{"id":7269,"date":"2025-08-12T22:16:20","date_gmt":"2025-08-12T20:16:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7269"},"modified":"2025-08-12T22:55:38","modified_gmt":"2025-08-12T20:55:38","slug":"klavierfestival-husum-2025-beginnt-am-16-august-interview-mit-dem-kuenstlerischen-leiter-peter-froundjian","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/08\/12\/klavierfestival-husum-2025-beginnt-am-16-august-interview-mit-dem-kuenstlerischen-leiter-peter-froundjian\/","title":{"rendered":"Klavierfestival Husum 2025 beginnt am 16. August \u2013 Interview mit dem k\u00fcnstlerischen Leiter, Peter Froundjian"},"content":{"rendered":"\n<p>Vom 16. bis 23. August findet im Schloss vor Husum wieder das Festival <em>Rarit\u00e4ten der<\/em> <em>Klaviermusik <\/em>statt: Jeden Tag ein Klavierabend (jeweils um 19:00 Uhr) plus eine Matinee am Sonntag, 17.\u00a08. um 11 Uhr. Die allj\u00e4hrliche Konzertreihe \u2013 ausgefallen nur im Corona-Jahr 2020, und nachgeholt in Form eines kleinen zus\u00e4tzlichen Drei-Tage-Festivals im Jahr 2022 \u2013 ist schon bald nach ihren Anf\u00e4ngen 1987 vom Geheimtipp zu einem festen Event der internationalen Klavierszene aufgestiegen. Dies mit ganz einmaligen Programmen und der Chance, nicht nur f\u00fcr junge Pianisten, auch eigene Entdeckungen und W\u00fcnsche jenseits des Mainstreams aufs Podium zu bringen. Dieses Jahr sind eingeladen: <em>Saskia Giorgini, Daniel<\/em> <em>Grimwood, Roland P\u00f6ntinen, Herbert Schuch, Aline Piboule, Mark Viner, Illia Ovcharenko<\/em> und <em>Chiyan Wong<\/em> sowie f\u00fcr die Matin\u00e9e zum 10. Todestag des britischen Komponisten Ronald Stevenson dessen ehemaliger Sch\u00fcler <em>Kenneth Hamilton<\/em>. <em>The New Listener <\/em>nutzte die Gelegenheit f\u00fcr ein Interview von Martin Blaumeiser (TNL) mit dem Gr\u00fcnder und k\u00fcnstlerischen Leiter des Festivals, <em>Peter Froundjian<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Schloss-vor-Husum-\u00a9-Nicolai-Froundjian.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Schloss-vor-Husum-\u00a9-Nicolai-Froundjian.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7270\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Schloss-vor-Husum-\u00a9-Nicolai-Froundjian.jpg 640w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Schloss-vor-Husum-\u00a9-Nicolai-Froundjian-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption>Schloss vor Husum &#8211; \u00a9 Nicolai Froundjian<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> Wie sind Sie eigentlich seinerzeit auf Husum gekommen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eJa, das war so, dass ich mich auf eine feste Stelle als Klavierdozent an der Musikschule, die f\u00fcr den ganzen Kreis zust\u00e4ndig und auch im Schloss angesiedelt ist, beworben hatte. Als ich dann die Location mit dem sch\u00f6nen Rittersaal gesehen habe, \u2013 ich kannte den Ort ja zuvor nur vom Namen \u2013 hat es f\u00fcr mich irgendwie sofort Klick gemacht. Denn es gab da etwas, was ich eigentlich durch meine Neugier, vieles kennenzulernen, schon w\u00e4hrend meines Studiums als geb\u00fcrtiger Berliner im dortigen Musikleben immer schmerzlich vermisst hatte.<br \/>Die Veranstalter trauen sich nicht, einen Namen wie Szymanowski oder Medtner und Alkan aufs Programm zu setzen. Mir hat mal einer gesagt: Egal, ob das Konzert sonst Bach, Mozart oder Chopin enth\u00e4lt \u2013 wenn da Szymanowski steht, kommen gleich 100 Leute weniger.