{"id":7143,"date":"2025-02-16T02:24:24","date_gmt":"2025-02-16T01:24:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7143"},"modified":"2025-02-16T02:31:49","modified_gmt":"2025-02-16T01:31:49","slug":"roland-leistner-mayer-eine-wuerdigung-zu-seinem-80-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/02\/16\/roland-leistner-mayer-eine-wuerdigung-zu-seinem-80-geburtstag\/","title":{"rendered":"Roland Leistner-Mayer  &#8211; eine W\u00fcrdigung zu seinem 80. Geburtstag"},"content":{"rendered":"\n<p>Roland Leistner-Mayer, der am 20. Februar sein 80. Lebensjahr vollendet, kann mittlerweile auf ein Schaffen von 159 Opuszahlen zur\u00fcckblicken, hinter denen sich Werke unterschiedlichster Gattungen und Besetzungen, von einmin\u00fctigen Miniaturen f\u00fcr Soloinstrumente bis zur abendf\u00fcllenden Chorsymphonie, verbergen. So vielgestaltig dieses Gesamtwerk ist, eines bleibt in ihm immer konstant: die hohe Qualit\u00e4t der Kompositionen. Man kann sich ein beliebiges St\u00fcck Leistner-Mayers heraussuchen, und man wird auf ein Meisterwerk sto\u00dfen, auf eine mit echter Hingabe geschaffene Arbeit, in welcher der Komponist hinter jedem Ton steht, den er geschrieben hat. Kurz vor Eintritt in sein neuntes Lebensjahrzehnt hat Leistner-Mayer mit seinem Streichquartett Nr.&nbsp;8 aufs sch\u00f6nste best\u00e4tigt, dass er zu den sch\u00e4tzenswertesten Tondichtern unserer Zeit geh\u00f6rt. Das Werk wurde am 27. Januar 2025 durch das Sojka-Quartett Pilsen im J\u00fcdischen Gemeindezentrum Regensburg uraufgef\u00fchrt und am folgenden Tag im Sudetendeutschen Haus in M\u00fcnchen ein zweites Mal gespielt. Dort h\u00f6rte es der Komponist zum ersten Mal.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Leistner-Mayer-Kammermusik-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Leistner-Mayer-Kammermusik-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7151\" width=\"421\" height=\"406\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Leistner-Mayer-Kammermusik-1.jpg 340w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Leistner-Mayer-Kammermusik-1-300x289.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 421px) 100vw, 421px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Roland Leistner-Mayer studierte in M\u00fcnchen bei Harald Genzmer und G\u00fcnter Bialas, ohne dass einer dieser Lehrer einen nachhaltigen Einfluss auf ihn aus\u00fcbte. Eine gewisse N\u00e4he zu Bialas l\u00e4sst sich in seinem Fr\u00fchwerk wohl feststellen, doch wurde sein Kompositionsstil schlie\u00dflich durch ganz andere Eindr\u00fccke entscheidend gepr\u00e4gt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im b\u00f6hmischen Graslitz an der Grenze zu Sachsen geboren (heute Kraslice in Tschechien), hatte Leistner-Mayer die Heimat seiner Eltern bereits als Kleinkind verlassen m\u00fcssen. Tschechien wurde f\u00fcr ihn zu einem Sehnsuchtsort, den zu bereisen ihm erst als Erwachsener m\u00f6glich war. Er lernte die Musik Leo\u0161 Jan\u00e1\u010deks kennen, die ihn mit elementarer Kraft in ihren Bann zog und seitdem nicht mehr losgelassen hat. \u201eWahrheit\u201c lautet das Wort, mit dem Leistner-Mayer auf die Frage antwortet, was ihm Jan\u00e1\u010dek bedeute. Stets skeptisch gegen\u00fcber vorgefertigten Kompositionssystemen und der Idee, der Wert eines musikalischen Werkes lasse sich an seinem \u201eMaterialstand\u201c ablesen, fand Leistner-Mayer in Jan\u00e1\u010dek den k\u00fcnstlerischen R\u00fcckhalt, der ihm den endg\u00fcltigen Durchbruch zu seinem pers\u00f6nlichen Idiom erm\u00f6glichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Leistner-Mayers Musik lebt von der Einfachheit der tonalen Grundspannungen. Die Melodik basiert auf diatonischen Skalen, die aber selten reines Moll oder Dur sind und in der Regel durch modale Wendungen, h\u00e4ufig phrygische, angereichert werden. Von demonstrativer Handwerkskontrapunktik, hat Leistner-Mayer stets Abstand gehalten, dennoch ist er ein polyphon denkender Komponist, f\u00fcr den sich die Harmonik aus dem Aufeinandertreffen der Stimmen, nicht aus einem System von Akkordfunktionen, ergibt. Seine dissonanten Akkorde erhalten ihre Wucht dadurch, dass sich in ihnen lineare Bewegungen der Stimmen zum gleichzeitigen Erklingen zusammenballen. Der \u201eeingefrorene Vorhalt\u201c ist fester Bestandteil seines Stiles. An eine Haupttonart f\u00fchlt sich Leistner-Mayer h\u00e4ufig nicht gebunden. Es gibt St\u00fccke, die tonal zu ihrem Ausgangspunkt zur\u00fcckfinden \u2013 so kann die Zweite Symphonie als Werk in as-Moll, das Zweite Streichtrio als in d-Moll stehend gelten \u2013, doch meist wechselt das tonale Zentrum im Verlauf des Werkes. Diesen Prozessen hat Leistner-Mayer viel Aufmerksamkeit gewidmet und jedem seiner gro\u00dfen, zyklischen Werke diesbez\u00fcglich ein individuelles Erscheinungsbild gegeben. So wird etwa im Siebten Streichquartett eine gewisse Geschlossenheit erzielt, indem beide Ecks\u00e4tze in Fis schlie\u00dfen. Das Werk beginnt allerdings in C. Eine weitere Spezialit\u00e4t Leistner-Mayers besteht darin, Tonarten anzudeuten, ohne dass sich die Musik entscheidet. Der Kopfsatz des Zweiten Streichquartetts schwankt zwischen G und Es, wobei sich im Es-Bereich Dur und Moll mischen. Zwar wird G anfangs von Es nach wenigen Takten verdr\u00e4ngt, doch schlie\u00dft der Satz letztlich in G.<\/p>\n\n\n\n<p>Die spezifische Art der Harmonik Leistner-Mayers l\u00e4sst seine Musik einerseits fest, hart und entschlossen klingen, doch ist dem immer ein melancholischer Gegensatz beigemischt. Sehr deutlich zutage treten die zwei Seiten seines Wesens in dem Streichquartett Nr.&nbsp;6, das aus <em>Sieben untapferen Bagatellen<\/em> besteht. In diesen kurzen S\u00e4tzen m\u00fcnden kraftvolle Kl\u00e4nge regelm\u00e4\u00dfig in Zweifel und Unentschiedenheit. Hier findet sich eine k\u00fcnstlerische Gestaltung des Scheiterns, wie sie nur ein gro\u00dfer Formk\u00fcnstler unternehmen kann. Dass Leistner-Mayer im \u00dcbrigen die Kunst, ein Werk zum Ende hin energisch zu steigern, gl\u00e4nzend beherrscht, hat er in zahlreichen seiner Finals\u00e4tze eindrucksvoll bewiesen. \u00dcberhaupt ist er ein Meister des Allegros, wie sie heutzutage selten sind. Er schreibt Musik, die sich \u2013 in schnellen wie in langsamen Tempi und h\u00e4ufig unter Verwendung unregelm\u00e4\u00dfiger Metren und Rhythmen \u2013 tats\u00e4chlich bewegt und die immer eine nachvollziehbare Handlung besitzt. In diesem Sinne waltet in seinem Schaffen ein klassischer Geist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt, umfasst Leistner-Mayers Schaffen Kompositionen zahlreicher Gattungen und Besetzungen. Mit seinen Werken f\u00fcr gro\u00dfes Orchester hat der Komponist