fcr Schmidt eingesetzt und eine CD aufgenommen, wozu er aufgrund des Mangels an zweih\u00e4ndigen Originalkompositionen mehrere Orgelst\u00fccke f\u00fcr Klavier \u00fcbertrug. Die St\u00e4rken des Klaviers geschickt nutzend, gab Kolly mit dem Choralvorspiel \u00fcber <em>O, wie selig seid ihr doch, ihr Frommen<\/em> aus den <em>Vier kleinen Choralvorspielen<\/em> von 1927 eine \u00fcberzeugende Kostprobe seiner Arbeit. Da der Franz Szeiler-Saal auch \u00fcber eine kleine Orgel verf\u00fcgt, konnte durch Stefan Donner, dessen wunderbare Darbietung der C-Dur-Toccata in der Perchtolsdorfer Kirche St.&nbsp;Augustin dem Verfasser dieser Zeilen noch in guter Erinnerung war, auch dieser Teil des Schmidtschen Schaffens pr\u00e4sentiert werden. Diesmal spielte Donner Pr\u00e4ludium und Fuge A-Dur von 1934.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Musikausbildung in Perchtoldsdorf in den H\u00e4nden f\u00e4higer Kr\u00e4fte liegt, davon zeugte die Auff\u00fchrung des langsamen Satzes aus dem f\u00fcr Paul Wittgenstein komponierten Klavierquintett G-Dur, zu welcher sich Robert Neumann (Violine), Thomas Kristen (Violoncello) und Michael Capek (Klavier), die als Lehrer an der Franz Schmidt-Musikschule wirken, mit der Sch\u00fclerin Mirjam \u00d6sterreicher (Viola) und Eri Ota-Melkus, Violinistin im Streichquartett Wien-Tokyo, zu einem gut miteinander harmonierenden Ensemble zusammentaten. Als eine Begabung, die zu gro\u00dfen Hoffnungen Anlass gibt, erwies sich die zw\u00f6lfj\u00e4hrige Pianistin Agnes Krenn. Sie trug ein gerade erst anl\u00e4sslich des Schmidt-Jubil\u00e4ums entstandenes Werk des \u00f6sterreichischen Komponisten Florian C. Reithner (*1984) vor. Reithner hat diesem <em>Madrigal<\/em> ein Thema Schmidts zugrunde gelegt, aber nicht verraten, um welches es sich handelt. Da er Schmidt nie w\u00f6rtlich zitiert, muss man sich beim Versuch, die Frage zu kl\u00e4ren, an Assoziationen halten. Ich habe den Eindruck, dass es sich um das Thema des Lammes aus dem <em>Buch mit sieben Siegeln<\/em> handelt. Einmal davon abgesehen ist das St\u00fcck, das stilistisch viel mehr an Olivier Messiaen als an Schmidt erinnert, eine sch\u00e4tzenswerte Arbeit eigenen Rechts und macht neugierig auf weitere Musik seines Autors.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abend, der mit dem Beginn der Ersten Symphonie in Jonathan Bermans Aufnahme eingeleitet wurde, klang mit Schmidts unverw\u00fcstlicher Zugnummer, dem Intermezzo aus der Oper <em>Notre Dame<\/em>, ebenfalls in der von Berman dirigierten Einspielung, aus. Mit diesem gelungenen Abschluss ihres Gedenkprogramms darf die Franz Schmidt-Musikschule Perchtoldsdorf getrost f\u00fcr sich einen Ehrenplatz in der Rezeption ihres Namensgebers im Jahr seines 150. Geburtstags beanspruchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Januar 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2024 ist vor\u00fcber, und damit das Jahr, in welches Franz Schmidts 150. Geburtstag fiel. Im April 2024 hatte ich ein Konzert in Perchtoldsdorf bei Wien besucht und in der Besprechung desselben angemerkt, dass, was das Gedenken an Schmidt betrifft, der Vorort der Hauptstadt den Rang abgelaufen hat. Diese Formulierung hat ihre G\u00fcltigkeit behalten. In Wien, &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/01\/22\/franz-schmidts-150-geburtstag-bericht-von-der-jubilaeumsfeier-der-musikschule-perchtoldsdorf\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Franz Schmidts 150. Geburtstag \u2013 Bericht von der Jubil\u00e4umsfeier der Musikschule Perchtoldsdorf<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[5182,5184,5192,5188,5190,5195,5181,4944,4949,5068,5185,5183,5189,5187,5196,5193,4948,5194,4945,5197,5186],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7127"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7127"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7127\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7128,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7127\/revisions\/7128"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7127"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7127"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7127"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}