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> Das ist leider tats\u00e4chlich so, selbst oder gerade in gro\u00dfen St\u00e4dten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eDass es sich so verh\u00e4lt, ist eben sehr horizontverengend. Ich sah es in Ank\u00fcndigungen, dass in einer Woche z.&nbsp;B. zwei-, dreimal die b-Moll-Sonate von Chopin in einem Klavierabend auf dem Programm stand usw. All diese Dinge hatte ich im Hinterkopf. Und da habe ich mir vorgestellt: Also in diesem Saal, der weder zu gro\u00df noch zu klein ist, k\u00f6nnte man etwas arrangieren. Daher habe ich auch die Stelle angenommen und bin gependelt. Nach zwei Jahren habe ich dann die M\u00f6glichkeit bekommen, bei der Kulturabteilung des Kreises Nordfriesland mein Konzept vorzulegen, das eigentlich bis heute unver\u00e4ndert ist: mit acht Konzerten und einer Matinee. Das war ein Gl\u00fccksfall, weil an so einen Ort die Mehrzahl der Besucher von au\u00dferhalb kommt. Die Leute, die Augen haben, um zu sehen, was da pr\u00e4sentiert wird, kommen aus London, New York oder was wei\u00df ich, weil sie dort auch nicht bekommen, was in diesem Festival geboten wird. Das hei\u00dft, man konnte nicht nur ein, zwei Konzerte veranstalten, man musste es geradezu zu einem Festival \u2013 keinem gro\u00dfen \u2013 schn\u00fcren, damit es sich lohnt, anzureisen. Und dies hat sich als richtig erwiesen.<br \/>1987 \u00fcberschnitt sich das noch mit dem Schleswig-Holstein Musikfestival, aber davon habe ich mich nicht anfechten lassen und gesagt: Mein Konzept ist g\u00e4nzlich anders. Das ist speziell und das bleibt so, wie ich mir das vorgestellt habe. Und weil es beim ersten Mal schon gut ankam, da haben die mir beim Kreis Nordfriesland gesagt: Gut, dann machen Sie es nochmal weiter, und beim dritten Mal, 1989, war so eine Art Durchbruch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> Da kamen <em>Marc-Andr\u00e9 Hamelin<\/em> und andere mit Alkan?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eGenau, <em>Ronald Smith<\/em> mit Alkan, <em>Hamish Milne<\/em>, <em>Jean-Marc Luisada<\/em> und verschiedene Leute. So hat sich das etabliert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL: <\/strong>Welche Rolle spielt bei der Finanzierung denn heute die Stiftung Nordfriesland, die Stadt selber oder auch der F\u00f6rderverein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eAlso das ruht auf dem Kreis Nordfriesland. Die Stiftung Nordfriesland geh\u00f6rt zum Kreis und sie ist der Veranstalter. Die stehen daf\u00fcr gerade und geben nat\u00fcrlich auch den gr\u00f6\u00dften Betrag. Von der Stadt Husum kommt ein eher bescheidener Zuschuss und der F\u00f6rderverein tritt ein, wenn zum Beispiel unser Steinway D-Fl\u00fcgel, der immer wieder aus Berlin transportiert wird, kommt, was jedes Jahr mehr kostet. Es gibt immer kleine Neuigkeiten, kleine \u00c4nderungen, aber im Gro\u00dfen und Ganzen l\u00e4uft es so; daf\u00fcr steht dann der F\u00f6rderverein auch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> Ich missbillige den Begriff der sogenannten Kleinmeister, der lange selbst in der Musikwissenschaft verwendet wurde. F\u00fcrchterlich, was sind Kleinmeister? Oder umgekehrt, was ist \u2013 um es mit Marcel Reich-Ranicki zu formulieren \u2013 \u201eweltbedeutend\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian: <\/strong>\u201eIch finde, man muss erstmal genug kennen, um dann seine eigene Wahl zu treffen. Selbst viele unter den Klugen plappern ja einfach alles nach. Es ist ja keine Kunst, zu sagen, dass die