weniger Erfolg gehabt als man angesichts ihres offenkundigen Wertes glauben m\u00f6chte. Zwar existieren Rundfunkproduktionen seiner drei Symphonien, aber keines dieser Werke hat in den letzten 30 Jahren eine weitere Auff\u00fchrung erlebt. Die Dirigenten und Konzertveranstalter, die diese Zeilen hier lesen, seien deshalb ausdr\u00fccklich auf Leistner-Mayers symphonisches Schaffen aufmerksam gemacht. Die ersten beiden Symphonien sind rein instrumentale St\u00fccke von jeweils etwa 23 Minuten Spieldauer. Die Erste op.&nbsp;14 (1975) besteht aus einem gro\u00dfen Satz, in welchem deklamatorische Themen mehrfach zu heftigen Ausbr\u00fcchen gesteigert werden. Die Zweite op.&nbsp;31 (1984) ist zweis\u00e4tzig. Nach einem forsch vorandr\u00e4ngenden Kopfsatz beginnt der zweite Satz zun\u00e4chst langsam, l\u00e4sst aber dann einen lebhaften Schlussteil folgen, der die Kl\u00e4nge des ersten Satzes aufgreift. Was die Behandlung des Orchesters betrifft, zieht Leistner-Mayer den schroffen Kontrast dem geschmeidigen Mischklang vor. Die Dritte Symphonie op.&nbsp;81 (1994) kommt als Werk f\u00fcr Sopran- und Bariton-Solo, Chor und Orchester (mit einem prominenten Altsaxophon-Solo, geschrieben f\u00fcr den gro\u00dfen Saxophonisten John-Edward Kelly) einem Oratorium nahe. Auf einen Text Rudolf Mayer-Freiwaldaus komponiert, tr\u00e4gt sie den Titel <em>Das wei\u00dfe Requiem<\/em>. Die Farbe wei\u00df symbolisiert dabei die Sph\u00e4re der Seligen, mit deren Tanz \u2013 im Kontrast zum er\u00f6ffnenden schwarzen Tanz des Todes \u2013 das achts\u00e4tzige Werk nach etwa 70 Minuten schlie\u00dft. Die Vokalstimmen, die im Laufe der Handlung die Toten, die Diesseitigen, die \u00dcberirdischen, die \u00dcberlebenden und die Seligen verk\u00f6rpern, sind durchweg pr\u00e4sent, dennoch ist der Stil der Komposition, \u00e4hnlich anderen gro\u00dfen Chorsymphonien wie Schostakowitschs Dreizehnter, Petterssons Zw\u00f6lfter oder Eliassons <em>Quo Vadis<\/em>, mit denen Leistner-Mayers Werk die Gegen\u00fcberstellung nicht zu scheuen braucht, echt symphonisch. Es gibt \u00fcbrigens mit der Musik f\u00fcr Kontrabass und Orchester op.&nbsp;38 und dem Konzert f\u00fcr Fl\u00f6te, Harfe und Streichorchester op.&nbsp;137 zwei gewichtige Kompositionen Leistner-Mayers, die noch ihrer Urauff\u00fchrung harren. Welche Musiker m\u00f6chten sich die Ehre erwerben?<\/p>\n\n\n\n<p>Am st\u00e4rksten im Schaffen des Komponisten vertreten ist die Kammermusik. Die Vielfalt der Kombinationen, f\u00fcr die Leistner-Mayer geschrieben hat, ist kaum zu \u00fcberblicken. So hat er mittlerweile acht Streichquartette, drei Streichtrios, ein Nonett f\u00fcr Bl\u00e4ser und Streicher, jeweils ein Quintett f\u00fcr Klavier, Gitarre, Klarinette und Streichquartett, ein Bl\u00e4serquintett, ein Fl\u00f6tenquartett, ein Quartett f\u00fcr vier H\u00f6rner, verschiedene Trios f\u00fcr Klavier in Kombination mit Streichern und\/oder Bl\u00e4sern komponiert. Unter den Duos finden sich gro\u00dfe Sonaten f\u00fcr Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, jeweils mit Klavier. Dazu kommen unz\u00e4hlige kleinere Werke vom Solo bis zum Quartett. Eine gesonderte Gruppe stellen die bislang zehn <em>Poeme<\/em> dar, kleine Tondichtungen in freier Form f\u00fcr verschiedene Besetzungen. Mit Ausnahme von Nr.