{"id":7360,"date":"2025-10-01T18:42:14","date_gmt":"2025-10-01T16:42:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7360"},"modified":"2025-10-05T11:11:46","modified_gmt":"2025-10-05T09:11:46","slug":"tolle-gaeste-aus-korea-zelebrieren-pagh-paan-messiaen-und-sibelius","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/10\/01\/tolle-gaeste-aus-korea-zelebrieren-pagh-paan-messiaen-und-sibelius\/","title":{"rendered":"Tolle G\u00e4ste aus Korea zelebrieren Pagh-Paan, Messiaen und Sibelius"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Das erste <\/em>musica viva<em> Konzert nach der Sommerpause am 25.9.2025 bestritten G\u00e4ste aus Korea: Das <\/em>Busan Philharmonic Orchestra<em> unter seinem k\u00fcnstlerischen Direktor <\/em>Seokwon Hong<em> spielte im M\u00fcnchner Herkulessaal drei Werke der Komponistin <\/em>Younghi Pagh-Paan<em> anl\u00e4sslich ihres 80. Geburtstags: <\/em>\u201eSori\u201c<em>, <\/em>\u201eDer Glanz des Lichts\u201c<em> mit den beiden Solisten <\/em>Byol Kang<em> und <\/em>Nils M\u00f6nkemeyer<em> sowie <\/em>\u201eFrau, warum weinst du? Wen suchst du?\u201c<em> Nach der Pause erklangen dann <\/em>Olivier Messiaens<em> \u00abL\u2019Ascension\u00bb und <\/em>Jean Sibelius\u2018<em> 7. Symphonie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/musica-viva-25.9.2025-\u00a9-Astrid-Ackermann-BR.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"732\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/musica-viva-25.9.2025-\u00a9-Astrid-Ackermann-BR-1024x732.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7362\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/musica-viva-25.9.2025-\u00a9-Astrid-Ackermann-BR-1024x732.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/musica-viva-25.9.2025-\u00a9-Astrid-Ackermann-BR-300x214.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/musica-viva-25.9.2025-\u00a9-Astrid-Ackermann-BR-768x549.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/musica-viva-25.9.2025-\u00a9-Astrid-Ackermann-BR.jpg 1150w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Busan Philharmonic Orchestra, Byol Kang, Nils M\u00f6nkemeyer, Seokwon Hong<br \/>\u00a9 Astrid Ackermann\/BR<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Erneut hatte man zum Auftakt der neuen <em>musica viva <\/em>Saison ein gro\u00dfes Orchester eingeladen, das noch nie in M\u00fcnchen gespielt hat, diesmal erm\u00f6glicht von koreanischen F\u00f6rderern und in Zusammenarbeit mit den Berliner Festwochen: Das <em>Busan Philharmonic Orchestra<\/em> aus Koreas zweitgr\u00f6\u00dfter Metropole schickt fast 100 Musikerinnen und Musiker auf die B\u00fchne im leider besch\u00e4mend schlecht besuchten Herkulessaal. Gewidmet ist der Abend vor allem der schon lange in Deutschland lebenden Komponistin <em>Younghi Pagh-Paan<\/em>, die Ende November ihren 80. Geburtstag feiert.<\/p>\n\n\n\n<p>So erklingen drei St\u00fccke der allerersten weiblichen Kompositionsprofessorin unseres Landes (von 1994 bis 2011 in Bremen). Trotz der \u00fcber 40 Jahre, die hierbei umspannt werden, kann man daran gut einige Charakteristika der immer bescheiden auftretenden K\u00fcnstlerin festmachen, die aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden leider diesmal nicht anwesend ist. Mit <em>Sori <\/em>\u2013 was im Koreanischen f\u00fcr alles akustisch Wahrnehmbare steht \u2013 erlangte sie 1980 in Donaueschingen quasi den internationalen Durchbruch. Sie hatte mit dem St\u00fcck l\u00e4ngst begonnen, als die damalige Milit\u00e4rdiktatur in ihrer Heimat das Massaker von Gwangju anrichtete. Wenn der ebenfalls bei uns t\u00e4tige Isang Yun ein Jahr sp\u00e4ter \u00fcber das Drama die quasi dreiteilige sinfonische Dichtung <em>Exemplum in memoriam Kwangju<\/em> (damalige westliche Schreibweise) mit klarer Teleologie schrieb, ist Pagh-Paans St\u00fcck f\u00fcr gro\u00dfes Orchester vielschichtiger: Mit einer fantastischen Farbenvielfalt, besonders beim Schlagzeug, wird indigenes musikalisches Material aus Korea in eine ganz moderne Faktur eingebunden. Der von Beginn an <em>\u201ein sich hineingeschluckte Groll\u201c<\/em> entfaltet dabei eine Sogwirkung, die musikalisch zu gro\u00dfen Steigerungen, aber sp\u00e4ter unweigerlich zu Aus- bzw. Abbr\u00fcchen f\u00fchrt. Integrierte Trillerpfeifen und brutale Aleatorik, die den Rest des Orchesters fast niederzuwalzen scheint, sind gegen Schluss dann unzweideutige Hinweise auf die starke Verarbeitung auch eines nationalen Traumas: sehr beeindruckend. Der Dirigent <em>Seokwon Hong <\/em>agiert schon hier grandios. Seine Schlagtechnik ist hochdifferenziert bei meistens kleinem Bewegungsambitus; Hong kann aber, wo n\u00f6tig, ebenso extrem animierende Impulse \u00fcbertragen, sorgt in seinem Riesenorchester f\u00fcr dynamisch perfekte, immer durchh\u00f6rbare Klangschichtungen. Unterst\u00fctzt wird er in den Streichergruppen von bemerkenswert aufmerksamen und resoluten Konzertmeisterinnen und -meistern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die an Maria Magdalena gerichteten Jesus-Worte <em>\u201eFrau, warum weinst du? Wen suchst du?