{"id":7243,"date":"2025-07-13T23:33:00","date_gmt":"2025-07-13T21:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7243"},"modified":"2025-07-28T01:26:35","modified_gmt":"2025-07-27T23:26:35","slug":"richard-strauss-tage-2025-1-blaesermusik-und-liebeslieder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/07\/13\/richard-strauss-tage-2025-1-blaesermusik-und-liebeslieder\/","title":{"rendered":"Richard-Strauss-Tage 2025 [1]: Bl\u00e4sermusik und Liebeslieder"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie in den vergangenen Jahren boten die Richard-Strauss-Tage in Garmisch-Partenkirchen auch 2025 ein Programm, das man ob seiner Reichhaltigkeit nur loben kann. Verschiedene Schwerpunkte lie\u00dfen sich erkennen. So fiel auf, dass der Gro\u00dfteil der dargebotenen Werke von Richard Strauss entweder seiner fr\u00fchesten oder seiner sp\u00e4testen Schaffensperiode angeh\u00f6rte. Bl\u00e4sermusik war auffallend pr\u00e4sent, wobei die beiden Sonatinen f\u00fcr 16 Bl\u00e4ser, die Strauss in den 1940er Jahren komponierte (und die ihrem Diminutivtitel zum Trotz ziemlich umfangreiche Werke sind), in einen gr\u00f6\u00dferen musikgeschichtlichen Kontext gestellt wurden. Das zweite Symphoniekonzert stand ganz im Zeichen Italiens, dem auch in einem Liederabend und einer musikalischen Lesung ausgiebig gehuldigt wurde. Au\u00dferdem wurden in zwei Kammerkonzerten Werke des Komponisten Franz Mikorey (1873\u20131947) zu neuem Leben erweckt, der zur gleichen Zeit wie Strauss in Garmisch-Partenkirchen wohnte. Der Verfasser dieser Zeilen h\u00e4tte gern diesen beiden Konzerten, wie auch anderen Veranstaltungen in der ersten H\u00e4lfte des einw\u00f6chigen Musikfestes, beigewohnt, musste sich aus terminlichen Gr\u00fcnden aber auf die folgenden Konzerte vom 26. bis 28.&nbsp;Juni beschr\u00e4nken:<\/p>\n\n\n\n<p><em>26. Juni: Kammerkonzert III (Werke von Richard Strauss und Richard Wagner), Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr, Major Rudolf Piehlmayer<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>27. Juni: Liederabend (Werke von Richard Strauss und Hugo Wolf), Chelsea Zurfl\u00fch (Sopran), Gerrit Illenberger (Bariton), Gerold Huber (Klavier)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>28. Juni: Sinfoniekonzert II (Werke von Richard Strauss und Felix Mendelssohn Bartholdy), Joo-Anne Bitter (Sopran), M\u00fcnchner Rundfunkorchester, R\u00e9my Ballot<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Auftritt des Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr war als \u201eKammerkonzert\u201c ausgewiesen, da als Hauptwerk des Abends Straussens Bl\u00e4sersonatine Nr.&nbsp;2, die <em>Fr\u00f6hliche Werkstatt<\/em>, fungierte. Auch der anschlie\u00dfende <em>Feierliche Einzug der Ritter des Johanniter-Ordens<\/em> ist nicht f\u00fcr volles Blasorchester, sondern nur f\u00fcr Blechbl\u00e4ser und Pauken geschrieben. Bei den \u00fcbrigen St\u00fccken jedoch war das Musikkorps in seiner vollen Besetzung zu h\u00f6ren. Zu Beginn erklang der Festmarsch C-Dur, den Strauss 1888 f\u00fcr das M\u00fcnchner Orchester Wilde Gungl komponierte, in einer Bearbeitung von Gottfried Veit. Am Ende des Programms standen der <em>Einzug der G\u00e4ste<\/em> aus Richard Wagners <em>Tannh\u00e4user<\/em>, bearbeitet von Stephan Ametsbichler, und <em>Gestatten Strauss<\/em>, ein Werk des Garmisch-Partenkirchener Komponisten Friedrich Szepansky. Man fragt sich, was Richard Strauss, der bekanntlich ein Gegner von Potpourri-Arrangements war, zu letzterem St\u00fcck gesagt h\u00e4tte. Es handelt sich n\u00e4mlich um ein Potpourri, das sich aus Ausz\u00fcgen verschiedener Straussscher Kompositionen zusammensetzt, wobei