{"id":7199,"date":"2025-05-21T10:48:00","date_gmt":"2025-05-21T08:48:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7199"},"modified":"2025-10-27T00:36:41","modified_gmt":"2025-10-26T23:36:41","slug":"fuer-franz-schmidt-auf-den-tasten-andreas-jetter-und-karl-andreas-kolly","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/05\/21\/fuer-franz-schmidt-auf-den-tasten-andreas-jetter-und-karl-andreas-kolly\/","title":{"rendered":"F\u00fcr Franz Schmidt auf den Tasten: Andreas Jetter und Karl-Andreas Kolly"},"content":{"rendered":"\n<p>Der 150. Geburtstag Franz Schmidts, der im vergangenen Jahr begangen wurde, bot den Anlass zu einer Anzahl h\u00f6chst erfreulicher CD-Ver\u00f6ffentlichungen. Neben der bereits Ende 2023 erschienenen <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/07\/27\/ein-franz-schmidt-zyklus-aus-wales-jonathan-bermans-grossartige-gesamtaufnahme-der-symphonien\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/07\/27\/ein-franz-schmidt-zyklus-aus-wales-jonathan-bermans-grossartige-gesamtaufnahme-der-symphonien\/\">Gesamteinspielung der Symphonien<\/a> durch das BBC National Orchestra of Wales unter Jonathan Berman (siehe dazu auch unser <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/11\/17\/franz-schmidt-and-his-symphonies-an-interview-with-jonathan-berman\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/11\/17\/franz-schmidt-and-his-symphonies-an-interview-with-jonathan-berman\/\">Interview mit dem Dirigenten<\/a>) und der erstmals auf CD herausgekommenen Aufnahme der Oper <em><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/12\/22\/zum-150-geburtstag-das-vokalwerk-von-franz-schmidt\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2024\/12\/22\/zum-150-geburtstag-das-vokalwerk-von-franz-schmidt\/\">Fredigundis<\/a><\/em> sind hier besonders die Leistungen zweier Musiker hervorzuheben, die sich auf den Tasten von Klavier und Orgel f\u00fcr Franz Schmidt eingesetzt haben: Andreas Jetter, der die zwei ersten Folgen seiner Gesamtaufnahme der Schmidtschen Orgelwerke vorlegte, und Karl-Andreas Kolly, der dem Komponisten ein Klavieralbum widmete.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Andreas Jetter: K\u00f6nigsfanfaren und Silberglanz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vol.&nbsp;1 <em>K\u00f6nigsfanfaren<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ambiente Audio, ACD-2047; EAN: 4029897020478<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Koenigsfanfaren.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Koenigsfanfaren-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7200\" width=\"392\" height=\"388\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Koenigsfanfaren-1024x1015.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Koenigsfanfaren-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Koenigsfanfaren-768x761.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Koenigsfanfaren-1536x1523.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Koenigsfanfaren.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Vol.&nbsp;2 <em>Silberglanz<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ambiente Audio, ACD-2049; EAN: 4029897020492<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Silberglanz.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Silberglanz-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7201\" width=\"394\" height=\"390\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Silberglanz-1024x1015.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Silberglanz-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Silberglanz-768x761.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Silberglanz-1536x1523.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Silberglanz.