drei letzten Beethoven-Sonaten weltbedeutend sind. Da kann ich mich daran h\u00e4ngen und das \u00fcber viele Generationen wiederholen. Bei diesen massenhaften Klavierwettbewerben gibt es ja immer einen Sieger oder einen ersten Preistr\u00e4ger. Ich muss immer ein bisschen den Kopf sch\u00fctteln, wenn ich von dem dann wieder h\u00f6re: Ach, ich freue mich jetzt sehr, s\u00e4mtliche Beethoven-Sonaten aufzunehmen. Oder dies und das, was wir schon in x-facher Ausf\u00fchrung haben, sogar von un\u00fcbertroffenen K\u00fcnstlern. Wenn sich das Musikleben darin ersch\u00f6pfen soll, wird es nicht gut ausgehen, dann wird\u2019s wirklich museal. Ich m\u00f6chte, dass man zeigt, was alles in der Musik m\u00f6glich ist und m\u00f6glich war, gerade auch auf dem Klavier. Das ist wie ein Mikrokosmos: Das Klavier ist ja ein Miniaturorchester und deswegen gibt es auch so viel Literatur. Aber die muss erstmal in einer geh\u00f6rigen Breite gespielt und erkannt werden. Deswegen ist so ein Festival richtig. Ich r\u00fchre an keine Saison in den gro\u00dfen Musikzentren. Das Festival ist extra, eben im Sommer, und pr\u00e4sentiert etwas, was es im sonstigen Musikleben kaum gibt. Der Sinn ist nicht, um aus touristischen Gr\u00fcnden irgendetwas f\u00fcr diese oder jene Region auf die Beine zu stellen. Kommunalpolitiker verstehen nicht, wof\u00fcr das Festival steht. F\u00fcr sie ist einzig und allein entscheidend, ob es erfolgreich ist: Es kommen tats\u00e4chlich Viele; es ist ausverkauft. Na gut, dann k\u00f6nnen wir es weitermachen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL: <\/strong>Sie haben ein gutes H\u00e4ndchen f\u00fcr junge Pianisten und Pianisten, die ins Konzept des Festivals passen und an ausgefallenen Sachen einigerma\u00dfen interessiert sind. Wie treten Sie mit ihren Vorstellungen an die heran?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eIch lasse mir nat\u00fcrlich Programmvorschl\u00e4ge zukommen und dann redigiere ich manchmal da drin und sage: Dies oder das h\u00e4tte ich gerne ersetzt. Oder manchmal bin ich auch mit etwas nicht einverstanden, weil ich das Werk einfach nicht so wertvoll finde, als dass es gespielt werden sollte. Manchmal gibt es da auch verschiedene Ansichten; ich muss aber davon \u00fcberzeugt sein. Bei manchen Programmpunkten bin ich der Initiator gewesen. Ich habe z.&nbsp;B. letztes Jahr <em>Alfonso Soldano<\/em> ein Nocturne des nahezu g\u00e4nzlich unbekannten franz\u00f6sischen Komponisten <em>Albert Bertelin<\/em> empfohlen. Er hat es dann erfreut aufgegriffen, einstudiert und sogar zugestimmt, dass wir das auf die CD nehmen, auch wenn es nicht bis aufs letzte I-T\u00fcpfelchen perfekt ist, weil er es wahrscheinlich zum ersten Mal vor Publikum gespielt hat. Und so erklingt es jetzt erstmalig auf einer Tonaufnahme. Dieses Jahr habe ich beispielsweise <em>Chiyan Wong<\/em> die Suite von <em>Gustave Samazeuilh<\/em> vorgeschlagen. Umgekehrt kamen von ihm dann die Variationen des Organisten und Komponisten <em>Naji Hakim<\/em> \u2013 auf solche Weise kommt ein einmalig spannendes Programm zusammen. Die Agenturen schie\u00dfen \u00fcbrigens nicht quer, was die Programme betrifft. Eher mal eine Plattenfirma, wenn es Kollisionen mit eigenen Studioaufnahmen und unseren Live-CDs gibt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL: <\/strong>Worin besteht der Reiz der kleinen Formen? Als Interpret muss man sofort hundertprozentig da sein, und dann ist es schon wieder vorbei. Gar nicht leicht, so etwas in einem Abend