der Bearbeiter eine Meisterschaft besonderer Art an den Tag legte: Szepansky hat keinen Takt eigener Musik hinzugef\u00fcgt, sondern die Strauss-Exzerpte so ausgew\u00e4hlt, dass keines mit dem anderen in Konflikt ger\u00e4t \u2013 angesichts des weiten Atems, der die originalen Kompositionen pr\u00e4gt, kein leichtes Unterfangen. Das Potpourri hebt an mit der Einleitung aus <em>Also sprach Zarathustra<\/em>, f\u00fchrt dann mittels des \u201eAnstiegs\u201c aus der <em>Alpensinfonie<\/em> zum Hauptthema des <em>Don Juan<\/em>, dem sich (stark gek\u00fcrzt) weitere Abschnitte des gleichen Werkes anschlie\u00dfen, und m\u00fcndet in den Marsch aus <em>Schlagobers<\/em>, dessen klopfende Anfangstakte direkt aus den Schlusstakten des <em>Don Juan<\/em> hervorgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiedergabe der Werke rief mir die Erinnerung an Berichte aus dem 19.&nbsp;Jahrhundert wach, als die Dirigenten der st\u00e4dtischen Musikvereine h\u00e4ufig die \u00f6rtlichen Milit\u00e4rkapellen zu Konzerten heranzogen, weil man von diesen Ensembles \u00fcberdurchschnittliche Leistungen erwarten konnte. Das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr zeigte, dass Erwartungen dieser Art auch heute ihre Berechtigung haben. Mit Major Rudolf Piehlmayer verf\u00fcgt es \u00fcber einen feinsinnigen Dirigenten, der sich in den individuellen Charakter der jeweiligen Werke einzuf\u00fchlen wei\u00df, sodass bei einem vielseitigen Programm, wie es an diesem Abend geboten wurde, Abwechslung garantiert ist. Die anmutigen, oft verwinkelten polyphonen Spiele der <em>Fr\u00f6hlichen Werkstatt<\/em> waren bei ihm in ebenso guten H\u00e4nden wie die monumentale Schlichtheit des sich in weiten B\u00f6gen entfaltenden <em>Johanniter-Einzugs<\/em>. Er scheute sich durchaus nicht, seinen Musikern in der sehr effektvoll mit auf der Empore aufgestellten Fernfanfaren dargebotenen <em>Tannh\u00e4user<\/em>-Festmusik eine gewisse Schmissigkeit zu entlocken, doch vermied er sorgsam jeden Eindruck undifferenzierten L\u00e4rmens. Die Disziplin des Orchesters, das zum gr\u00f6\u00dften Teil aus Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen, aber auch einer Anzahl Zivilisten besteht, wurde gleich im er\u00f6ffnenden Straussschen Festmarsch deutlich, der dynamisch fein abgestuft dargeboten wurde. Erst in den letzten Takten, wo es sehr wohl am Platze war, gestatte man sich als markante Schlussgeste ein donnerndes \u201eTschingbumm\u201c. Nachdem mit den <em>Schlagobers<\/em>-Kl\u00e4ngen das offizielle Programm zu Ende war, boten die Musiker als Zugabe eines ihrer Paradest\u00fccke, den <em>Kaisermarsch<\/em>. Als das Trio erreicht war, drehte sich der Dirigent zum Publikum, dirigierte mit \u00fcber dem Kopf gehaltenen Taktstock weiter und sang gemeinsam mit der Mehrzahl des Orchesters, nur noch vom tiefen Blech begleitet, die Liedmelodie, wodurch deutlich wurde, dass das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr auch als Chor zu \u00fcberzeugen versteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tag darauf gaben die Sopranistin Chelsea Zurfl\u00fch und der Bariton Gerrit Illenberger gemeinsam mit dem Pianisten Gerold Huber einen Strauss-Wolf-Liederabend. Dichterisch zusammengehalten wurde das Programm durch das Thema der Liebe, das sich durch s\u00e4mtliche vorgetragene Ges\u00e4nge zog. Die Lieder waren dabei geschickt angeordnet: Traten die Gesangsolisten in den 13 Strauss-Liedern der ersten Programmh\u00e4lfte noch als gew\u00f6hnliche Vortragende getrennt voneinander auf, standen sie in der zweiten H\u00e4lfte gemeinsam auf der B\u00fchne, um durch abwechselnden Vortrag von 18 Liedern aus Hugo Wolfs<em> Italienischem