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Als Orgelkomponist ist Schmidt wiederholt missverstanden worden, da man ihn aufgrund seiner Kritik an bestimmten Tendenzen des damaligen Orgelbaus \u2013 er lehnte beispielsweise eine \u201e\u00dcberladung\u201c mit Registern ebenso ab wie Jalousieschweller zur Erzeugung stufenloser Crescendi und berief sich auf Silbermann als Ideal \u2013 f\u00fcr einen Parteig\u00e4nger der \u201eOrgelbewegung\u201c hielt. So hat es Organisten gegeben, die seinen Werken ein d\u00fcnnes, hartes Klangbild verliehen und beim Vortrag betont zackig artikulierten \u2013 sprich: die Musik \u201eantiromantisch\u201c auffassten. Nun steckt in Schmidt tats\u00e4chlich mehr von einem \u201ebarocken\u201c Komponisten als in vielen seiner Zeitgenossen. \u00c4u\u00dferlich schl\u00e4gt sich das bereits an seiner Vorliebe f\u00fcr Fugen nieder, zu welchen sich innerhalb der Orgelwerke verschiedene weitere Formen barocken Ursprungs \u2013 Chaconne, Toccata, Choralvorspiel \u2013 hinzugesellen. Auch l\u00e4sst sich bei ihm eine starke emotionale Ausgeglichenheit feststellen, die namentlich in seiner vorletzten Schaffensphase Ende der 1920er Jahre zu einer Musik f\u00fchrt, von der man mit Conrad Ferdinand Meyer sagen kann: Sie \u201estr\u00f6mt und ruht\u201c. Diese geistige Verwandtschaft mit der vorromantischen Musik \u2013 die er mit Zeitgenossen wie Felix Draeseke, Felix Woyrsch und Gerhard Strecke teilt \u2013 sollte aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass Schmidts Klangvorstellungen sich deutlich von den asketischen Idealen neobarocker Antiromantiker abhoben. Er selbst, der viele Jahre als Cellist bei den Wiener Philharmonikern mitspielte, sagte einmal, dass er in seinem Inneren stets symphonische Musik h\u00f6re. Und das Instrument, auf dem die meisten seiner Orgelwerke mit ausdr\u00fccklicher Billigung des Komponisten uraufgef\u00fchrt wurden, war die Rieger-Orgel des Musikvereinssaals in Wien. Es liegt also keinesfalls fern, Schmidts Orgelmusik auf Instrumenten wiederzugeben, die eine orchestral anmutende Klangf\u00fclle verbreiten. Freilich darf die Orgel kein \u201ebr\u00fcllendes Ungeheuer\u201c (Schmidt) sein, sollte auf die speziellen Forderungen, die Schmidt an seine Spieler stellt \u2013 er hat sie in verschiedenen Texten dargelegt \u2013 , R\u00fccksicht genommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas Jetter hat f\u00fcr seine Einspielungen der Orgelwerke Schmidts mit der 1927\/28 errichteten Behmann-Orgel der Kirche St.&nbsp;Martin in Dornbirn ein Instrument gew\u00e4hlt, dass man zur Wiedergabe dieser Musik als geradezu ideal bezeichnen kann. Es handelt sich um eine romantisch-symphonische Orgel, deren Disposition allerdings deutliche Einfl\u00fcsse der Els\u00e4sser Orgelreform zeigt, mit welcher Schmidts Ansichten im Bezug auf den Orgelbau im Wesentlichen \u00fcbereinstimmten. Sie gestattet einen opulenten, warmen, vielf\u00e4ltig abgestuften Klang durch trennscharf voneinander abgehobene Register, was der Darstellung der Schmidtschen Polyphonie mit ihrer mitunter komplizierten Chromatik sehr zugute kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seiner Gesamtaufnahme der Orgelkompositionen Schmidts, die bei Ambiente Audio erscheint, ist Jetter jetzt bei der H\u00e4lfte angekommen. Die beiden vorliegenden Alben <em>K\u00f6nigsfanfaren<\/em> und <em>Silberglanz<\/em> geben jeweils eine gute Vorstellung von der Vielseitigkeit des Komponisten. <em>K\u00f6nigsfanfaren<\/em> kombiniert die beiden gro\u00dfen Variationswerke, die Variationen und Fuge \u00fcber ein eigenes Thema D-Dur (\u00fcber die K\u00f6nigsfanfaren aus der Oper <em>Fredigundis<\/em>) und die Chaconne cis-Moll, mit den k\u00fcrzesten Orgelst\u00fccken Schmidts, den Vier kleinen Choralvorspielen. <em>Silberglanz<\/em> (der Titel spielt auf die Orgel des Franziskanerklosters in Pre\u00dfburg\/Bratislava an, die Schmidts Klangideal nachhaltig beeinflusste) vereint die in Ausma\u00df und Charakter sehr unterschiedlichen Pr\u00e4ludien und Fugen in Es-Dur und A-Dur mit der Toccata C-Dur und dem gro\u00dfen Choralvorspiel \u00fcber <em>Der Heiland ist erstanden<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige dieser Werke stellen bereits durch ihre gewaltige Ausdehnung immense Anspr\u00fcche an die Organisten. So sind Pr\u00e4ludium und Fuge Es-Dur mit 36 Minuten Auff\u00fchrungsdauer etwa anderthalbmal so lang wie die l\u00e4ngsten entsprechenden Werke Max Regers und knapp dreimal so lang wie diejenigen Johann Sebastian Bachs. Davon entfallen 20 Minuten auf die Fuge allein. Das Pr\u00e4ludium ist ein symphonisches Allegro, vergleichbar dem Kopfsatz von Schmidts Zweiter