zwischen anderen St\u00fccken unterzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian: <\/strong>\u201eKleinere St\u00fccke sind nat\u00fcrlich auch Lyrik. Und es gibt bedeutende Lyrik im geschriebenen Wort. In Konzerten sind solche Formate meist etwas unterrepr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Komponisten haben Bedeutendes auf diesem Gebiet geleistet. Es gibt so einige \u201eleise\u201c K\u00fcnstler, die kleinere Formate bevorzugt haben. Zum Beispiel <em>Anatoli Ljadow<\/em>: Der hat keine Sonate geschrieben, nur zwei, drei Variationszyklen: Das ist dann auch das Umfangreichste in seinem Schaffen. Gerade bei den Russen gibt es Leute, die bedeutende Klaviermusik geschrieben haben. Nehmen wir Mili Balakirew: Man redet nur von <em>Islamey<\/em>, aber da gibt es sehr gute Nocturnes, Mazurken usw. Wenn man an diese Gattungen nicht rangeht und die nie spielt, dann wird man immer nur ein schiefes und ungerechtes Bild von diesen Komponisten haben. Es geht um feine Auswahl der besten Dinge davon. Und dann bringt man wirklich wieder was Neues zu Geh\u00f6r, was einfach im Archiv schlummert. Das mit den Rarit\u00e4ten ist eigentlich immer ein Balanceakt. Man muss akzeptieren, dass es viel schlechte Musik gibt und nat\u00fcrlich auch schlechte Komponisten, die dahinterstehen. Es braucht so eine innere Stimmgabel, um zu sehen: Ist das gut oder nicht? Ich gehe daf\u00fcr selber ans Klavier oder h\u00f6re mir eine Aufnahme an, und manchmal bin ich ganz erstaunt, wie gut etwas ist \u2013 und dennoch fast nie gespielt wurde. Dann sage ich, das muss ich demjenigen, den ich eingeladen habe, vorschlagen. Nicht ganz einfach, dieses Konzept so zu verwirklichen. Aber wenn es dann nachher steht, ist es eben handverlesen. Ich fange immer wieder neu mit der sprichw\u00f6rtlich leeren Leinwand an.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt wenige Leute, muss man auch sagen, solche wie <em>Marc-Andr\u00e9 Hamelin<\/em>, die wirklich wissen, worum es geht. Der ist bisher \u2013 nicht offiziell \u2013 sowas wie ein Artist in Residence des Festivals gewesen und stemmt einfach alles. N\u00e4chstes Jahr kommt er wieder: Ich habe schon die Zusage, dass er spielen wird. Er hat immer neue Ideen und freut sich dann auch, wenn er seiner Inspiration freien Lauf lassen darf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL: <\/strong>2010 kam ja mal die Sonate von <em>Jean Barraqu\u00e9 \u2013<\/em> ein kompliziertes, serielles Monstrum ohne Gleichen, das ich trotzdem mag. Was darf man dem Publikum, das besonders die verkappten oder verkannten Romantiker bis ins 20. Jahrhundert liebt, in Husum \u00fcberhaupt zumuten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eErstmal muss es einen Pianisten geben, der sowas gut spielt, \u2013 in diesem Fall <em>Jean-Fr\u00e9d\u00e9ric Neuburger<\/em> \u2013 aber es war nat\u00fcrlich eine Zumutung. Einige waren wohl ver\u00e4rgert; vielleicht sind ein paar dann gegangen. Da bin ich bin tolerant bis zu einem gewissen Punkt, will eben auch nicht vor den Kritikern dastehen wie jemand, der praktisch nur einen sehr eingeengten Rahmen gelten l\u00e4sst. Wir hatten ja auch Ustwolskaja und Charles Ives sowieso, einige Male sogar. Ich mache aber kein Festival gegen das Publikum und nat\u00fcrlich nicht nur f\u00fcr Leute wie Sie und mich. Nicht umsonst hat mal ein Pianist gesagt, Husum habe irgendwie das beste Publikum der Welt, und jedenfalls das stillste, was er je erlebt habe. Das ist ein gutes Zeichen. Wir machen allerdings