{"id":7407,"date":"2025-12-03T01:43:37","date_gmt":"2025-12-03T00:43:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7407"},"modified":"2025-12-03T01:43:40","modified_gmt":"2025-12-03T00:43:40","slug":"wider-das-vergessen-musik-im-exil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2025\/12\/03\/wider-das-vergessen-musik-im-exil\/","title":{"rendered":"Wider das Vergessen &#8211; Musik im Exil"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Im heutigen Beitrag widmet sich Karin Coper vier Ver\u00f6ffentlichungen, die thematisch eng miteinander verkn\u00fcpft sind und einander als gegenseitige Erg\u00e4nzungen dienen k\u00f6nnen. Im Mittelpunkt der zwei B\u00fccher und zwei Platteneditionen stehen Musiker, meist j\u00fcdischer Herkunft, die Repressionen und Verfolgungen ausgesetzt waren. Michael Haas zeichnet in seinem Buch <\/em>Die Musik der Fremde<em> Lebenswege verschiedener Komponisten nach, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland flohen oder sich in die &#8222;innere Emigration&#8220; zur\u00fcckzogen. \u00c4neas Humm und Renate Rohlfing widmen sich in ihrem Album <\/em>Sehnsucht <em>Kunstliedern j\u00fcdischer Komponisten der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zwischen Wien und Amsterdam. Die 5 CDs umfassende Sammlung <\/em>From Jewish Life<em> vereint Kammermusikwerke und Lieder von Komponisten der Neuen J\u00fcdischen Schule. Schlie\u00dflich macht der von Dieter Koller und Sebastian Wogenstein herausgegebene Band <\/em>Dos gezang fun vilner geto<em> mit originaler j\u00fcdischer Volksmusik bekannt, die unter schwierigsten Bedingungen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs im Wilnaer Ghetto gepflegt wurde. Er basiert auf Sammlungen des Schriftstellers Shmerke Kaczerginski, dem 1943 die Flucht vor den Nationalsozialisten gelang.<\/em> <em>(D. Red.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Haas: Die Musik der Fremde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Reclam-Verlag, ISBN 973-3-15-011501-5<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Die-Musik-der-Fremde-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Die-Musik-der-Fremde-643x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7408\" width=\"464\" height=\"738\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Die-Musik-der-Fremde-643x1024.jpg 643w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Die-Musik-der-Fremde-188x300.jpg 188w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Die-Musik-der-Fremde-768x1223.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Die-Musik-der-Fremde-965x1536.jpg 965w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Die-Musik-der-Fremde-1286x2048.jpg 1286w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Die-Musik-der-Fremde-scaled.jpg 1608w\" sizes=\"(max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eWenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien\u201c. So beantwortete der 1920 geborene Robert F\u00fcrstenthal die Frage, warum seine Werke stilistisch von Hugo Wolf, Gustav Mahler und anderen \u00f6sterreichischen Sp\u00e4tromantikern gepr\u00e4gt waren. F\u00fcrstenthal, der urspr\u00fcnglich Musik studieren wollte, war 1938 aufgrund seiner j\u00fcdischen Herkunft nach Amerika geflohen und arbeitete dort als Rechnungspr\u00fcfer. Seinem Traum aber blieb er treu. Mitte der 1970er Jahre entstanden die ersten Werke des Autodidakten, der bis ins hohe Alter produktiv blieb und rund 200 Kammermusiken und Lieder schuf. In ihnen imaginierte er sich zur\u00fcck in eine \u201eheile Heimat\u201c, die es real so nicht gegeben hatte. F\u00fcrstenthal ist einer jener Tonsch\u00f6pfer, denen sich Michael Haas in seiner neuesten Publikation <em>Die Musik der Fremde<\/em> widmet. Damit kn\u00fcpft der Exilforscher und Musikhistoriker an sein 2013 ver\u00f6ffentlichtes Buch <em>Forbidden Music \u2013 The Jewish Composers Banned by the Nazis<\/em> an. Auch die Neuerscheinung besch\u00e4ftigt sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit j\u00fcdischen Komponisten, doch der Fokus liegt darauf, wie das \u201eExil\u201c deren musikalische Entwicklung beeinflusste. Dabei sch\u00f6pft Haas, der als Plattenproduzent und Aufnahmeleiter die Reihe <em>Entartete Musik<\/em> bei Decca initiierte und Mitbegr\u00fcnder