{"id":7546,"date":"2026-07-12T23:09:00","date_gmt":"2026-07-12T21:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7546"},"modified":"2026-07-13T00:20:06","modified_gmt":"2026-07-12T22:20:06","slug":"richard-strauss-tage-2026-2-mozart-trifft-spaeten-strauss-salome-als-kammeroper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/07\/12\/richard-strauss-tage-2026-2-mozart-trifft-spaeten-strauss-salome-als-kammeroper\/","title":{"rendered":"Richard-Strauss-Tage 2026 [2]: Mozart trifft sp\u00e4ten Strauss, Salome als Kammeroper"},"content":{"rendered":"\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/07\/05\/richard-strauss-tage-2026-teil-1\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/07\/05\/richard-strauss-tage-2026-teil-1\/\">Teil 1 siehe hier<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>14. Juni: <\/strong>Sinfoniekonzert II, Werke von Richard Strauss und Wolfgang Amad\u00e9 Mozart (Liana Le\u00dfmann, Klarinette, Frank Lehmann, Fagott, Stuttgarter Philharmoniker, R\u00e9my Ballot)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>14. Juni:<\/strong> Richard Strauss: Salome, Bearbeitung f\u00fcr Kammerorchester von Klemens Vereno, konzertante Erstauff\u00fchrung (Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker, Kai R\u00f6hrig)<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Symphoniekonzert der Stuttgarter Philharmoniker lag der Fokus auf kleiner besetzten Werken. Unter den Komponisten fr\u00fcherer Zeiten hat sich Richard Strauss zeitlebens Mozart am n\u00e4chsten gef\u00fchlt. So erschien es durchaus folgerichtig, nach der Gegen\u00fcberstellung mit den \u00e4lteren Zeitgenossen Brahms und B\u00fclow nun Strauss und Mozart aufs Programm zu setzen, zumal sich gerade in den Werken seiner sp\u00e4testen Schaffensperiode dieser Mozart-Bezug ganz besonders deutlich zeigt. Mit den <em>Metamorphosen<\/em>, der gewaltigen, vom Autor n\u00fcchtern als \u201eStudie f\u00fcr 23 Solostreicher\u201c untertitelten Trauermusik, und dem idyllischen Duett-Concertino f\u00fcr Klarinette, Fagott und Streichorchester mit Harfe, standen zwei charakterlich stark kontrastierende St\u00fccke des sp\u00e4ten Strauss auf dem Programm. Ihnen schloss sich Wolfgang Amad\u00e9 Mozarts gro\u00dfe g-Moll-Symphonie KV&nbsp;550 an.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00e9my Ballot hat sich im Laufe der vergangenen Jahre als bedeutender Bruckner-Dirigent etabliert, und man kann sagen, dass die N\u00e4he der <em>Metamorphosen<\/em> zu den gro\u00dfen Adagio-S\u00e4tzen Anton Bruckners unter seiner Stabf\u00fchrung deutlich zu merken war. Das Werk begann ruhig atmend, in festem Tempo, aber ohne Starre. An den Periodenenden gestattete der Dirigent regelm\u00e4\u00dfig ein kurzes Atemholen. Im Anfangsteil fiel das starke Vibrato auf, namentlich in den Celli \u2013 offenbar eine bewusste Wahl, denn sp\u00e4ter, in der Reprise, erklang die gleiche Musik in wesentlich strengerem, weniger warmem Ton. In der verzweigten Polyphonie des belebteren Mittelteils verlor der Dirigent nie die \u00dcbersicht \u00fcber das Stimmengeflecht und brachte Straussens elaborierte Behandlung des Klangk\u00f6rpers, das best\u00e4ndige Fluktuieren zwischen solistisch aufgef\u00e4cherten Abschnitten und solchen, in denen die Instrumente zu wechselnden Gruppierungen zusammengefasst sind, trefflich zur Darstellung. Aus diesen sich wandelnden Klangwolken hoben sich die imitatorisch angelegten Stellen