keine Universit\u00e4tsveranstaltung, sondern ein \u00f6ffentliches Konzert und freuen uns dar\u00fcber, dass auch normale Konzertbesucher Geschmack an unserem Festival gefunden haben und kommen und ihre Neugier sozusagen auf sehr angenehme und sch\u00f6ne Weise belohnt wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> Von Dogmatikern aus dem Umfeld der Darmst\u00e4dter Schule wurde ja eine Art Sibelius-Verdikt gepflegt, \u2013 beim j\u00fcngeren Publikum zum Gl\u00fcck kein Thema mehr \u2013 was nach meiner Meinung dazu gef\u00fchrt hat, dass bei uns generell nordische Komponisten immer noch viel zu wenig gespielt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eDa haben Sie vollkommen recht; unglaublich, wie fest ein solches Verdikt hier sa\u00df \u2013 \u00fcbrigens auch K\u00fcnstlern gegen\u00fcber, die so zwischen den Stilen stehen, aber auch wirklich bedeutende Komponisten gewesen sind. Die Engl\u00e4nder waren nicht so \u2013 haben immer ein Faible gehabt f\u00fcr Sibelius oder Carl Nielsen. \u00dcbrigens hat ausgerechnet Neuburger dann 2013 die Sibelius-Sonate bei uns aufgef\u00fchrt. Ich versuche auch, in den franz\u00f6sischen Raum reinzugehen. Die Leute reden immer nur von Debussy und Ravel; was da alles unbekannt geblieben ist! Die ganze Schule um C\u00e9sar Franck beispielsweise, Chausson, d\u2019Indy, aber auch Chabrier: fantastisch! Ich w\u00fcrde mich ja freuen, wenn die Leute, die vom Impressionismus in der Musik sprechen, mal erkennen w\u00fcrden, dass der erste Impressionist nicht Debussy war, sondern eigentlich Emmanuel Chabrier. Der hat Musik \u201eout of doors\u201c sozusagen schon in seinen <em>Pi\u00e8ces pittoresques<\/em> geschrieben; schlie\u00dflich war er auch sehr mit den ganzen impressionistischen Malern befreundet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Festival ist f\u00fcr mich auch ein Akt der Gerechtigkeit. Ein gro\u00dfes Wort, aber das steht bei mir im Vordergrund, und ich freue mich, wenn Komponisten zu Wort kommen, die wirklich ungerechterweise links liegen gelassen worden sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> Haben Sie noch bislang unerf\u00fcllte konkrete Programmw\u00fcnsche? Wo Sie sagen: \u201eDas wollte ich immer und das klappte irgendwie bislang nicht\u201c, oder: \u201eIch bin jetzt erst auf etwas gesto\u00dfen, das auch f\u00fcr mich neu ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian: <\/strong>\u201eDas kommt immer vor, aber aus dem Hut kann ich das heute nicht einfach sagen. Es gibt Werke, die ich ganz gerne noch vorgestellt haben w\u00fcrde, aber wir haben schon sehr, sehr viel gemacht. Trotzdem entdeckt man immer wieder Neues, und von der Pianistenseite kommt auch was, beispielsweise in diesem Jahr die Et\u00fcden von <em>Carl Baermann junior<\/em>; ich kannte den \u00fcberhaupt nicht, aber wer kann das schon von sich behaupten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> Ein Sohn des ber\u00fchmten Klarinettisten [Anm. der Redaktion: Carl Baermann, 1811\u2013 1885], oder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eJa, der aus M\u00fcnchen. Dieser Sohn ist sp\u00e4ter nach Boston gegangen. <em>Daniel Grimwood<\/em> hat seine Musik entdeckt und will das wahrscheinlich auch einspielen. Jetzt tr\u00e4gt er bei uns einige Et\u00fcden und St\u00fccke von ihm vor: wirklich sehr sch\u00f6ne St\u00fccke.