\u201c <\/em>\u2013 so der Titel von Pagh-Paans bislang letzter Orchesterpartitur (2023) \u2013 zielen hier musikalisch auf den ganz gro\u00dfen Trost eines, wenn nicht aller Menschen. Dabei spielt nat\u00fcrlich auch der eigene Abschied von ihrem Ehemann, dem Komponisten Klaus Huber (\u2020 2017) eine Rolle. Das sehr effektiv instrumentierte 7-Minuten-St\u00fcck h\u00e4lt eine mystische, schimmernde Spannung, bis in die fast weihevollen Klangballungen der Bl\u00e4ser. <em>Der Glanz des Lichts<\/em> (2012) ist ein Doppelkonzert f\u00fcr Violine &amp; Viola mit nun deutlich reduziertem Orchester \u2013 32 Streicher, 2 bis 3-faches Holz usw. Hierbei geht es um die wiederum mystische Dimension des Lichts einerseits, der des Ausatmens andererseits. Die beiden Solisten \u2013 <em>Nils M\u00f6nkemeyer<\/em> anfangs deutlich pr\u00e4senter und aktiver als seine Partnerin <em>Byol Kang<\/em> an der Violine \u2013 sind zun\u00e4chst total ins Orchester integriert, wenn auch die eigentlichen Initiatoren klanglicher Ver\u00e4nderung. Die Demonstration unterschiedlicher Amplituden von <em>Vibrato<\/em>, ergreifend sch\u00f6n schlie\u00dflich in einer Art Duo-Kadenz, l\u00f6st im Orchester sensibelste, fein austarierte Reaktionen aus. Wieder typisch f\u00fcr Pagh-Paans \u00c4sthetik, dass die Musik sich gleicherma\u00dfen nach au\u00dfen wie nach innen richtet und selbst in Momenten beinahen Stillstands tragf\u00e4hig bleibt: gro\u00dfer Applaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Pause dann zwei Klassiker, wieder mit voller Besetzung, in der das koreanische Orchester beweisen kann, dass es auf Weltklasse-Niveau musiziert. <em>Olivier Messiaens<\/em> vier Meditationen \u00fcber die Himmelfahrt, <em>L\u2019Ascension <\/em>von 1933, symbolisieren musikalisch ganz explizit den Aufstieg in andere Sph\u00e4ren. Hierbei lassen besonders die auch bei komplexesten Akkorden blitzsauber intonierenden Bl\u00e4ser im ersten St\u00fcck sowie die intensivst gl\u00e4nzenden Streicher mit der beinahe unertr\u00e4glichen S\u00fc\u00dfe schon des fr\u00fchen Messiaen im letzten aufhorchen. Zum H\u00f6hepunkt des Abends wird jedoch <em>Jean Sibelius\u2018<\/em> letzte Symphonie, die eins\u00e4tzige <em>Siebte <\/em>von 1924, f\u00fcr viele seine beste. Neben wirklich \u00fcberzeugender emotionaler F\u00fchrung der v\u00f6llig ungew\u00f6hnlichen formalen Dramaturgie, bei dessen zwischenzeitlichen Steigerungen er das Orchester stets noch im Zaum h\u00e4lt, gelingt Hong im gesamten, recht bl\u00e4serlastigen Werk eine vollkommen stimmige Balance. Dies l\u00e4sst die Streicher nicht nur nie untergehen, sondern deren Strahlkraft als v\u00f6llig gleichberechtigtes Gegengewicht zum Blech ohne Abstriche zum Tragen kommen. Das ist absolut ph\u00e4nomenal und kann sich m\u00fchelos etwa mit der ausgezeichneten Darbietung des BRSO von 2017 im Gasteig unter Salonen messen. Im Herkulessaal kann man dieses Meisterwerk eigentlich nicht klarer und klanglich wirkungsvoller auskosten als an diesem Abend. Das Publikum gibt danach sein Bestes, den Koreanern geb\u00fchrend Zustimmung zu signalisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, 28.9.2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste musica viva Konzert nach der Sommerpause am 25.9.2025 bestritten G\u00e4ste aus Korea: Das Busan Philharmonic Orchestra unter seinem k\u00fcnstlerischen Direktor Seokwon Hong spielte im M\u00fcnchner Herkulessaal drei Werke der Komponistin Younghi Pagh-Paan anl\u00e4sslich ihres 80. Geburtstags: \u201eSori\u201c, \u201eDer Glanz des Lichts\u201c mit den beiden Solisten Byol Kang und Nils M\u00f6nkemeyer sowie \u201eFrau, warum &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/10\/01\/tolle-gaeste-aus-korea-zelebrieren-pagh-paan-messiaen-und-sibelius\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Tolle G\u00e4ste aus Korea zelebrieren Pagh-Paan, Messiaen und Sibelius<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[5420,5053,728,238,507,2202,5419,3656,5418,2523],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7360"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7360"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7373,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7360\/revisions\/7373"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}