des Wiener Exilarte Zentrums ist, aus einem enormen Wissensfundus. Er untersucht in neun Kapiteln verschiedene Formen des k\u00fcnstlerischen Exils und st\u00fctzt sich dabei auf eine beeindruckende Anzahl von Biographien und Analysen vieler Werke im Kontext zum politischen Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMusik der Integration\u201c hei\u00dft ein Abschnitt, in dessen Zentrum Kurt Weill steht. Er arrangierte sich mit seinem Zufluchtsort New York und eignete sich den amerikanischen Stil an. Seine f\u00fcr den Broadway komponierten Musicals, wie <em>Lady in the dark<\/em> oder <em>Love Life<\/em>, von Weill selbst als Studie \u00fcber eine Durchschnittsfamilie in den USA bezeichnet, sind wirklichkeitsnahe Abbilder des \u201eAmerican way of Life\u201c. \u00c4hnlich flexibel reagierte Erich Wolfgang Korngold auf die neuen Herausforderungen, etablierte sich im Filmgesch\u00e4ft. Von ihm stammt die Aussage: \u201eHitler hat uns zu Juden gemacht.\u201c Sie bezieht sich auf jene teilweise konvertierten Musiker, die sich nicht mit dem Judentum und dessen Traditionen identifizierten. Auf die als erzwungen erlebte Identit\u00e4t reagierten etliche von ihnen mit Vertonungen religi\u00f6ser Stoffe oder liturgischer Musik. Beispielsweise Sch\u00f6nberg, der sich in der Emigration zum j\u00fcdischen Glauben bekannte und nach dem Krieg so radikale Werke wie <em>Ein \u00dcberlebender aus Warschau <\/em>oder <em>Moses und Aron<\/em> schuf. Weitere Kapitel befassen sich mit \u201eMusik des Widerstands\u201c, etwa von Hanns Eisler und dem im Untergrund sch\u00f6pferisch t\u00e4tigen Wilhelm Rettich und mit K\u00fcnstlern, die in fernste Orte, nach Shanghai (Wolfgang Fraenkel), Japan (Manfred Gurlitt) oder Argentinien (Wilhelm Graetzer) emigrierten \u2013 Haas bezeichnet sie als \u201eDie Missionare\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es gab auch die \u201eInnere Emigration\u201c \u2013 das \u201eExil in Deutschland\u201c. Sie betrifft eine sehr diverse Gruppe nichtj\u00fcdischer Komponisten: jene, die das Regime ablehnten, trotzdem aber in der Heimat blieben; Avantgardisten, die f\u00fcr die Schublade komponierten, weil ihre Musik nicht den nationalsozialistischen Vorstellungen entsprach; und auch Opportunisten, die sich dem Regime andienten, k\u00fcnstlerisch aber andere Ambitionen hatten. So wie Hermann Hei\u00df, der Auftragsmusiken f\u00fcr die NSDAP lieferte, sich aber nach 1945 als Pionier f\u00fcr elektronische Musik hervortat.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritisch sieht Haas Karl Amadeus Hartmann, der wie kein anderer den Mythos des aktiven Widerst\u00e4ndlers besitzt. Haas hingegen bezweifelt diese Haltung, erkennt darin auch Eigennutz des jungen Komponisten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Musik in der Fremde\u201c ist ein ungemein vielschichtiges und trotz der Komplexit\u00e4t gut lesbares Buch, auch dank der fl\u00fcssigen \u00dcbersetzung von Susanne Held. Einziges Manko: es fehlt ein Personenregister.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00c4neas Humm, Renate Rohlfing: Sehnsucht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Rondeau, ROP6276; EAN: 4037408062763<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Aeneas-Humm.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Aeneas-Humm-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7409\" width=\"462\" height=\"462\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Aeneas-Humm-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Aeneas-Humm-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Aeneas-Humm-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Aeneas-Humm-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Aeneas-Humm-1536x1536.