{"id":7204,"date":"2025-05-20T20:16:59","date_gmt":"2025-05-20T18:16:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7204"},"modified":"2025-05-21T10:02:25","modified_gmt":"2025-05-21T08:02:25","slug":"verleihung-des-ernst-von-siemens-musikpreises-2025-an-sir-simon-rattle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/05\/20\/verleihung-des-ernst-von-siemens-musikpreises-2025-an-sir-simon-rattle\/","title":{"rendered":"Verleihung des Ernst von Siemens Musikpreises 2025 an Sir Simon Rattle"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Bei der Verleihung des <\/em>Ernst von Siemens Musikpreises 2025<em> an den Chefdirigenten des BRSO, <\/em>Sir Simon Rattle, <em>wurden wie \u00fcblich auch die diesj\u00e4hrigen F\u00f6rderpreistr\u00e4ger geehrt: f\u00fcr Komposition <\/em>Ashkan Behzadi, Bastien David <em>und<\/em> Kristine Tj\u00f8gersen. <em>Die Preise f\u00fcr Ensembles gingen an<\/em> collective lovemusic <em>aus Strasbourg <\/em><em>bzw.<\/em> <em>das<\/em> Tacet(i) Ensemble <em>aus Bangkok<\/em><em>. Drei St\u00fccke der Nachwuchskomponisten wurden vom <\/em>Riot Ensemble <em>unter Leitung von <\/em>Aaron Holloway-Nahum<em> vorgestellt. F\u00fcr <\/em>Arnold Sch\u00f6nbergs Kammersymphonie Nr.&nbsp;1 E-Dur op.&nbsp;9 <em>dirigierte Simon Rattle 15 Mitglieder des <\/em>BRSO.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/White-Ilona-Schmiel-Rattle-Komponisten-Zimmermann-c-EvS-Musikstiftung-Astrid-Ackermann-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"731\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/White-Ilona-Schmiel-Rattle-Komponisten-Zimmermann-c-EvS-Musikstiftung-Astrid-Ackermann-1024x731.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7205\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/White-Ilona-Schmiel-Rattle-Komponisten-Zimmermann-c-EvS-Musikstiftung-Astrid-Ackermann-1024x731.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/White-Ilona-Schmiel-Rattle-Komponisten-Zimmermann-c-EvS-Musikstiftung-Astrid-Ackermann-300x214.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/White-Ilona-Schmiel-Rattle-Komponisten-Zimmermann-c-EvS-Musikstiftung-Astrid-Ackermann-768x548.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/White-Ilona-Schmiel-Rattle-Komponisten-Zimmermann-c-EvS-Musikstiftung-Astrid-Ackermann-1536x1097.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/White-Ilona-Schmiel-Rattle-Komponisten-Zimmermann-c-EvS-Musikstiftung-Astrid-Ackermann-2048x1462.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>V.l.n.r.: Sir Willard White, Ilona Schmiel, Sir Simon Rattle, Bastien David, Tabea Zimmermann, Kristine Tj\u00f8gersen, Ashkan Behzadi \u00a9 EvS-Musikstiftung\/Astrid Ackermann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch die diesj\u00e4hrige Preisverleihung der <em>Ernst von Siemens Musikstiftung<\/em> fand im M\u00fcnchner Herkulessaal statt, erneut moderiert von <em>Annekatrin Hentschel<\/em> vom Bayerischen Rundfunk. Offensichtlich hatte man aus der f\u00fcr die Anwesenden fast unertr\u00e4glichen \u00dcberl\u00e4nge der Veranstaltung im vorigen Jahr gelernt und kam mit perfekt durchorganisierten 130 Minuten aus, so dass die G\u00e4ste beim anschlie\u00dfenden Empfang nicht schon todm\u00fcde waren. Die Vorsitzende des Stiftungsrats, <em>Tabea Zimmermann<\/em>, durfte trotzdem stolz eine noch nie dagewesene Summe von gut 4&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac eingesetzter F\u00f6rdermittel f\u00fcr diverse Projekte in mittlerweile \u00fcber 30 L\u00e4ndern verk\u00fcnden. Und sie schien ebenfalls erleichtert \u00fcber die \u2013 vorerst \u2013 abgewendete geplante GEMA-Reform mit absehbar katastrophalen Folgen f\u00fcr den Bereich der klassischen