{"id":7480,"date":"2026-04-04T04:02:11","date_gmt":"2026-04-04T02:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7480"},"modified":"2026-04-04T04:07:50","modified_gmt":"2026-04-04T02:07:50","slug":"mensch-vs-ki-ein-musikkritikerduell","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/04\/04\/mensch-vs-ki-ein-musikkritikerduell\/","title":{"rendered":"Mensch vs. KI &#8211; ein Musikkritikerduell"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor kurzem wurde ich auf eine Konzertkritik aufmerksam gemacht, die in einer Th\u00fcringer Lokalzeitung erschien (Name der Zeitung und des Autors unwichtig). Anlass war eine Auff\u00fchrung von Pfitzners <em>Palestrina<\/em>-Vorspielen und Bruckners Neunter Symphonie durch die Staatskapelle Weimar unter Bertrand de Billy. Wie gut das Konzert war, kann ich nicht sagen, denn ich habe es nicht selbst geh\u00f6rt. Es soll hier auch gar nicht um das Konzert gehen, sondern um besagte Rezension, die hier auszugsweise im Bilde mitgeteilt sei:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitungskritik.png\"><img loading=\"lazy\" width=\"362\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitungskritik-362x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7482\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitungskritik-362x1024.png 362w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitungskritik-106x300.png 106w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitungskritik-768x2170.png 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitungskritik-725x2048.png 725w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitungskritik.png 1464w\" sizes=\"(max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die gelebten Leben, die man bei beiden Komponisten h\u00f6ren kann, die dunklen Farben, in denen Fragen und Hoffnung eher gezeichnet sind, die h\u00fcbsche Ellipse am Ende des vorletzten Absatzes (\u201eund Wiederholung w\u00fcnschenswert\u201c), die spannende Suche nach der manchmal vielleicht etwas versteckten Kraft und Sinnlichkeit, ganz besonders aber die eindrucksvolle Schilderung, wie die sieben Kontrab\u00e4sse in Wiener Orchesteraufstellung von oben Energie \u00fcber das Orchester schoben, lie\u00dfen mich \u00fcberlegen, zu welchem Resultat eine \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c in diesem Fall gekommen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schaltete also auf Google in den KI-Modus und bat um die Besprechung eines Konzerts mit den oben genannten Werken. Die KI lieferte mir den folgenden Text:<\/p>\n\n\n\n<h2><em>Suche nach dem Unaussprechlichen: Pfitzner trifft Bruckner<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><em>Ein Konzertabend, der mit Hans Pfitzners Vorspielen zu \u201e<strong>Palestrina\u201c <\/strong>beginnt und mit Anton Bruckners <strong>9. Sinfonie <\/strong>endet, ist kein gew\u00f6hnliches Kulturereignis \u2013 es ist eine metaphysische Reise. In der Kombination dieser Werke entfaltete sich gestern Abend ein Panorama aus sp\u00e4tromantischer Melancholie und sakraler Wucht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Pfitzner: Die Einsamkeit des Sch\u00f6pfers<\/strong><br \/>Schon die ersten Takte des Vorspiels zum ersten Akt machten deutlich, wohin die Reise geht. Die Streicher webten einen dichten, fast \u00e4therischen Teppich, \u00fcber dem die Bl\u00e4ser die Zerrissenheit des Komponisten Palestrina f\u00fchlbar machten. Besonders beeindruckend gelang der Kontrast zwischen der herben Polyphonie des 16. Jahrhunderts und der schwelgerischen Harmonik Pfitzners. Es war eine Musik der Verinnerlichung, die das Publikum sp\u00fcrbar zum Schweigen brachte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Bruckner: Ein Abschied von der Welt<\/strong><br \/>Nach der Pause folgte das monumentale Hauptwerk: Bruckners unvollendete Neunte. Das Orchester meisterte den gewaltigen Spagat zwischen dem d\u00e4mmerigen Urnebel des Beginns und den messerscharfen, fast brutalen Rhythmen des Scherzos mit beeindruckender Pr\u00e4zision.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der H\u00f6hepunkt war zweifellos das abschlie\u00dfende <strong>Adagio<\/strong>. Hier fand das Ensemble zu einer klanglichen Geschlossenheit, die unter die Haut ging. Wenn die H\u00f6rner und Tuben zum \u201eAbschied vom Leben\u201c ansetzten, bebte der Saal nicht nur vor Lautst\u00e4rke, sondern vor emotionaler Intensit\u00e4t. Dass Bruckner das Finale nicht mehr vollenden konnte, st\u00f6rte an diesem Abend niemanden \u2013 das verklingende Adagio f\u00fchlte sich wie die einzig logische Antwort auf Pfitzners vorangegangene Suche nach g\u00f6ttlicher Inspiration an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Fazit<\/strong><br \/>Ein Abend der Extreme: Pfitzners feinsinnige Introspektion bot den perfekten N\u00e4hrboden f\u00fcr Bruckners gigantische Klangarchitektur. Ein tiefgreifendes Erlebnis f\u00fcr alle, die Musik nicht nur h\u00f6ren, sondern als existenzielles Ereignis begreifen wollen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrde also mancher Kritiker besser daran tun, statt sich um eigenst\u00e4ndige Phrasen zu bem\u00fchen, auf die Durchschnittsphrasen zur\u00fcckzugreifen, die ihm von der KI vorgekaut werden? Oder sollte man des Humors wegen darauf bestehen, dass die Kritiker ihre Texte auch in Zukunft selbst schreiben?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, April 2026]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem wurde ich auf eine Konzertkritik aufmerksam gemacht, die in einer Th\u00fcringer Lokalzeitung erschien (Name der Zeitung und des Autors unwichtig). Anlass war eine Auff\u00fchrung von Pfitzners Palestrina-Vorspielen und Bruckners Neunter Symphonie durch die Staatskapelle Weimar unter Bertrand de Billy. Wie gut das Konzert war, kann ich nicht sagen, denn ich habe es nicht &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/04\/04\/mensch-vs-ki-ein-musikkritikerduell\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Mensch vs. KI &#8211; ein Musikkritikerduell<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[62,3],"tags":[1941,1499,5469,5468],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7480"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7480"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7480\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7484,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7480\/revisions\/7484"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}