&nbsp;10, die f\u00fcr Violine, Horn und Klavier geschrieben ist, handelt es sich um Duos. Im siebten und achten dieser St\u00fccke ist das Hackbrett zu h\u00f6ren. Mit diesem Instrument verbindet Leistner-Mayer, der mit der Hackbrett-Virtuosin Heidi Ilgenfritz verheiratet ist, eine besondere Beziehung. F\u00fcr seine Frau hat er eine ganze Hackbrett-Literatur verfasst: Solost\u00fccke, Duos f\u00fcr zwei Hackbretter, Kammermusik f\u00fcr ein, zwei oder vier Hackbretter mit anderen Instrumenten, sowie ein Konzert f\u00fcr Hackbrett und Streichorchester. Jedes dieser Werke beweist, dass das Hackbrett ein vollwertiges Konzertinstrument ist, dessen klangliches Potential in hochpoetischer Musik trefflich entfaltet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Streichtrios-aus-Boehmen.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Streichtrios-aus-Boehmen-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7152\" width=\"410\" height=\"410\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Streichtrios-aus-Boehmen-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Streichtrios-aus-Boehmen-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Streichtrios-aus-Boehmen-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Streichtrios-aus-Boehmen-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Streichtrios-aus-Boehmen-1536x1536.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Streichtrios-aus-Boehmen.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Von zahlreichen kammermusikalisch oder kammerorchestral besetzten Werken Leistner-Mayers liegen CD-Aufnahmen vor, von denen die meisten beim Verlag Vogt\u00a0&amp;\u00a0Fritz erschienen sind, der auch den Gro\u00dfteil seiner Partituren ver\u00f6ffentlicht hat. Sie sind entweder vom Verlag oder beim Komponisten selbst zu beziehen. In den vergangenen Jahren hat auch TYXart drei CDs mit Kammermusik Leistner-Mayers herausgebracht. Die erste ist ganz seinem Schaffen gewidmet und enth\u00e4lt die <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/15\/authentische-melancholie\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/15\/authentische-melancholie\/\">Streichquartette Nr.\u00a05\u20137, gespielt vom Sojka-Quartett<\/a>. Die beiden anderen kombinieren jeweils eines seiner Werke mit St\u00fccken anderer Komponisten. So sind auf dem <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/08\/13\/der-wandel-als-markenzeichen\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/08\/13\/der-wandel-als-markenzeichen\/\">Album des Duos Maiss-You <\/a>(Burkhard Maiss, Violine und Viola, und Ji-Yeoun You, Klavier) neben Leistner-Mayers Sonate f\u00fcr Viola und Klavier noch Violinsonaten von B\u00e9la Bart\u00f3k (Nr.\u00a02) und Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek zu h\u00f6ren. Das Deutsche Streichtrio pr\u00e4sentiert als <em>Streichtrios aus B\u00f6hmen<\/em> Leistner-Mayers Streichtrio Nr.\u00a03 gemeinsam mit dem Trio Nr.\u00a02 von Bohuslav Martin\u016f und stellt diesen beiden modernen St\u00fccken Trios aus dem 18.\u00a0Jahrhundert von Johann Baptist Vanhal und Vaclav Pichl gegen\u00fcber. Alle drei Alben sind nicht nur dazu geeignet, den Kompositionen Leistner-Mayers, sondern auch den anderen Werken Freunde hinzuzugewinnen, und k\u00f6nnen w\u00e4rmstens empfohlen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag ist nun Leistner-Mayers j\u00fcngstes Werk in die \u00d6ffentlichkeit getreten, das Streichquartett Nr.