{"id":7435,"date":"2026-01-31T23:31:00","date_gmt":"2026-01-31T22:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7435"},"modified":"2026-02-01T01:42:36","modified_gmt":"2026-02-01T00:42:36","slug":"kurzgefasst-der-unterschied-zwischen-dur-und-moll","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/01\/31\/kurzgefasst-der-unterschied-zwischen-dur-und-moll\/","title":{"rendered":"Kurzgefasst: Der Unterschied zwischen Dur und Moll"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die unterschiedliche Wirkung von Dur und Moll ist eines der elementaren Ph\u00e4nomene der Musik. Viel ist dar\u00fcber geschrieben und gesprochen worden. Hier soll es lediglich darum gehen, kurz die Fakten aufzuz\u00e4hlen, worin der entscheidende Unterschied zwischen Dur und Moll besteht und wie er zustande kommt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Dur- und die Moll-Tonleiter sind nur zwei von insgesamt 90 m\u00f6glichen Modi, die John Foulds 1934 in seinem Buch <em>Music To-Day<\/em> op.&nbsp;92 aufgez\u00e4hlt hat (siehe dort, S. 46f.). Gemeinsames Merkmal aller dieser Modi ist die reine Quinte, die sich zwischen dem Grundton der Tonleiter und ihrem f\u00fcnften Ton ergibt. Diese Quintbeziehung stiftet die Stabilit\u00e4t des Modus. Ohne sie w\u00fcrde er nicht als solcher wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Dass der Oberquintton derartig wirkt, ergibt sich aus seiner Position in der Obertonreihe als der vom Grundton am wenigsten entfernte qualitativ verschiedene Oberton.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Grundger\u00fcst einer Tonleiter sind also Grundton und Quinte, um die sich die \u00fcbrigen T\u00f6ne herum gruppieren. Dies geschieht in Dur und Moll auf verschiedene Weise. Dabei ist festzuhalten, dass jeder Ton einer solchen Tonleiter zum Grundton in einem Quintverh\u00e4ltnis steht: in direkter Form wie Quinte und Quarte (also Ober- und Unterquinte), oder in indirekter wie die \u00fcbrigen T\u00f6ne. So erh\u00e4lt man nahezu alle T\u00f6ne der Dur-Tonleiter, wenn man vom Grundton aus den Quintenzirkel aufw\u00e4rts geht. Im Falle von C-Dur hei\u00dft das: D ist zwei Quinten von C entfernt, A drei Quinten, E vier Quinten und H f\u00fcnf. Die einzige Ausnahme stellt F dar, das durch den Quintschritt vom Grundton aus abw\u00e4rts gewonnen wird. Durch die Aufnahme des Unterquinttons in die Tonleiter l\u00e4sst sich ein reiner Dreiklang auf der Subdominante errichten, sodass in Dur alle drei Grundharmonien der Kadenz (Subdominante, Dominante, Tonika) aus reinen Dreikl\u00e4ngen gebildet werden k\u00f6nnen. (Hierin zeigt sich bereits der Einfluss des mehrstimmigen Denkens auf die Gestalt der Tonleitern!)<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte die C-Dur-Tonleiter auch als aufsteigende Quintfolge schreiben: f-C-g-d-a-e-h<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zur Dur-Tonleiter besteht die Moll-Tonleiter zum \u00fcberwiegenden Teil aus T\u00f6nen, die gewonnen werden, indem man vom Grundton aus den Quintenzirkel abw\u00e4rts schreitet. Im Falle von c-Moll hei\u00dft das: F ist eine Quinte von C entfernt, B zwei Quinten, Es drei Quinten und As vier. Anders als in der Dur-Tonleiter gibt es hier zwei Ausnahmen: Da man aufgrund der Stabilit\u00e4t des Modus nicht auf die Oberquinte verzichten kann, steht auf der f\u00fcnften Stufe der Tonleiter ein G, wie in C-Dur. Das D auf der zweiten Stufe geh\u00f6rt ebenfalls zu den quintaufw\u00e4rts liegenden T\u00f6nen. Seine Notwendigkeit ergibt sich aus einem \u00e4hnlichen Grund wie die des F in C-Dur: damit alle drei Grundharmonien der Kadenz aus reinen Dreikl\u00e4ngen gebildet werden k\u00f6nnen. D ist die Oberquinte von G.