{"id":722,"date":"2016-04-21T08:59:05","date_gmt":"2016-04-21T06:59:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=722"},"modified":"2016-04-21T08:59:05","modified_gmt":"2016-04-21T06:59:05","slug":"viva-la-salsa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/04\/21\/viva-la-salsa\/","title":{"rendered":"Viva la Salsa"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Naxos 8.559817; EAN: 6 36943 98172 6<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0043.jpg\" rel=\"attachment wp-att-723\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-723\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0043-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. Created with a Creative Commons Licence (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/3.0\/) Rules for use: 1. When using this template, post copyright post in your project. 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Sopransolistin in den Liedern ist Martha Guth.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt so manche gro\u00dfartigen Komponisten, an denen man unerkl\u00e4rlicherweise jahrelang komplett vorbeigeht. Doch in gl\u00fccklichen F\u00e4llen wird man dann doch auf eines seiner Werke aufmerksam, legt eine CD ein und ist gebannt vom ersten Ton an. So erging es mir mit der Musik des 1953 geborenen Komponisten Roberto Sierra aus Puerto Rico. Der Titel der dritten Symphonie macht gespannt. &#8222;La Salsa&#8220;: Dies als Symphoniename evoziert sogleich eine Kombination aus lateinamerikanischer und europ\u00e4ischer klassischer Musik. Jeder, der einmal ein Konzert mit Musik Lateinamerikas besucht hat, kann best\u00e4tigen, wie fesselnd die Rhythmik ist, welch ein Schwung und welch unvergleichliche Atmosph\u00e4re aufkommen und wie doch jedes Land seine spezifischen Eigenheiten kann, die ganz klar zu differenzieren sind &#8211; ein Potpourri der Stile, zeitgleich divergierend und einheitlich verbunden. Die Versuche, solche Musik mit der europ\u00e4ischen Tradition zu verschmelzen, brachten bereits manch ein gro\u00dfes Meisterwerk hervor, wobei Namen wie Villa-Lobos, Ginastera, Serebrier, Hamel, Chuquisengo oder Iturriaga, Carpio oder Le\u00f3n repr\u00e4sentativ zu nennen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Name ist nun zweifelsohne in eine solche Favoritenliste aufzunehmen: Roberto Sierra. Seine Musik umf\u00e4ngt mit belebtem Schwung und t\u00e4nzerisch-leichtf\u00fc\u00dfigem Elan, die lateinamerikanischen Tanzrhythmen und Charakteristika verschmelzen auf elegante Weise mit klassischen oder barocken Formen und schaffen eine einzigartige Mixtur, in welcher die grundverschiedenen Welten in Einklang zusammenleben. Der erste Satz der Symphonie entrei\u00dft den H\u00f6rer der vertrauten Welt und schmei\u00dft ihn bereits in den ersten drei\u00dfig Sekunden in den S\u00fcden Amerikas dank seiner pr\u00e4gnanten Rhythmik und des gekonnten Einsatzes der Instrumente. Sowohl in der Symphonie als auch in den anderen Werken bel\u00e4sst Sierra es nicht bei einem einzigen Salsa-Stil, sondern mischt \u00e4ltere und neuere Rhythmen. In Borik\u00e9n herrscht zentral auch die spanische Musik und \u00fcber lange Zeit eine gewisse dissonante Reibung vor, die nach dem spektakul\u00e4ren H\u00f6hepunkt nahtlos in einen bewegten Tanz ausm\u00fcndet, dessen Thematik trotz des gro\u00dfen melodischen Ambitus lange Zeit im Kopf bleibt. Die Motivzelle von El Baile birgt zeitlos deutschen Kontext, denn hier findet sich unverkennbar die Notenfolge B-A-C-H, die wie die Chaconneform von Borik\u00e9n auf das Barockzeitalter verweist &#8211; wenngleich dies nicht wirklich auf Anhieb herauszuh\u00f6ren ist. Sierra schafft kontinuierliche Entwicklungen, einen vollkommen eigenen Stil in der Kombination der unterschiedlichsten Einfl\u00fcsse, und demonstriert eine unvergleichliche Gabe der Orchestration, die Instrumente eines klassischen Symphonieorchesters wie auch lateinamerikanische Rhythmusinstrumente einbezieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Puerto Rico Symphony Orchestra spielt makellos und klar durchh\u00f6rbar, Dirigent Maximiliano Vald\u00e9s sorgt f\u00fcr eine merkliche Strukturierung der Stimmpolyphonie und auch der Dynamik. Er achtet auf authentisch vermittelten Spannungsaufbau und l\u00e4sst die Abschnitte organisch ineinander \u00fcbergehen, ohne dass L\u00fccken entstehen. Ihm gelingt es, die grundverschiedenen Elemente der Musik einzeln ans Licht zu r\u00fccken, einander abwechseln zu lassen und doch zugleich als zu einheitlicher Wirkung zu bringen. Alle Werke entstehen somit in einer spielerischen Leichtigkeit, die den Tanzcharakter unterstreicht, die Rhythmik ist dabei penibel genau eingehalten und \u00fcbertr\u00e4gt unwiderstehlich den markanten Ausdruck der Musik. Eindrucksvoll ist die Plastizit\u00e4t, mit der alles so nat\u00fcrlich geschieht, der volle und gleichzeitig durchsichtige Klang, die schnelle Wandlungsf\u00e4higkeit zwischen Dissonanz und Tanz sowie im Bezug auf die Stimmwechsel. Teils etwas gek\u00fcnstelt wirkt der Sopran von Martha Guth mit divenhafter Opernpr\u00e4tention und statisch-monotonem Vibrato. Dennoch passt sich die Stimme erstaunlich gut in das Orchestergeschehen ein und vermag, die enormen Kr\u00e4fte zu lenken. Dabei beweist Guth frappierende Brillanz in abenteuerlichen Spr\u00fcngen und in s\u00e4mtlichen Lagen ihrer Stimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend eine restlos empfehlenswerte Einspielung aus dem Hause Naxos von einem grandiosen Komponisten, von dem hoffentlich noch mehr Musik auf CD erscheinen wird oder vielleicht sogar bald einmal im Konzertsaal zu erleben ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, April 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.559817; EAN: 6 36943 98172 6 &#8222;La Salsa&#8220; lautet der Titel der Sinfon\u00eda No. 3 von 2005 des 1953 geborenen Roberto Sierra. 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