Musik. Die kurzen Portr\u00e4tfilme \u00fcber die F\u00f6rderpreistr\u00e4ger Komposition bzw. Ensemble von <em>Johannes List<\/em> konnten nach den etwas infantilen Ausrutschern nun wieder an das gewohnte Niveau von vor 2024 ankn\u00fcpfen. Sie machten Lust auf die gef\u00f6rderten Ensembles <em>collective lovemusic<\/em> aus Stra\u00dfburg bzw. <em>Tacet(i) <\/em>aus Bangkok \u2013 von Neuer Musik aus S\u00fcdostasien h\u00f6rt man bei uns ja so gut wie nie etwas \u2013 und trugen nicht unwesentlich zum Verst\u00e4ndnis der dann folgenden Live-Beitr\u00e4ge mit Musik der jungen Komponisten bei. Insgesamt hatte man sich f\u00fcr den Nachwuchs \u2013 falls diese Bezeichnung bei teils schon \u00fcber 40-j\u00e4hrigen K\u00fcnstlern \u00fcberhaupt noch angemessen ist \u2013 mehr Zeit genommen als f\u00fcr den Hauptpreistr\u00e4ger, aber zum Gl\u00fcck die Rituale der Preisverleihung etwas eingedampft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die St\u00fccke der F\u00f6rderpreistr\u00e4ger Komposition wurden vom kleinen, in den Niederlanden ans\u00e4ssigen <em>Riot Ensemble<\/em> unter Leitung von <em>Aaron Holloway-Nahum<\/em> dargeboten: Bei <em>Carnivalesque (iii)<\/em> (2014\/17) des geb\u00fcrtigen Iraners <em>Ashkan Behzadi <\/em>(*1983), der sp\u00e4ter in Montreal und New York ausgebildet wurde, wo er nun lebt und selbst an der Manhattan School of Music lehrt, durften die Musiker noch weitgehend auf zumindest halbwegs vertraute Spielweisen zur\u00fcckgreifen: unterschiedliche Texturen mit spannenden Kontrasten, kaleidoskopartig und dennoch verbunden, handwerklich kunstvoll ausgearbeitet. Nur warum die Musik kurz vor Schluss beinahe auf der Stelle trat, verstand man beim ersten H\u00f6ren \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik des Franzosen <em>Bastien David<\/em> (*1990), der u.&nbsp;a. bei <em>Jos\u00e9 Manuel L\u00f3pez L\u00f3pez<\/em> und <em>G\u00e9rard Pesson <\/em>studierte, ist hinsichtlich der Klangerzeugung dagegen v\u00f6llig kompromisslos: In <em>Six chansons laiss\u00e9es sans voix<\/em> (2020) werden stimmliche Laut\u00e4u\u00dferungen ganz ungew\u00f6hnlich auf Instrumente \u00fcbertragen: Bogen auf Holzlamellen, \u2013 allenfalls hier erkennt man Tonh\u00f6hen \u2013 Reiben eines Luftballons mit einem feuchten Schwamm, Ziehen einer Angelschnur \u00fcber eine Harfensaite etc. Dies wirkte vor allem erst einmal h\u00fcbsch perkussiv, und man f\u00fchlte sich an afrikanische Musik erinnert, aber dann vermittelte sich \u00fcber dieser Basis leider so gut wie nichts: Den Rezensenten langweilte diese erschreckend d\u00fcnne Substanz recht bald. Vor ein paar Jahren hat David ein kreisf\u00f6rmiges <em>Metallophon<\/em> mit 216 im Abstand von jeweils einem Zw\u00f6lftelton gestimmten Lamellen erfunden. Sowas ist eigentlich ebenfalls ein alter Hut: Man denke an das Instrumentarium eines Harry Partch und das in diesem Zusammenhang von Dean Drummond entwickelte <em>Zoomoozophone<\/em>\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Die Norwegerin <em>Kristine Tj\u00f8gersen <\/em>\u2013 zun\u00e4chst Klarinettistin, erst relativ sp\u00e4t in Linz bei Carola Bauckholt zur Komponistin ausgebildet \u2013 vertraut ebenfalls kaum noch traditioneller Handhabung ihres fantasiereichen Instrumentariums: So wird in ihrem preisgekr\u00f6nten Klavierkonzert keine einzige Taste gedr\u00fcckt. Sie entdeckt ihre Klangwelten und die zur Produktion n\u00f6tigen Utensilien vielmehr in der Natur, sei dies unmittelbar im Wald oder in Forschungsergebnissen von Biologen \u2013 so wie den Unterwasseraufnahmen singender Fische am Great Barrier Reef, die sie zu <em>Seafloor Dawn Chorus <\/em>(2018, rev. 2025) inspiriert haben und die