Liederbuch<\/em> in die Rollen eines Liebespaares zu schl\u00fcpfen. Der Strauss- und der Wolf-Teil waren also wie Vorspiel und Haupthandlung aufeinander bezogen. In den Strauss-Liedern stellten sich Chelsea Zurfl\u00fch und Gerrit Illenberger jeweils mit einem Block von mehreren Ges\u00e4ngen vor. Illenberger \u2013 ein S\u00e4nger mit einer ebenm\u00e4\u00dfig ausgebildeten Stimme, die auch in h\u00f6heren Lagen ihre baritonale F\u00e4rbung nicht einb\u00fc\u00dft \u2013 wirkte dabei zun\u00e4chst pr\u00e4senter, weil ihm mit Liedern wie <em>Ich trage meine Minne<\/em> op.&nbsp;32\/1 und <em>Ach weh, mir ungl\u00fccklichem Mann<\/em> op.&nbsp;21\/4 schlicht die zugkr\u00e4ftigeren St\u00fccke zugeteilt waren, die die f\u00fcr Straussens Verh\u00e4ltnisse auffallend dezenten <em>M\u00e4dchenblumen<\/em> op.&nbsp;22, mit denen Zurfl\u00fch den Abend er\u00f6ffnet hatte, in den Schatten stellten. Im Gesamtzusammenhang jedoch erschien dieser Beginn letztlich sinnvoll, als sanfte Vorbereitung zu den viel leidenschaftlicheren, hocherotischen Brentano-Liedern aus op.&nbsp;68, die die Sopranistin am Ende des ersten Teiles sang. Mit h\u00f6rbarer Freude st\u00fcrzte sie sich in die Koloraturen des abschlie\u00dfenden <em>Amor<\/em> und verlieh dem Lied einen sirenenhaft lockenden Tonfall.<\/p>\n\n\n\n<p>Hatte sich bereits im ersten Teil sowohl bei Zurfl\u00fch, als auch bei Illenberger eine deutliche Begabung zur Textausdeutung namentlich dort gezeigt, wo sie in erz\u00e4hlenden Liedern w\u00f6rtliche Rede handelnder Personen wiederzugeben hatten, so verst\u00e4rkte sich das mimische Element im zweiten Teil deutlich. Die Auswahl aus Wolfs <em>Italienischem Liederbuch<\/em> war so zusammengestellt worden, dass jeweils ein Frauenlied und ein M\u00e4nnerlied einander abwechselten und sich eine Liebesgeschichte in Dialogform ergab. Der das Liederbuch durchziehende humoristische Grundton lie\u00df die gestischen Interaktionen zwischen Sopran und Bariton, die teils st\u00e4rker, teils dezenter, aber immer im Einklang mit der Stimmung der jeweiligen Lieder ausfielen, durchaus nicht fehl am Platze erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zurfl\u00fch und Illenberger konnten sich in jedem Moment des Abends auf ihren Klavierbegleiter Gerold Huber verlassen, der es verstand, zur Grundierung des Gesangs stets die richtige Atmosph\u00e4re zu schaffen. Huber ist ein grandioser musikalischer Kurzgeschichtenerz\u00e4hler. Hellwach wechselt er den Tonfall, wie es die jeweilige Situation erfordert, ohne den \u00dcberblick \u00fcber das Geschehen zu verliehen. Als besonders sch\u00f6nes Beispiel seiner Kunst sei das \u201eViolin\u201c-Nachspiel im Wolf-Lied Nr.&nbsp;XI genannt, in dem er karikierende Akzente und Tempoverz\u00f6gerungen anbrachte, bevor er in den letzten T\u00f6nen, gleichsam von der Rollenfigur zur\u00fcck zur Erz\u00e4hlerperspektive wechselnd, wieder in den zur\u00fcckhaltenden Grundduktus des Liedes einbog und damit den Vorhang der kleinen Szene schloss.<\/p>\n\n\n\n<p>(Zur Fortsetzung siehe <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/07\/27\/richard-strauss-tage-2025-2-symphonische-italienreisen-von-mendelssohn-und-strauss\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/07\/27\/richard-strauss-tage-2025-2-symphonische-italienreisen-von-mendelssohn-und-strauss\/\">hier<\/a>.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Juli 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie in den vergangenen Jahren boten die Richard-Strauss-Tage in Garmisch-Partenkirchen auch 2025 ein Programm, das man ob seiner Reichhaltigkeit nur loben kann. 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