Symphonie. Die halbst\u00fcndige Chaconne gliedert sich in vier gro\u00dfe Abschnitte, die jeweils in einer Kirchentonart stehen (\u00e4olisch, lydisch, dorisch und ionisch), stellt also eine Art Orgelsymphonie in Variationenform dar. Der Choral <em>Der Heiland ist erstanden<\/em> wird im entsprechenden Choralvorspiel nicht nur einmal pr\u00e4sentiert, sondern erscheint in dorischem Modus, in \u201enormalem\u201c Moll, schlie\u00dflich in Dur, dabei auf verschiedene Weise kontrapunktisch bearbeitet: in asketischer Zweistimmigkeit, als Versettenfuge, in dialogischem Satz zwischen Oberstimme und Pedal, imitatorisch im Pedal unter rauschenden Figurationen der Manuale&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in diesen gro\u00df dimensionierten Kompositionen zeigt sich Jetters Meisterschaft im Umgang mit Schmidts Musik. Seine Auff\u00fchrungen entwickelt er aus den Gegebenheiten des Raumes. Er musiziert mit der Akustik der Kirche, nicht gegen sie, und erzeugt durch kluge Nutzung des Nachhalls spannungsvolle, \u201esprechende\u201c Generalpausen, welche sich besonders in der zerkl\u00fcfteten Struktur des Es-Dur-Pr\u00e4ludiums bew\u00e4hren. Mit den Besonderheiten der Harmonik Schmidts, die oft das Ergebnis des Gegeneinanders chromatischer Linien ist, ist er wohlvertraut, sodass er die gro\u00dfen Spannungsb\u00f6gen der Musik optimal nachvollziehen und gestalten kann. Hervorheben m\u00f6chte ich namentlich die introvertierten Abschnitte, wenn sich die Musik immer mehr in die Stille zur\u00fcckzuziehen scheint. Jetter nimmt seine H\u00f6rer bis in die verborgensten Winkel des Schmidtschen Kosmos mit, beh\u00e4lt aber bei allem Sinn f\u00fcr die sch\u00f6nen Einzelheiten stets die \u00dcbersicht \u00fcber das Ganze und zeigt, wie kurzweilig und vielschichtig diese monumental ausladenden Werke sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetters Kunst, den gewaltigen Gebl\u00e4seapparat einer Orgel durch geschmeidige Artikulation wirklich zum Singen bringen, ist nat\u00fcrlich dort besonders am Platze, wo ausdr\u00fccklich ein vokaler Tonfall erwartet wird, n\u00e4mlich in den Choralvorspielen, aber auch dem weihnachtlich get\u00f6nten A-Dur-Pr\u00e4ludium mit seiner pastoral wiegenden Melodik. Die C-Dur-Toccata ist unter seinen H\u00e4nden weniger ein flottes Virtuosenst\u00fcck als viel mehr ein in kraftvollen Wogen dahinflie\u00dfender, silbrig gl\u00e4nzender Klangstrom.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Karl-Andreas Kolly: Franz Schmidt. The Piano Album<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Capriccio, C5526; EAN: 845221055268<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schmidt-Kolly.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schmidt-Kolly-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7202\" width=\"401\" height=\"401\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schmidt-Kolly-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schmidt-Kolly-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schmidt-Kolly-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schmidt-Kolly-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schmidt-Kolly-1536x1536.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schmidt-Kolly.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 401px) 100vw, 401px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Mehr als drei Viertel der Spielzeit von Karl-Andreas Kollys bei Capriccio erschienener CD <em>Franz Schmidt. The Piano Album<\/em> entfallen auf Werke, die auch auf Jetters <em>K\u00f6nigsfanfaren<\/em> zu h\u00f6ren sind. Der Grund liegt schlicht und einfach darin, dass Franz Schmidt, obwohl als einer der gro\u00dfen Pianisten seiner Zeit anerkannt, nur sehr wenige Originalkompositionen f\u00fcr Klavier hinterlassen hat. F\u00fcr ihn, der von der Orgel fasziniert war und innerlich immer ein Orchester h\u00f6rte, besa\u00df der sich rasch verfl\u00fcchtigende Klavierklang wenig Reiz. Dass Schmidt \u00fcberhaupt f\u00fcr das Instrument komponierte (und das auf dem von ihm gewohnten hohen Niveau!), lag vor allem an seiner Bekanntschaft mit dem Pianisten Paul Wittgenstein, der wiederholt Werke bei ihm bestellte: zwei konzertante Kompositionen mit