sie f\u00fcr dieses St\u00fcck quasi transkribiert hat. Auch wenn dies keine simple Mimesis darstellt, beeindruckte Tj\u00f8gersens Musik durch Nat\u00fcrlichkeit, fassliche Sch\u00f6nheit und vermittelte durchaus etwas von der \u2013 hier sei der altmodische Begriff erlaubt \u2013 Erhabenheit der Sch\u00f6pfung, die es zu bewahren gilt. Der dahinterstehende Aufruf zum politischen Handeln erinnerte den Rezensenten \u2013 nicht nur wegen des Titels \u2013 an <em>Liza Lims <\/em><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/10\/06\/musica-viva-mit-coronakonformer-ensemblemusik-im-herkulessaal\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;Extinction Events and Dawn Chorus&#8220;<\/a>; tats\u00e4chlich entstand Tj\u00f8gersens Werk jedoch gleichzeitig und rief im Herkulessaal allgemeine Bewunderung hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Den diesj\u00e4hrigen Hauptpreistr\u00e4ger <em>Sir Simon Rattle <\/em>muss man an dieser Stelle sicherlich nicht mehr vorstellen. Kaum ein Dirigent hat sich schon in ganz jungen Jahren so energisch f\u00fcr die Auff\u00fchrung zeitgen\u00f6ssischer Musik eingesetzt wie er und ist mittlerweile von seinem Repertoire her derart breit aufgestellt. Und wenn man beobachtet, wie das <em>Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks<\/em> nach dem Tod Mariss Jansons\u2018 und der nachfolgenden, l\u00e4hmenden Pandemie seit seinem Amtsantritt erst vor zwei Jahren wieder zu einem der am hinrei\u00dfendsten musizierenden Klangk\u00f6rper weltweit aufgebl\u00fcht ist, ist dies allein schon Hochachtung wert, verbunden mit der Hoffnung, dass er M\u00fcnchen als Dirigent noch m\u00f6glichst lange erhalten bleiben m\u00f6ge. Die warmherzige Laudatio hielt der Bariton <em>Sir Willard White<\/em>, Rattles Weggef\u00e4hrte seit fast 45 Jahren \u2013 und mit solch wunderbarer Stimme, die als <em>Porgy <\/em>oder <em>Wotan<\/em> wohl jedermann zutiefst bewegt, geriet dessen Verneigung vor einem gro\u00dfen K\u00fcnstler umso eindringlicher und glaubw\u00fcrdiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Simon Rattle selbst wollte sich in seinen Dankesworten bewusst kurz halten und lieber musizieren, und so soll hier lediglich darauf hingewiesen werden, dass Sir Simon das Preisgeld f\u00fcr ein ins BRSO eingebettetes Ensemble mit historischen Instrumenten einsetzen m\u00f6chte \u2013 man darf gespannt sein. Zum Ausklang der Veranstaltung hatte Rattle dann Arnold Sch\u00f6nbergs <em>Kammersymphonie Nr.&nbsp;1 E-Dur op.&nbsp;9 <\/em>ausgew\u00e4hlt, ein schon historisch geradezu ideales Vorzeigest\u00fcck f\u00fcr 15 Instrumentalisten, und erw\u00e4hnte mit Respekt, dass sein anwesender Lehrer <em>John Carewe<\/em> diese schon seit 70 Jahren draufhat. Rattle leitete das Sch\u00f6nberg-St\u00fcck nat\u00fcrlich auswendig und mit feinster handwerklicher Virtuosit\u00e4t. Seine Solisten aus dem BRSO folgten dem energischen und bis ins Detail stimmigen Konzept mit Freude und Engagement, und so wurde aus einem recht komplexen, etwas sperrigen Werk ein emotional vielschichtiges und begeisterndes Erlebnis, f\u00fcr das sich der Saal mit starkem Beifall bedankte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, 19. Mai 2024]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Verleihung des Ernst von Siemens Musikpreises 2025 an den Chefdirigenten des BRSO, Sir Simon Rattle, wurden wie \u00fcblich auch die diesj\u00e4hrigen F\u00f6rderpreistr\u00e4ger geehrt: f\u00fcr Komposition Ashkan Behzadi, Bastien David und Kristine Tj\u00f8gersen. Die Preise f\u00fcr Ensembles gingen an collective lovemusic aus Strasbourg bzw. das Tacet(i) Ensemble aus Bangkok. 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