{"id":7349,"date":"2025-09-25T18:57:56","date_gmt":"2025-09-25T16:57:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7349"},"modified":"2025-09-25T19:44:25","modified_gmt":"2025-09-25T17:44:25","slug":"das-kind-juchzt-mit-melanie-diener-und-thomas-hampson-bringen-opernklasse-nach-waiblingen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/09\/25\/das-kind-juchzt-mit-melanie-diener-und-thomas-hampson-bringen-opernklasse-nach-waiblingen\/","title":{"rendered":"Das Kind juchzt mit: Melanie Diener und Thomas Hampson bringen Opernklasse nach Waiblingen"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Baby ist fast durchweg ruhig. W\u00e4hrend seine Mutter Jasmin Etminan die Arie der Tosca erarbeitet, h\u00f6rt ihr sieben Monate alter Sohn gemeinsam mit der Oma zu. Dozentin Melanie Diener hat nichts dagegen, im Gegenteil: sie scherzt, wenn er sich glucksend meldet, und macht weiter mit dem Unterricht. So entspannt, famili\u00e4r und hochprofessionell zugleich ist die Atmosph\u00e4re bei der Opernwerkstatt Waiblingen. Sie findet in diesem Jahr zum 6. Mal statt, im B\u00fcrgerzentrum des kleinen, nahe Stuttgart gelegenen Ortes. Die Idee hatte Diener, die in Waiblingen aufgewachsen ist und bis heute hier lebt. Die Sopranistin, ber\u00fchmt f\u00fcr ihre Wagner- und Mozartinterpretationen, holte Thomas Hampson mit ins Boot. Die beiden kennen sich seit zwanzig Jahren, traten beispielsweise in Salzburg zusammen in <em>Don Giovanni<\/em> auf. Und sie haben ein gemeinsames Anliegen: die F\u00f6rderung des Nachwuchses. Zusammen bilden sie ein harmonisches Team, auch wenn sie mittlerweile unterschiedliche k\u00fcnstlerische Schwerpunkte setzen: Hampson, einer der Superstars der Klassikszene, gibt zwar Meisterklassen, etwa beim Heidelberger Fr\u00fchling, ist aber noch mit kaum glaubhaften siebzig Jahren auf allen B\u00fchnen der Welt unterwegs; Melanie Diener lehrt als Professorin f\u00fcr Gesang und IGP (Instrumental- und Gesangsp\u00e4dagogik) an der gut 100 Kilometer entfernten Musikhochschule Trossingen und wirkt eher bodenst\u00e4ndig. Wof\u00fcr auch spricht, dass sie 2025 zur Remst\u00e4lerin des Jahres gek\u00fcrt wurde. Die Auszeichnung erhielt sie f\u00fcr \u201eihr klares Bekenntnis zur Region und damit zum Remstal\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0019-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0019-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7351\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0019-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0019-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0019-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0019-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0019-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Thomas Hampson und Melanie Diener \/ \u00a9 Peter Oppenl\u00e4nder<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Waiblingen arbeitet das Duo seit Gr\u00fcndung der Werkstatt 2019 zusammen. Sie wird unter anderem finanziell durch die Eva Mayr-Stihl \u2013 Stiftung gef\u00f6rdert, erz\u00e4hlt Brigitta Diel, die innerhalb der st\u00e4dtischen Kulturabteilung f\u00fcr das Projekt zust\u00e4ndig ist. Sie organisiert und koordiniert, scheint \u00fcberhaupt omnipr\u00e4sent zu sein. Sie brenne f\u00fcr die Werkstatt, wird sie nicht m\u00fcde, zu betonen. Die Stipendiaten \u2013 sie sind zwischen 22 und 32 Jahren alt &#8211; erhalten eine Woche lang ein kostenloses \u201eGesamtpaket\u201c: es beinhaltet t\u00e4gliche Lockerungs\u00fcbungen vor dem Einzelunterricht, Ensembleproben und die Teilnahme am abschlie\u00dfenden Konzert mit der W\u00fcrttembergischen Philharmonie Reutlingen unter Leitung der aufstrebenden Dirigentin Ariane Matiakh, dazu freie Verpflegung und Logis bei Waiblinger Gastfamilien. Solch Angebot macht die Werkstatt wohl attraktiv: in diesem Jahr gab es rund 150 Bewerbungen f\u00fcr zw\u00f6lf Pl\u00e4tze. Zu den Ausgew\u00e4hlten geh\u00f6rt der Chinese WenBo Shuai. Beim Studium wurde seine Stimme zun\u00e4chst als Bariton eingestuft, bis ein Gastdozent seine F\u00e4higkeit zum Countertenor entdeckte. In diesem Fach schloss Shuai als erster in der Geschichte der Hochschule von Shanghai mit dem Bachelor ab. Ab Oktober wird er seine Ausbildung in Stuttgart fortsetzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_0582-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_0582-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7352\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_0582-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_0582-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_0582-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_0582-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_0582-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>6. Internationale Opernwerkstatt Waiblingen \/ \u00a9 Peter Oppenl\u00e4nder<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Von weit her kommt auch der S\u00fcdafrikaner Lonwabo Mose, eine H\u00fcne von Mann mit ausgesprochen sympathischer Ausstrahlung. Sein imposanter Bass pr\u00e4destiniert ihn f\u00fcr Rollen wie Sarastro und Verdis Banquo, aber auch als Leporello macht er gute Figur. Mose wird erstmal nach Kapstadt zur\u00fcckkehren, hofft aber auf Auftritte in Europa und den USA.