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Aeneas-Humm-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Kurz vor seiner Emigration vertonte Erich Zeisl 1938 unter dem Titel <em>Dieselbe<\/em> das Goethe-Gedicht <em>Nur wer die Sehnsucht kennt<\/em>. Es dr\u00fcckt aus, was viele Vertriebene damals und heute verbindet: das Gef\u00fchl von Verlassenheit, der Wunsch nach Sicherheit und eine bessere Zukunft. Mit <em>Dieselbe<\/em> er\u00f6ffnet der aufstrebende Bariton \u00c4neas Humm sein neues Album <em>Sehnsucht<\/em>. Es enth\u00e4lt Lieder von Alexander Zemlinsky, Arnold Sch\u00f6nberg, Erich Zeisl und Henri\u00ebtte Bosmans und ist gewisserma\u00dfen eine akustische Erg\u00e4nzung zu Michael Haas\u2019 Buch. Die drei Wiener Komponisten fl\u00fcchteten wegen ihrer j\u00fcdischen Herkunft nach Amerika, nur die Niederl\u00e4nderin Bosmans blieb in der Heimat, hatte jedoch Berufsverbot. Die St\u00fccke der \u00d6sterreicher, die Humm ausw\u00e4hlte, entstanden allerdings noch in der Heimat, die von Bosmans nach dem Krieg. Zemlinsky, der 1942 verbittert in New York starb, und Zeisl, der sich dort als Lehrer durchschlagen musste, blieben in ihren Liedern der deutsch-romantischen Tradition verhaftet. Und auch Sch\u00f6nberg, Sch\u00fcler und sp\u00e4ter Schwager von Zemlinsky, orientierte sich am Anfang seiner Karriere \u2013 die er als Einziger in der Fremde fortsetzen konnte \u2013 an diesem Stil, wie in den hochdramatisch \u00fcbersteigerten zwei Ges\u00e4ngen op.&nbsp;1. \u00c4neas Humm singt die fast opernhaften Szenen stimmgewaltig, er scheut weder Pathos noch expressive, bis an vokale Grenzen gehende H\u00f6henausbr\u00fcche. Doch er verf\u00fcgt auch \u00fcber Pianokultur, wie in Zemlinskys <em>Empf\u00e4ngnis<\/em>. Besonders eindringlich ger\u00e4t der vierteilige franz\u00f6sische Zyklus von Henri\u00ebtte Bosmans, den sie 1949 als Reaktion auf den Tod der Mutter komponierte. Humm wechselt zwischen Aufschrei und Tonlosigkeit, darunter setzt seine Klavierpartnerin Renate Rohlfing wuchtige Akkorde. Sie ist mehr als eine einf\u00fchlsame Begleiterin. Mit ihrem differenzierten wie pointierten Anschlag sorgt sie im Dialog mit dem S\u00e4nger f\u00fcr eigene Akzente.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>From Jewish Life <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>SWRmusic, SWR19434; EAN: 747313943487 (5 CDs)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-From-jewish-Life-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-From-jewish-Life-882x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7410\" width=\"462\" height=\"536\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-From-jewish-Life-882x1024.jpg 882w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-From-jewish-Life-258x300.jpg 258w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-From-jewish-Life-768x892.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-From-jewish-Life-1323x1536.jpg 1323w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-From-jewish-Life-1764x2048.jpg 1764w\" sizes=\"(max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die sp\u00e4te Rehabilitation j\u00fcdischer Komponisten, die durch den Nationalsozialismus in Vergessenheit gerieten, gilt vorwiegend f\u00fcr jene aus dem westlichen Europa. Vom Schicksal ihrer Kollegen aus Russland und der fr\u00fchen Sowjetunion und deren Wirken ist hingegen weit weniger bekannt. Dies zu \u00e4ndern ist ein Anliegen des Pianisten und Musikwissenschaftlers Jascha Nemtsov. Seit vielen Jahren forscht er zu dem Thema, speziell zur \u201eNeuen J\u00fcdischen Schule\u201c. Diese Vereinigung von russischen Komponisten kreierte Anfang des 20. Jahrhunderts eine nationale Kunstmusik, die auf traditioneller Musik basierte und Elemente aus jiddischer Folklore und synagogaler Liturgie integrierte. Daraus resultierte 1908 die Gr\u00fcndung der St. Petersburger Gesellschaft f\u00fcr J\u00fcdische Volksmusik. Als Stalin an die Macht kam, wurde sie aufgel\u00f6st, manche Mitglieder emigrierten wegen antisemitischer Ressentiments, andere passten sich an. Ein Resultat von Nemtsovs Recherchen ist die schon vor l\u00e4ngerem erschienene, w\u00e4rmstens zu empfehlende f\u00fcnfteilige Box <em>From Jewish Life<\/em>. Sie bietet einen breit gef\u00e4cherten Querschnitt durch die Musik der Bewegung und erinnert an ihre Protagonisten. Nur drei Beispiel: die <em>Totenlieder<\/em> f\u00fcr Klavier und Bratsche von Alexander Veprik, der als Nationalist im Gulag inhaftiert war; die <em>Hebr\u00e4ische Melodie<\/em> f\u00fcr Violine und Klavier von Joseph Achron, eines der wenigen ins Repertoire eingegangenen St\u00fccke. Achron emigrierte in die USA, konnte dort aber nicht Fu\u00df fassen. Sch\u00f6nberg nannte ihn \u201eeinen der am meisten untersch\u00e4tzten modernen Komponisten\u201c; die <em>J\u00fcdischen T\u00e4nze<\/em> f\u00fcr Klavier von Alexander Krein, der sich dem Stalin-Regime andiente. Nemtsov hat sich f\u00fcr die Einspielungen mit Spitzenkr\u00e4ften zusammengetan: der Geiger Ingolf Turban, die Bratschistin Tabea Zimmermann, der Klarinettist Wolfgang Meyer und die Mezzosopranistin Helene Schneiderman nehmen sich den Kammermusiken mit ihrer ganzen Kompetenz und Hingabe an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieter Koller, Sebastian Wogenstein: Dos gezang fun vilner geto<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hentrich &amp; Hentrich, ISBN 978-3-95565-664-5<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Dos-gezang-fun-vilner-geto.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Dos-gezang-fun-vilner-geto.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7411\" width=\"463\" height=\"572\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Dos-gezang-fun-vilner-geto.jpg 808w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Dos-gezang-fun-vilner-geto-242x300.jpg 242w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover-Dos-gezang-fun-vilner-geto-768x950.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 463px) 100vw, 463px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Um j\u00fcdische Musik, doch in einem ganz anderen Zusammenhang, geht es auch in dem herausragenden Band <em>Dos gezang fun vilner geto<\/em> mit Liedern aus dem Wilnaer Ghetto. Er basiert auf Sammlungen des Schriftstellers Shmerke Kaczerginski, der dort eine Zeitlang lebte und zur St\u00e4rkung der Bewohner musische Veranstaltungen organisierte. 1943 konnte er fliehen, schloss sich Partisanen an und bem\u00fchte sich nach dem Krieg um die Rettung j\u00fcdischer Kulturg\u00fcter. 1947 ver\u00f6ffentlichte er ein erstes Lieder-Konvolut in Paris, ein zweites folgte 1948 in New York. Nun ist <em>Dos gezang fun vilner geto<\/em> im Hentrich &amp; Hentrich Verlag ver\u00f6ffentlicht worden, von den Herausgebern Dieter Koller und Sebastian Wogenstein musterg\u00fcltig ediert und vom jiddischen Original ins Deutsche \u00fcbertragen. Die Ges\u00e4nge zu popul\u00e4ren Melodien beschreiben die brutalen Zust\u00e4nde und den Alltag im Ghetto. Wie das folgende kurze Wiegenlied von Leah Rudnicki, einer Widerstandsk\u00e4mpferin, die in Treblinka ermordet wurde. Es beginnt so: \u201eV\u00f6gel schlummern in den Zweigen, schlaf mein liebes Kind\u2026 An der Wiege, deinem Bettchen, sitz ich Fremde und sing: Lju-lju, lju-lju, lju.\u201c Die Musik ist schlicht, der Text ersch\u00fctternd. Denn die Fremde sitzt dort anstelle der Eltern, die ermordet wurden. Aufr\u00fcttelnd gibt sich dagegen der als Hymne der Partisanen ber\u00fchmt gewordene Marsch <em>Zog nit keyn mol <\/em>(\u201eSage niemals, dies sei nun dein letzter Gang\u2026.wir sind da!\u201c). Der Verfasser Hirsh Glik kam selbst bei Gefechten mit deutschen Soldaten um.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Lieder sind mit Noten abgedruckt, die Texte in zwei Sprachen und zus\u00e4tzlich noch in hebr\u00e4ischer Schrift. Zu fast jedem St\u00fcck gibt es Erkl\u00e4rungen, einen QR-Code und Links zu historischen und aktuellen Einspielungen. Den musikalischen Teil erg\u00e4nzen Fotos, Illustrationen und Biographien. Eine von ihnen erinnert an die Partisanin Rikle Glezer. Sie schrieb \u00fcber Massenerschie\u00dfungen das Gedicht <em>Ponar<\/em> und nach ihrer Einwanderung nach Israel einen Bericht \u00fcber ihre Flucht aus einem Deportationszug, dem sie den Titel <em>Ich springe vom Zug<\/em> gab. Beide Schilderungen stehen am Ende dieses ergreifenden und einzigartigen k\u00fcnstlerischen Dokuments. Es leistet einen wichtigen Beitrag im Gedenken an Opfer der Shoah. Ihre Lieder aus dem Ghetto machen sie sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Karin Coper, Dezember 2025]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im heutigen Beitrag widmet sich Karin Coper vier Ver\u00f6ffentlichungen, die thematisch eng miteinander verkn\u00fcpft sind und einander als gegenseitige Erg\u00e4nzungen dienen k\u00f6nnen. Im Mittelpunkt der zwei B\u00fccher und zwei Platteneditionen stehen Musiker, meist j\u00fcdischer Herkunft, die Repressionen und Verfolgungen ausgesetzt waren. 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