Orchester, drei Kammermusikwerke in Quintettbesetzung und schlie\u00dflich, kurz vor Schmidts Tod, eine Solo-Toccata, die wie ein Gru\u00df \u00fcber die Jahrhunderte hinweg an Altmeister Sweelinck klingt. Da Wittgenstein durch eine Verwundung im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren hatte, sind alle diese Werke Schmidts der linken Hand allein zugedacht. Die einzige originale Komposition, die Schmidt f\u00fcr Klavier zu zwei H\u00e4nden schrieb, ist eine viermin\u00fctige Romanze, die als privates Geschenk f\u00fcr seinen Trauzeugen zu Lebzeiten unver\u00f6ffentlicht blieb: ein kleines Juwel, das Schmidts harmonische Kunstfertigkeit auf wenigen Takten zusammenfasst und in den Glockenkl\u00e4ngen des Mittelteils den franz\u00f6sischen Impressionisten auffallend nahekommt. Aufgrund dieser in quantitativer Hinsicht mageren Ausbeute, entschied sich Karl-Andreas Kolly, der bereits Schmidts Klavierkonzerte eingespielt hat, drei Orgelwerke des Komponisten f\u00fcr Klavier zu bearbeiten, um ihm zum 150. Geburtstag ein Solo-Album widmen zu k\u00f6nnen. So wird der Gro\u00dfteil der CD von den Transkriptionen der Chaconne, der <em>Fredigundis<\/em>-Variationen und des Choralvorspiels \u00fcber <em>O, wie selig seid ihr doch, ihr Frommen<\/em> eingenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich, was Schmidt wohl dazu gesagt h\u00e4tte, h\u00e4tte er Kollys Darbietungen seiner Orgelmusik auf dem Klavier h\u00f6ren k\u00f6nnen. Meines Erachtens hat der Pianist die selbstgestellte Aufgabe gl\u00e4nzend gel\u00f6st und es geschafft, die Werke den Bedingungen des Klaviers optimal anzupassen. Namentlich die Chaconne klingt, als w\u00e4re sie nie f\u00fcr ein anderes Instrument geschrieben gewesen. Die fehlende M\u00f6glichkeit der Registrierung kompensiert Kolly mit sehr abwechslungsreicher Artikulation und feiner Abstufung der Dynamik. Das rasche Entschwinden des Klavierklangs l\u00e4sst ihn deutlich schnellere Tempi w\u00e4hlen als Andreas Jetter: Mit der Chaconne ist er in gut 23 Minuten, mit den Variationen \u00fcber die K\u00f6nigsfanfaren in knapp 20 Minuten fertig. Auf der Orgel der Dornbirner Kirche w\u00e4ren das \u00fcberhetzte Zeitma\u00dfe, f\u00fcr die Darbietung auf dem Klavier sind sie jedoch genau richtig, um den feierlichen, w\u00fcrdevollen Grundcharakter der Kompositionen hervortreten zu lassen. In der Nachzeichnung der melodischen Linien, der sorgf\u00e4ltigen Phrasierung und dem Streben, dem Tasteninstrument gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Kantabilit\u00e4t zu verleihen, \u00fcberzeugt Kolly nicht minder als Jetter, sodass es ein Vergn\u00fcgen ist, die betreffenden Werke in den Aufnahmen beider Musiker vergleichend anzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei wahre Meister sind hier f\u00fcr Franz Schmidt auf den Tasten t\u00e4tig gewesen, deren Einspielungen uneingeschr\u00e4nkt zu empfehlen sind. Im Falle Andreas Jetters darf man auf die noch ausstehenden Folgen seiner Gesamtaufnahme gespannt sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Mai 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 150. Geburtstag Franz Schmidts, der im vergangenen Jahr begangen wurde, bot den Anlass zu einer Anzahl h\u00f6chst erfreulicher CD-Ver\u00f6ffentlichungen. Neben der bereits Ende 2023 erschienenen Gesamteinspielung der Symphonien durch das BBC National Orchestra of Wales unter Jonathan Berman (siehe dazu auch unser Interview mit dem Dirigenten) und der erstmals auf CD herausgekommenen Aufnahme der &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/05\/21\/fuer-franz-schmidt-auf-den-tasten-andreas-jetter-und-karl-andreas-kolly\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">F\u00fcr Franz Schmidt auf den Tasten: Andreas Jetter und Karl-Andreas Kolly<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[5231,5184,818,4944,5185],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7199"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7199"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7199\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7399,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7199\/revisions\/7399"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}