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_2137-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_2137-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7354\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_2137-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_2137-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_2137-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_2137-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250914_2137-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>6. Internationale Opernwerkstatt Waiblingen \/ \u00a9 Peter Oppenl\u00e4nder<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Shuai und Mose sind nur zwei der Gesangstalente, mit denen Melanie Diener und Thomas Hampson intensiv arbeiten. Sie feilen an jedem Detail, an der Technik, dem Atem, der Aussprache, dem Ausdruck, korrigieren hier einen Ton, dort an der St\u00fctze. Und es ist erstaunlich, welche Fortschritte sie erzielen. Beispielsweise bei Maria Melts, die den Cherubino beim Einstieg bereits \u00fcberzeugend vortr\u00e4gt. Melanie Diener aber dringt noch mehr in die Tiefe, erkl\u00e4rt die Figur mit viel Humor, gibt Tipps f\u00fcr eine freiere H\u00f6he (\u201eich brauche mehr und schnellere Energie\u201c) und siehe da: Melts klingt danach gel\u00f6ster und noch pointierter. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0130-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0130-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7357\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0130-1-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0130-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0130-1-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0130-1-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250913_0130-1-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>6. Internationale Opernwerkstatt Waiblingen \/ \u00a9 Peter Oppenl\u00e4nder<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Oder Wilma Kwamme, die einen au\u00dfergew\u00f6hnlich klangsch\u00f6nen Mezzo besitzt. Hampson analysiert mit ihr die Dorabella-Arie, seziert gleich das Rezitativ und bringt die Schwedin, die momentan in Wien studiert, zu einer ausgewogeneren Balance zwischen optimiertem K\u00f6rpergef\u00fchl und musikalischer Linie. Dabei sch\u00f6pft Hampson aus einem enormen Repertoirefundus und weitet manche Stunde zu einer musikhistorischen Lektion aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250919_2739-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250919_2739-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7355\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250919_2739-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250919_2739-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250919_2739-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250919_2739-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/OP250919_2739-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>6. Internationale Opernwerkstatt Waiblingen \/ \u00a9 Peter Oppenl\u00e4nder<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das ist ungemein lehrreich, nicht nur f\u00fcr die Teilnehmenden, sondern auch f\u00fcr das Auditorium. Denn die Opernwerkstatt ist keine abgeschlossene Blase. Im Gegenteil, sie will offen sein f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung der Stadt. Die Meisterklassen k\u00f6nnen bei freiem Eintritt besucht oder per Stream mitverfolgt werden, nur das abschlie\u00dfende Konzert kostet etwas. Und wer noch Ber\u00fchrungs\u00e4ngste zur Klassik hat, kann sie beim Happening auf dem historischen Marktplatz abbauen. Da n\u00e4mlich h\u00f6rt man von den Stipendiaten ganz andere Kl\u00e4nge: sie singen aus dem Fenster des ersten Stocks vom alten Rathaus heraus typische Lieder ihrer Heimat. Obendrein liegt in der Auslage der Buchhandlung Tauber passende nationale Lekt\u00fcre, etwa persische Gedichte oder ein historischer chinesischer Roman. Und auch an das Publikum der Zukunft ist gedacht. An einem Vormittag sind Schulklassen eingeladen. Sie erhalten auf spielerische Weise eine unterhaltsame Lektion in Sachen Operngesang. Wie sich dabei Kinder und Profis begegnen, miteinander singen und Gemeinsamkeiten entdecken (\u201eMeine Eltern stammen auch aus China\u201c, ruft ein Junge ), ist wunderbar mitzuerleben \u2013 und der Gedanke der Werkstatt, musikalische Exzellenz mit interkulturellem Austausch zu verbinden, besonders greifbar. Kurzum: Waiblingen ist ein gelungenes Beispiel daf\u00fcr, wie Musik Weltoffenheit f\u00f6rdern kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Karin Coper, September 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Baby ist fast durchweg ruhig. W\u00e4hrend seine Mutter Jasmin Etminan die Arie der Tosca erarbeitet, h\u00f6rt ihr sieben Monate alter Sohn gemeinsam mit der Oma zu. Dozentin Melanie Diener hat nichts dagegen, im Gegenteil: sie scherzt, wenn er sich glucksend meldet, und macht weiter mit dem Unterricht. 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