durch profiliert betonte themenf\u00fchrenden Stimmen deutlich heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem d\u00fcsteren Schluss der <em>Metamorphosen<\/em>, der das thematische Material des St\u00fccks als Metamorphosen des Trauermarsch-Themas aus Beethovens <em>Eroica<\/em> enth\u00fcllt, f\u00fchrte das Duett-Concertino in eine lichte, von Sehnsucht nach mozartischer Klassizit\u00e4t durchflutete Welt. Unter den Bl\u00e4serkonzerten des Komponisten ist es, was die Konzeption betrifft, sicher das originellste. Die beiden Soloinstrumente heben sich deutlich aus dem nur mit Streichern und Harfe besetzten Orchester heraus und agieren im frei angelegten ersten Teil zun\u00e4chst getrennt, als handelte es sich um Rollen in einer imagin\u00e4ren Geschichte. Sie verwenden jeweils ihre eigenen Motive, im Laufe des St\u00fcckes kommt es jedoch zu immer st\u00e4rkerer Interaktion, auch auf motivischer Ebene, bevor sich das Geschehen in einem langsamen, teils kadenzartigen \u00dcberleitungsabschnitt beruhigt. Liana Le\u00dfmann (Klarinette) und Frank Lehmann (Fagott) spielten die ihnen vom Komponisten zugedachten \u201eRollen\u201c, die zun\u00e4chst elegant auftretende Klarinette und das mit recht forschen, kurzen Motiven eingef\u00fchrte Fagott, perfekt. Leider muss man sagen, dass der Schlussteil des Werkes, ein klassizistisches Rondo, nicht h\u00e4lt, was die vorige Musik verspricht. Strauss verliert sich hier zu oft in kurzatmigen Sequenzierungen der Motive des Hauptthemas. Die melodische Erfindung h\u00e4lt leider mit dem nach wie vor bewundernswerten Handwerk nicht Schritt und der Satz wirkt, obwohl er nur etwa 10 Minuten dauert, deutlich zu lang.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mozartsche g-Moll-Symphonie am Schluss war reines Vergn\u00fcgen. Aus jedem Ton sprach Sorgfalt und Eleganz. Die Ecks\u00e4tze klangen straff vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngend, ohne gewaltsam und hastig zu wirken. Im langsamen Satz achtete Ballot darauf, das 6\/8-Metrum deutlich h\u00f6rbar zu machen und w\u00e4hlte das Tempo entsprechend. Das Menuett entfaltete Wucht und Agilit\u00e4t zugleich. Wieder konnte man sich an liebevoll gestalteten musikalischen Sinneinheiten erfreuen, an Kadenzstufen, die sich wie Bauelemente einer Architektur aneinanderf\u00fcgten und sich zum prachtvollen Klanggew\u00f6lbe schlossen. Ballot fasste die Bl\u00e4ser durchaus nicht als zweitrangig auf, sondern als gleichberechtigte weitere Ebene des musikalischen Geschehens. So wurden nicht nur die solistischen Bl\u00e4serstellen zu bedeutenden Ereignissen, sondern auch die Farbakzente und Harmoniest\u00fctzen, zu denen Mozart die Bl\u00e4ser heranzieht. Wer die Dissonanzbildung und -l\u00f6sung in scheinbar nur begleitenden Hornstimmen so elementar darzustellen versteht wie R\u00e9my Ballot, der versteht, was die Musik zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 2024 konnte man im Rahmen der Strauss-Tage die konzertante Auff\u00fchrung einer ganzen Oper erleben. Im Gegensatz zur kammermusikalisch orchestrierten <em>Ariadne auf Naxos<\/em> verlangt allerdings <em>Salome<\/em> einen deutlich gr\u00f6\u00dferen Orchesterapparat. Bei der Auff\u00fchrung dieses Werkes am 14.&nbsp;Juni, mit der die Strauss-Tage 2026 beschlossen wurden, wurde also auf eine Bearbeitung zur\u00fcckgegriffen, die mit diesem Konzert erstmals der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt wurde. Klemens Vereno (*1957), der als Komponist zahlreicher Vokal-, Orchester- und Kammermusikwerke bekannt geworden ist und jahrzehntelang am Salzburger Mozarteum u.