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL: <\/strong>Die Mission des Festivals besteht also weiter. Wie sieht es denn mit jungem Publikum aus? Die sind es eigentlich leid, immer dieselben Dinge zu h\u00f6ren und wollen auch nicht unbedingt teure Eintrittspreise f\u00fcr normales Repertoire mit \u201egro\u00dfen Namen\u201c bezahlen. W\u00e4re daf\u00fcr das Husum-Festival nicht genau richtig?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian: <\/strong>\u201eWir haben ein bisschen Probleme damit, Karten kosteng\u00fcnstiger abzugeben wegen der geringen Platzanzahl. H\u00e4tten wir 200 Pl\u00e4tze, w\u00e4re es schon besser, aber wir brauchen halt auch die Einnahmen durch die Eintrittspreise. Im normalen Musikleben will man oft den Pianisten, den gro\u00dfen K\u00fcnstler vorstellen: mit Repertoire angefangen von Bach bis vielleicht Impressionismus, Bart\u00f3k, Prokofieff oder so. Dieses Konzept ger\u00e4t bei uns quasi gewollt ins Wanken, weil hier der Schwerpunkt auf den Werken liegt: Die Werke sind der Star. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich, dass sie bestm\u00f6glich dargeboten werden, und daf\u00fcr muss man auch sehr, sehr viel k\u00f6nnen. Es geht nicht darum, jetzt den n\u00e4chsten Preistr\u00e4ger vom \u2013 was wei\u00df ich \u2013 Cliburn-Wettbewerb zu pr\u00e4sentieren, sondern die Werke bestm\u00f6glich darzubieten; und die besten Beweise daf\u00fcr, dass das auch gelingt, sind ja die CDs. Insofern sind diese CDs das Bleibende von diesem Festival.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> H\u00e4tten Sie f\u00fcr das kommende Programm einen Tipp f\u00fcr jemanden, der noch nie beim Rarit\u00e4tenfestival war und vielleicht zwar klavieraffin ist, aber auch nicht der extreme Ausgr\u00e4ber bei sich zu Hause, was CDs betrifft?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Froundjian:<\/strong> \u201eDas Konzert von <em>Roland P\u00f6ntinen<\/em> [Montag, 18.&nbsp;8.&nbsp;25], w\u00fcrde ich sagen, und vielleicht auch das von <em>Daniel Grimwood<\/em> [Sonntag, 17.&nbsp;8.&nbsp;25], obwohl auf dem Programm alles unbekannte Namen sind. Die Leute wissen kaum, wer <em>Eduard Sch\u00fctt<\/em> ist oder <em>Charles-Marie Widor<\/em> oder Carl Baermann junior. Aber das ist alles wundersch\u00f6n klingende Musik.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>TNL:<\/strong> Wir freuen uns nat\u00fcrlich auf alle acht Konzerte, die K\u00fcnstler und Ihr gesamtes Team. Herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>(Das Interview wurde am 5. 8. 2025 via Zoom gef\u00fchrt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Hinweis der Redaktion: Unser Rezensent wird im Anschluss an das Festival hier ausf\u00fchrlich berichten. Das diesj\u00e4hrige Programm und Infos zu noch verf\u00fcgbaren Karten findet der interessierte Leser auf der Seite: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/piano-festival-husum.com\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/piano-festival-husum.com\/\" target=\"_blank\">https:\/\/piano-festival-husum.com\/<\/a><br \/>Die zugeh\u00f6rige CD-Reihe erscheint bei Danacord: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.danacord.dk\/collections\/husum.html\" target=\"_blank\">https:\/\/www.danacord.dk\/collections\/ husum.html<\/a><br \/>Die beiden neuesten CDs sind auf der dortigen Homepage: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/danacord.com\/\" target=\"_blank\">https:\/\/danacord.com\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, 10. August 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 16. bis 23. 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