&nbsp;8 op.&nbsp;159. Wie man aus einer Notiz des Komponisten im Programmheft der M\u00fcnchner Auff\u00fchrung vom 28.&nbsp;Januar erfahren konnte, nennt er es <em>Das Wirbelquartett<\/em>. Der Titel greift die Bemerkung eines ungenannten Komponistenkollegen auf, der meinte, im Finalsatz des Werkes w\u00fcrden die Taktarten \u201eganz sch\u00f6n durcheinander wirbeln\u201c, denn jeder Takt steht in einer anderen. Mit etwa 35 Minuten Spieldauer ist das viers\u00e4tzige Werk nicht nur das bislang umfangreichste Streichquartett Leistner-Mayers, sondern auch eines seiner ausgedehntesten zyklischen Werke \u00fcberhaupt. (Die meisten sonatenartigen St\u00fccke des Komponisten dauern zwischen 15 und 30 Minuten. Die Dritte Symphonie ist eine Ausnahme.) Der \u00e4u\u00dferen Ausdehnung entspricht das innere Gewicht des Quartetts. Der erste Satz ist ein unruhiges, nerv\u00f6s gespanntes St\u00fcck, das st\u00e4ndig zwischen langsamen und raschen Tempi hin und her wechselt. Ihm schlie\u00dft sich ein Scherzo feurig-t\u00e4nzerischen Charakters an. Der langsame Satz schl\u00e4gt in der Stimmung die Br\u00fccke zum den Kopfsatz. Ungef\u00e4hr die Mitte zwischen einer Elegie und einem Trauermarsch haltend, steigert er sich zu einem machtvollen H\u00f6hepunkt und verklingt schlie\u00dflich still. Das bereits erw\u00e4hnte \u201eWirbel\u201c-Finale bildet den Abschluss: ein energisch voran st\u00fcrmender Satz, der Leistner-Mayers F\u00e4higkeit, auch bei st\u00e4ndig wechselnden Takten die Musik in Fluss und Schwung zu halten, das beste Zeugnis ausstellt. Dem Sojka-Quartett (Martin Kos, Martin Kaplan, Tom\u00e1\u0161 Hanousek und Hana V\u00edtkov\u00e1), das in dem zuvor gespielten Beethoven-Quartett op.&nbsp;18\/4 etwas schw\u00e4chelte, namentlich im zu rasch genommenen Finale, gelang in diesem Werk eine Darbietung, die von den Qualit\u00e4ten der Komposition vollends \u00fcberzeugen konnte. Ist es vermessen zu hoffen, dass auch dieses neueste Streichquartett von Roland Leistner-Mayer bald in einer angemessenen Wiedergabe den Weg auf den Tontr\u00e4ger finden m\u00f6ge? Quartett-Ensembles, die nach guter zeitgen\u00f6ssischer Musik f\u00fcr ihre Konzerte suchen, sollten jedenfalls nicht an ihm vor\u00fcber gehen. Erschienen ist es bei edition 49, \u00fcber welchen Verlag mittlerweile auch die bei Vogt&nbsp;&amp;&nbsp;Fritz publizierten Werke zu beziehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Komponisten sei zu seinem bald anstehenden 80. Geburtstag gew\u00fcnscht, dass ihm seine kr\u00e4ftig flie\u00dfende Inspiration m\u00f6glichst lange erhalten bleibe, auf dass er der stattlichen Reihe seiner Werke noch zahlreiche Meisterst\u00fccke hinzuf\u00fcgen kann. Seine Musik, die sich nie der Mode gebeugt hat und Ausdruck einer leidenschaftlichen, empfindsamen Seele ist, wird schwerlich veralten k\u00f6nnen und \u2013 die Prognose m\u00f6chte ich wagen \u2013 in ferner Zukunft noch so frisch und unverbraucht dastehen wie heute die Musik seines Vorbilds Jan\u00e1\u010dek. Die Musiker brauchen nur hineinzugreifen in diese F\u00fclle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Februar 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roland Leistner-Mayer, der am 20. Februar sein 80. 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