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte die c-Moll-Tonleiter auch als absteigende Quintfolge schreiben: d-g-C-f-b-es-as<\/p>\n\n\n\n<p>Der unterschiedliche Charakter von Dur und Moll ist das Ergebnis des Aufbaus beider Tonleitern. Beide enthalten die gleichen T\u00f6ne auf zweiter, vierter und f\u00fcnfter Stufe. Entscheidend ist die Terz, die in Dur ein Ton aus dem quintaufw\u00e4rts gerichteten Spektrum des Quintenzirkels ist, in Moll dem quintabw\u00e4rts gerichteten Spektrum angeh\u00f6rt. Der Unterschied in der Wirkung der quintabw\u00e4rts und der quintaufw\u00e4rts liegenden T\u00f6ne liegt in den unterschiedlichen Obertonverh\u00e4ltnissen begr\u00fcndet: Spielt man einen Ton, der eine Quinte \u00fcber einem zuvor gespielten liegt, so bringt man dessen dritten Oberton zum Klingen, der wiederum seinen eigenen dritten Oberton mitschwingen l\u00e4sst. Dieser erklingt, wenn man den n\u00e4chsten Ton quintaufw\u00e4rts spielt&#8230; Die Tonfolge strebt immer weiter quintaufw\u00e4rts, sie gewinnt immer neue Obert\u00f6ne hinzu, wirkt extravertiert. Geht man nun vom selben Ursprungston eine Quinte abw\u00e4rts, so erklingt ein Ton, dessen dritter Oberton schon vorhanden war, n\u00e4mlich in Form des Ausgangstons. Die Qualit\u00e4t der Ver\u00e4nderung ist eine andere: Es wird weniger Neues hinzugewonnen als dass etwas bereits Bekanntes von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet wird. Quintabw\u00e4rts schreitend, geht die Musik in sich, wirkt introvertiert.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Quintton einer Tonleiter gegen\u00fcber dem Grundton immer extravertiert wirkt, enth\u00e4lt die Dur-Tonleiter eine extravertierte, die Moll-Tonleiter eine introvertierte Terz.<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Grundton der Subdominante dem quintabw\u00e4rts gerichteten Spektrum entstammt, wirkt diese Harmonie st\u00e4rker, wenn ihre Terz ebenfalls diesem Spektrum entnommen ist. Noch gr\u00f6\u00dfer ist der Unterschied zwischen einer Dominante mit gro\u00dfer Terz und einer mit kleiner Terz. Der letzteren geht die typische Dominant-Wirkung, die sich aus der extravertierten Natur dieser Harmonie ergibt, so sehr ab, dass sie als Dominante vor der Schluss-Tonika schon in der \u201eAlten Musik\u201c regelm\u00e4\u00dfig gemieden und durch die Dur-Dominante ersetzt wird. Da somit die Dominante in der Praxis regelm\u00e4\u00dfig eine Dur-Harmonie zu sein pflegt, w\u00e4hrend die Subdominante h\u00e4ufig eine Moll-Harmonie ist, hat dies f\u00fcr die Dur- und Moll-Tonleitern die Konsequenz, dass ihre an sechster bzw. siebter Stelle stehenden T\u00f6ne immer wieder durch T\u00f6ne des anderen Quintenzirkel-Spektrums ersetzt werden. Da es sich bei diesen T\u00f6nen nicht um Bestandteile des Grund-Dreiklangs handelt, \u00e4ndert sich der Charakter der Tonleiter nicht wesentlich, denn \u00fcber die Wirkung als Dur oder Moll entscheidet die Terz \u00fcber dem Grundton.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Januar 2026]<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zur weiteren Vertiefung seien hier die Vortr\u00e4ge empfohlen, die Christoph Schl\u00fcren \u00fcber dieses Thema auf Youtube gehalten hat und denen der Verfasser dieser Zeilen die Anregung zum obigen Text verdankt:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=w7mqv3-L4tE\">Winzige Differenz=maximaler Unterschied: kleine &amp; gro\u00dfe Terz. Warum ist Dur fr\u00f6hlich &amp; Moll traurig?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gFVaEKjGo7U\">Moll ist keine nat\u00fcrliche Skala, sondern ein an die Mehrstimmigkeit angepasstes Phrygisch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die unterschiedliche Wirkung von Dur und Moll ist eines der elementaren Ph\u00e4nomene der Musik. Viel ist dar\u00fcber geschrieben und gesprochen worden. Hier soll es lediglich darum gehen, kurz die Fakten aufzuz\u00e4hlen, worin der entscheidende Unterschied zwischen Dur und Moll besteht und wie er zustande kommt. 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