{"id":7170,"date":"2025-04-18T02:07:47","date_gmt":"2025-04-18T00:07:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7170"},"modified":"2025-04-18T02:07:51","modified_gmt":"2025-04-18T00:07:51","slug":"mit-musik-wird-alles-noch-besser-gisela-hoehnes-buch-dann-mit-rambazamba","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/04\/18\/mit-musik-wird-alles-noch-besser-gisela-hoehnes-buch-dann-mit-rambazamba\/","title":{"rendered":"Mit Musik wird alles noch besser: Gisela H\u00f6hnes Buch &#8222;Dann mit RambaZamba&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Mitteldeutscher Verlag 2024; ISBN 978-3-96311-956-9<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Cover-RambaZamba.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Cover-RambaZamba.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7171\" width=\"425\" height=\"661\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Cover-RambaZamba.jpg 648w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Cover-RambaZamba-193x300.jpg 193w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Was hat eine Rezension des Theaterbuchs <em>Dann mit RambaZamba<\/em> in einem klassischen Musikmagazin zu suchen? Auf den ersten Blick eher nichts, auf den zweiten recht viel. Denn es handelt sowohl von der \u00dcberwindung von Grenzen, als auch von der Bedeutung der Musik bei der k\u00fcnstlerischen Arbeit mit seelisch, geistig oder k\u00f6rperlich eingeschr\u00e4nkten Menschen. Daf\u00fcr steht beispielhaft das Schauspielkollektiv <em>RambaZamba<\/em>, das untrennbar verbunden ist mit der Regisseurin Gisela H\u00f6hne. In ihrer k\u00fcrzlich erschienenen Autobiographie erz\u00e4hlt sie sehr pers\u00f6nlich vom \u201eTheater und Leben zwischen Tiefen und H\u00f6hen\u201c, wie der Untertitel hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Gisela H\u00f6hne wird 1949 im th\u00fcringischen Suhl geboren, w\u00e4chst in Stralsund auf und zieht 1967 nach Berlin. Hier lebt sie ihre Theaterbegeisterung aus und beginnt zun\u00e4chst ein Filmregie-Studium in Babelsberg. Damit nicht zufrieden wechselt sie an die renommierte Schauspielschule Ernst Busch, macht in Studentenproduktionen auf sich aufmerksam und tritt 1974 ein Engagement in Neustrelitz an. Doch 1976 \u00e4ndert sich ihr Leben schlagartig, als ihr erster Sohn Moritz mit dem Down-Syndrom geboren wird. Sie entscheidet sich, den Beruf hintanzustellen, um ihn intensiv betreuen zu k\u00f6nnen. In der ehemaligen DDR ist eine angemessene F\u00f6rderung begrenzt, deshalb wird Gisela H\u00f6hne selbst aktiv, k\u00e4mpft gegen Vorurteile und findet M\u00f6glichkeiten, die Entwicklung von Moritz positiv zu beeinflussen. Aber irgendwann merkt sie, wie ihr das Theater fehlt. Deshalb studiert sie, als die Kinder aus dem Gr\u00f6bsten heraus sind \u2013 1979 kommt der zweite Sohn Jacob zur Welt \u2013, Dramaturgie und Theaterwissenschaft. Parallel dazu entsteht die Idee, mit Menschen einer anderen geistigen Ordnung \u2013 wie Gisela H\u00f6hne sie nennt \u2013 k\u00fcnstlerisch zu arbeiten. Sie beginnt mit Moritz und Jugendlichen aus seinem Umfeld, kleine artistische Zirkusst\u00fccke zu erarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus entsteht 1990 die Kunstwerkstatt Sonnenuhr e.V. und 1991 das Theater RambaZamba, das Gisela H\u00f6hne zusammen mit ihrem langj\u00e4hrigen Partner, dem Regisseur Klaus Erforth entwickelt. Das Ensemble besteht aus Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, deren Potential die beiden in rund 40 Inszenierungen sensibel erwecken und dadurch ihr Selbstbewusstsein st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass dazu ein langer Weg des Probierens und Herantastens und die \u00dcberwindung von Herausforderungen multipler Art geh\u00f6ren, verschweigt Gisela H\u00f6hne nicht. Sie k\u00e4mpft um Finanzen, R\u00e4ume, Stellen und leistet \u00dcberzeugungsarbeit bei politisch Verantwortlichen. K\u00fcnstlerisch ist sie da schon l\u00e4ngst etabliert. Die ausgew\u00e4hlten St\u00fccke sind zwar anspruchsvoll \u2013, etwa Shakespeares Winterm\u00e4rchen, Medea oder Woyzeck neben Eigenkreationen \u2013 doch werden sie den darstellerischen M\u00f6glichkeiten der Truppe angepasst. Phantasie und Improvisation sind genauso Mittel wie die Einbeziehung von Musik und einer eigenen Band \u2013 auch wegen der eingeschr\u00e4nkten Artikulation mancher Mitspielenden. Nur drei Beispiele: <em>Winterreise<\/em>, eine poetische szenische Auff\u00fchrung von Schuberts Liederzyklus, arrangiert f\u00fcr Schlagwerk, Geige und Gitarre mit t\u00e4nzerischen Elementen; die freche Chanson-Revue <em>Am liebsten zu dritt<\/em> \u00fcber ein Tabuthema: dass Menschen mit Down-Syndrom m\u00f6glichst keine Kinder bekommen sollen; die eigenwillige Opernadaption <em>Orpheus ohne Echo<\/em> zu von Maria Callas gesungenen Arien.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beschreibung der Inszenierungen macht einen besonderen Reiz des Buches aus, ein anderer sind die Portr\u00e4ts einiger Mitwirkenden mit ihren St\u00e4rken, Schw\u00e4chen und Eigenarten. Gisela H\u00f6hne hat f\u00fcr ihre Idee gerungen und gewonnen. \u201eF\u00fcr mich erf\u00fcllt sich ein Traum\u201c beschreibt sie ihr Gef\u00fchl, als das RambaZamba am Anfang seines Bestehens im Deutschen Theater auftritt, dem sich sp\u00e4ter europaweite Gastspiele anschlie\u00dfen. Dank ihres unerm\u00fcdlichen Einsatzes und dem vieler guter Geister \u2013 genannt sei stellvertretend die musikalische Allroundfrau Bianca T\u00e4nzer \u2013, die mit Leib und Seele dabei sind, erreicht sie die Professionalisierung des RambaZamba. Auch daf\u00fcr erh\u00e4lt sie 2009 das Bundesverdienstkreuz. Heute verf\u00fcgt die vielfach ausgezeichnete Truppe \u00fcber feste Arbeitspl\u00e4tze, hat ihren Platz in der Berliner Kulturbrauerei gefunden und arbeitet mit Schauspiel- und Regiegr\u00f6\u00dfen zusammen. 2017 \u00fcbergibt Gisela H\u00f6hne die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Intendanz an ihren inszenierenden Sohn Jacob. <em>Dann mit RambaZamba<\/em> ist nicht nur f\u00fcr Kulturinteressierte lesenswert. Das mit zahlreichen Farbfotos angereicherte Buch bricht eine Lanze f\u00fcr gelungene Inklusion und richtet einen liebevollen Blick auf zu wenig beachtete Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Karin Coper, April 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitteldeutscher Verlag 2024; ISBN 978-3-96311-956-9 Was hat eine Rezension des Theaterbuchs Dann mit RambaZamba in einem klassischen Musikmagazin zu suchen? Auf den ersten Blick eher nichts, auf den zweiten recht viel. 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