&nbsp;a. Orchestrierung unterrichtet hat, konnte dazu gewonnen werden, die Besetzung der <em>Salome<\/em> auf die Gr\u00f6\u00dfe eines Kammerorchesters von 37 Spielern zu reduzieren. Wie Vereno in der Konzerteinf\u00fchrung schilderte, sah er sich dabei nicht einfach vor die Aufgabe gestellt, Straussens Oper unter gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Anlehnung an das Original umzuinstrumentieren. Da das St\u00fcck fester Bestandteil der Unterrichts- und Pr\u00fcfungsliteratur f\u00fcr Orchestermusiker geworden ist, sah Vereno ausdr\u00fccklich davon ab, die ber\u00fchmten, zu diesen Aufgaben regelm\u00e4\u00dfig herangezogenen Solopartien der Oper zu ver\u00e4ndern, um den Spielern jeglicher Instrumente den Einstieg in seine Bearbeitung nicht unn\u00f6tig zu verkomplizieren. Wer also als Orchestermusiker auf dem gew\u00f6hnlichen Weg \u00fcber die Unterrichtsliteratur den Zugang zur originalen <em>Salome<\/em> gefunden hat, dem wird dies auch problemlos mit Verenos Fassung m\u00f6glich sein. Das klangliche Ergebnis, das die sich aus hochbegabten Nachwuchskr\u00e4ften rekrutierende Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Kai R\u00f6hrig vorstellte, darf als rundum gelungen bezeichnet werden. Der deutlich reduzierten Musikerzahl zum Trotz wirkt das Klangbild der Oper nirgends verd\u00fcnnt oder unvollst\u00e4ndig. Die aus dem Original bekannten wilden Ausbr\u00fcche entfalten in der neuen Besetzung sehr wohl ihre gew\u00fcnschte Wirkung. Der Klangpalette fehlt es auch bei Vereno nicht an bezaubernden Verschmelzungen und feinen Abstufungen. \u00dcberhaupt belegt diese Arbeit, dass man Vereno einen Meister der Instrumentationskunst in bester Richard-Strauss-Tradition nennen darf. So geht man durchaus mit dem Eindruck aus dem Konzert, eine vollwertige <em>Salome<\/em> erlebt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vokalbesetzung erwies sich als durchweg hochrangig. Pauliina Linnosaari zeichnete die Titelfigur \u00fcberzeugend als verw\u00f6hnte, leidenschaftlich in die eigenen Launen verliebte Prinzessin, die sich darauf versteht, ihre Umgebung zu manipulieren. Bernd Valentin bot als stets salbungsvoll seine Lehren vortragender, sich sehr wichtig nehmender Prophet Jochanaan den idealen Kontrast. Die innere Zerrissenheit des Herodes kam durch Christoph Strehl trefflich zum Ausdruck, w\u00e4hrend Julia Maria Eckes eine energische, sich ganz ihrer Rachsucht hingebende Herodias darbot. Auch die Darsteller der Nebenfiguren erf\u00fcllten ihre Rollen mit Leben, namentlich Lucas Pellb\u00e4ck als Narraboth und Sveva Pia Laterza als Page. Dirigent Kai R\u00f6hrig f\u00fchrte Gesangsensemble und Orchester mit den gleichen Souver\u00e4nit\u00e4t durch den Abend, die auch seine Auff\u00fchrung der Ariadne vor zwei Jahren ausgezeichnet hatte. Mit dieser Auff\u00fchrung gelangten die Strauss-Tage zu einem w\u00fcrdigen, rundum erfreulichen Abschluss.<\/p>\n\n\n\n<p>[<strong>Norbert Florian Schuck, Juli 2026]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Teil 1 siehe hier) 14. Juni: Sinfoniekonzert II, Werke von Richard Strauss und Wolfgang Amad\u00e9 Mozart (Liana Le\u00dfmann, Klarinette, Frank Lehmann, Fagott, Stuttgarter Philharmoniker, R\u00e9my Ballot) 14. 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